Test: Boss Monster 2

Die Zeiten; in denen Videospieler zwangsläufig die Rolle des edlen Helden einnehmen, sind längst passé. Ähnliches trifft auch auf Brett- und Kartenspiele zu. Ganz wie beim PC-Klassiker Dungeon Keeper, geben wir im Kartenspiel Boss Monster 2 den Part des bösen Oberschurken. Böse Fallen, mächtige Zauber und natürlich ein paar dicke Monster sollen die anstürmenden Helden zu Fall bringen.

Bereits vor gut einem Jahr veröffentlichte der Pegasus-Verlag das Original-Boss-Monster. Mit seinen zahlreichen Anspielungen auf die Videospielszene und andere popkulturelle Einflüsse, kam Boss Monster bestens in der Spielerszene an. Ganz wie in der Videospielbranche bringt jeder Erfolgstitel beinahe zwangsläufig einen Nachfolger hervor. Folgerichtig liegt jetzt Boss Monster 2 vor. Das Spielkonzept wurde nicht verändert. Die Kartensets beider Teile lassen sich sogar miteinander kombinieren. Der zweite Teil ist allerdings auch eigenständig spielbar, die erste Ausgabe ist zum Spielen nicht unbedingt erforderlich.

Obermotz des Dungeons

Zum Spielen braucht es nicht mehr als die 160 Spielkarten des Sets. Keine Erweiterungen, Boosterpakete oder andere kostspielige Addons. Im Paket enthalten sind zwölf Boss Monster, die eure Alter Egos darstellen. Jeder von euch darf sich mit einem dieser Bosse ausrüsten. Sie hören auf Namen wie Dr. Vogelscheuche, Schmauch, Killa oder Nicolius. Jeder Bösewicht ist, wie alle anderen Karten auch, in einer Retro-Pixeloptik illustriert, ein schöner Fanservice an alle Freunde von 8- oder 16-Bit Videospielen.

Euer Boss Monster legt ihr offen an das Ende eures Dungeons. Links davon baut ihr später Stück für Stück die einzelnen Kerkerräume auf. Bis zu maximal fünf Räume könnt ihr im Spielverlauf aneinanderreihen. Auf jeder Raumkarte findet ihr einen Schadenswert wieder. Wenn es ein Held tatsächlich wagen sollte, euren Dungeon zu betreten, muss er sämtliche Dungeonräume durchlaufen. Jeder Raum fügt ihm nun entsprechend Schaden zu. Stirbt der Held auf dem Weg zum Boss Monster, geht er in die ewigen Jagdgründe ein und seine Seele gehört euch.

Seelensammeln zum Sieg

Das Sammeln von Seelen ist gleichzeitig auch euer Ziel. Das Boss Monster, das zuerst zehn Seelen gesammelt hat, gewinnt das Spiel. Um dieses Ziel zu erreichen, seid ihr natürlich darauf angewiesen, dass sich die Helden auch auf den Weg in euren Dungeon machen. Alle Helden starten zunächst in der Stadt. Unter ihnen befinden sich die vier archetypischen Heldenklassen Krieger, Magier, Dieb und Kleriker. Jede Klasse hat es auf eine andere Beute abgesehen. Krieger erbeuten Ausrüstungsgegenstände, Kleriker sind hinter Relikten her, während die Diebe scharf auf Gold sind und die Magier eure Zauberbücher abgreifen möchten. Boss Monster 2 kennt zusätzlich auch noch ein paar andere Klassen, die sich leicht von den anderen Heldentypen unterscheiden.

Entsprechende Symbole für die vier Beutetypen findet ihr sowohl auf der Boss-Monster-Karte als auch auf den Raumkarten wieder. Habt ihr also mehr Relikte als die anderen Boss Monster in eurem Dungeon gebunkert, so könnt ihr euch der Aufmerksamkeit der klerikalen Helden sicher sein. Sie werden in der kommenden Runde versuchen, euren Kerker zu stürmen. Bei einem Patt in einer Beute-Kategorie verweilen die jeweiligen Helden übrigens in der Stadt. Sie machen sich dann möglicherweise in der nächsten Runde auf den Weg zu euch.

Tödliche Fallen legen

Ihr solltet jedoch besser gut vorbereitet sein, wenn die Helden in euer Reich kommen. Doch leider sind selbst als Boss Monster eure Ressourcen begrenzt. Diese kommen in Form von Handkarten ins Spiel. Zu Spielbeginn verfügt ihr über fünf Raum- sowie zwei Zauberkarten. Zwei beliebige dieser Karten werft ihr aber direkt wieder ungenutzt ab.

Zauberkarten sind besonders rar. Sie erlauben euch überraschende Effekte, die eure Mitspieler nicht so einfach vorhersehen können. Nur wenn euch eine andere Fertigkeit es erlaubt, dürft ihr neue Zauberkarten nachziehen. Wenn ihr ganz viel Pech habt, müsst ihr also sogar das gesamte Spiel mit den zwei Zauberkarten auskommen.

