Test: Danganronpa 1.2 Reload

Während sich das Danganronpa Franchise in Japan insbesondere durch seine Videospiel-Serie einen Namen gemacht hat, so ist es gerade der Anime, der im Westen für die nötige Bekanntheit sorgen konnte. Allerdings geht dies bei Anime-Fans mit einen Haken einher, denn die 2013 erschienene Serie bietet Zuschauern fast die gleiche Handlung wie der erste Teil der Spiele-Serie, genannt Danganronpa Trigger Happy Havoc. Und wenn wir über Danganronpa sprechen, dann ist es gerade diese Geschichte, die für den größten Wirbel sorgt, denn sie kommt genau so skurril und anders daher wie die Inszenierung und das Gameplay selbst. Wer also auf der Suche nach etwas gänzlich Neuem ist, der sollte nun Augen und Ohren gespitzt halten.

In Vorbereitung Danganronpa 3

Mit Danganronpa 1.2 Reload dürfen sich Spieler, insbesondere jene, die sich noch nicht an die Videospiel-Reihe gewagt haben, den ersten als auch den zweiten Teil in diesem Bundle angehen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist dabei keinesfalls zufällig gewählt, denn schon im September plant das Entwicklerstudio Chunsoft mit Danganronpa V3: Killing Harmony den nächsten Ableger auf den Markt zu bringen. Also könnte dies nun der perfekte Zeitpunkt sein, sich an das Franchise heranzuwagen und seine Detektiv-Fähigkeiten zu schärfen.

Worum es in Danganronpa allerdings genau geht, ist wie so oft bei japanischen Spielen und Animes, nicht ganz so leicht erklärt. Dies liegt insbesondere daran, dass japanische Spiele oftmals über die obskursten Stories und Inszenierungen verfügen, die gerade für westliche Spieler sehr weit ab von der Realität anzusiedeln sind, und daher entsprechend befremdlich daherkommen. Die Kurzzusammenfassung der Handlung lässt sich ungefähr so erklären: Die Schüler, die zu den besten auf ihren Gebiet gehören, finden sich in einer Top-Universität zusammen, wo sie durch Plüschteddies unfreiwillig dazu gezwungen werden, sich gegenseitig umzubringen, vorausgesetzt sie wollen jemals wieder in Freiheit leben.

 

Das glückliche Schulleben… oder der Weg zur ultimativen Verzweiflung

Im ersten Spiel in Danganronpa 1.2 Reload schlüpfen wir in die Rolle von Makoto Naegi, der gerade die frohe Botschaft erhalten hat: Er wurde an der Hope’s Peak Academy angenommen! Dies ist insofern besonders, da an dieser ultimativen Schule nur Schüler angenommen werden, die auf ihrem Gebiet jeweils ebenfalls ultimativ gut sind. Naegi hingegen ist quasi der normalste der Normalen und verfügt über kein solches Talent. Er hat das Glück, dass er bei einer Verlosung gewonnen hat, die rein zufällig einen weiteren Schüler auswählt, der fortan als der ultimativ glücklichste Schüler benannt wird. Doch die Vorfreude auf diese einzigartige Chance hält nur begrenzt an, denn nach dem Betreten der Schule verliert unser Held das Bewusstsein und wacht Stunden später in einem der Klassenzimmer der Schule wieder auf. Dies zeichnet den Anfang einer höchst unglücklichen Situation ab.

Was unserem Protagonisten nach dem Erwachen schnell klar wird: Jegliche Ausgänge wurden durch Metall-Barrikaden versperrt und kein Weg führt mehr aus der Schule heraus. Allerdings ist er nicht allein in dieser misslichen Lage, auch zahlreiche andere Schüler haben die gleichen Erlebnisse gemacht und finden sich plötzlich in dieser verdrießlichen Lage wieder, die noch wesentlich obskurer zu werden droht. Denn plötzlich taucht ein kleiner Teddybär auf, der sich selbst Monokuma nennt und sich als Direktor der Schule vorstellt. Er erklärt, dass nun alle Schüler ein wundervolles und fröhliches Schulleben genießen dürfen, bis zu ihrem Lebensende. Leider schließt dies ein, dass keiner die Schule je wieder verlassen darf, zumindest unter einer Ausnahme.

Diese eine Ausnahme stellt hier den Knackpunkt der Geschichte dar, denn nur wer es schafft einen anderen Mitschüler zu töten und mit diesem Mord davon zu kommen, der darf die Schule verlassen. Sollte dies zudem eintreten, so werden auch alle anderen Schüler, die es nicht geschafft haben den Schuldigen zu entlarven, getötet – was natürlich für ein ordentliches Maß an Motivation sorgt, denn wer will schon für einen Mörder das zeitliche Segnen?

