Test: Kampf um den Olymp

Lust auf ein Brettspiel und nicht genügend Leute zur Hand? Während sich Videospiele meist auch problemlos alleine zocken lassen, ist man als Brettspieler immer auf ein paar geeignete Mitspieler angewiesen. Zum Glück finden sich im Handel immer mehr hochkarätige Spiele wieder, die sich auch nur mit zwei Spielern sehr gut spielen lassen. In diesen Markt stößt auch Kampf um den Olymp, das speziell für zwei Spieler ausgelegt ist.

Nicht selten herrscht unter Brettspielern die Meinung, dass ein gutes Brettspiel mindestens drei Mitspieler benötigt. In den letzten Jahren ist die Auswahl an Zwei-Spieler-Titeln sprunghaft angestiegen. Nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ durften wir uns über viele Highlights freuen. Als Highlight möchte sicherlich auch der nun vorliegende Titel erstrahlen und tritt an im Kampf um den Olymp.

Götterzoff im alten Griechenland

Kampf um den Olymp ist eingebettet in eine kleine Geschichte, in der sich die Götterwelt verkracht und den Olymp verlassen hat. Warum den Platz an der Sonne nicht also selbst einnehmen? Leider hat sich das euer Konkurrent aber wohl auch gedacht. Es kommt also zum Duell. Jeder Gott-Anwärter lässt seine Helden und Armee antreten. Schnell ist der Kampf um den Olymp entbrannt.

Schon das kleine Spielfeld lässt erahnen, dass es in Kampf um den Olymp ziemlich konfrontativ zugeht. Es handelt sich lediglich um einen kleinen Streifen, an dem jeder Spieler maximal sechs Karten anlegen kann. Nur durch das Brett getrennt, stehen sich so meist zwei Karten direkt gegenüber, die sich im direkten Kampf duellieren. Das Spiel ist von Beginn an auf Konfrontation gepolt. Eine lange Aufbauphase gibt es nicht. In Kampf um den Olymp stehen die Zeichen von der ersten Minute an auf Angriff.

Mächtige Helden und Fußsoldaten

Gekämpft wird mit Armeen, die durch Karten dargestellt werden. Heldinnen oder Helden sind dabei eure mächtigsten Verbündeten. Sie haben meist nicht nur bessere Angriffs- und Verteidigungswerte, sondern verfügen auch über eine Sonderfertigkeit. Deutlich schwächer, dafür aber auch kostengünstiger, sind die einfachen Soldaten. Als dritte und auch schon letzte Kategorie kommen die Ausrüstungskarten hinzu, die eure ausgespielten Einheiten verstärken.

Die Basisregeln für den Kampf sind denkbar einfach. Seid ihr der aktive Spieler, so greifen alle eure ausgespielten Einheiten an. Angegriffen wird stets die direkt gegenüberliegende Karte. Im Kampf teilt immer nur der Angreifer Schaden aus. Entsprechend des Angriffswerts legt ihr jetzt Schadensmarker auf die Verteidigerkarte. Sobald eine Karte mehr Schadensmarker besitzt, als die Höhe des Verteidigungswerts anzeigt, ist die Einheit gestorben und wird aus dem Spiel entfernt. Das Grundprinzip ist also wirklich simpel.

Göttlicher Armeeaufbau

Bevor Helden und Soldaten jedoch in die Schlacht ziehen, müsst ihr die Karten von der Hand ins Spiel bringen. Jede Karte kann erst aktiviert werden, wenn die vorgegebenen Kosten bezahlt werden. Als Ressource stehen euch dazu nur die Handkarten selbst zur Verfügung. Jede Karte ist einer von vier Farben zugeordnet. Auf der linken Seite einer jeden Karte seht ihr die Aktivierungskosten. Günstige Soldaten könnt ihr beispielsweise für nur eine farbige Karte beschwören. Um den Soldat ins Spiel zu bringen, müsst ihr nun eine Karte der angegebenen Farbe ablegen. Helden sind meist deutlich teurer. Häufig kosten sie drei, vier oder gar fünf Handkarten in unterschiedlichen Farben. Wenn ihr einen dieser mächtigen Helden ins Spiel bringen wollt, müsst ihr also nicht selten eure ganze Hand abwerfen. Als Handkarte können solche vielfarbigen Helden aber auch gute Dienste leisten. Zum Bezahlen von Aktivierungskosten dürft ihr diese Karten als eine beliebige Farbe einsetzen.

Ganz interessant können auch die Ausrüstungskarten sein. Sie verbessern die Angriffs- oder Verteidigungswerte, manche geben sogar einen kleinen Extrabonus. Jede Einheit kann allerdings nur mit einer Ausrüstungskarte verbessert werden. Stirbt die ausgerüstete Figur, geht die Ausrüstung zudem auch flöten. Zum Bezahlen anderer Karten lassen sich Ausrüstungsgegenstände natürlich ebenso verwenden.

Richtig spannend wird das Spiel aber erst durch die ganzen Sonderfertigkeiten. Einige Karten bringen einen Soforteffekt. Dieser tritt einmalig und unmittelbar nach dem Auslegen der Karte in Kraft. Andere Sonderfertigkeiten werden in jeder Kampfphase ausgelöst. Weiterhin gibt es Fähigkeiten, die an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Die Auswirkungen dieser Effekte sind breit gefächert. Manchmal dürft ihr weitere Karten ziehen, andere verursachen zusätzlichen Schaden, können heilen oder bringen euch Siegpunkte ein. In der Tat sind es diese Sonderfertigkeiten, die Kampf um den Olymp die richtige Würze und den taktischen Tiefgang verleihen. Setzt ihr die Fertigkeiten geschickt und gut kombiniert ein, habt ihr euch einen gewaltigen Vorteil erarbeitet.

