Test: Gravity Rush 2

Gravity-Rush-2-Test-Bild-1Das Jahr ist noch frisch und schon steht uns mit Gravity Rush 2 der erste exklusiv Blockbuster auf der PlayStation 4 ins Haus. Dass es sich hier um einen ganz besonderen Titel handelt, wird schon deutlich, weil sein Vorgänger ein Handheld-Spiel war. Dabei erfreute sich die Geschichte um die Gravitations-Königin Kat so großer Beliebtheit, dass im vergangenen Jahr sogar eine Remastered-Version für die PS4 folgte. Um den Sprung aus der Nische nun endgültig zu schaffen, startet Teil zwei gleich von Anfang an auf der PS4 durch.

Ein neues Abenteuer

Gravity Rush 2 schließt nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers an. Diese waren ziemlich turbulent und umfangreich, sodass sich der Griff nach dem Remaster für Einsteiger in jedem Fall lohnt. Wie dem auch sei schlüpft ihr auch im Nachfolger in die Haut von Kat, welche dank ihrer Katze Dusty die Gravitation nach ihrem Belieben verändern kann.

An ihrer Seite hat sie noch zwei Begleiter Syd und Raven: Der eine ehemaliger Polizist und Schaumschläger aus dem Schauort des ersten Teils Heksvile und die andere ebenfalls eine sogenannte Graviations-Shifterin. Durch einen wilden Kampf trennen sich jedoch die Wege von Raven und Kat. Und so findet ihr euch an einem völlig fremden Ort wieder und habt zu allem Überfluss auch noch eure Kräfte verloren.

Zwei Fremde

Doch nicht alles ist fremd, denn ihr habt weiterhin Syd an eurer Seite. Schnell stellt sich raus, dass ihr durch einen Gravitationsstrudel weit weg von zu Hause gelandet seid und zwar in der Siedlung Banga. Ähnlich wie Hekseville schwebt auch diese Siedlung frei in der Luft, hat aber eine Besonderheit. Sie dient eher als riesiges Transportmittel für die Arbeiter(die Lhao) auf ihr. Diese begeben sich in die gefährlichen Gravitationsstürme, um dort in den Ruinen alter Städte Erze abzubauen und sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ohne Kräfte und glaubwürdigen Nachweis ihrer Herkunft müssen sich Kat und Syd als Minenarbeiter durchschlagen. Doch dies ist nur von kurzer Dauer und Kat gelangt schnell zu alter Form. Von diesem Punkt an versucht Kat zusammen mit Syd Raven zu finden und auch wieder nach Hekseville zu gelangen. Dabei führt euch das Abenteuer an viele neue Schauorte wie die angesprochene Siedling Banga, eine neue große Stadt Jirga Para Lhao, viele Ruinen und natürlich auch das „alte“ Hekseville. Darüber hinaus klärt sich noch einiges um Kats Hintergründe. Gravity-Rush-2-Test-Bild-2

Kindlicher Charme 

Die Geschichte ist wie auch im Vorgänger auf den ersten Blick sehr einfach und ohne jeden Zweifel etwas abgedreht japanisch. Dies wird vor allem durch die immer freundliche und aufgeschlossene Kat begünstigt, die auch ihr schnell lieb gewinnen werdet. Damit dies nicht zu eintönig wird, wartet ein großes Charakter-Ensemble, doch die Geschichte und Hintergründe der Figuren kommen leider manchmal viel zu kurz.

Je weiter ihr voranschreitet desto komplexer wird das Ganze und offenbart sein tiefgründiges und nicht immer ganz freundliches Wesen. Schade nur, dass die Geschichte doch manchmal so seine Längen hat. Dabei ist der Ansatz, wie euch das Ganze erzählt wird, durchaus frisch, denn anstatt euch mit Cutscenes zu bombardieren, dürft ihr einen interaktiven Manga lesen, welcher wunderschön gestaltet worden ist.Gravity-Rush-2-Test-Bild-3

Prall gefüllte Welt

Schade nur, dass dadurch manchmal zu hektische Szenenwechsel und Zeitsprünge passieren, die gerade mit dem sonst so offenen Spielprinzip brechen. Wie Kenner des ersten Teils jetzt schon sicher positiv vernommen haben, ist auch Gravity Rush 2 wieder ein Open-World-Spiel und dank der Kraft der PlayStation 4 größer, schöner und komplexer. Wo beispielsweise GTA in der schieren Ausdehnung der Karte punktet, geht das Spiel rund um Kats Geschichte, dank des Schwebeprinzips, eher eine vielschichtige Richtung. Viele Schauorte haben nämlich nicht nur eine Ebene und so könnt ihr euch beispielsweise bei Jirga Para Lhao in die Wolken stützen und eine ebenso große – nennen wir es mal Altstadt – entdecken.

