Test: Call of Duty WW2

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Kaum ein Spiel hat dieses Jahr im Vorfeld für soviel Euphorie gesorgt wie der 14. Teil der wohl beliebtesten Shooter-Serie Call of Duty. Mit dem neuesten Ableger World War II geht es, wie der Name schon verrät, in die Gefechte des zweiten Weltkrieges. In der Kampagne stürzt ihr euch als Red Daniels, Soldat bei der 1st Infantry Division, welche auch als „The big red one“ bekannt ist, ins Gefecht. Aber auch der Multiplayer kann sich sehen lassen, genauso wie der Extra-Modus Nazi-Zombies. Doch was genau bietet uns der neue Shooter von Sledgehammer Games?

Back to the Roots

Unterschiedlicher kann ein Spiel zu seinem Vorgänger nicht sein. Während ihr euch in Infinite Warfare noch im Weltraum befandet, habt ihr in World War II wieder festen Boden unter den Füßen und zieht in den Zweiten Weltkrieg. Dass dasselbe Szenario vor ungefähr 10 Jahren schon einmal geklappt hat, trug sicherlich auch dazu bei, die Idee umzusetzen. Aber die Art und Weise, wie es gelang, dies vor allem im Kampagnen Modus zu schaffen, ist bemerkenswert. Hollywood-Feeling pur ist garantiert. Der Multiplayer hingegen setzt auf altbewährte Mittel und sorgt deswegen wie immer für großen Spielspaß, auch wenn er nicht sonderlich innovativ ist.

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D-Day in der Normandie

Wie schon erwähnt, haben die Entwickler bei der Kampagne keine Kosten und Mühen gescheut. Als amerikanischer Soldat Daniels müsst ihr euch durch sämtliche Missionen der „Big red one“ schlagen. An eurer Seite steht dabei vor allem euer Freund Zussmann. Der jüdische Sanitäter lässt euch auf aufgrund seiner Religion einen komplett anderen Blick auf die Situation bekommen. Besonders an diesem Call of Duty Teil ist es, dass auf die Hintergrundgeschichten, Vorlieben und Ängste von euch und euren Kameraden wirklich eingegangen wird. So blickt ihr zum Beispiel in die Träume von Daniels und erfahrt so, wie er aufgewachsen ist und wie sich sein Überlebenswille gebildet hat. Außerdem gibt es immer Smalltalk mit den Kameraden, durch den das Einheitsgefühl verstärkt wird.

Das hat auch zur Folge, dass World War II mit einem ganz besonderen Spielgefühl aufwarten kann. Ihr habt stetig das Gefühl, ein echter Bestandteil eurer Division zu sein. Damit könnt ihr auch nicht tatenlos rumstehen, wenn es auf dem Schlachtfeld zur Sache geht. Ihr wollt vielmehr schnell handeln und eure Kameraden schützen, genauso wie sie euch schützen. Dadurch entsteht eine Art Kameradschaftgefühl, wie es selten ein Shooter zuvor geschafft hat.

 

Jeeps, Panzer und andere Fahrzeuge sorgen für Abwechslungen zwischen den Schuss-Gefechten

Weg von Schema CoD

Im Gegensatz zu den Vorgängern, in denen sich eure Gesundheit von selbst regeneriert hat, müsst ihr euch hier auf eure Kameraden verlassen, die euch neben Munition und Granaten aber auch Verbandszeug geben. Wollt ihr also überleben, müsst ihr als Einheit kämpfen. Diesmal heißt es also nicht mehr Gegner töten, bei Treffern in Deckung gehen, Leben regenerieren und dann weitermachen. Solltet ihr zu den alteingesessenen Profis gehören und euch WWII zu einfach sein, könnt ihr aus vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen, welche erheblichen Einfluss auf das Spiel haben. Dies bewegt sich von dem ersten, in dem die KI der Gegner so schlecht ist, dass ihr mit eurem Nahkampf durch ganze Armeen spazieren könnt, bis hin zu „eine falsche Bewegung und du bist tot“. Aber nicht nur hier variiert das neuste Call of Duty.

