Test: Fire Emblem Fates *UPDATE*

Test-fire-emblem-Bild-1Ableger des Fire Emblem Franchises konnten schon immer durch deren ausgefeilten, strategischen Komponenten bestechen, aber ebenso gehörten sie zu der seltenen Art von Spielen, die auch mit unglaublich fordernden und schweren Mechaniken daher kamen, zu denen unter anderen das Perma-Death-System gehört. Fans dürfen sich nun in Fire Emblem Fates für eines der zwei Spieleversionen „Vermächtnis“ und „Herrschaft“ entscheiden und damit zugleich auch für jeweils eine der beiden Fraktionen des Spiels, welche sich miteinander im Krieg befinden. Auf diese Weise erleben Spieler die Ereignisse aus der Perspektive des bevorzugten Reichs und damit auch auf zwei sich unterscheidende Arten Gefechte zu führen. Wir haben für euch nun die etwas leichtere Version „Vermächtnis“ unter die Lupe genommen und obwohl diese offiziell eher an Einsteiger gerichtet ist, darf man sie dennoch keinesfalls unterschätzen, denn im Kern ist und bleibt es ein waschechtes Fire Emblem.

Die Flammen des Krieges

In Fire Emblem Fates – Vermächtnis findet sich unsere Figur im finsteren Nohr wieder, wo wir als Teil der Königsfamilie aufgezogen wurde. Diese befindet sich nun kurz vor einem Feldzug der Eroberung gegen das friedliche Hoshido und durch eine schicksalhafte Wendung werden wir von deren Truppen gefangen genommen. Auf diesem Wege wird uns so offenbart, dass unsere wahre Familie tatsächlich das Königshaus von Hoshido ist, an dessen Seite es fortan gilt den Krieg zu einem guten Ende zu führen. Da allerdings eine solche Tatsache nicht die zahllosen Jahre des Bandeschmiedens übertünchen kann, finden wir uns zugleich auch in einer sehr emotionalen Lage wieder, in der wir gegen unsere alten Freunde und Geschwister in die Schlacht ziehen müssen – und das alles nur wegen der Machtgier des finsteren Königs von Nohr.Test-fire-emblem-Bild-2

Spielerisch nimmt Fire Emblem Fates – Vermächtnis die grade Route, was sich insbesondere an den Missionszielen erkennen lässt. Diese bieten in der Regel wenig Abwechslung, was meist auf das Besiegen der feindlichen Einheiten oder eines Anführers hinausläuft. Dadurch werden die verschiedenen Missionen in der Regel wesentlich stressfreier als es beim Vorgänger Fire Emblem Awakening der Fall gewesen ist, bei dem oft ein schnelles Voranschicken der eigenen Truppen notwendig war, um beispielsweise noch rechtzeitig einen möglichen Verbündeten zu retten. Dass etwas derartiges natürlich auch mit großen Risiken verbunden ist, muss kaum erwähnt werden, weshalb der Wegfall solcher Missionen zumindest für einen einigermaßen gemächlichen Einstieg in die Fire Emblem Serie sorgen dürfte.Test-fire-emblem-Bild-3Obwohl euch neben den Hauptmissionen noch zahlreiche Nebenereignisse und Scharmützel zur Auswahl stehen, in denen die eigenen Truppen hoch gelevelt und die eigene Taktik aufpoliert werden können, ist Fire Emblem Fates – Vermächtnis, was den Schwierigkeitsgrad angeht, keinesfalls zu unterschätzen. Selbst auf dem niedrigsten der drei verfügbaren Grade kann ein unbedachtes Aussenden der eigenen Gefährten schnell in deren Ableben resultieren. Wie gewohnt gilt es, viele Gameplay-Mechaniken im Auge zu behalten. Dies beginnt bei den Arten der Einheiten und deren Bewaffnung, über die Reichweite, die diese auf der Karte marschieren können, und endet bei der eigenen Formation und dem Vertrautheitsgrad der eigenen Truppen untereinander.