Das Spiel untergliedert sich so in mehrere Phasen. Zum einen das alltägliche Schulleben, wo wir in der Lage sind uns mit unseren Mitschülern zu unterhalten, Informationen zu sammeln und Bande zu schmieden, was insbesondere durch Geschenke passiert. Die zweite Phase tritt bei einem Mordfall ein, bei dem es dann gilt, Beweise und entsprechende Indizien zu sammeln, die in der dritten und letzten Phase eine besondere Bedeutung spielen. Denn hier findet eine Gerichtsverhandlung statt, in der sich alle Schüler in einem Kreis gegenüber stehen und herausfinden müssen, wer der Mörder gewesen ist. Besonders diese Detektiv-Komponente wurde dabei in Danganronpa 1.2 Reload besonders gut umgesetzt, denn nicht nur warten hier sehr spannende und ausgeklügelte Mordfälle auf uns, auch gilt es hier die eigenen grauen Zellen ordentlich anzustrengen, um Diskrepanzen in Aussagen aufzudecken. Leicht ist dies auf keinen Fall, denn schon der erste Mordfall kommt sehr komplex daher und verlangt uns ordentliche Detektivarbeit ab.

Das Spielgeschehen in Danganronpa 2 ist vom Prinzip ähnlich wie das im ersten Teil. Der Hauptunterschied liegt hier allerdings zum einen in dem komplett neuen Charakter-Ensemble und der Location. So wurden wir auch hier in die Hope’s Peak Academy aufgenommen, finden uns allerdings, nachdem wir das Bewusstsein verloren haben, nicht in einem Klassenraum wieder. Stattdessen wurden wir auf eine einsame Insel verfrachtet, wo wir quasi einen ewig währenden Schulausflug erleben sollen. Auch hier beginnt alsbald das mörderische Schulleben, welches uns abermals vor zahlreiche Probleme stellt: Insbesondere wie wir das ganze Schlamassel überleben können.

Technisch… anders

Die grafische und spielerische Präsentation hinter Danganronpa 1.2 Reload kommt auf der einen Seite sehr erfrischend anders daher, entspricht andererseits aber technisch keinesfalls dem Maß der Zeit. Im ersten Teil bewegen wir uns so in einer First Person Perspektive durch die Schule, was von der technischen Qualität allenfalls an Spiele von vor 20 Jahren erinnert. Finden wir uns in bestimmten Räumen wieder, so wird uns hier eine Mischung aus 2D- und 3D-Umgebung dargelegt. Die Örtlichkeiten selbst sind so in 3D gehalten, wobei wir uns allerdings an einer festen Position wiederfinden, die nur minimal gedreht werden kann, was uns ermöglicht, andere Winkel des Raums betrachten zu können. Alle Objekte und Personen hingegen sind komplett in 2D gehalten, was für eine besondere ästhetische Note sorgt. In Danganronpa 2: Goodbye Despair ist dies ähnlich umgesetzt worden, mit Ausnahme des Navigierens auf der Insel. Dies geschieht in klassischer Sidescrolling-Manier.

Wer in Danganronpa 1.2 Reload nun allerdings auf ein aufpoliertes Äußeres mit neuen HD-Grafiken hofft, der wird hier ebenso enttäuscht sein wie von der Synchronisation des Spiels. Gerade die japanische Sprachausgabe wäre etwas gewesen, das mindestens vollständig implementiert hätte sein müssen. Bedenkt man gerade die schwerwiegende Visual Novel-Komponente der Spiele, so wird die marginale Sprachausgabe nochmals unterstrichen. Stattdessen wurden nur die wichtigsten Momente synchronisiert und meist werden uns nur einsilbige Aussagen oder Geräusche abgespielt. Dies hätte durchaus besser umgesetzt werden können.

So skurril können japanische Games sein
Abgefahrene Geschichte
Spannende und toll inszenierte Morde
Zwei Games in einem
Technisch altbacken
Teils kuriose Charakterentwicklung
Marginale Synchronisation

Daniel M.

Sollte man bisher keinen der Ableger gespielt haben, so bietet uns Nippon Ichi Software nun die Möglichkeit, mit Danganronpa 1.2 Reload nochmals beide Teile anzugehen. Auch wenn die technische Seite oftmals etwas altbacken wirken mag, so kann sich dies gerade wegen der ausgefallenen Story und den wirklich spannenden Kriminalfällen sehr lohnen, denn diese wurden teils auf meisterlicher Ebene inszeniert. Allerdings sollte man sich hier auch sehr wohl bewusst machen, dass die Erzählgeschwindigkeit relativ niedrig daherkommt, und dass der Titel, wie es bei Visual Novels üblich ist, insbesondere durch sehr viel Text und Dialoge lebt. Wer sich damit arrangieren kann, der sollte zumindest einen kleinen Blick riskieren, denn dieser könnte sich durchaus lohnen!
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