Test: Kneipenquiz – Das Original

Nachdem mein Lieblings-Pub und somit auch sein regelmäßiges Kneipenquiz die Segel gestrichen haben, musste umgehend ein Ersatz her. Zumindest für das liebgewonnene Quizzen habe ich schnell eine Alternative gefunden. Das Kneipenquiz vom Moses-Verlag musste ins Haus. Mit 750 Fragen sind die nächsten Quiz-Abende jetzt erst mal gerettet.

Natürlich möchte sich niemand für ein Quiz gerne eine ganze Bande von Saufbolden ins Haus holen. Braucht ihr auch nicht. Denn das Kneipenquiz spielt sich kooperativ. Richtig, ein kooperatives Quizspiel, bei dem ihr gegen vier virtuelle gegnerische Tische antretet. Zu gewinnen gibt es außer Ruhm und Ehre zwar nichts, dafür müsst ihr euch aber auch nicht mit überteuerten Getränken, versalzenen Snacks und dem üblichen Kneipenmief auseinandersetzen.

Kneipen-Atmo für zu Hause

Zunächst einmal gibt es ein kräftiges Lob für die Gestaltung der Verpackung, die gleichzeitig als Spielfeld dient. Ihr öffnet den Karton sehr komfortabel, indem ihr den Magnetverschluss anhebt. Schon entblättert sich vor euch ein stilechter Kneipentisch mit 30 Feldern, auf denen ihr die Punkte von euch und den Gegnern auf dem Stand haltet.

Als Spielfiguren dienen kleine Papp-Aufsteller, die Bier- oder anderen Alkoholgetränkeflaschen nachempfunden sind. Aus dem Karton könnt ihr außerdem zwei Schubladen aufziehen, in denen sich das gesamte Spielmaterial befindet. Dieses besteht natürlich zu einem Großteil aus Quizkarten, 150 Stück an der Zahl. Jede Karte beinhaltet fünf Fragen sowie natürlich auch die richtigen Antworten, die auf der Rückseite stehen. Die Karten fallen angenehm groß aus und lassen sich im Karton in eine Aussparung stecken. So habt ihr die Quizkarten immer gut zur Hand. Zum Spielmaterial gehört auch ein Block, auf dem ihr eure Antworten festhaltet.

Easy-peasy oder albtraumhaft schwer?

Quizspiele sind eine komplizierte Angelegenheit. Wer will sich schon gerne mit seinem Nicht-Wissen vor seinen Freunden outen? Niemand möchte sich blamieren und deshalb finden Quizspiele längst nicht in allen Spielerunden auch Anklang. Beim Kneipenquiz wird die Furcht vor dem eigenen Versagen weitgehend eliminiert, da ihr nur als Gruppe gewinnen oder verlieren könnt. Außerdem lässt sich der Schwierigkeitsgrad dreistufig einstellen. Die Stufen reichen von „Easy-peasy“ über „Showtime“ bis zu „In your dreams“.

Nachdem das Spielfeld bereitsteht, kann es auch schon mit der ersten von insgesamt fünf Quiz-Runden losgehen. Die eigene Gruppe sowie die vier Gegner beginnen mit null Punkten auf dem Spielbrett. Ganz wie bei einem echten Kneipenquiz gibt es auch bei der Brettspiel-Version ein Zeitlimit. Dem Spiel liegt eine Sanduhr bei, die für einen Durchlauf fünf Minuten benötigt. Alternativ könnt ihr natürlich auch ein Smartphone als Timekeeper einsetzen. Ihr nehmt also die erste Quizkarte und beantwortet die dort aufgeführten fünf Fragen. Ihr könnt euch innerhalb der Fünf-Minuten-Zeitspanne über die Antworten unterhalten und alle Optionen diskutieren. In der Regel sollte diese Zeit auch vollkommen ausreichend sein, um fünf Antworten auf dem Papier festzuhalten. Ein immenser Zeitdruck entsteht im Spiel eher nicht. Trotzdem verhindert die Sanduhr die potentiell aufkommenden Endlos-Diskussionen.

Die Fragen selbst fallen recht anspruchsvoll aus, vermutlich wird es euch nicht gelingen, alle Fragen richtig zu beantworten. Ziemlich breit gefächert sind auch die Themengebiete, die ihr im Kneipenquiz vorfindet. Neben dem üblichen Allgemeinwissen werden auch speziellere Themen wie Literatur, Sport, Film, Geschichte, Science-Fiction und sogar unnützes Wissen abgefragt. Die breite Fächerung bietet natürlich den Vorteil, dass sich eigentlich jeder Quizteilnehmer gut ins Spiel einbringen kann. Wie es beim Kneipenquiz meist so üblich ist, gibt es keine vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wie bei „Wer wird Millionär?“. Tipps? Fehlanzeige. Ihr müsst schon mit vereinten Kräften selbst auf die Antwort kommen. Dadurch werden ein Quizmaster respektive ein Kneipenwirt überflüssig.

Nach Ablauf der Zeit müsst ihr alle fünf Antworten parat haben. Dann geht es zur Auswertung, in der ihr die Karte drehen und die Antworten lesen dürft. Für jede richtige Antwort zieht ihr nun eure Spielfigur um ein Feld nach vorne. Das gesamte Spiel läuft über fünf Runden, insgesamt müsst ihr also 25 Fragen beantworten, bevor es zur finalen Abrechnung kommt.

