Test: Metroid: Samus Returns

Test: Metroid: Samus Returns

Knapp 13 Jahre ist es her seit Nintendo uns mit einem 2D-Metroid beglücken konnte. Damals handelte es sich mit dem GameBoy Advance-Titel Metroid: Zero Mission um ein fantastisches Remake des Serienerstlings. Nach langer Wartezeit ist die berühmte Kopfgeldjägerin Samus Aran also wieder zurück. Passenderweise haben wir es auch bei Metroid: Samus Returns mit einer Neuinterpretation eines bereits bekannten Titels zu tun. Hier diente der offizielle zweite Teil als Grundlage. Um den hohen Erwartungen der Fans gerecht zu werden, zog Nintendo den spanischen Entwickler Mercury Steam an Land. Wir haben uns in die dunklen Korridore des Planeten SR388 begeben und verraten euch, was der 2D Platformer alles kann.

„Exterminate all Metroid Organisms“

Als Remake von Metroid II knüpft auch Samus Returns direkt an die Geschehnisse des ersten NES-Titels an. Auf dem Planeten SR388 wurde eine neue, bis dato unbekannte Lebensform entdeckt: Die namensgebenden Metroids. Diese besitzen die Fähigkeit, allen Lebewesen die Energie zu entziehen. Das Potential dieser Spezies ist enorm, weshalb die finsteren Weltraumpiraten sie für ihre Zwecke benutzen wollten. Kopfgeldjägerin Samus Aran konnte dies jedoch verhindern, zerstörte die Piratenbasis auf Planet Zebes und besiegte die Anführerin Mother Brain. Da von den verbleibenden Metroids auf SR388 noch immer eine große Gefahr ausgeht, erhält Samus den Auftrag sämtliche Organismen auszulöschen. Hier beginnt Metroid: Samus Returns.

Zugegeben, die Geschichte selbst ist eher zweckmäßig und wird auch nur im Intro des Spiels angerissen. Mit Standbildern und Textboxen präsentiert, hat diese einen gewissen Retro-Charme inne. Dennoch spielt sie für den Rest des Abenteuers keine Rolle. Das neue Metroid weiß genau, worin seine Stärken liegen und hält sich deswegen nicht mit der Präsentation einer tiefgreifenden Story auf. Viel eher liegen Gameplay und das Leveldesign im Fokus.

Power Suit: Das Schweizer Taschenmesser des Alls

Test: Metroid: Samus Returns

Darf bei keinem Metroid fehlen: Neue Werkzeuge und Upgrades für euren Kampfanzug.

Euer Ziel ist es also, alle Metroids auf SR388 zu beseitigen. Insgesamt 40 von ihnen sollen noch existieren, welche auf neun Gebiete des Planeten verteilt sind. Hierfür findet ihr ganz nach alter Serientradition neue Upgrades für euren Power Suit. Von einer besseren Rüstung, welche auch der größten Hitze standhält, über den ikonischen Morph Ball bis hin zum Waffenbeam, der Gegner einfrieren kann, ist alles vorhanden. Fans der Serie fühlen sich mit dem Arsenal an Ausrüstungsgegenständen direkt wie zu Hause. Zudem gibt es insgesamt vier neue Fähigkeiten, welche auf einer Energie namens Aeion basieren. Hiermit könnt ihr beispielsweise eure Umgebung nach versteckten Geheimnissen scannen oder eure defensiven Fähigkeiten steigern.

Neu ist auch die Möglichkeit, manuell zielen zu können. Haltet ihr die L-Taste gedrückt, könnt ihr eure Gegner haargenau ins Visier nehmen. Auch ein Kontersystem wurde eingebaut: Führt ihr im richtigen Moment eine Parade aus, taumeln eure Feinde und sind offen für eure Angriffe. Dadurch fühlt sich der Teil schneller und dynamischer als seine Vorgänger an. Abseits davon bietet euch Samus Returns aber die gewohnte Kost, welche die Serie so beliebt gemacht hat. Ihr springt, klettert und rollt euch durch die Areale, entdeckt Gegenstände und geht schießwütig auf Gegner los.

Lobenswert ist auch der schnelle Einstieg in das Getümmel. Ohne großen Erklärungen und Tutorials steht euch der Planet zur Erkundung frei. Ihr bringt euch die Spielmechaniken selbst bei und merkt dabei, wie ihr euch stetig verbessert. Genau das ist es, was von einem guten Metroid erwartet wird.

