Test: Das Fundament der Ewigkeit

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Romans von Ken Follett erscheint nun auch das dazugehörige Brettspiel Das Fundament der Ewigkeit. Allein aufgrund dieser Tatsache ist das vorliegende Spiel schon eine kleine Sensation. Schließlich erscheinen Lizenzspiele in dieser Branche meist erst viele Monate nach der Veröffentlichung der Vorlage. Als Videospieler begegnen wir solchen zeitgleichen Releases immer mit ein wenig Skepsis. Schon zu oft wurden wir enttäuscht, wenn das neue Computerspiel unter Hochdruck gefertigt wurde, nur damit es pünktlich zur Veröffentlichung des passenden Films, Comics oder Buches ebenfalls in den Handel kommt. Wir haben für euch überprüft, wie das Experiment im Falle des frisch veröffentlichten Brettspiels gelungen ist.

Die Voraussetzungen für ein Gelingen stehen eigentlich ziemlich gut. Autor Michael Rieneck war schon für die beiden direkten Vorgängerspiele verantwortlich, die ebenfalls in der Saga von Ken Follett beheimatet sind. Damit ist Michael Rieneck mit der Materie schon ziemlich vertraut. Inhaltlich baut Das Fundament der Ewigkeit auf den beiden Vorgängerbüchern Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt auf. Das findet sich auch im Brettspiel wieder. Bei der Erstellung des Spiels konnte Rieneck außerdem auf die Mithilfe des Redakteurs Wolfgang Lüdtke zurückgreifen, der sich den Roman in englischer Sprache schon im Vorfeld zu Gemüte führen durfte und damit einen gehörigen Anteil an der Einbindung des Buch-Themas ins fertige Spiel hat. Komplettiert wird das Trio durch Illustrator Michael Menzel, der in der Szene einen exzellenten Ruf genießt.

Fiktives Szenario mit geschichtlichem Hintergrund

Bei den Follett-Romanen taucht ihr in eine Handlung mit geschichtlichem Bezug ein. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die fiktive englische Stadt Kingsbridge in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Geschehnisse gehen diesmal jedoch auch weit über den Rand der englischen Stadt hinaus. So geht es etwa auch um den Konflikt der europäischen Mächte. England, Spanien, Frankreich und die Niederlande streiten sich um Macht und Einfluss in der alten Welt. Ein großes Thema ist dabei auch die religiöse Ausrichtung der Nationen. Katholiken und Protestanten versuchen ihre Anhängerschaft zu vergrößern und greifen dabei nicht selten auf ziemlich weltliche Methoden zurück.

 

Ihr selbst übernehmt die Rolle eines Kaufmanns, der zwischen den Ländern hin- und herreist, um dort seine Waren zu verhökern. Mit der Religion nehmt ihr es dabei nicht allzu genau. Hauptsache die Kohle stimmt. Wenn es für euch hilfreich ist, die Konfession zu wechseln, dann ist das für euch auch kein Problem.

Würfel-Management für Kaufleute

Zentrales Spielelement in Das Fundament der Ewigkeit sind die sechs Würfel, die jeder von euch an die Seite bekommt. Ein Würfel ist für eure religiöse Ausrichtung reserviert. Zu Spielbeginn werden die Startbedingungen zufällig verteilt. Dazu zählen nicht nur ein paar wenige Ressourcen, mit denen ihr das Spiel startet, sondern auch die Konfession. Ihr erhaltet dazu die passende Konfessionskarte und legt den Würfel dazu. In jeder Runde müsst ihr die Zahl auf dem Würfel um eins nach unten korrigieren. Ist der Ticker bei der eins angelangt, dürft ihr über eure religiöse Ausrichtung wieder neu entscheiden. Dazu würfelt ihr den Religionswürfel erneut, legt fest, ob ihr nun katholisch oder protestantisch sein wollt und das Prozedere wiederholt sich.

Ganz ähnlich verfahrt ihr auch mit den anderen Würfeln. Die verbleibenden fünf Würfel könnt ihr für eure Aktionen nutzen. Die Würfel unterscheiden sich alle hinsichtlich ihrer Farbe und sind fest einer Nation zugeordnet. Der letzte Würfel fungiert als eine Art Joker, den ihr in einem beliebigen Land verwenden könnt. Zu jedem Land gehört ein Stapel mit Karten. Bei diesen handelt es sich zu einem großen Teil um Personen, die ihr mit Einsatz eines Würfel engagieren könnt. Wählt dazu einfach die oberste Karte des Länder-Stapels und nehmt die Karte zu euch. Jetzt legt ihr den passenden Würfel auf die Karte. Wie schon bei den Religionskarten müsst ihr in jeder Runde die Zahl auf dem Würfel um einen Punkt reduzieren. Die angeworbene Person gewährt euch dafür in jeder Runde eine festgelegte Aktion, die je nach Karte natürlich variiert.

