Test: Ever Oasis

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Secret of Mana – Für viele Kinder des SNES sorgt dieser Name vermutlich für ein wohliges Gefühl im Bäuchlein und das auch zurecht, denn es war bzw. ist immer noch ein verdammt gutes RPG. Doch was machte Secret of Mana damsl so gut? Natürlich ein kluges Köpfchen hinter den Kulissen, in diesem Falle Koichi Ishii. Doch was hat dieser gute Mann mit Ever Oasis zu tun? Ganz einfach: Sein Studio „Grezzo“ steckt dahinter. Grund genug für einige, ganz euphorisch zu werden, denn schließlich entsendet der Vater der Mana–Reihe uns sein neuestes „Kind“. Doch schafft es Ever Oasis auf eigenen Beinen zu stehen oder zerbricht es unter dem Erbe von Secret of Mana? Findet’s hier heraus.

Tausend mal gesehen, tausend mal gehört

Einst lebten alle Bewohner der Wüste in Harmonie und Frieden, es war eine Zeit der Heiterkeit und des Glücks. Nirgendwo gab es einen unbelebten Fleck in der Wüste, ganz im Gegenteil: Sie strömte vor Leben und Oasen regelrecht über, bis das Chaos kam. Eine Oase nach der anderen unterlag den Mächten des alles verschlingenden Chaos. So auch die Oase unseres/er Protagonisten Tetho/ Tethi, zweier junger Sprösslinge. Vertrieben von der Heimat bleibt ihnen nichts anderes übrig als von vorne anzufangen. Eine neue, noch größere Oase muss errichtet werden. Gesagt, getan, gemeinsam mit dem bezaubernden Wasssergeist Esna gelingt es ihnen, der rauen Wüste einen hoffnungsvollen grünen Punkt zu verpassen.

So ungefähr ist der Auftakt zum Spiel. Um ehrlich zu sein ist der ewige Kampf zwischen Licht und Finsternis, Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse heutzutage ziemlich langweilig und oft sehr vorhersehbar, aber da es sich bei Ever Oasis um ein RPG handelt und diese Erzählweise meistens die einfachste ist, um eine kompakte Story zu vermitteln, nimmt man sie eben so hin. Schließlich wird gegessen was auf den Tisch kommt, stimmt doch?

Nur als Gemeinschaft kommen wir voran

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Mal abgesehen von der eher öden Story, kriegt das Spiel nochmal die Kurve, indem es euch in eine scheinbar riesige Welt schmeißt die es zu entdecken gilt. Kenner der Metroid– oder Castlevania– Reihe werden schnell auf ein sehr bekanntes Gefühl stoßen. Sobald ihr Fuß in die ewigen Weiten der Wüste setzt, stehen euch sämtliche Möglichkeiten offen, hinzugehen, wohin ihr möchtet. Zumindest so lange, bis ihr hier und da auf einige Hindernisse stößt, die ihr noch nicht überwinden könnt, da meistens eine wichtige Fähigkeit fehlt.

Anders jedoch als in den vorher genannten Spielen bekommt man die Fähigkeiten nicht, indem man Bosse erledigt oder Rätsel löst. Hier zeigt sich das Alleinstellungsmerkmal von Ever Oasis, denn anstatt, dass der eigene Charakter neue Fähigkeiten erlernt, muss man andere Charaktere kennenlernen, die die benötigte Fähigkeit besitzen. Ein Stein steht dir im Weg? Finde jemanden mit einem Hammer, der ihn weghauen kann. Du kannst im Dunkeln nichts sehen? Irgendjemand kann sicher Licht ins Dunkel bringen.

Doch wie findet ihr diese wichtigen Wegbegleiter? Ganz einfach: Indem ihr viel Zeit und Pflege in die eigene Oase steckt, was ein guter Häuptling auch tun sollte. Je intensiver ihr euch eurer Oase widmet, sprich, stets auf die Bitten der Bürger eingeht, ihre Läden mit Vorräten versorgt und hier und da den Wüstenstaub von der Straße wegpustet, desto mehr neue Besucher kommen, die nur darauf warten, sich euch anzuschließen. So gut wie jeder Besucher verfügt über besondere Fähigkeiten und einen einzigartigen Laden, den es zu eröffnen gilt. Manche Läden sind sogar vorausgesetzt, um bestimmte Besucher in die Oase zu locken, also solltet ihr stets jeden Laden bauen, der euch zur Verfügung steht.