Ein Labyrinth, in welchen man sich gerne verläuft

Und genau hier kommen wir zum Herzstück des Sci-Fi Platformers: Dem Leveldesign. Dieses ist, um es möglichst kurz zu beschreiben, einfach fantastisch. Was Mercury Steam und Nintendo hier fabriziert haben, muss sich nicht vor etablierten Genre-Klassikern wie Super Metroid oder Castlevania: Symphony of the Night verstecken. Ihr erkundet verwinkelte und ineinandergreifende Levelabschnitte, trefft überall auf kleinere Rätsel und sammelt Container für eure Raketen, Energietanks und noch viel mehr.

Mit den neuen Fähigkeiten könnt ihr allmählich auch neue Gebiete in bereits bekannten Arealen aufsuchen. Betretet ihr ein unerforschtes Level, trefft ihr möglicherweise auf grüne Türen. Diese benötigen Super Missiles, um geöffnet zu werden. Ihr durchquert also die Räume auf der Suche nach dem Item. Habt ihr es gefunden, steht euch eine Vielzahl neuer Möglichkeiten zur Erkundung der dunklen Gebiete von SR388 zur Verfügung. Geht zurück zur genannten Tür oder reist erneut in ältere Gebiete. Auch hier gibt es einiges, was sich mit dem neuen Gegenstand erschließen lässt. Diese Form der Erforschung perfektioniert Metroid: Samus Returns.

Test: Metroid: Samus Returns

Den Grapple Beam könnt ihr als Greifhaken für große Klippen nutzen.

Überall verteilt findet ihr verschiedene Stationen, an denen ihr beispielsweise eure Munition oder Lebensenergie auffüllen könnt. Auch speichern tut ihr an festen Punkten. Richtig gehört, sowas gibt es noch. Sterbt ihr während der Erkundung, ist euer Fortschritt also weg und ihr müsst wieder vom letzten Spielstand weitermachen. Zwar ist der Schwierigkeitsgrad relativ hoch und fordernd, Frust kommt durch diesen Umstand aber nicht auf. Metroid: Samus Returns platziert seine Speicherstationen großzügiger als seine Vorgänger. Auch das Leveldesign führt euch durch geschickte Abzweigungen wieder zu den Punkten zurück. Sterbt ihr beim Kampf gegen Bossgegner oder Metroids, spawnt ihr hingegen direkt vor dem Raum des Gefechts. Das Spiel ist fair und nimmt euch nicht zu sehr an die Hand.

Test: Metroid: Samus Returns

Teleporter ermöglichen euch eine schnelle Reise in bekannte Zonen.

Metroids und andere Bösewichte

Apropos Bosse: Diese sind abseits der Metroids selbst zwar eher marginal vorhanden, dafür aber wuchtig inszeniert und in der Lage, kräftig reinzuhauen. Vor allem gegen Ende hin lassen sie sich blicken und versuchen Samsus Aran das Leben schwer zu machen. Hier ist es wichtig, die Muster der Gegner zu studieren und mit den richtigen Angriffen zu kontern. Zu viel über die großen Widersacher wollen wir euch aber aus Spoilergründen nicht verraten. Dennoch können wir euch sagen, dass sie für den einen oder anderen Spieler einen Tick zu lange gehen können. Die Bosse halten eine Menge Feuerkraft aus und verursachen ziemlich schwere Schäden, stellt euch also darauf ein, einige Male ins Gras zu beißen ehe ihr euch triumphierend im Erfolg baden könnt. Dafür ist das Gefühl nach einem Sieg einfach fantastisch. Ähnlich wie in beispielsweise Dark Souls erlebt ihr nach dem Sieg ein riesiges Glücksgefühl.

Test: Metroid: Samus Returns

Die Metroids tauchen in den verschiedensten Formen auf.

Zusätzlich gibt es da natürlich noch die Metroids selbst. Um diese finden zu können, habt ihr im unteren Bildschirm eine Art Radar, welches aufblinkt, wenn ihr euch einem der Fieslinge nähert. Insgesamt gibt es von ihnen sechs verschiedene Stadien, welche davon abhängig sind, wie lange sie schon leben. Die Duelle finden in unterschiedlichen Arenen statt. Mal besteht ein Großteil des Bodens aus Lava, mal flieht der Metroid und ihr liefert euch ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Kämpfe bringen eine nette Abwechslung in das sonstige Gameplay.