Neben den drei Schwierigkeitsgraden gilt es, sich auch für einen von drei Modi zu entscheiden. Der klassische bedient dabei Veteranen, die nach Nervenkitzel suchen, da hier Einheiten einen permanenten Tod erleiden und aus dem Spiel komplett ausscheiden können. Der Anfängermodus hingegen verzichtete auf eben dieses System, sodass gefallene Streiter in der nächsten Mission wieder frisch in den eigenen Reihen vorzufinden sind. Neu in Fire Emblem Fates – Vermächtnis ist jedoch der sogenannte Phönix Modus. In diesem können besiegte Einheiten noch im selben Gefecht wieder auferstehen, wodurch sich dieser speziell an Neueinsteiger und junge Spieler richtet, die wenig oder keine Erfahrung mit Strategie-Titeln haben.

Neuerungen und aufpolierte Grafik

Was schon sehr früh in Fire Emblem Fates – Vermächtnis auffällt, sind insbesondere die Völker, um die es sich dreht. Das Reich von Nohr, dessen Adelsfamilie vom Charakterdesign sehr stark an einen finsteren Vampir-Clan erinnert, ist so auf der einen Seite sehr düster gehalten. Dahingegen hat man sich bei Hoshido ganz klar an Japan orientiert, was nicht nur bei den Charakternamen sondern auch bei der Architektur und den Klassen auffällt. Zwar sind auch wieder altbekannte Klassen wie der Falkenritter und der Schwertmeister mit von der Partie, aber darüber hinaus muss sich der Spieler so an Ninjas, Samurai und Oni-Barbaren gewöhnen, die allesamt mit eigenen neuen Waffengattungen daherkommen, die sich aber an das gewohnte Schere, Stein, Papier-Schema orientieren.Test-fire-emblem-Bild-5

Auch optisch hat sich einiges getan. Sowohl Charaktere als auch Gebäude wirken so wesentlich detailreicher, was beispielsweise schon bei den früher verwendeten Stummel-Beinchen der Charaktere zu erkennen ist. Diese wurden ausgemerzt und Fans dürfen sich so auf richtige Füße bei den Figuren freuen. Ebenso wurden relativ viele kleine CGI-Sequenzen zwischen den Missionen eingebaut, die den Storyfluss weitertreiben und zugleich einen wahren Augenschmaus darstellen. Rundum wurde viel im Bereich der Inszenierung der Story verbessert, was häufig nur an Kleinigkeiten auffällt, die aber wiederum die Präsentation weiter abrunden.Test-fire-emblem-Bild-6

Ein neues und vor allem strategisch wichtiges Feature hinter Fire Emblem Fates – Vermächtnis stellen die sogenannten Drachenadern dar. Dies sind kleine leuchtende Felder auf den verschiedenen Missionskarten, die durch ein Mitglied der Adelsfamilie Nohrs sowie durch den Spieler selbst aktiviert werden können. Dies hat unterschiedliche, aber weitreichende Auswirkungen auf die Umgebung. So können Flüsse stillgelegt oder geflutet werden, wodurch beispielsweise ein Weg blockiert oder das Voranschreiten der eigenen Truppen beschleunigt werden kann. Diese Drachenadern kommen in vielen Missionen vor und bieten unterschiedlichste Auswirkungen an, wobei manche von diesen sogar negative Ereignisse, wie das in Brand Setzen des Bodens unter den Gefolgsleuten oder das Spawnen von zusätzlichen Gegner, bewirken können.Test-fire-emblem-Bild-7

