Test: Lone Echo

Test: Lone Echo

Lone Echo bietet euch ein VR-Erlebnis der besonderen Art

Lone Echo ist eines der wenigen Spiele, bei denen wir der Aussage „Man fühlt sich, als wäre man in der Spielwelt drin“ auch wirklich zustimmen können. Die innovative, bis dato einzigartige Steuerung weckt die Illusion, man selbst würde durch das leere All gleiten. Entwickler Ready at Dawn hat hier wirklich Pionierarbeit geleistet. Ob das VR-Erlebnis sonst noch überzeugen kann, haben wir für euch herausgefunden.

Mensch trifft auf Maschine

Lone Echo beginnt gemächlich: Wir übernehmen die Rolle einer KI der großen Raumstation Kronos II. Teil unserer Aufgabe ist es, Kapitän Olivia „Liv“ Rhodes bei allen möglichen Aufgaben zu unterstützen. Trotz unseres nicht menschlichen Daseins herrscht zwischen beiden Protagonisten eine besondere und mysteriöse Beziehung. Dies wird spätestens deutlich, wenn Liv in den ersten Minuten die Nachricht erhält, dass sie versetzt werden soll und nur noch eine Woche auf der Station bleibt. Fast schon niedergeschlagen reagiert Jack, so der Name unserer KI, auf diese Nachricht. Was die beiden Figuren so miteinander verbindet ist eine der ersten Fragen, die man sich stellen wird.

Da ist doch was im Busch!

Die trügerische Ruhe wird nach kurzer Zeit gestört. Ein ungewöhnliches Leuchten wird aus der Ferne erspäht. Gleichzeitig setzt ein EMP-Impuls teile der Elektronik lahm. Was hinter dieser Anomalie steckt gilt es herauszufinden und bildet die zentrale Prämisse von Lost Echo. Zugegeben: Die Geschichte ist nicht die originellste, aber das will sie auch gar nicht sein. Der große Fokus liegt nämlich vor allem auf den Dialogen zwischen Jack und Liv. Diese sind angenehm ungehemmt und vermitteln das Gefühl, dass sich zwei alte Freunde über die alltäglichen Dinge des Weltalls unterhalten. Wir habe den beiden stets gerne zugehört, während wir uns durch Kronos II bewegt haben.

Test: Lone Echo

Kapitän Olivia „Liv“ Rhodes

Eine Hand nach der anderen

Stichwort Bewegung: Die findet so gut und authentisch statt, wie wir es nur selten erlebt haben. Mit dem Touch-Controller der Occulus Rift greift ihr nach Wänden, Abhängen und Griffen und zieht euch anschließend in die Richtung zu der ihr gelangen wollt. Da es im All logischerweise keine Schwerkraft gibt, schwebt ihr durch den Ruck in die gewünschte Richtung. Die Bewegung findet ähnlich statt, wie es auch auf echten Raumstationen der Fall ist. Die Bewegungen der Hände werden hierbei exakt wiedergegeben. Diese Tatsache sorgt für ein immersives Spielerlebnis. Auch der Präsenz des eigenen Körpers wird man sich ständig bewusst. Wenn ihr den Controller bewegt, seht ihr einen extrem detaillierten Arm mit verschiedenen Tasten und Legierungen an jeder Stelle. Schwebt ihr durch das All, seht ihr, wie eure Beine hinter euch mitgezogen werden. All diese Detailverliebtheit macht Lone Echo so besonders.

Test: Lone Echo

Ihr bewegt euch, indem ihr euch mit dem Armen vom Platz zieht

Das VR-Technikwunder

Und das Auge fürs Detail war auch sonst noch überall am Werk. Egal wohin wir blicken: Lone Echo sieht fantastisch aus. Ob riesige, frei schwebende Stationen oder enge Korridore. Einfach überall haben sich Schalter, Kabel und und Monitore versteckt welche die Spielwelt plastisch wirken lassen. Zusammen mit den knackscharfen Texturen und einer tollen Lichtstimmung kann sich das Spiel wirklich sehen lassen und ist ein potentieller Anwärter für den VR-Grafikthron. Wenn man im All auf eine Raumstation hingleitet und sie auf dem Weg ihre wahre Größe offenbart kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auch das Sounddesign macht einen guten Eindruck. Musik fehlt fast gänzlich, nur einzelne leise Melodien sind stellenweise vernehmbar. Die Umgebungsgeräusche sind angenehm ruhig und harmonisch. Nur vereinzelt sind Schubdüsen oder Wartungsroboter vernehmbar. Die englischen Synchronsprecher von Jack und Olivia leisten sehr gute Arbeit. Auf eine deutsche Übersetzung müsst ihr aber leider verzichten.