Viel zu tun

Dabei könnt ihr natürlich wieder frei wählen, ob ihr euch strikt nach der Hauptgeschichte richtet, Nebenmission wie Erz abbauen erledigt oder Herausforderungen wie Kämpfe oder Schatzsuchen meistert. Der Umfang ist dabei wirklich enorm und bietet jede Menge Abwechslung. Neu dabei ist jetzt ein Fotomodus, der gleichzeitig als eine Art Multiplayer dient. Schade nur, dass viele Missionen größtenteils gleich aufgebaut sind. Suche Gegenstand XY, gehe hierfür zu Person B und danach komm zurück zu Auftraggeber A! Hier hätten wir uns stellenweise gewünscht, dass die Missionen in nicht ganz so viele Stückchen geteilt worden wären, weil ihr so das Gefühl bekommt, für eine Aufgabe eine Ewigkeit zu brauchen.Gravity-Rush-2-Test-Bild-4

Alles steht Kopf

Damit das Ganze aber möglichst spannend bleibt, hat sich am besonderen Gameplay, was mal wieder alles Gewohnte auf den Kopf stellt, nicht viel geändert. Und so könnt ihr dank Kats Kräften die Schwerkraft aushebeln und frei für einen längeren Zeitraum durch die Lüfte fliegen, an einem Ort schweben oder an Wänden kleben und entlang laufen. Doch das ist nicht alles, denn ihr könnt auch die Schwerkraft von Objekten um euch herum aufheben, um sie so als Waffen zu verwenden oder durch die Lüfte zu transportieren. Das stellt natürlich regelmäßig eure Perspektive auf den Kopf. Und obwohl die Kamera sich dabei nur wenige Aussetzer leistet, kann dies stellenweise zu Herausforderungen führen, denn vor allem in den Kämpfen wird es schon einmal hektisch.

Wie auch im Vorgänger sind die Auseinandersetzungen mit den Nevi (Wesen aus den Gravitationsstürmen) an der Tagesordnung. Zielen müsst ihr dabei immer auf ihren runden roten Kern. Dies kann sowohl am Boden als auch in der Luft passieren – wobei der Luftkampf hier natürlich das spannendere Thema ist. Dort kann Kat nämlich starke Gleittritte ausführen oder Spezialfähigkeiten benutzen. Und wie es sich führ einen Nachfolger gehört, sind die Angriffe und Fähigkeiten natürlich nochmal umfangreicher geworden.

Bling Bling für Bang Bang

Um diese auch einsetzen zu können, müsst ihr unterwegs Kristalle einsammeln, die ihr dann im Menü in den Skillbäumen einsetzen könnt. Neu sind jedoch die Talismane, die ihr Kat anlegen könnt, um Werte wie Gleitzeit in der Luft oder eure Angriffe zu verstärken. Schade nur, dass gerade in den Kämpfen die Kamera euer größter Feind ist – dies gilt vor allem in der Luft. Gerade wenn ihr mal einen Gegner verpasst, müsst ihr schon sehr mit den Analog-Sticks rotieren um, euch die wieder richtig auszurichten, was für ein bisschen Frust sorgen kann.Gravity-Rush-2-Test-Bild-5

Schick aber klingt nur komisch

Über fast jeden Zweifel erhaben ist jedoch die Präsentation des Spiel. Die Welt ist riesig und extrem liebevoll gestaltet dank des Cel-Shading Looks. Und auch in Sachen Effekte wurde jetzt noch mal ordentlich Hand angelegt und so erwartet euch vor allem in den Kämpfen ein echtes Effekt-Gewitter. Und auch PlayStation Pro-Besitzer können sich freuen, denn Gravity Rush 2 bietet eine tolle 4K-Unterstützung. Das sieht nicht nur auf 4K-Fernsehern nochmal schicker aus, sondern auch FULL HD-Bilder werden supergesampelt, um Treppcheneffekte zu minimieren.

Auch die tonale Gestaltung von Gravity Rush 2 konnte uns größtenteils überzeugen, denn die Szenen werden toll untermalt und für reichlich Atmosphäre ist gesorgt. Eine Sache ist und bleibt dann aber doch Geschmackssache und zwar die Sprachausgabe. Wie auch im Vorgänger hört ihr hier eine Art Phantasiesprache, die irgendwo zwischen Japanisch und Chinesisch angesiedelt zu sein scheint. Unseren Geschmack konnte sie dabei nicht treffen und das liegt vor allem daran, dass zu viel gesprochen wird. So schmettern euch einfach zu oft die gleichen komischen Laute entgegen.

Frische umfangreiche Geschichte ...
Riesige offene Welt mit jeder Menge Aufgaben
Tolle Hauptcharaktere
Schwebe-Gameplay
Cooler Cel-Shading Look
.. die teilweise zu zäh erzählt wird
Missionsdesign oft zu monoton
Fantasiesprache Geschmackssache
Kamera in den Kämpfen

Marco K.

Gravity Rush 2 ist wie sein Vorgänger ein Spiel der besonderen Art. Dafür sorgt nicht das Gameplay was euch den Kopf verdreht, sondern auch die tolle Geschichte mit der liebevollen Protagonistin Kat. Schade das diese, genau wie ihr, ein wenig mit der zähen Erzählweise und Kamera zu kämpfen hat. Doch davon solltet ihr euch nicht abschrecken lassen und euch genau wie die Heldin kopfüber ins Abenteuer stürzen.
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