Zwischen den Dimensionen

Auf das Link-System, welches schon in Fire Emblem Awakening Anwendung gefunden hat, dürfen sich Spieler auch in den neuesten Ablegern freuen. Durch dieses können die Beziehungen zwischen den einzelnen Charakteren der Geschichte verbessert werden, wenn diese in Kämpfen nebeneinander stehen. Eine Verbesserung dieser Beziehung hat dabei zahlreiche positive und erstrebenswerte Effekte. Nicht nur werden Komboangriffe wahrscheinlicher, auch erhält der Spieler Zugang zu kleinen Dialogen zwischen diesen Charakteren und mit Erreichen des höchsten Rangs können diese auch wieder ein Kind zeugen; vorausgesetzt die Geschlechter sind unterschiedlich. Diese Kinder werden dann in einem geheimen Dorf, in einer anderen Dimension, aufgezogen, in welcher die Zeit wesentlich schneller voranschreitet, sodass diese auch bald als Verstärkung zu dem eigenen Charakter-Ensemble hinzustoßen und in Gefechten verwendet werden können.Test-fire-emblem-Bild-8Ebenfalls in einer alternativen Dimension wird nach und nach ein kleines Königreich aufgebaut, in dem sich der Spieler zwischen den verschiedenen Gefechten wiederfindet. Durch das Bestreiten von Missionen werden so Punkte gesammelt, die in diesem Reich genutzt werden können, um Gebäude und andere Objekte zu errichten, die Zugang zu zahlreichen Verbesserungen anbieten. Neben diversen Einkaufsmöglichkeiten lassen sich hier unter anderen auch ein Kolosseum und eine Lotterie vorfinden, in der mit etwas Glück neue Waffen und Ressourcen gewonnen werden können. Ressourcen kommen dabei in Form von Edelsteinen daher, die zum Craften von verbesserten Waffen notwendig sind. Im Gegensatz zur früheren Ablegern haben nur wenige Waffen in Fire Emblem Fates – Vermächtnis noch Ladungen, die bei Verwendung verbraucht werden. Dafür können Waffen der gleichen Art miteinander fusioniert werden, wodurch eine leicht bessere Variante dieser erschaffen wird. Unbedachtes Craften kann allerdings schnell am Geldbeutel zerren, weshalb auch hier mit Sinn und Verstand agiert werden sollte.

Fire Emblem Fates: Herrschaft und Offenbarung *UPDATE*

Soviel zum Thema Fire Emblem Vermächtnis – aber wie sieht es denn mit den anderen beiden Teilen aus? Während sich Vermächtnis sehr stark an Einsteiger in die Serie und das Genre orientiert hat, so ist Herrschaft mehr für erfahrene Spieler zu empfehlen, wenn auch nicht ausschließlich. Abgesehen davon, dass ihr euch nach Ende des Prologs nicht den Hoshiden, sondern der Fraktion Nohr anschließt, unterscheiden sich die beiden Titel speziell was das Missionsdesign angeht.

Wer beispielsweise den Vorgänger Awakening gespielt hat, der wird mit Herrschaft bestens zurechtkommen, denn hier erwarten euch keine schnöden „Töte alle Feinde Missionen“, wie es in Vermächtnis durchgehend der Fall gewesen ist, sondern ihr bekommt es mit wesentlich abwechslungsreicheren, aber auch anspruchsvolleren Aufgaben zu tun. Ein Beispiel wäre ein Hafengebiet, in dem die Hoshiden einen Hinterhalt gelegt haben. Hier ist es eure Aufgabe, elf Runden zu überstehen und zahlreiche Wellen feindlicher Angreifer abzuwehren. Hinzu kommt, dass dabei die Verteidigungsanlagen des Spiels, wie die Ballista, strategisch gut genutzt werden können. Der Vorteil der Ballista liegt insbesondere im Flächenschaden, den diese an mehreren Gegnern anrichten kann. Test-fire-emblem-Bild-4Aber natürlich schlägt ebenso auch die Geschichte hinter Fire Emblem Fates Herrschaft einen etwas anderen Weg ein. Zwar dient ihr hier dem dunklen Königreich von Nohr, aber auch wenn König Garon einen verlustreichen Krieg anstrebt, so ist es am Spieler, diesen möglichst ohne Blutvergießen zu führen und die Opferzahlen gering zu halten. Entsprechend zielt Herrschaft im Vergleich zu Vermächtnis keineswegs darauf ab, sich zwischen Gut und Böse entscheiden zu können, lediglich die Herangehensweise und Sicht auf der Dinge ändert sich, während das Ziel, Frieden zu stiften, bei beiden Seiten gleich bleibt. Wer sich übrigens dazu entschieden hat, beide Spiele anzuschaffen, der sollte das Angebot von Nintendo im Auge behalten, denn Besitzer eines Titels können den zweiten zum halben Preis erwerben. Der Grund dahinter ist allerdings nicht nur eine Marketing-Masche, denn da beide Titel die gleiche Geschichte nur aus verschiedenen Perspektiven erzählen, müssen Spieler sich hier auch auf identische Maps gefasst machen, auf denen wir mit den Charaktere der jeweils gewählten Fraktion in den Kampf marschieren!