„Hey, Häuptling, ich hätte da mal eine Bitte?“

Zu Beginn freut man sich ja über die ganzen Bitten, die man bekommt, denn sie liefern nur weitere Gründe, die Wüste und ihre diversen Höhlen unsicher zu machen, aber sobald die Oase eine gewisse Einwohnerzahl erreicht, wird es nur noch ein unübersichtliches Wirrwarr. Denn man kann nur eine bitte zur Zeit bearbeiten und es gibt auch keinen Questlog, wo sämtliche verfügbare oder angenommene Aufgaben katalogisiert sind. Schnell verliert man den Überblick und Frustration macht sich breit, weil man sich irgendwann von Aufgaben überschüttet fühlt. Die Aufgaben selbst beinhalten meistens nur „Begebe dich an Ort X und hole mir Y“ oder „Besorge mir X-Mal Objekt Y“ – also nicht allzu anspruchsvoll.

Jenseits der Oase

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Der wirklich spannende, spaßige Teil von Ever Oasis ist mit Abstand die Wüste. Über die sicheren Mauern der Oase hinaus, lauern von Chaos besessene Wesen die, wenn man nicht genug aufpasst, eine Expedition in die Wüste frühzeitig beenden. Die Kämpfe werden in Echtzeit ausgetragen und erinnern in leichten Zügen an die Kämpfe in „Monster Hunter“, denn meistens solltet ihr euch einen Moment Zeit geben, um die gegnerischen Bewegungen voraussehen zu können und dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Werdet ihr im Kampf besiegt, bleibt euch nichts anderes übrig als vom letzten Speicherpunkt wieder anzufangen. Also solltet ihr euch stets zusammenreißen und gegen keine Gegner kämpfen, deren Level zu hoch ist.

Auch beim Levelsystem macht Ever Oasis einiges anders. Während der Abenteuer in der Wüste sammelt ihr zwar Erfahrungspunkte, jedoch bekommt ihr sie erst angerechnet, wenn ihr wieder zurück in der Oase seid. Also macht ihr die Level–Ups nicht auf dem Schlachtfeld, sondern Zuhause in den sicheren vier Wänden. Ziemlich ungewohnt, oder? In den ersten paar Spielstunden hat es sich sehr unnatürlich angefühlt, zum Aufleveln zurückzukehren. Der Sinn dahinter wird euch erst später bewusst, wenn die Oase eine gewisse Größe erreicht hat, denn wer Level–Ups machen möchte, muss auch gelegentlich nach dem Rechten sehen. Trotzdem fühlt es sich einfach unnatürlich an, erst außerhalb des Schlachtfeldes stärker zu werden.

Highlight im Spiel sind definitiv die Dungeons, jeder auf seine besondere Weise fordernd. Man sollte meinen, das Wüstensetting bietet nicht viel visuelle Abwechslung, doch dem ist nicht so – selten waren die Dungeons langweilig oder eintönig. Durch schlaues, intuitives Rätseldesign und die immer wechselnde Optik kommt selten Müdigkeit auf. Zugegeben: Wenn man schon zwei, drei Mal durch die selbe Höhle läuft, ist man nicht mehr so fasziniert wie beim ersten Mal, aber durch neue Mitstreiter, die durch ihre Fähigkeiten neue Wege freilegen können, kommt die Faszination und Freude schnell zurück. Und dann gibt es da noch die großen Hauptdungeons. Diese erinnern stark an die Dungeons wie man sie aus der Zelda–Reihe kennt: Gegner besiegen, Schlüssel finden, Rätsel lösen.

Schönes 1001-Nacht-Setting
Charmantes Charakterdesign
Eine Welt, die neugierig macht
Viel zu entdecken, viel zu tun
Große Auswahl an Begleitern
Zu viele Quests auf einmal
Kein vernünftiges Questmanagement
Flache Story
Gelegentlich zu viel Backtracking

Spaceboy

Wenn ich Ever Oasis einem Kumpel beschreiben müsste, würde ich wohl sagen dass es ein wunderschönes Spiel aus 1001 Nacht ist, welches sich Gameplay Elemente aus gestandenen Riesen wie Metroid, Castlevania und The Legend of Zelda borgt, zwar nicht perfekt umsetzt, aber sie dennoch auf eine angenehme Weise präsentiert. Auch die Story, die eher simpel gehalten wurde, ist kein großes Minus, denn im Vordergrund steht nicht die Geschichte selbst, sondern die farbenfrohe Welt der Sprösslinge und das Abenteuer in der Wüste. Es bleibt lediglich zu hoffen, dass Fans der Mana–Reihe ihre Erwartungshaltung runterschrauben und Ever Oasis eine faire Chance geben.
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