Test: Metal Gear Solid V – The Phantom Pain

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Snake ist zurück

Mit Metal Gear Solid 5 bringt Serienschöpfer Hideo Kojima schon fast eine Art Lebenswerk zum Abschluss. Nachdem wir uns mit Ground Zeroes schon einen kleinen Eindruck verschaffen konnten, haben wir nochmal unsere Schnürschuhe festgezurrt um in „The Phantom Pain“ auf Schleichmission zu gehen.

Zurück in die Vergangenheit

Serientypisch stellt die Geschichte von Metal Gear Solid 5 natürlich eine Grundfeste dar. Im mittlerweile neunten Teil davon soviel zusammen gekommen, dass Anfänger erstmal nur Bahnhof verstehen dürften, wovon ihr euch aber auf keinen Fall abschrecken lassen solltet. Hier die Kurzfassung:  Ihr schlüpft wie schon in Ground Zeroes in die Haut der Soldatenlegende Big Boss, die aus dem Koma aufwacht.

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Robo Snake

Nach kurzer Zeit wird klar, dass die vorangegangenen  Ereignisse mittlerweile neun Jahre zurückliegen und ihr nicht einfach nur Schönheitsschlaf halten musstest. Leider seid ihr nämlich beim Angriff der mysteriösen XOF-Gruppe auf eure Heimatbasis vor neun Jahren schwer verletzt worden. Eure Verletzungen sind unglücklicher Weise schwerer als gedacht, denn neben zahlreichen Granatensplittern, Muskelschwund und Gedächtnisverlust fehlt unpraktischer Weise noch euer linker Unterarm. Unschöner könntet ihr wohl kaum im Jahr 1984 aufwachen.

Doch Zeit für Reha bleibt euch nicht, denn so gerne ihr euch auch weiterausruhen möchtet, umso gefährlicher ist es für euch im Krankenbett zu verweilen. So beginnt eine actionreiche Flucht, bei der ihr schnell auf neue Feinde und alte Verbündete stoßt. Besonders letztere in Form von Revolver Ocelot geben euch anschließend Rehahilfe inkluive Armprothese, damit ihr wieder zur lebenden Legende werden könnt. Ab diesem Punkt macht ihr euch auf, um die Drahtzieher hinter allem zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

metal-gear-solid-5-test-Bild-3Großes Kino

Wie von einem Hideo Koijma Spiel gewohnt, kriegt ihr bis zum Erreichen des finalen Abspanns ein cineastisches  Erlebnis präsentiert, welches mit toll geschnitten Cutscenes samt klasse Soundtrack auf euch wartet. Einher damit gehen extrem überzeichnete Charaktere, von denen euch vor allem die Bösewichte lange im Gedächtnis bleiben werden.

Ein ähnlich kontrastreiches Bild zeigt sich auch bei der Themenauswahl wo von Kindersoldaten, Folterung und Tod auch immer wieder wahnwitzige Elemente wie nackte Frauen-Poster oder absurde Soldatengespräche alles mit dabei ist. Genau an diesem Punkt werden sich auch beim neusten Metal Gear mal immer die Geister scheiden. So gut die Geschichte und Charaktere auch sind, umso weniger wollen sie mit dem sonst so realistischen Szenario zusammenpassen.  Für uns liegt aber genau hier der Charme, auf den ihr euch einlassen solltet, um ihm zu verfallen.

metal-gear-solid-5-test-Bild-4Offene Welten

Dieser Charme spiegelt sich auch in der tollen Präsentation nieder. Die hauseigne Fox-Engine zaubert den in die Jahre gekommenen Elite-Soldaten so schön wie nie zuvor auf euer heimischen Bildschirm. Hierbei können vor allem die Charaktermodelle überzeugen die nur so vor unzähligen Details strotzen. Ähnlich sieht es auch bei der Beleuchtung aus, bei der ihr euch vor allem im Freien über einen tollen Tag- und Nachtwechsel samt Wettereffekten freuen könnt. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt, so wirken einige Objekte doch noch arg kantig und die eine oder andere Textur nicht gestochen scharf. Zudem haben in der offenen Welt Bäume oder Büsche etwas mit zu langsamen nachladen zu kämpfen.

Um dem gesamte Szenario auch den richtigen Rahmen zu verpassen finden eure frei wählbaren Missionen auf zwei riesigen und offen erkundbaren Gebieten statt. Auf der einen Seite die Berglandschaft von Afrika und auf der anderen Seite die Grenzregion zwischen Angola und Zaire. Beide Gebiete sind so riesig, dass es selbst mit Pferd oder Fahrzeug über 10 Minuten dauern kann, um vom einen Ende bis zum anderen Ende gelangen. Gerade diese langen Laufwege können vor allem auf eurer eigen Basis irgendwann schon mal Geduldsprobe werden. Schade ist auch, dass zwischen den Gebieten keine wirkliche Verbindung entstehen mag und so das Prinzip Open World ein bisschen gebrochen erscheint.

metal-gear-solid-5-test-Bild-5Ein Zuhause für Alle

Um alles miteinander zu verbinden dient die sogenannte Motherbase, die fast schon einer Art Farmville gleicht. Alles was ihr unterwegs einsammelt oder via Luftballon aus den Gebieten herausbefördert, wird hierin geliefert und kann dementsprechend genutzt und weiterverwendet werden. Das beutet für euch von Beginn an auf Personal- und Ressourcensuche zu gehen um für kommende Missionen gut gerüstet zu sein. Dabei könnt ihr selbst Tiere wie Schafe und Esel auf die Basis schaffen, um diesen eine Bestimmung zu geben.