Handelsrouten erschließen

Eine angeworbene Person bringt euch allerdings noch einen weiteren entscheidenden Vorteil. Sichert euch die Gunst einer Person und ihr dürft sofort ein Handelshaus im dazugehörigen Land platzieren. Nur in Ländern mit einem eigenen Handelshaus könnt ihr später auch eure Waren veräußern und dadurch Siegpunkte erringen. Für euer Fortkommen ist es von essentieller Bedeutung, in möglichst vielen Ländern ein Handelshaus zu besitzen.

 

Im 16. Jahrhundert ist die politische Lage allerdings leider wenig konstant und ein errichtetes Handelshaus kann sich schnell wieder in Luft auflösen. Ein Handelshaus in einem Land ist automatisch einem Ranking unterworfen. Je höher die Zahl ist, mit der ihr die Person angeworben habt, desto besser ist auch die Bewertung des neuen Handelshauses. Eure Rivalen im Spiel werden allerdings mit aller Macht versuchen, eure Handelsbeziehungen zu verschlechtern. Erwirbt ein Gegenspieler ein neues Handelshaus mit dem gleichen Ranking wie euer eigenes Haus, so wird euer Handelshaus um einen Punkt abgewertet. Im schlimmsten Fall kann es sogar ganz aus dem Ranking fallen und muss seine Pforten schließen. Nun solltet ihr wohl versuchen, möglichst schnell selbst ein neues Haus in diesem Land zu eröffnen, damit ihr auch wieder eure Waren an den Mann bringen könnt.

Es kann auf der einen Seite also von Vorteil sein, dass ihr Personenkarten mit einem Würfel kauft, der eine hohe Punktzahl aufweist, damit das neue Handelshaus eine gute Bewertung erzielt. Auf der anderen Seite ist dieser Würfel dann wieder für eine lange Zeit gesperrt. Er wird so lange auf der Personenkarte verweilen, bis sich die Zahl auf dem Würfel auf einen Punkt reduziert hat. Damit schränkt sich die eigene Auswahl von Aktionen in den nächsten Runden ein.

Kirchenrevolte in Europa

Die Personenkarten haben noch eine weitere wichtige Funktion. Jede Person gehört einer Glaubensrichtung an, ist also entweder katholisch, protestantisch oder auch neutral. Sie verstärkt nach ihrer Rekrutierung entweder die eine oder die andere Seite. Nehmt dazu ein Kreuz der passenden Farbe und legt es in die Leiste des jeweiligen Landes. Sobald sich in einem Land vier Kreuze angesammelt haben, kommt es zum Konflikt. Nun setzt sich die Religion mit den meisten gesammelten Kreuzen durch. Jetzt ist es natürlich günstig, auf der richtigen Seite zu stehen.

 

Haben die Katholiken den Glaubenskrieg in einem Land gewonnen, dann bekommt ihr zusätzliche Siegpunkte entsprechend des Rankings eures Handelshauses im Land. Diese Punkte werden allerdings nur ausgeschüttet, wenn ihr auf den richtigen Glauben gesetzt habt. Falls nicht, hat das Konsequenzen. In diesem Fall werdet ihr aus dem Land vertrieben und das eigene Handelshaus wird umgehend dicht gemacht. Bis auf Weiteres seid ihr damit nun vom Handel ausgeschlossen. Erst wenn ihr ein neues Haus eröffnet habt, könnt ihr in diesem Land auch wieder Handel treiben.

Der Handel mit den Nationen

Unter die Personenkarten haben sich außerdem noch ein paar Ereigniskarten gemischt, die meist negative Folgen haben. Die Effekte auf den Karten müsst ihr dann immer sofort ausführen und anschließend direkt eine neue Karte aufdecken. Negative Effekte könnt ihr glücklicherweise aber auch verhindern, indem ihr ein Schutzplättchen investiert. Mit ihnen könnt ihr nicht nur die Folgen eines Ereignisses umschiffen, sondern auch direkten Einfluss auf die religiösen Machtverhältnisse nehmen. Mit dem Einsatz eines Schutzplättchens könnt ihr im eigenen Zug verhindern, dass ein Religionskreuz in einem Land ausgelegt wird.