Test: Lone Echo

Die detaillierten Innenräume sind eine Augenweide

Gute Ideen, aber…

Während ihr euch durch die Station Kronos II bewegt, müsst ihr verschiedene Aufgaben lösen. Liv leistet euch dabei über Funkverbindung Abhilfe. Oft sind bestimmte Maschinen kaputt, welche ihr irgendwie wieder reparieren müsst. Um alle Rätsel zu lösen, ist der Roboterkörper mit verschiedenen nützlichen Apparaturen ausgestattet, welche allesamt mit „virtuellen Tasten“ aktiviert werden können. An euren Armen befinden sich einige Schaltflächen. Werden diese mit einem Finger betätigt, fahren unterschiedliche Geräte aus ihnen heraus. Zum einen hätten wir den Scanner. Wie der Name schon vermuten lässt, könnt ihr mit diesen verschiedene Objekte oder Datensätze analysieren. Sehr wichtig wird dieser vor allem wenn ihr es mit radioaktiver Strahlung zu tun habt. Da es per se keine Gegner gibt, ist sie die einzige Möglichkeit wie ihr sterben können.

Wobei das auch nicht ganz richtig ist. Als KI habt ihr nämlich den praktischen Vorteil, dass ihr nicht auf einen Körper angewiesen seid. Zerstört die Radioaktivität des Alls also euren Metallkörper, transformiert sich Jack schnurstracks in einen anderen. Glücklicherweise gibt es ganze Lager, welche mit den Robotern ausgestattet sind. Diese bilden somit eine Art Checkpoint. Mit den Armlaser könnt ihr bestimmte Materialien schmelzen und darunterliegende Schalter und Hebel betätigen. Auch am Helm der Spielfigur befinden sich Tasten, mit denen ihr beispielsweise eine Taschenlampe einschalten könnt. Diese zusätzlichen Tasten sind eine sehr gute Idee und sind eigentlich einfach zu erreichen. Falls ihr mit einem separaten Headset spielt aber noch ein kurzer Hinweis: Die virtuellen Tasten des Helmes befinden sich relativ nahe am Ohr. Habt ihr ein zusätzliches Headset auf könnt ihr diese möglicherweise nicht erreichen.

Test: Lone Echo

Einen solchen Komplex zu erforschen kann langwierig sein

…wo muss ich hin?

Auch wenn dies wahrscheinlich beabsichtigt ist um den Spieler lange am Spiel zu binden und den Entdeckungsdrang anzusprechen: Die Wegfindung in Lone Echo ist teilweise schlimm. Wenn wir riesige, schwebende Containerwracks nach einem kleinem Computer durchsuchen müssen, macht das Spiel schlicht und einfach keinen Spaß. Zwar kommen solche Momente nicht all zu häufig vor, aber wenn sie da sind stören sie extrem. Auch muss erwähnt werden, dass sich die Aufgaben ständig wiederholen. Mal muss hier was gescannt , mal da ein Hebel umgelegt werden. Wegen einem anspruchsvollen, ausgefeilten Gameplay spielt ihr Lone Echo also nicht. Aber dieses Problem haben ja momentan viele VR-Spiele.

Stattdessen geht es viel mehr um die Erfahrung selbst. Lone Echo macht vieles anders als sonstige VR-Titel. Das Interface ist intelligent. Nicht vorhanden, aber durch die virtuellen Tasten trotzdem immer präsent. Die Fortbewegung einmalig und die Technik beeindruckend. Es ist keineswegs Perfekt, aber auf jeden Fall etwas Besonderes.

Sympathische, gut geschriebene Charaktere
Einzigartige Form der Fortbewegung
Smartes HUD
Tolle Technik
Gelungene Atmosphäre
Repetitives Gameplay
Nerviges Umherirren

Stefan L.

Lone Echo ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite haben wir die grandiose Atmosphäre, eine smarte Nutzung der Occulus Rift Touch-Controller und eine wirklich neue, stimmige Art der Fortbewegung. Auf der anderen Seite kann das eigentliche Gameplay nicht so recht überzeugen. Wer auf der Suche nach einem hochwertigen, emotional packenden VR-Erlebnis ist darf gerne zugreifen. Wollt ihr stattdessen anspruchsvollen, spielerischen Tiefgang solltet ihr um Lone Echo einen Bogen machen.
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