Authentisch und Abwechslungsreich

Im Zuge der Befreiung von Paris müsst ihr eine Mission als verdeckte Spionin im Nazi-Hauptquartier erledigen – komplett ohne Waffen. Eure wichtigste Aufgabe ist es, euch die Details zu eurer Identität zu merken und mit multiplen Möglichkeiten in den Gesprächen mit den Wachen bis in das Büro des Generals zu kommen. Deswegen müsst ihr genau aufpassen, wem ihr was sagt, denn ein Fehler und ihr werdet entdeckt. Dies ist eine willkommene Abwechslung und gleichzeitig eine der spannendsten Missionen in der Kampagne.

Ungewöhnlich ist es, wie einem das Spiel die Grausamkeiten des zweiten Weltkriegs aufzeigt. So müsst ihr in einer Mission ein kleines Mädchen an deutschen Soldaten vorbeischleusen, nachdem dieses ihren Teddy in einem besetzten Gebäude gesucht hatte. Hier trefft ihr an manchen Stellen an Grenzen und werdet auch selbst zum Nachdenken angeregt. Der leider mit 7 Stunden recht knappe Modus bietet aber trotzdem alles, was ihr euch nur wünschen könnt und ist ein echtes Highlight.

„Vive la resistence“ schallt es durch ganz Paris. Gänsehaut auf den Straßen der französischen Hauptstadt.

Ein Manko sind leider die Ladezeiten, welche an manchen Stellen gerne bis zu einer Minute betragen. Dies soll aber in Zukunft noch verbessert werden. Die Steuerung ist hingegen wie immer  einfach und intuitiv, bietet aber trotzdem eine Menge Variation von Schleichen, Hocken, auf den Boden legen und Sprinten, bis hin zu Emotes im Online Modus.

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Essenziell sind ebenfalls die Szenen, in der ihr nur mithilfe von geschickten Duck- und Kriechvariationen euer Ziel erreicht.

Krieg von seiner schönsten Seite

Besonders hervorzuheben ist die Grafik von World War 2. Diese trägt stark zu dem Realismus des Spiels bei. Ein weiteres Mal, müssen wir hier die Kampagne loben, da dort jede Mauer, jede Pfütze, wenn nicht sogar jeder Grashalm eine wunderschöne Textur besitzt, sodass man am liebsten im Gefecht eine Pause machen möchte, um diese zu genießen. So werden die Städte und Ländereien von Paris als auch die schon teilweise in Trümmern liegenden deutschen Karten gestochen scharf dargestellt. Auch die Personen sind sehr detailreich. Narben, Blut und Schweiß sehen realistisch aus wie nie und auch starke Verletzungen besitzen durch ihre detailtreue einen leichten Ekel-Faktor.

Eine weitere Besonderheit ist es, dass Call of Duty auf allen Plattformen flüssig in 60FPS bei 1080p läuft. In unserem Test hatten wir die Xbox One X als Konsole genutzt. Auf dieser läuft Call of Duty flüssig in 60FPS bei einer 4k-Auflösung und HDR Support.

Im Multiplayer müsst ihr hier leider kleine Abstriche machen, da sich CoD: WWII dort weniger auf Grafik, sondern mehr auf andere Dinge konzentriert hat. Dies fällt dank der gelungenen Umsetzung aber nicht stark ins Gewicht.

Online Modus

Das, was für viele Call of Duty ausmacht, ist natürlich der Online Multiplayer. Dieser wird auch dieses Jahr wohl kaum jemanden enttäuschen und bringt neben gewohnten Spielmodi auch wieder einige Neuerungen mit sich. So zum Beispiel das Divisionshauptquartier. Hier habt ihr nun die Möglichkeit, euch zwischen 5 verschiedenen Divisionen zu entscheiden. Diese werden euch vorher in einem Tutorial Video erklärt, inklusive deren Vorteile. Diese zeigen sich unter anderem mit bestimmen Boni oder bevorzugten Waffen im Multiplayer.