Weiterhin versorgen euch die Personen auch mit wertvollen Waren, die ihr dann später in den Ländern gegen Siegpunkte eintauscht. Das Handeln erlauben euch allerdings die wenigsten Karten. An dieser Stelle kommt die separate Aktionsleiste zum Einsatz, die sich in der rechten unteren Ecke des Spielplans befindet.

 

Die einzelnen Felder der Aktionsleiste sind in einem Dreieck angeordnet, sodass ihr euch mit eurer Aktionsscheibe darauf immer wieder im Kreis bewegt. Genau wie für das Rekrutieren der Personen werden hier wieder die Würfel benötigt. Habt ihr also viele Würfel schon auf Personenkarten eingesetzt, habt ihr jetzt weniger Auswahlmöglichkeiten auf der Aktionsleiste. Die Zahl auf den Würfeln spielt hier keine Rolle. Ihr dürft euch auf das nächste freie Feld der jeweiligen Farbe bewegen. Dem violetten Joker-Würfel kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Die violetten Felder auf der Aktionsleiste dienen in erster Linie dem Verkauf von Waren, die ihr wiederum für die Siegpunkte benötigt. Die anderen Felder der Aktionsleiste bieten euch hingegen andere Vorteile wie etwa neue Waren, religiösen Einfluss oder gar Siegpunkte.

Schwere Entscheidungen

Ihr seht also schon, in Das Fundament der Ewigkeit gibt es so einige schwere Entscheidungen zu treffen. Die Aktivierung der Personenkarten gibt euch zwar starke Vorteile, schränkt euch dafür aber bei der Aktionsleiste wiederum ein. Stets im Auge behalten müsst ihr auch die Religionsleisten der einzelnen Länder. Hier gibt es wichtige Zusatzpunkte zu erringen, aber auch einiges zu verlieren. Ihr sammelt Schutzplättchen, um euch gegen die schlimmsten Katastrophen zu schützen oder aber um Einfluss auf die religiöse Entwicklung zu nehmen. Möglicherweise kann es sich sogar lohnen, einer religiösen Minderheit anzugehören. Die Gefahr ein Handelshaus zu verlieren ist zwar größer, dafür gibt es aber jede Runde Extra-Siegpunkte. Es besteht sogar die Möglichkeit, seine Siegpunkte zu reinvestieren, um bestimmte Aktionen auszuführen. Das Spiel bietet auf jeden Fall genug unterschiedliche Strategien, die zum Sieg führen können. Das Fundament der Ewigkeit findet ihr ab sofort im Handel und kostet etwa 35€.

viele taktische Überlegungen
trotzdem leicht zu erlernen
optisch schick
zu zweit oder dritt nicht ganz so gut

Sebastian Hamers

Leider habe ich weder Das Fundament der Ewigkeit noch die beiden Vorgänger-Romane gelesen. Mit dem Hintergrundwissen wäre ich sicher über so manche liebgewonnene Romanfigur gestolpert. Doch auch so hat mir das Brettspiel zum Buch sehr gut gefallen. Ihr könnt also bedenkenlos mit diesem Spiel einsteigen, auch ohne Kenntnisse über die alten Bücher oder Brettspiele. Die Regeln sind im Grunde recht schnell verinnerlicht, auch wenn die zwölfseitige Anleitung zunächst anderes vermuten lässt. Es gibt nur eine handvoll Mechaniken, die das Spiel aber wirklich sehr gut tragen. Reizvoll sind insbesondere die vielen Abwägungen, die man während des Spiels treffen muss. Eine Standardstrategie gibt es hier nicht, da es eine recht hohe Interaktion unter den Spielern gibt, auf die ihr immer wieder reagieren müsst. Am besten spielt sich Das Fundament der Ewigkeit daher auch zu viert, da dann auf den Religionsleisten immer viel passiert. Ich werde das Spiel sicher noch öfter auf den Tisch bringen, da es eine angenehme Mischung aus Spieltiefe und Zugänglichkeit bietet. Von meiner Seite aus gibt es deshalb für Das Fundament der Ewigkeit eine Empfehlung.
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