Gute Zeiten für Adventure-Fans: Gerade erst ist Deponia draußen, da erscheint mit The Lost Chronicles of Zerzura ein weiterer vielversprechender Titel. Ebenfalls aus Deutschland, ebenfalls ein neues Franchise – ebenfalls ein Hit?
Bemüht man den Vergleich mit den alten Genre-Perlen von Lucas Arts, steht Deponia gewissermaßen in der Tradition von Day of the Tentacle, The Lost Chronicles of Zerzura in der von Indiana Jones and the Fate of Atlantis. Wir haben hier also ein echtes Abenteuer. Mit Helden, Schurken und einer legendären Stadt, ganz wie sich das gehört. Hinter The Lost Chronicles of Zerzura steht das Team von Cranberry Production, die in der Vergangenheit mit Black Mirror 2 und 3 Erfolge feiern durften. Nach diesen beiden Fortsetzungs-Hits heben die Jungs und Mädels aus Hannover mit ihrem neuen Titel endlich wieder ein frisches Franchise aus der Taufe – laut Publisher dtp womöglich aber das letzte Adventure des Studios. Die Rede ist von Umzug und Konzentration auf Online-Spiele…
Was durchaus schade wäre: Denn The Lost Chronicles of Zerzura ist gut gemachte Point & Click-Kost. Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle von Feodor, einem Erfinder aus Barcelona, der zusammen mit seinem Bruder Ramon im 16. Jahrhundert am Bau eines Fluggeräts tüftelt. Doch Ramon wird bald von den Häschern der Inquisition entführt. Die Suche nach ihm führt Feodor auf See, nach Afrika und schließlich – das ist wohl kaum ein Spoiler – nach Zerzura. Denn wenn die legendäre Wüstenstadt schon im Titel auftaucht, darf ein Besuch in derselben natürlich nicht fehlen. Auch in dieser Hinsicht steht das Adventure in der Tradition von Indy’s Atlantis-Abenteuer.
Die Anfangsphase verläuft noch etwas langweilig, doch die Geschichte nimmt mit der Zeit Fahrt auf. Überhaupt hat das Team von Cranberry Production die Spielspaß- und Spannungskurve gut hingekriegt – besser jedenfalls als die Kollegen von Daedalic beim trotzdem tollen Deponia (hier der Test zum Nachlesen). Und wenn ein letzter Vergleich der beiden neuen deutschen Hoffnungen erlaubt ist: In punkto Rätsel zieht am Ende The Lost Chronicles of Zerzura den Kürzeren.
Manche Aufgaben sind fast schon zu einfach, was auch an den meist übersichtlichen Schauplätzen liegt, einige andere sind etwas, äh… technisch. Feodor ist nunmal Erfinder und so müsst ihr viel konstruieren, bauen, basteln: Fluggeräte, Schiffsantriebe oder Waffen. Wahrscheinlich fehlt uns einfach das Erfindergen, aber auf zwei, drei dieser Konstruktionen sind wir nur durch stures Probieren gekommen. Was aber nie allzu lange dauert und somit auch nicht frustet. Und danach mussten wir uns eigentlich immer eingestehen, dass man durchaus darauf hätte kommen können. Insofern: Mea culpa. Alles in allem erwartet den Spieler hier mehr als solide Rätselkost.
Seiten:
- Das Atlantis der Wüste
- Viel Licht, aber auch Schatten



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