Schön und geschmeidig

Metroid: Samus Returns kitzelt jeden Funken Leistung aus dem Handheld heraus. Detaillierte Umgebungen und Charaktermodelle von Samus und den Gegnern überzeugen. Auch die Lichteffekte können sich sehen lassen und bewirken eine bedrohliche Stimmung auf SR388. Highlights sind vor allem die Hintergründe. Hier sehen wir riesige Pflanzen die sich bis zum Horizont erheben oder große Kreaturen, welche sich bewegen und auch akustisch wahrnehmbar sind. Uns ist es häufiger passiert, dass wir stehen blieben, um zu beobachten, was dort passiert. Auch der 3D-Effekt ist toll und erzeugt Tiefen. Zudem sind die einzelnen Sektoren abwechslungsreich gestaltet, was auch auf die Farbgebung Einfluss hat. So schimmert ein Gebiet mit viel Wasser eher in leichten Blau- und Grüntönen, während bedrohliche Lavagebiete mit einem markanten Rot auffallen. Außerdem läuft das ganze Geschehen stets absolut flüssig.

Auf die Ohren werdet ihr größtenteils eine atmosphärische, fast schon biologisch klingende Geräuschkulisse bekommen. Diese schafft ein Gefühl der Bedrohung und Isolation und macht alles richtig. Wenn ihr Musik hört, so handelt es sich meistens um Remixes von bereits bekannten Stücken der Metroid-Serie. Allen voran stellt Super Metroid Samus Returns so manchen Soundtrack zur Verfügung. Diese sind ebenfalls thematisch passend. Befindet ihr euch in einem mit Lava gefüllten Raum, erklingen dominante Posaunen und ein bedrohlicher Chor. Dennoch hätten wir uns hier etwas mehr Eigenständigkeit und Mut zur Kreativität gewünscht. In den Metroid-Spielen kommt es nämlich häufiger vor, dass beliebte Musikstücke ihren Platz in neueren Teilen finden.

Test: Metroid: Samus Returns

Grafisch gehört Metroid: Samus Returns zu einer der Perlen auf dem 3DS.

Ist das noch Metroid II?

Vergleicht man Metroid: Samus Returns mit seinem eigentlichen Original, wirkt es wie ein vollkommen anderes Spiel. Während man mit dem Gameboy-Titel ziemlich schnell durch sein kann, haben wir mit der Neuinterpretation gut zehn Stunden verbracht. Das ist ein ordentlicher Wert, sind sonst alle anderen 2D Metroids nach knapp 5 Stunden durchgespielt. Außerdem ist hier deutlich mehr drin, wenn man wirklich jeden Gegenstand einsammeln möchte. Zudem schaltet man nach dem Durchspielen einen höheren Schwierigkeitsgrad frei, bei dem ihr euch gegen härtere Widersacher beweisen könnt. Auch sonst ist das ursprüngliche Spiel nicht mehr wiederzuerkennen. Samus Returns ist schöner, spielt sich schnell und dynamisch und verfolgt die klassische Metroid-Formel par excellence. Wenn ihr euch diesen Titel entgehen lässt, seid ihr selbst Schuld. Das Spiel gehört in jede 3DS-Sammlung.

Grandioses Leveldesign
Tolle Upgrades und Items
Motivierende Jagd nach Metroids
Gute Länge
Wuchtig gestaltete Bossgegner
Flüssige, sehr schöne Präsentation
Atmosphärische Soundkulisse
Bosskämpfe könnten vielen zu lang sein
Eher wenige gänzlich neue Musikstücke

Stefan L.

Metroid ist zurück und erobert mit einem wuchtigen Paukenschlag den Titel, eines der besten Spiele für den Nintendo 3DS zu sein. Es perfektioniert die bekannte Metroid-Formel und beeindruckt nicht nur mit seinem verwinkelten Leveldesign. Auch Präsentation und Sound überzeugen und kitzeln noch das kleinste Quantum an Leistung aus dem Handheld heraus. Greift ihr hier nicht zu, verpasst ihr so einiges. Absolute Pflicht für alle 3DS-Besitzer.
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