Troja, Delphi und der Olymp

Jeder Spielzug verläuft in drei schnellen Phasen. Zunächst bringt ihr so viele Karten von der Hand ins Spiel wie ihr mögt, sofern ihr die nötigen Kosten dafür bezahlen könnt. Anschließend greifen alle eure Einheiten an. Zum Abschluss dürft ihr zwei Karten vom Nachziehstapel auf die Hand nehmen. Um Karten ins Spiel zu bringen, stehen euch jeweils sechs Felder zur Verfügung.

Steht eurer eigenen Einheit beim Angriff eine feindliche Karte gegenüber, so kommt es zum Kampf. Der Angreifer teilt Schaden aus und die attackierte Karte wird mit entsprechend vielen Schadensmarkern versehen. Hat der Angreifer aber freie Bahn, steht ihm also kein Feind gegenüber, dann bekommt ihr den sogenannten Gebietsbonus.

Das Spielfeld mit seinen sechs Kartenfeldern ist in drei Gebiete unterteilt: Troja, Delphi und Olymp. Troja besteht aus einem einzigen Feld. Führt ihr dort einen nicht geblockten Angriff durch, bekommt ihr den trojanischen Gebietsbonus, der euch eine zusätzliche Karte einbringt. Delphi besteht aus zwei Feldern. In diesem Gebiet liegen vier farbige Steine aus. Als Gebietsbonus dürft ihr euch einen der Steine nehmen. Die so eroberten Steine könnt ihr später verwenden, um Karten von der Hand ins Spiel zu bringen. Jeder Stein ist eine Karte seiner jeweiligen Farbe wert. Mit drei Feldern ist der Olymp das größte Territorium. Als Bonus bekommt ihr auf diesen drei Feldern einen Siegpunkt hinzu.

Der Einzug in den Olymp

Um als Sieger aus dem Spiel hervorzugehen und in den Olymp einzuziehen, stehen euch drei Optionen offen. Ein Weg führt natürlich über die Siegpunkte. Am oberen Rand des Spielfelds wandert der Siegpunktzähler hin und her. Zu Spielbeginn liegt er auf dem Nullpunkt. Wenn ihr einen Siegpunkt ergattert, wandert der Zählstein um ein Feld in eure Richtung. Erzielt der Gegner jetzt einen Siegpunkt, bewegt ihr den Stein wieder auf die Ausgangsposition. So entsteht ein Tauziehen um die Siegpunkte, das hin- und herwogen kann. Das Spiel endet sofort, wenn einer von euch sieben Siegpunkte erzielt hat.

Möglicherweise wird es aber keinem gelingen, den Zähler auf die Siegposition zu bewegen. Wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist, gewinnt in diesem Fall natürlich der Spieler, der zu diesem Zeitpunkt bei den Siegpunkten vorne liegt. Es gibt aber noch einen alternativen Weg. Gelingt es euch, alle sechs Felder eurer Seite mit einer Einheit zu besetzen, geht ihr ebenfalls als Sieger im Kampf um den Olymp hervor. Alle sechs Felder müssen allerdings zu Beginn der eigenen Spielrunde voll besetzt sein. Euer Gegner hat also in seinem Spielzug immer noch die Chance, wenigstens eine eurer Einheiten zu vernichten.

Für ein Spiel braucht es im Regelfall nicht länger als eine halbe Stunde. Kampf um den Olymp macht auch direkt von der ersten Partie an Spaß. Ein langes Regelwälzen ist nicht erforderlich, da sich der Spielablauf praktisch von selbst erschließt. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 18-20€ im Handel.

tolle grafische Gestaltung
einfache Spielregeln
spielt sich sehr flüssig
Sieger steht manchmal schon früh fest

Sebastian Hamers

Mich hat das schlanke Regelwerk von Kampf um den Olymp ein wenig überrascht. Ein kleines, dazu noch reich bebildertes Faltblatt reicht aus, um die Regeln des Spiels gut zu erklären. Dennoch bietet es taktisch einige Möglichkeiten. Vor allem die Sonderfertigkeiten der Helden bringen hier richtig Schwung ins Spiel. Nicht jeder Spieler mag allerdings das hohe Maß an Konfrontation. In Kampf um den Olymp geht es von der ersten Runde an ins Gefecht. Jede Runde bringt unweigerlich neue Schlachten mit sich. Ein kleiner Wermutstropfen ist vielleicht, dass der Sieger oft schon weit vor dem Ende der Partie feststeht. Mit etwas Glück ist euer Vorsprung in der Mitte des Spiels schon so weit gewachsen, dass ihr uneinholbar vorne liegt. Mit Blick auf die kurze Spieldauer ist dieses kleine Manko aber vielleicht zu verzeihen. Ein dickes Plus ist dafür die grafische Gestaltung des Spiels. Die Illustrationen bewegen sich durchweg auf einem hohen Niveau. Kampf um den Olymp ist ein schnelles, aber taktisch anspruchsvolles Spiel und ist in jedem Fall einen Blick wert, wenn ihr noch nach einem Spiel für zwei Personen sucht.
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