Doch das ist nicht alles, um euren Stützpunkt zu festigen, könnt ihr auch Panzer, Geschütze und mehr nach Hause befördern. Je mehr Zeit ihr zudem in die Weiterentwicklung steckt, umso mehr neues Material oder Personal könnt ihr kommende Missionen ausbilden.  All dies wird euch das Leben für kommende Missionen deutlich leichter machen. Schade nur, dass die Spieler unter euch, die wenig Lust auf Mikromanagement haben, schnell an ihre Grenzen geraten oder sich mit einem enorm ansteigen Schwierigkeitsgrad abfinden müssen. Für diesen Fall gibt es aber immer eine Notlösung dank Hünchenhaube.metal-gear-solid-5-test-Bild-6

In eurem Tempo

Womit wir auch gleichzeitig bei der komplett freien Auswahl und Herangehensweise der  Missionen angelangt wären. Ihr könnt grundlegend zwischen Haupt- und Nebenmissionen wählen und wie schon erwähnt frei abarbeiten oder eben nicht. Zwar gibt es in der offenen Welt jede Menge zu tun, nur bleibt das grundlegende Missiondesign immer gleich. Heißt im Klartext: feindliches Lager infiltrieren, Person oder Gegenstand befreien und danach schnell verschwinden.

Wie ihr das macht bleibt jedoch vollkommen euch überlassen, ob nun schleichend ohne das euch jemand bemerkt, oder plump bis an die Zähne bewaffnet durch die Vordertür. Zweite Variante sorgt zwar manchmal für den schnellen Erfolg, wird euch jedoch meist bei der abschließenden und enorm motivierenden und für schwitzige Hände sorgendene Missionsbewertung auf die Füße fallen. Doch keine Angst vor Fehlern, denn jede Mission kann im Nachgang für eine bessere Wertung nochmal gespielt werden.

metal-gear-solid-5-test-Bild-7Die Jagd nach dem S

Wenn ihr nämlich einen der begehrten S-Ränge erreichen möchtet, werdet ihr nicht umher kommen möglichst viel zu schleichen und am besten auch niemand auf eurem Weg zu töten. Hierbei ist eine gute Vorbereitung das A und O. Somit solltet ihr immer einen Blick auf die Missionsbeschreibung werfen, eventuelle Sound-Dokumente anhören aber vor allem das feindliche Lager vorher genauestens unter die Lupe nehmen.

Hierbei gilt es möglich gute Aussichtsplattformen zu finden um den Gegner mit Fernglas genau zu analysieren. Zudem solltet ihr feindliche Soldaten verhören um noch an zusätzliches Insiderwissen zubekommen. Wer also eher zu der ungeduldigen Sorte Mensch gehört, der sollte sich besser nach einem anderen Spiel umsehen.

metal-gear-solid-5-test-Bild-8Keine Eintagsfliege

Damit ihr euch nicht alle Informationen merken müsst, wird alles Wichtige wie Feinde und Missionsziel optisch sichtbar markiert und zudem auf eurer Karte vermerkt. Die Karte ist ein gutes Stichwort, denn diese findet ihr wie so vieles vorab schon Erwähnte in eurem iDroid.  Eine Art Smart-Device mit dem ihr alle Informationen und Managementfunktion überwachen und steuern könnt. Die Bedienung ist zwar einfach, aber stellenweise fast schon überladen und etwas lieblos. Das ist aber auch kein Wunder angesichts der Komplexität, die Motherbase, Missionen und Kartenfunktionen erreichen.

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Nicht ganz rund

Unter dem Motto Komplexität steht auch das restliche Handling von Metal Gear Solid V. Zwar hat sich an der Third Person Perspektive, samt Schleichhaltung  nichts geändert, doch bekommt ihr im neusten Ableger jede Menge neue Funktionen wie Fahrzeugsteuerung und Nachschubanfoderung hinzu. So komplex sie auch ist, funktioniert einwandfrei und  größtenteils wunderbar  intuitiv. Nur wenn es mal wirklich schnell werden sollte, kann es zu dem ein oder anderen Fehlgriff kommen.

Schwerer ins Gewicht fällt aber die unrunde Verbindung und der damit verbundene Spielfluss durch vielen verschiedenen Aspekte die euch Metal Gear Solid 5 bietet. So ist es beispielsweise beim ersten Mal noch nett sich einen Helikopter zu rufen, doch beim fünften Mal kann dies zu einer echten Zerreißprobe für die Nerven werden, weil dann die immer wieder gleichen zeitraubenden und unsinnigen Animationen auf euch warten.

 

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Kinoreife Inszenierung
Riesige Spielwelt
Komplett freie Entfaltung bei der Spielgestaltung
Abwechselung durch Motherbase
Schnitzer bei der Präsentation
Komplexität steht öfter dem Spielfluss im Weg
Missionsdesign bietet keine Abwechselung

Marco K.

Mit Metal Gear Solid 5 ist allen Beteiligten mal wieder ein großer Wurf gelungen. Die Geschichte und Charaktere schwanken wie immer zwischen Genie und Wahnsinn, werden euch aber in jedem Fall lange im Gedächtnis bleiben. Schade nur, dass aufgrund der enormen Vielfalt nicht alle Elementem, wie beispielsweise die Motherbase und die offene Welt wirklich rund miteinander verbunden werden konnten. Trotzdem bleibt Metal Gear Soild 5 ein großer Abenteuerspielplatz, auf dem ihr euch wochenlang frei austoben könnt, wie in kaum einem anderen Spiel.
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