Lohnt sich Kino: Spider-Man – Homecoming

Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft ist zurück – im Marvel-Stil. 3 Jahre liegt die letze Adaption des Comic-Klassikers aus der Feder von Stan Lee und Steve Ditko nun schon zurück. Nach einem langen Schlagabtausch um die Rechte am Spinnenmann liegen diese seit 2015 nun wieder sicher in den Händen der Marvel Studios. Auf zwei Jahre Produktionszeit folgt nun eine deutlich verjüngte Version von Spider-Man, die sich erfolgreich in das Marvel Cinematic Universe einreihen soll. Ob dieser Tanz auf dem Faden gelingt, haben wir für euch herausgefunden.

Zwischen Schulalltag und Waffenschmuggel

Nach dem kurzen aber effektvollen Auftritt in Captain America: Civil War knüpft Spider-Man: Homecoming beinahe nahtlos an die Geschehnisse auf dem Flugfeld an. Peter Parker (Tom Holland) ist noch immer ganz fasziniert von dem einschneidenden Erlebnis, gemeinsam mit den Avengers die Welt vor der Vernichtung gerettet zu haben.

Schnell wird dem cleveren Teenager jedoch klar, dass er sich in seiner Rolle als Spider-Man zunächst beweisen muss, bevor er sich der bunt gemischten Truppe an Superhelden anschließen kann. Unter den wachsamen Augen seines neuen Mentors Tony Stark (Robert Downey Jr.) wird der übermütige Jugendliche also zurück auf die Highschool geschickt, um bloß keine Scherereien zu machen.

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Währenddessen hat sich in New York eine Bande von Waffenschiebern eingenistet, die regelmäßig Hochsicherheitstransporter, geladen mit gefährlichen Alien-Materialien, überfällt, um daraus todbringende Schockhandschuhe, Laserkanonen und andere Ballermänner herzustellen. An der Spitze der kleinen Untergrund-Organisation steht der charismatische Wutbürger Adrian Toomes (Michael Keaton), der seit jeher einen Hass gegen die Avengers und deren Werte hegt. Unter dem Vorwand, für seine Familie zu sorgen, schwingt er sich schnell zum Verbrecherkönig Vulture auf.

Gelangweilt vom schnöden Alltag verbringt der junge Spider-Man derweil seine Zeit als Retter der Unschuldigen. Doch er sehnt sich nach mehr als tagtäglich nur Handtaschenräuber zu stellen. Seine geheime Identität versucht er natürlich vehement vor seiner aufbrausenden Tante May (Marisa Tomei) und seinem besten Freund Ned (Jacob Batalon) zu verbergen – mit gemischtem Erfolg.

In dem Moment jedoch, als er von den Machenschaften des geldgierigen Vulture erfährt, steht für ihn fest: Das ist seine Chance, sich endlich zu beweisen.

Homecoming: Etablierte Geschichte mit frischem Konzept

Bereits in den ersten Einstellungen von Spider-Man: Homecoming wird klar, dass der neueste Streich von Marvel nicht nur selbst mit deutlich jüngerem Personal hantiert, sondern auch eine verjüngte Zielgruppe anspricht. Mit dem Smartphone gefilmte Sequenzen, Selfies und jede Menge anderer Newschool-Shit läuten den Auftakt für ein durchgestyltes Teenie-Abenteuer ein. Nur die Fidget-Spinner scheint die Trend-Abteilung rund um den Regisseur Jon Watts verschlafen zu haben.

Doch diese kleinen Anspielungen auf moderne Popkultur und das Dasein als Jugendlicher dienen ausschließlich dazu, um ein überdrehtes Bild der amerikanischen Jugendkultur zu zeichnen, in die Peter Parker gelegentlich hineinstolpert. Er selbst als prototypischer Nerd findet sich immer am Rande der Geschehnisse rund um den anstehenden Homecoming-Ball an seiner Schule wieder.

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Die Geschichte bietet also nicht nur jede Menge Identifikationspotenzial für das jüngere Publikum, sondern verfügt ganz nebenbei natürlich auch über den typischen Humor der Marvel Studios. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in der Machart des Streifens wieder. Anfangs verfügt der junge Held über einige Fähigkeiten, muss sich allerdings konsequent weiterentwickeln, um auch der größten Gefahr zu entgehen.

Homecoming besitzt dabei die nötige Ernsthaftigkeit, scheut sich aber auch nicht vor einigen Slapstick-Einlagen und Situationskomik. Im Vergleich zu den Umsetzungen mit Tobey Maguire, die zeitweise etwas zu melodramatisch inszeniert wurden, lässt es Jon Watts nicht an spielerischer Leichtigkeit mangeln. Eine große Rolle spielt hier die gewohnt dynamische und innovative Kamerarbeit in Verbindung mit den vielen kleinen Stunts, die Tom Holland oft selbst und ohne doppelten Boden ausführte. Der von Tony Stark persönlich entworfene Spidey-Suit erledigt dann den Rest.

