Test: Cuphead

Dass Microsoft aktuell auf dem deutschen Markt Schwierigkeiten hat, sich gegen Sony zu beweisen sieht und liest man täglich. Was neben einer guten Hardware, die Microsoft zweifelsohne hat, die Verkäufe antreibt, sind aber exklusive Highlight-Titel. Als ein solcher wurde Cuphead seit 2014 positioniert, nachdem es auf der E3 massenhaft positives Feedback bekam. Gerade einmal drei Personen arbeiteten seit 2010 an dem Titel, inspiriert von Indie-Erfolgsgeschichten wie der von Meat Boy. Ob Microsoft mit diesem Fang, übrigens Konsolen-exklusiv auf Xbox One und dank dem Play-Anywhere-Programm auch auf PC erhältlich, punktet, das haben wir uns für euch angesehen.

Back in time

Cuphead ist ein klassisches Shooter-Actionspiel mit Jump ’n‘ Run Elementen, in dem ihr Schwerpunktmäßig gegen eine Vielzahl von Bossen antretet. Unverkennbar und einzigartig ist dabei der Look des Spiels, der an Cartoons der 1930er angelehnt ist. Zwar basiert das Spiel nicht auf einer echten Serie, viele der Charaktere meint man so oder so ähnlich schon einmal gesehen zu haben. Doch nicht nur grafisch fühlt man sich dank handgezeichneter Grafiken zurückversetzt, auch der Sound könnte passender nicht sein – originale Jazz-Aufnahmen, gepaart mit knisternden Effekten, runden das 30er-Cartoon-Feeling perfekt ab.

Nachdem die beiden Charaktere Cuphead und sein Kumpel Mugman im Casino ihre Seele an den Teufel verzockt haben, gibt es nur einen Weg, aus der Miesere zu entkommen. Sie müssen Seelen diverser Bosse sammeln, um den Teufel zu besänftigen. Und so zieht ihr allein oder im lokalen Coop-Modus in den Kampf, wobei ihr euch auf einer Oberwelt aus der Vogelperspektive von Boss zu Boss navigiert. Alle Bosse sind dabei absolut einzigartig und haben mal mehr mal weniger Entwicklungsstufen, die es zu meistern gilt.

Was die Entwickler da teilweise geraucht haben, ist uns ein Rätsel. Einige der Entwicklungsstufen der Bosse sind extrem absurd, passen gleichzeitig aber ins Setting des Titels, etwa eine riesige Sonnenblume, die euch mit Samen beschießt oder eine hexenähnliche Gestallt, die sich kurzerhand in einen Mond verwandelt und Ufos auf euch loslässt. Daran kann man sich bis zuletzt nicht satt sehen.

Run’n Gun baby!

Für Abwechslung sorgen sogenannte Run’n Gun Level, in denen ihr in klassischer Jump ’n‘ Run Manier, aber durchaus ballernd, das Ende eines schlauchigen Levels erreichen müsst. Auf dem Weg an euer Ziel könnt ihr fünf goldene Münzen sammeln, die ihr auf der Oberwelt in Shops gegen neue Waffen und Fähigkeiten eintauschen könnt. Das ist auch bitter nötig, um spätere Bosse besiegen zu können. Dank unterschiedlicher Ausrüstungen und Fähigkeiten, die ihr jederzeit in der Oberwelt anpassen könnt, stellt ihr euch so nach Belieben neu auf.

Diese Nebenlevel sind durchaus gelungen und bieten genügend Hürden und Kniffe, um die Spieler bei der Stange zu halten. Wichtiger aber noch, dank der Münzen und der damit verbundenen neuen Ausrüstung wird der Spieler reichlich belohnt, was durchaus animiert, Ausschau nach weiteren Run’n Gun-Sektionen zu halten.

Weil einfach einfach einfach wäre

Cuphead bietet bei allen Bossfights zwei Schwierigkeitsgrade an, die erst einmal entspannt klingen: Simple und Regular. Doch lasst euch davon nicht blenden, Cuphead ist bockschwer. Es ist ganz sicher kein Spiel für Anfänger und selbst Gelegenheitsspieler kommen hier schnell an ihre Grenzen. Auch wenn Simple vergleichsweise einsteigerfreundlich ist, so könnte man Regular auch den „Dark Souls“-Modus nennen. Hier müsst ihr nicht nur mehreren, sondern auch schnelleren Objekten ausweichen und gleichzeitig auf den Endboss ballern – insgesamt eine anhaltenden Konzentrationsübung, die euch von Boss zu Boss immer wieder an eure Grenzen bringt.

Ihr werdet sterben, sehr oft. Trotzdem hält sich das Frustlevel bei Cuphead aber in Grenzen, denn alle Bosse haben ganz klare Angriffsmuster, die man eben nur durch einfaches Beobachten lernen muss. Unfair wird es an keiner Stelle, alles kann gemeistert werden – auch wenn dafür dann gerne mal 20 Anläufe nötig sind. Aber keine Angst – ein Speedrunner hat den Titel in etwas über 1,5 Stunden gemeistert … mit einer Tanzmatte. Das sollte allen ein wenig Hoffnung geben. Falls ihr nun aber denkt, dass ihr das Ganze im Coop sehr viel leichter meistern könnt, macht euch auf eine Enttäuschung gefasst. Im Coop-Modus erhöht sich die Schwierigkeit, sodass der Schwierigkeitsgrad gefühlt unverändert bleibt.

Cuphead wird euch im Durchschnitt 8-10 Stunden unterhalten können, wobei dies stark von euren Fähigkeiten am Gamepad abhängt. Zwar hätte ich mir mehr Möglichkeiten neben den Bosskämpfe gewünscht, doch für einen Neupreis von schlappen 20 € ist das Gebotene absolut okay. Schade, dass der Titel aber keinen dt. Sprachtext bietet. Zwar gibt es verhältnismäßig wenig zu lesen, doch hätte eine Lokalisation die Tore für weitere Käufer geöffnet.

Top 1930er Cartoon-Feeling
Liebevoll bis ins Detail
Hoher aber fairer Schwierigkeitsgrad
Lokaler Coop-Modus
Preis/Leistung Top
Keine deutsche Lokalisation
Kein Online-Coop

Maik R.

Cuphead ist einzigartig, wunderschön und gleichzeitig bockschwer. Microsoft hat aus meiner Sicht einen super Fang gelandet, der gerade die Core-Gamerschaft ansprechen dürfte. Die komplett handgezeichneten Grafiken, der grandiose Sound und das simple aber herausfordernde Gameplay fesseln bis zum Schluss. Auch wenn der Umfang etwas größer hätte ausfallen dürfen und eine deutsche Lokalisation dem Titel gut getan hätte, so kann man aufgrund des geringen Preises von 20 € vor dem dreiköpfigen Team nur lobend den Hut zücken.
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