Regelmäßig Nachschub gibt es hingegen bei den Raumkarten. Pro Runde dürft ihr eine neue Raumkarte vom Nachziehstapel ziehen. Dadurch habt ihr meist eine kleine Auswahl dieser Karten auf der Hand. In jeder Runde dürft ihr jedoch immer nur einen einzigen Raum bauen. So legt ihr eine Reihe von bis zu fünf Räumen vor eurem Boss Monster aus. Alle neu erbauten Räume werden zunächst verdeckt gespielt und dann gleichzeitig herumgedreht. Der neu gespielte Raum hat, dank der sich darauf befindlichen Beutesymbole, schließlich Auswirkungen auf die Helden, die in der laufenden Runde in euren Dungeon gelockt werden.

Upgrades und Zusatzeffekte

Da immer nur höchstens fünf Räume in einem Dungeon ausliegen dürfen, könnt ihr neue Räume nur spielen, wenn ihr einen anderen Raum überbaut. Einige Räume stellen Erweiterungen von bestehenden Räumen dar. Sie können nur einen Raum überbauen, der mindestens ein gleiches Beute-Symbol aufweist. Bei normalen Räumen entfällt diese Regelung.

Die meisten Räume bringen auch noch einen zusätzlichen Effekt mit. Dieser kann direkt beim Bauen des Raum ausgelöst werden, aber auch erst später, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Gerade die Sondereffekte auf den Raumkarten verleihen dem Spiel eine gewisse Tiefe. Auf der anderen Seite kann es natürlich auch etwas unübersichtlich werden. Es ist nicht ganz einfach, sämtliche Zusatzeffekte der Gegenspieler im Blick zu behalten, gerade im Spiel zu viert.

Boss Monster gegen Helden

Meist seid ihr schon hinreichend damit beschäftigt, eure eigenen Chancen auszuloten. Welche ausliegenden Helden in der Stadt werden von euch angelockt? Welche davon werden in eurem Dungeon sterben, welche nicht? Es ist euch nicht damit geholfen, einfach nur möglichst viele Helden anzulocken. Ihr müsst sie auch schon bezwingen können. Andernfalls erleidet ihr einen Schadenspunkt. Bei fünf Schadenspunkten ist Schluss und euer Boss Monster muss die Waffen strecken. Im späteren Spielverlauf kommen sogar noch epische Helden ins Spiel. Diese haben nicht nur deutlich mehr Lebensenergie, sondern fügen euch sogar gleich zwei Wunden zu. Auf der anderen Seite bringen euch besiegte epische Helden aber auch direkt zwei Seelenpunkte ein.

Ihr seid also in jedem Fall gut beraten, wenn ihr möglichst schnell, einen effektiven Schutzschild vor euch aufbaut, der möglichst viel Schaden verursacht oder eine andere Absicherung enthält. Sobald erstmals fünf Raumkarten vor eurem Boss Monster ausliegen, gibt es außerdem noch ein Level-up. Damit schaltet ihr eine besonders mächtige Zusatzfähigkeit frei, die bei jedem Boss Monster unterschiedlich ausfällt.

Boss Monster 2 ist für zwei bis vier Spieler ab etwa zehn Jahren ausgelegt. Ein Spiel dauert zwischen 30 und 60 Minuten.  Ihr findet das Spiel ab sofort im Handel. Preislich fällt der Titel mit etwa 12-15€ ziemlich fair aus. Zu guter Letzt soll auch noch die App für iOS und Android erwähnt werden. Die App könnt ihr auch den mobilen Geräten kostenlos herunterladen. Die Vollversion kostet knapp 5€.

Bösesein macht Spaß!
Pixeloptik
haufenweise Videospielreferenzen
stellenweise unübersichtlich

Sebastian Hamers

Schon vor über zwei Jahren kam ich in den Besitz der englischen Version von Boss Monster. Seitdem kommt es bei uns immer wieder auf den Tisch. Dank seinem Pixellook und dem Fantasy-Thema war es auch nicht schwer, genügend Mitspieler zu finden. Glücklicherweise ist Boss Monster aber mehr als ein Grafikblender. Auch spielerisch weiß das Spiel zu gefallen. Die Regeln sind innerhalb weniger Minuten erklärt, die Feinheiten findet ihr dann auf den einzelnen Karten selbst wieder. Überehrgeizige Spieler brauchen sicher viel Zeit, um die vielen Details zu lesen und zu analysieren. In dem Fall kann sich die Spieldauer schon etwas strecken. Am besten spielt sich Boss Monster aber dann doch als Fun-Spiel. Nehmt es locker und erfreut euch am runden Spielprinzip, an der tollen Optik und den vielen popkulturellen Einflüssen. Dann werdet ihr mit Boss Monster 2 sicher sehr viel Freude haben.
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