HIGH HELL: Taktik ist für Weicheier

HIGH_HELL_key-art High Hell

High Hell: Speedruns mit abgedrehter Grafik

Die Spiele Publisher Devolver Digital ist bekannt für seine ungewöhnlichen und stellenweise abgedrehten Veröffentlichungen. Genau in diese Kerbe schlägt auch der First-person Action-Ego Shooter High Hell von Terri Vellmann und Doseone. Das Spiel ist am 28. Oktober 2017 veröffentlicht worden und hat sich trotz seines Nischendaseins erachtliche Steamratings aufbauen können. Ein guter Grund, sich High Hell einmal genauer anzuschauen.

Hochhäuser, Teufelsanhänger und explodierende Zwerge

Als Spieler schlüpft ihr in die Rolle eines Geheimagenten, der mit seinem Enterhaken gerne auf Hochhäuser klettert. Auf diesen Hochhäusern gilt es meistens ein primäres und ein sekundäres Ziel zu erreichen. Wenn ihr das primäre, und hoffentlich auch sekundäre, Ziel erreicht habt, springt ihr schließlich einfach vom eben jenem Hochhaus – natürlich mit Fallschirm.

Die Missionsziele ähneln sich dabei im Verlauf der recht kurzen Spielverlaufs. So müsst ihr meist etwas zu zerstören oder jemanden befreien. Beschützt werden die Ziele von einer mysteriösen Organisation, bestehend aus Anhängern des Teufels. Mit dieser Mission vor Augen schnetzelt ihr euch dann durch die verschiedenen Räume, tretet Türen ein oder tötet die Gegner aus sicherer Entfernung mit eurer 100% genauen Wumme, die übrigens über unendliche Reichweite sowie Munition verfügt und keinen Rückstoß hat. Damit ist High Hell dann am Ende des Tages unglaublich schnell und witzig, kann aber in Sachen Spieltiefe nicht voll überzeugen.

Wenn ihr am Ende geschafft habt, alle Menschen, Hunde, Laseraugen und explodierenden Zwerge, die auf euch zurennen, aus dem Weg zu räumen, sucht ihr erst alle Räume nach dem Gegenstand für die Aufgabe ab, um die Mission endlich abschließen zu können. Damit dies nicht so einfach ist, bietet euch High Hell insgesamt fünf verschiedene Gegnertypen, die alle eine spezielle Herangehensweise erfordern. Schade nur, dass Leveldesign und Balancing hier noch ein paar Schwächen haben. Stellenweise werdet ihr nämlich von Gegnern direkt vor eurer Nase übersehen oder unfair über die halbe Map gesniped.

Kurzes Spiel, gut für Speedruns

Fehler verzeiht High Hell nur selten, da Gegner sehr schnell schießen, euer Charakter jedoch vergleichsweise wenig Leben hat. Ausschau solltet ihr dabei immer nach den wenigen Medipacks halten, denn eure Gesundheit regeneriert sich nicht von alleine. Der einzige Weg, sein Leben zurück zu gewinnen, ist Gegner töten, die einen Hauch eurer Lebenspunkte wieder auffüllen.

High Hell ist durch sein Skill-basiertes Gameplay und seine kurze Spielzeit perfekt auf Speedruns ausgelegt. Das wird schon deutlich an der einfachen, aber sehr flüssigen und präzisen Steuerung, bei der es nichts zu meckern gibt. Somit ist es am Ende das Tage auch nicht wirklich schlimm, dass – wie schon angesprochen – ein wenig Spieltiefe fehlt, denn der Flow des Spiel ist wirklich schön geworden und erinnert ein bisschen Hotline Miami, nur in Ego-Perspektive. Wer jedoch auf der Suche nach einer tiefen Story, Cutscenes und ähnlichem ist, der sollte einen Bogen um High Hell machen.High-Hell-Test-Bild-1

Es geht um den Flow

Zuerst waren wir natürlich ein wenig skeptisch, da es mittlerweile viele ähnliche Spiele auf dem Markt gibt. Diese Bedenken haben sich aber schnell zerschlagen, da uns High Hell mit Gameplay und Look fesseln konnte, wenn auch nur kurzweilig aufgrund der knappen Spiellänge. So schafften wir unseren ersten Spieldurchlauf in knappen zwei Stunden. Die werdet ihr dankt dem angesprochenen Flow wahrlich auch an einem Stück durchziehen, da ihr so gut wie keinen Bildschirmtod auf euch sitzenlassen könnt und somit sofort wieder von vorne anfangt.

Schade nur, dass hier ein paar Mission recht unverständlich gestaltet waren. So kostete uns beispielsweise ein Bosskampf 20 min, da nicht ganz ersichtlich wurde, wie genau wir ihm Schaden zufügen konnten. Da kommt dann schnell Frustration auf, gerade weil High Hell sonst so flüssig von der Hand läuft. Gut, wenn auch sehr eigen, ist der Grafikstil des Spiels. Auf der einen Seite macht der bunte Comic-Look den Charm des Spiels aus.High-Hell-Test-Bild-2

Auffälliger Grafikstil und unterhaltende Ladebildschirme

Auf der anderen Seite könnten die bunten Farben und Fliter bei dem einem oder anderen nach längerer Spielzeit leichte Kopfschmerzen verursachen. Dafür ist der Soundtrack über jeden Zweifel erhaben. Hier drücken euch tolle Electro und Synthibässe auf die Ohren und untermalen das Geschehen perfekt, was natürlich super zum sonstigen Gameplay passt und wieder einmal den Fluss erhöht. Besonders in Erinnerung bleiben euch in jedem Fall die Ladebildschirme, da diese mit viel Humor und Liebe gestaltet wurden. Es gibt immer was zu tun, deshalb fühlt es sich nie wie Warten an, wenn einer davon aufblendet.

Origineller Grafikstil ...
Sehr flüssiges Gameplay
Einfache Steuerung
Humor
... welche anstregend werden kann
Wenig Content
KI unausgereift

Philipp C.

High Hell ist gedacht für einen kurzen Zeitvertreib und ein Muss für jeden Speedrun-Fan. Die Grafik ist originell und gibt dem Spiel einen aufregenden Look und auch dem Gameplay einen fabelhaften Flow. Es ist dieses Spielgefühl, welches sich schwer beschreiben lässt, sich aber super anfühlt. Mit 10 Euro könnt ihr hier also nicht viel falsch machen, wenn ihr wisst worauf ihr euch einlasst - und zwar einen abgedrehten Skill-basierten Shooter.
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