Test: Code Name S.T.E.A.M.

Auf den ersten Blick haben Abraham Lincoln, Aliens und ein Steampunk Setting vermutlich wenig gemeinsam. Auf den zweiten Blick vermutlich noch weniger. Dennoch sind das genau die Stichworte, die Code Name S.T.E.A.M. am besten beschreiben und damit den wohl besten Taktik-Nachschub den euer Nintendo 3DS dieses Jahr bekommen wird. Intelligent Systems sind jedenfalls keine Unbekannten auf dem Gebiet und sind einigen von euch mit Sicherheit dank der Fire Emblem Reihe ein Begriff. Ob ihr neustes Projekt nur heiße Luft oder eine Innovation auf dem Strategie Markt ist verrät euch noch vor Release unser Test.

code name steam nintendo 3ds review screenshot 04Trash der schönen Sorte

Ein Versuch die Story von Code Name S.T.E.A.M. seriös zusammenzufassen: Wir befinden uns in einem fiktiven London zum Zeitalter der Industrialisierung. Statt Elektrizität ist jedoch Dampf das zentrale Element des Spiels und bildet den Antrieb für fast alle Maschinen, Autos und auch Waffen. Letztere werdet ihr auch benötigen, denn wie aus dem Nichts greift eine außerirdische Rasse die Erde an und hat es anscheinend auf ihre Bewohner abgesehen. Die Soldaten Henry und John sind die ersten beiden, die sich dem Kampf gegen die feindliche Rasse stellen und werden kurz darauf von dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln für seine Geheimorganisation S.T.E.A.M. rekrutiert.

Vom Bord seines Luftschiffs aus plant ihr fortan eure Angriffe, sowie Verteidigungs- und Rettungsmissionen um die außerirdische Plage zurück zu schlagen und trefft im Verlauf der sich auf 12 Kapitel aufteilenden Handlung auf weitere Kameraden wie Tom Sawyer oder einen sprechenden Löwen. Code Name S.T.E.A.M. ist eine Fundgrubbe rund um diverse Klassiker der Literatur mit einem Mix echter amerikanischer Geschichte. Dabei nimmt sich dieses Konstrukt selbst nicht zu ernst und kann auch über die knapp 15 Stunden Spielzeit der Kampagne hinaus noch begeistern.

Der bunte Comic Stil sowie die Zwischensequenzen die vom Layout her ebenfalls an einen Comic erinnern sollen unterstreichen den Charme und Humor der Szenerie. Während unseres Tests wurde zudem ein erstes Update veröffentlicht mit Hilfe dessen ihr die sonst recht langen Spielzüge eurer Gegner in einer schicken VHS-Animation beschleunigen könnt. Auf dem Nintendo 3DS um das Doppelte, auf dem New 3DS sogar um das Dreifache. Da wären wir dann auch schon beim Thema Gameplay angelangt, denn wir wollen vor allem eins: Den Aliens ordentlich Dampf machen.code name steam nintendo 3ds review screenshot 05

Voller Dampf voraus!

Die Third Person Perspektive lässt Action vermuten, doch schon im zweiten Kapitel haben wir gemerkt, dass taktisches Vorgehen um einiges erfolgreicher ist und man sich seinen Spielzug gut überlegen sollte. Im Verlauf des Spiels lernt ihr bis zu 12 Charaktere kennen von denen ihr vor jeder Mission 4 Stück für euer Team auswählen müsst. Die Charaktere unterscheiden sich dabei in der Art ihrer Waffen, Rücksäcke die Ihnen Boni verleihen und verfügen außerdem allesamt über eine Spezialfähigkeit. Wie ihr euer Team aufstellt bleibt euch frei überlassen. Danach startet ihr direkt in den ersten Sektor einer Mission und könnt jede Runde eure Charaktere bewegen und sie nach Bedarf angreifen lassen. Bewegen dürft ihr euch erst ein Mal frei von Konsequenzen, aber sobald ein Angriff erfolgt, egal ob von euch oder auf euch, verliert ihr den bis zu diesem Feld verbrauchten Dampf. Jener lädt sich jede Runde für alle Charaktere einzeln neu auf bzw. kann auch durch die Speicherterminals für ein paar Münzen direkt wieder aufgefüllt werden.