Die Rolle der gegnerischen Tische

Offen bleibt jetzt aber noch die Frage, wie denn die Gegenspieler ins Kneipenquiz integriert werden. Die virtuellen Gegner haben natürlich keine Möglichkeit ihrerseits Fragen zu beantworten. An dieser Stelle kommen die Wertungsplättchen ins Spiel. Sie beeinflussen den Fortschritt der vier anderen Tische.

Vor Beginn jeder Runde zieht ihr zufällig fünf dieser Plättchen. Die Plättchen ordnet ihr nach eurem Gusto auf den fünf aufgedruckten Wertungsfeldern, die sich oberhalb des Spielfelds befinden. Die fünf Wertungsfelder stehen für die fünf Fragen, die in der laufenden Runde beantwortet werden müssen. Normalerweise findet ihr auf den Plättchen das Flaschensymbol eines Gegners sowie eine rote und eine grüne Ziffer.

Nachdem ihr die eigenen Antworten ausgewertet habt und mit eurer Spielfigur nach vorne gezogen seid, seht ihr euch die fünf Wertungsplättchen noch einmal an. Geht einfach die fünf Plättchen der Reihe nach durch. Habt ihr die erste Frage selbst richtig beantwortet? Dann wandert die gegnerische Figur gemäß der grünen Ziffer auf dem Plättchen nach vorne. Wenn ihr die Frage falsch beantwortet habt, rückt sie gemäß der roten Ziffer nach vorne. Die rote Ziffer fällt natürlich stets höher aus als die grüne Zahl. Beantwortet ihr also viele Fragen richtig, dann hindert ihr auch die virtuellen Gegner am Fortschritt auf dem Spielfeld. Auf einigen Wertungsplättchen findet ihr sogar die eigene Figur wieder. In diesem Fall gibt es für euch einen kleinen Bonus, mit dem ihr wieder ein paar Felder nach vorne ziehen dürft.

Kneipentaktik

Mit den Wertungsplättchen kommt dann sogar ein kleines taktisches Element ins Spiel. Ihr dürft die Reihenfolge der Wertungsplättchen nämlich jederzeit verändern, jedenfalls solange die Sanduhr noch läuft. Durch das Vertauschen von Wertungsplättchen könnt ihr das Vorankommen der Gegner ein Stück weit steuern. Seid ihr euch bei einer Frage absolut unsicher, kann es eine gute Idee sein, gerade dort das Plättchen mit der eigenen Figur zu platzieren.

Für jeden Schwierigkeitsgrad gibt es im Spiel ein anderes Paket mit Wertungsplättchen, 30 Stück pro Stufe. Um den Schwierigkeitsgrad zu modulieren werden also nicht die Fragen happiger gestaltet, es werden nur die Gegner stärker. Wenn ihr ein wenig mit den Schwierigkeitsgraden herumexperimentiert, werdet ihr schnell feststellen, dass es hier deutliche Unterschiede gibt.

Für den Fall, dass ihr wirklich mal eine große Party zu Hause habt, könnt ihr die Zahl der Teilnehmer auch nach oben schrauben. In diesem Fall empfiehlt es sich, die Partygäste in Gruppen aufzuteilen und die Wertungsplättchen einfach wegzulassen. Für jede richtige Antwort gibt es einen Punkt. Jetzt braucht es allerdings tatsächlich einen Quizmaster, der die Antworten der Gruppen entgegennimmt und die richtigen Antworten parat hat.

Kneipenquiz – Dar Original ist beim Moses-Verlag erschienen und kostet rund 25€. Ihr findet das Spiel im regulären Handel, könnt es aber auch direkt beim Verlag bestellen. Mit den 750 beiliegenden Fragen habt ihr erst einmal genug Material für viele Quizabende. Wenn euch wirklich mal der Stoff ausgeht, gibt es auch schon ein erstes Zusatzpaket, das nochmals 250 Fragen beinhaltet. Die Erweiterung kostet etwa 7€. Eine Partie dauert ungefähr eine halbe Stunde.

optisch klasse
kooperative Spielweise
unterschiedliche Schwierigkeitsstufen
Zusatzkarten passen nicht mehr ins Paket

Sebastian Hamers

Quizzen ist in Deutschland schon seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil der Kultur. Entsprechend gibt es im Handel auch etliche Spiele dieses Genres, ob nun in digitaler oder analoger Variante. Kooperative Quizspiele sind allerdings ziemliche Mangelware. Deshalb hat das Kneipenquiz schon so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Das gemeinsame Rätseln macht es auch weniger quizaffinen Spielern leichter, sich am Spiel zu beteiligen. Dafür sorgt auch die breite Streuung der Themengebiete. Pluspunkte gibt es außerdem für die Einbindung unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und natürlich für die tolle Verpackung und die gesamte Aufmachung des Spiels. Am Ende zählt vor allem jedoch die Qualität der Fragen. Hier haben die Macher viel Sorgfalt bewiesen und eine gute Mischung auf die Beine gestellt. Es ist so ziemlich unmöglich, alle Fragen korrekt zu beantworten, selbst in der Gruppe. Aber dennoch lässt sich oft das Wissen der Teilnehmer ergänzen, sodass man zusammen die richtige Antwort zumindest erahnen kann. Das Thema wurde gut ins Spiel übertragen und auch die Handhabung der virtuellen Gegner funktioniert ziemlich gut. Quizfreunde werden mit dem Kneipenquiz ganz bestimmt ihre helle Freunde haben.
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