So bekommt die Infanterie zum Beispiel einen Vorteil für den Einsatz von Karabinern, aber auch die Perks, welche uns vor Gefahren warnen oder die gesammelten Punkte für eine Killstreak nicht durch einen Tod abbrechen lassen. Solltet ihr euch für die Gebirgsjäger entscheiden, seid ihr Meister der Sniper und profitiert von euren hervorragenden Tarnfähigkeiten. In den verschiedenen Modi verdient ihr neben normalen Erfahrungspunkten auch Tokens durch Stufenaufstiege. Mit diesen könnt ihr diese Talente bekommen, aber auch neue Waffen oder sogar zusätzliche Divisonen freischalten. Das Balancing leidet darunter nicht wirklich, das neue System synergiert aber hervorragend mit dem frischen Setting.

Das Divisionsquartier ist die wohl markanteste Neuerung im Online Multiplayer

Ebenso vielfältig wie das Divisionssystem ist auch das Headquarter, welches eine gewisse Ähnlichkeit zum Turm in Destiny 2 aufweist. Hier könnt ihr Missionen erhalten, welche ihr in den Modi erledigt und dadurch unter anderem Skins für eure Waffen oder ähnliche kosmetische Verbesserungen erhaltet. Diese findet ihr auch in Lootboxen, welche ihr als Vorrats-Lieferung aus einem Fieger geworfen bekommt. Darin verstecken sind Karten, welche eure Gegenstände zeigen. Es ist euch auch möglich, im Trainingsplatz die Killstreaks auszutesten. Allgemein bietet er so eine nette Abwechslung für die Zeit zwischen den Spielen.

Viel Abwechselung

„Never change a running system“ , so und nicht anders dachten die Entwickler sicherlich bei der Auswahl der Online Spielmodi. Auf ingesamt 9 Karten könnt ihr euch in 8 Modi, wie z.B dem bewährten Team Deathmatch, Kill Confirmed oder Hardpoint austoben. Der Aufbau der Maps ist sehr gelungen und wird so sicherlich auch im kompetitiven Modus hervorragend funktionieren. Leider bietet der Neuling in der Auswahl, der War Mode, aktuell nur 3 verschiedene Karten an, dies wird sich vermutlich durch kommende DLCs noch ändern.

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Auch dieses Mal wieder ein Kaufgrund, der Zombie Modus

Nazi Zombies

Ein richtig dickes Kaufargument für Call of Duty World War II ist der in den letzten Teilen äußerst beliebt gewordene Zombie Koop-Modus für bis zu vier Spieler. Dieses Mal haben wir es passend zum Setting mit untoten Nazis zu tun. Des Weiteren gibt es auch wieder viele Rätsel zu lösen. Die thematisch in einem verlassenen Dorf angesiedelte erste Karte „The Final Reich“ besitzt einen mysteriösen Bunker. Um in diesen zu gelangen, muss erst für Energie gesorgt werden, damit sich das elektrische Tor öffnet. Innerhalb des Bunkers erwartet den Spieler dann das Zentrum eines verrückten Nazi-Wissenschaftlers. In diesem sind einige Rätsel zu lösen, zwischen welchen ihr es mit Scharen an Nazi-Zombies zu tun bekommt. Der Modus verspricht aktuell mindestens 5 Stunden Spiel- und Rätselspaß.

Filmreif inszenierte Kampagne
Interessantes Divisionssystem
Herrliche Grafik
Realistisches Gameplay
Mit Zombie Modus wieder Koop möglich
War Mode nur 3 Karten
Unbalancierte Schwierigkeitsgrade in der Kampagne

Henri Briese

"Mit Call of Duty hat uns Sledgehammer Games ein wunderbares Spielerlebnis geliefert. Das Zweite Weltkriegs-Setting funktioniert hervorragend und versetzt euch durch das Zusammenspiel zwischen Grafik und realitätsnahem Gameplay mitten ins Schlachtengetümmel. Dabei ist neben dem Multiplayer auch die Kampagne exzellent gelungen. Diese überzeugt nicht nur durch die Kriegs-Szenarien, sondern auch durch die durchdachte Story und die Interaktion zwischen den Kameraden der Division. Trotz kleiner Abstriche kann man hier von einem der besten Call of Duty Teile seit langem reden.
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