Euer Ziel sollte es also sein euch klug zu postieren, die richtigen Waffen ausgewählt zu haben und nicht den kompletten Dampf zu verbrauchen. Denn nach eurem Zug sind natürlich die Aliens an der Reihe, die sich immer extrem freuen euch zu sehen. Mit Restdampf aus eurer Runde könnt ihr Kontern und eure Gegner betäuben bevor sie euch Leid zufügen können. Hin und wieder spawnen während einer Runde zwar neue Feinder, aber im Endeffekt habt ihr alle Zeit der Welt um euch einen nach dem anderen vorzuknöpfen. Denn dann könnt ihr am Ende umso entspannter in die Zielzone marschieren um den Sektor abzuschließen.

Egal ob Buckingham Palace oder eine kleine Brücke, die Sektoren sind keineswegs übertrieben groß, aber teilweise sehr verwinkelt. Ihr müsst also ständig im Kopf haben wo sich eure vier Charaktere aufhalten und habt nicht immer eine genaue Vorstellung davon wo sich noch Aliens verstecken können. Hinter jeder Ecke könnte etwas neues Lauern und genau diese Angst sorgt in diesem sonst so ruhigen Spiel für viel Nervenkitzel. Am Ende einer Mission werden eure restlichen Münzen in Erfahrungspunkte umgewandelt. Außerdem lassen sich pro Sektor bis zu drei Zahnräder einsammeln mit denen ihr neue Boiler/Rucksäcke freischalten könnt. Wer alles freischalten will braucht viel Geduld, aber theoretisch ist jedes Level machbar ohne Schaden zu nehmen.code name steam nintendo 3ds review screenshot 03

Die Luft ist noch nicht raus

Der Schwierigkeitsgrad zieht in durchaus annehmbaren Maßen an, sodass ihr vermutlich nach etwas über 15 Stunden die Credits bei lustiger Musik bestaunen dürft. Wer danach noch weiter machen will sollte sich auf jeden Fall den Multiplayer Modus, egal ob lokal oder online, ein Mal genauer ansehen. In den Modi Death Match und Medaillen-Jagd habt ihr hier nur 60 Sekunden für euren Zug Zeit, was einen enormen Temposchub mit sich bringt und verhindert, dass euch eure Gegner allzu lange sitzen lassen. Den A.B.E. Modus können wir leider nicht empfehlen. So spannend es auch erst klang im 1on1 einen riesigen Lincoln Roboter zu steuern so langweilig war das Ganze im Endeffekt. Code Name S.T.E.A.M. versucht hier zwar einen auf Action-Spiel zu machen, aber es passiert schlichtweg so wenig auf dem Schlachtfeld, dass man einfach nur noch gähnen möchte.

Für ein Strategie-Spiel sind die Multiplayer Matches überraschend kurzweilig und auch innerhalb der Kampagne braucht ihr für die wenigsten Sektoren länger als 25 Minuten. Somit bietet sich das Spiel durchaus auch für unterwegs an. Lobenswert ist auch mal wieder Nintendo-Typisch die Soundkulisse. Englische Synchro mit motivierten Sprechern und ein Soundtrack bei dem man schon fast die amerikanische Nationalhymne mit anstimmen möchte. Sowas nennt man wohl antreibend.code name steam nintendo 3ds review screenshot 01

Einzigartiges Setting
Verschiedene taktische Option
Comic-Buch Aufmachung
Spaßiger, schneller Multiplayer
Alien-Design

Yannick D.

Den wohl schwerwiegendsten Kritikpunkt der langen gegnerischen Spielzüge, hat uns Nintendo ja noch vor Europa Release mit einem Patch und der Vorspulfunktion genommen. Sonst bleibt abgesehen von dem etwas eintönigen Design der Aliens nicht viel zum Meckern übrig. Selbst mich als Strategie Anfänger der nie mit Fire Emblem warm geworden ist, konnte Intelligent Systems mit Code Name S.T.E.A.M. überzeugen. Das Setting dürfte als einzigartig beschrieben werden und ich würde mich freuen eines Tages wieder mit Henry und John auf Weltrettungsmission zu gehen. Zumindest die kostenlose Demo im eShop würden wir jedem 3DS Besitzer wärmstens ans Herz legen, um euch mit dem Spielprinzip vertraut zu machen. So oder so kommt ein weiteres starkes Spiel zum Nintendo 3DS Line-Up hinzu.
Test: Fire Test: Titan Souls
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