Fire Emblem Fates: Offenbarung wird von Nintendo als dritte Version ins Rennen geschickt, die allerdings das Durchspielen einer der beiden anderen Versionen voraussetzt. Diese verbindet dabei das Beste aus beiden Titeln und versucht mit Erfolg, wie es der Name des Spiels selbst schon andeutet, zahlreiche offengebliebene Fragen zu beantworten. Statt sich einer der beiden Fraktionen zum Spielstart anzuschließen, bestreitet ihr in Offenbarung jedoch einen gänzlich anderen Weg und versucht den Kampf als eine eigene Fraktion aufzunehmen. Der Grund dafür ist so simpel wie genial: Ihr kennt die dunkle Wahrheit hinter den Ereignissen, jedoch dürft ihr diese niemanden erzählen, da euch sonst ein finsterer Fluch trifft. Entsprechend brisant entwickelt sich das Rekrutieren und vor allem Überzeugen der Streiter von Nohr und Hoshido. Was die Schwierigkeit angeht, so pendelt sich das Spiel zwischen Herrschaft und Vermächtnis ein, wobei das Missionsdesign stärker in Richtung Herrschaft tendiert. Einzig und allein ist schade, dass Offenbarung das Abschließen einer der anderen beiden Titel voraussetzt, denn inhaltlich gehört dieser zu den besten der drei Teile und wäre insbesondere für jene Spieler am besten geeignet, die sich nur für die Anschaffung von einem der drei Ablegern entschieden haben.

Toll inszenierte Geschichte
Möglichkeit des Baus des eigenen Königreichs …
Gewohnt Anspruchsvolle Strategie-Elemente
Verbessertes Link-System
Neuer Phoenix-Modus auch für absolute Neulinge
Gut implementierte Gameplay-Mechanik der Drachenadern
Missionen könnten abwechslungsreicher sein
… das einen guten Ansatz darstellt, aber noch perfektioniert werden muss

Daniel M.

Zugegeben stellt der Titel Vermächtnis unter den Fire Emblem Fates Ablegern, insbesondere was das Missionsdesign angeht, den leichteren und direkteren Titel dar, jedoch sollte dies Veteranen der Serie und Hardcore-Strategen keinesfalls abschrecken. Selbst auf geringeren Schwierigkeitsgraden bleibt das Game dem Herzen des Franchises treu und bietet anspruchsvolle Gefechte auf hohem Niveau. Selbst die noch so kleinsten Fehler in der eigenen Strategie, und sei es nur ein Versäumnis Fähigkeiten und Bewaffnung einer gegnerischen Einheit zu prüfen, können so schnell zu immensen Verlusten führen, die unter Verwendung des klassischen Perma-Death Modus nur umso schmerzhafter ausfallen. Neue Features, der tolle Soundtrack, aber auch zahlreiche Verbesserungen in bereits bekannten Mechaniken und Optik runden dabei das gesamte Spielerlebnis ab und bescheren uns ein weiteres hochkarätiges Meisterwerk aus dem Hause Intelligent Systems, welches uns mitten in einen herzzerreißenden Krieg zwischen Brüdern führt.
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