Test: Hellblade: Senua’s Sacrifice

Test: Hellblade: Senua’s Sacrifice

Senua ist vor allem im Kampf mit sich selbst

Hellblade – Ein psychologisches Action-Adventure

Es ist sehr schwer, psychische Erkrankungen auch nur ansatzweise zu begreifen. Verstehen, was jemand durchmacht, wenn er leidet, vermag kaum einer – sofern er nicht selbst schon durch die Hölle gegangen ist. Genau das haben die Entwickler von Ninja Theory versucht, in ihrem neuen Spiel „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ verständlich zu machen. Das Spiel soll uns durch die dunkelsten Gegenden der Seele führen, um zu erfühlen wie sich ein psychisch Kranker fühlt.

Eine Reise in die Unterwelt

Hellblade orientiert sich stark an der nordischen Mythologie, welche gekonnt in die Geschichte um Protagonistin Senua gestrickt wurde. Senua, stets von der Dunkelheit verfolgt, begibt sich auf eine Reise in die Abgründe der Unterwelt „Helheim“, in der Hoffnung, die Seele ihres geliebten Freundes Dillion zu retten. Dabei begegnen ihr sowohl richtig starke, untote Nordmänner, welchen sie sich sich stellen muss, als auch Götter und Titanen. Am allermeisten ist sie aber ihrem eigenen Verstand und ihrer angekratzten Psyche ausgeliefert. Dagegen anzukämpfen ist ein sehr schwerer Prozess.

Immer wieder wird Senua von ihren Psychosen heimgesucht, welche es schwer machen, zu unterscheiden, was Realität und was Einbildung ist. Wir begleiten Senua also nicht nur auf eine Reise durch die Hölle, sondern allem voran auf eine Reise in ihr tiefstes Inneres, ihre Gefühle und ihr Leiden. Hierbei wird uns nichts geschenkt. Es gibt weder eine Spielanzeige (HUD), noch wird uns Hilfestellung bei den Kämpfen oder Rätseln gegeben. So sind wir also komplett auf uns alleine gestellt.

Test: Hellblade: Senua’s Sacrifice

Ein wahrer Albtraum

In Hellblade streifen wir durch eine sehr detailverliebte Welt voller zerstörter Dörfer, brennender Leichen und illusionsträchtiger Gegenstände. Je weiter wir kommen und je näher Helheim rückt, umso heftiger und stärker werden Senuas Visionen, welche sie schon von Geburt an plagen. Begleitet werden wir von wild flüsternden Stimmen, die Senua zusätzlich verwirren. Sie lachen sie aus, sind schockiert, warnen sie laut oder helfen, wenn wir bei einem Rätsel kurz hadern.

Generell ist diese Hilfe aber kaum notwendig, da man die Symbole, den richtigen Weg durch die Tore oder die Runen ziemlich schnell erkennt und zuordnen kann. Sehr anspruchsvoll sind die Rätsel demnach nicht. Teilweise wirken diese zwar wie extra lang gezogene Spielminuten, lassen aber viel Spielraum für Senuas Visionen und Gefühle, sowie eigene Interpretationen. Generell wirkt das Spiel mehr wie ein Wandersimulator, in dem wir aber durch unsere Interaktion eine ganz eigene Erfahrung mit dieser Leere und ureigenen Traumata machen.

Die ruhigen Passagen werden des öfteren von actiongeladenen und anstrengenden Kampfszenen unterbrochen. In diesen müssen wir mit dem Schwert die untoten Nordmänner schlagen, die sich uns in den Weg stellen. Schwer zu erlernen ist das Kampfsystem nicht, allerdings fordert uns die Anzahl und Häufigkeit der Gegner. An der richtigen Stelle zu blocken, auszuweichen und zuzuschlagen stellt sich als heikler heraus, als gedacht. Dabei ist die Kameraposition nicht immer günstig gewählt  da sie sich gerne mal in den Wänden oder im Boden festhängt und unsere Sicht auf den Kampf blockiert.

Test: Hellblade: Senua’s Sacrifice

Das Licht ist nicht von Dauer

Psychische Krankheiten sind selten bis kaum heilbar. Dieser Fakt wird uns bewusst gemacht, in dem wir merken, dass das Dunkel nicht lange auf sich warten lässt, wenn wir mal das Licht erfasst haben. Daher müssen wir viel auf unser Gefühl vertrauen, welches uns den Weg ins Helle ebnet. Außerdem machen uns die Stimmen, welche dank gelungenem Sound-Design mit Surround-Sound überall in unserem Kopf herumschwirren, in diesen Spielpassagen mächtig zu schaffen.

Fesselnde, optische Atmosphäre
Grandioses Sound-Design
Gelungene Darstellung der Psychosen
Anspruchslose Rätsel
Kameraposition im Kampf
Diverse Grafik-Bugs

Patricia M.

Hellblade: Senua's Sacrifice ist kein Spiel, Hellblade ist eine Erfahrung, welche für jeden unterschiedlich sein kann. Wie intensiv diese ist und wie nahe man Senua's Leiden an sich heran lässt, entscheidet jeder für sich selbst. Es wird nichts geschönigt oder gar verheimlicht. Was Senua sieht und fühlt, kann sich schnell auf den Spieler übertragen, was es nicht einfach macht, Hellblade an einem Stück durchzuspielen. Neu ist die Spielweise sicher nicht, imponiert aber mit einer gelungenen, optischen Inszenierung. Die grandiose audiovisuelle Umsetzung tut ihr Übriges. Besonders Hervorzuheben ist die Erzählweise von Senua's Sacrifice. Äußerst respektvoll geht man mit der psychischen Erkrankung um und bringt jede Szene, in der Senua leidet, auf eine absolut fühlbare Ebene. Hier zeigt sich, zu was der Videospiel-Bereich fähig ist, wenn die Entwickler die Chance erhalten, ihr Spiel so umzusetzen, wie sie es gerne würden. Psychische Krankheiten sind ein wichtiges als auch komplexes Thema, welches nicht totgeschwiegen werden darf. Es ist schön, wenn es so feinfühlig an einen herangetragen wird wie in Hellblade.
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