Das Marvel-Schema: Kurzfristig auf Eis gelegt

Allen Marvel-Kritikern wurde im neuen Spider-Man seitens der Drehbuchautoren ein wenig der Wind aus den Segeln genommen. Denn der Plot rund um das Erwachsenwerden und der auf der persönlichen Ebene geführte Kampf zwischen dem ungeduldigen Bald-Superhelden Peter und dem verbitterten Working-Class-Villain Vulture wurde hier erstaunlich bodenständig gehalten. Die Tatsache, dass sich eben nicht alles um die spektakuläre Rettung der Welt ohne emotionale Fallhöhe dreht, sondern um einen Kampf, der die Grenzen der Stadt nicht überschreitet, tut dem Superhelden-Genre ungemein gut.

Wir finden zwar auch eine ganze Menge abgedrehte Nebencharaktere, doch haben wir es hier zumeist mit Teenagern zu tun, deren zugespitzte Charakterzeichnungen immer einen Kern abstruse Wahrheit enthalten. Wir hatten mächtig Spaß dabei, den Kabbeleien der Schüler zu folgen. Die zynische Schwarzmalerin Michelle (Zendaya) und der kindische Fiesling Flash (Tony Revolori) gehörten dabei zu unseren Favoriten.

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Das flotte Hin und Her zwischen Coming of Age-Story und Superhelden-Action bricht zwar nicht komplett mit der Marvel-typischen Abfolge selbstreflexiver Gags, gut gemachter Action und Retro-Popsongs, nimmt sich im Vergleich mit dem letzten Guardians of the Galaxy aber deutlich zurück. Auch hier müssen wir Spider-Man: Homecoming loben. Das Konzept „Weniger ist mehr“ haben die Macher auf durchgehend unterhaltsame Art und Weise beherzigt.

Die Dialoge sind über den ganzen Film hinweg knackig und es wird sich Zeit genommen, die wenigen emotionalen Momente gekonnt in Szene zu setzen. Peter Parker ist (noch) kein Superheld wie ihn die bisherigen Marvel-Filme eingeführt haben. Er scheitert mehr als nur einmal und wenn er es tut, dann wird dies auch mit der notwendigen Konsequenz inszeniert.

Ein Duell auf Augenhöhe – Spinne gegen Geier

Dafür sorgt allerdings auch das außergewöhnliche Schauspiel von Tom Holland. Als Darsteller mit tänzerischem und athletischem Hintergrund scheint der 20-Jährige wie geschaffen für die Rolle des Spider-Man. Anders als noch Toby Maguire und Amazing Spider-Man Andrew Garfield interpretiert er die Rolle des Peter Park wie sie geschaffen wurde: Als Teenager mit Komplexen, Problemen und einer Aufgabe vor der Nase, mit der man durchaus überfordert sein kann. Keine Szene mit ihm, ob Action-Sequenz oder Teenie-Eskapade, wirkt aufgesetzt oder einstudiert. Tom Holland ist Spider-Man – da gibt es keine Diskussion.

Sein Gegenspieler macht allerdings eine ebenso gute Figur. Den bodenständigen Bösewicht verkörpert Michael Keaton mit wunderbar unauffälligem Nachdruck. Den Flügelmann hat er ja bereits in Iñárritus Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) auf beeindruckende Art und Weise gemimt. Deutlich weniger exzentrisch, aber nicht weniger eindringlich spielt er einen aufstrebenden Schwerverbrecher, der für seine Familie einfach alles tun würde. 

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Spider-Man: Homecoming ist eine Marvel-Produktion, die erstaunlich viel Mut beweist. Über 133 Minuten Laufzeit wird eine Geschichte erzählt, die auf bodenständige Art und Weise mit den altbekannten Prinzipien des MCU bricht und das Genre als ein Mix aus Coming of Age- und Helden-Story neu interpretiert. Das schauspielerische Kostüm passt Tom Holland hervorragend und er liefert eine Leistung ab, die ihn schon jetzt zum möglicherweise besten Spider-Man der vergangenen 20 Jahre macht. Für eine überraschend emotionale Fallhöhe sorgt sein unauffälliger aber brandgefährlicher Gegenspieler Michael Keaton, der den jungen Helden das ein oder andere Mal an seine Grenzen bringt. Homecoming präsentiert sich als erfrischend humorvolles Kinoerlebnis, das auf unkonventionelle Art und Weise versucht, dieses Mal mehr als nur alteingesessene Marvel-Nerds zu begeistern und gleichzeitig den nächsten Schritt in Richtung Infinity War einläutet.

Spider-Man: Homecoming startet am 13. Juli in die deutschen Kinos

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