Test: Mirrors Edge Catalyst

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-1Die Runner sind wieder los! Mit Mirrors Edge Catalyst erscheint der zweite Teil der Geschichte um die junge Läuferin Faith. Jedoch bekommt ihr ein Prequel serviert, welches die Vorgeschichte von Faith thematisiert. Der Nachfolger des erfolgreichen Action-Adventure aus dem Jahre 2008 verspricht dieses Mal ein Höchstmaß an Grafik und eine noch tiefergreifende Story. Ob die Entwickler dieses Versprechen einlösen können und wie es sich anfühlt in einem Open-World-Setting über die Dächer der Großstadt zu fegen, verraten wir euch in diesem Test.

Von der Zelle zurück auf die Dächer

Von unserer Bewegungsfreiheit merken wir zu Beginn von Mirrors Edge Catalyst erstmal nichts, denn wir sitzen fest in unserer kleinen Zelle im städtischen Gefängnis von Glass. Glücklicherweise setzt unsere Geschichte kurz vor der Entlassung der Runnerin Faith ein, welche aus noch ungeklärten Gründen fast zwei Jahre hinter Gittern war. Eher missmutig und unsanft wird Faith dann schließlich aus ihrer Zelle geführt und mit einem scharfen Ton darauf hingewiesen, dass sie sich in nur wenigen Tagen an offizieller Stelle melden muss, um sich in die Zwangsarbeit zu begeben. Anderenfalls würde ihr eine weitere Gefängnisstrafe drohen.

Kaum zwei Minuten außerhalb der Gefängnismauern, werden wir jedoch schon von einem unbekannten Runner namens Icarus aufgegabelt, welcher im Gegensatz zu uns weiß, mit wem er es zu tun hat. Wir erhalten von ihm eine kleine Kontaktlinse, die uns mit dem städtischen Netzwerk verbindet. Im gleichen Zuge wird dieses System per „Jailbreak“ freigeschaltet, sodass wir es nun für unsere eigenen Zwecke nutzen können. Hier bekommen wir auch gleich die Erklärung für unser Spiel-Interface und das „Rot“ geliefert.

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-6Am Ziel angekommen, entdecken wir ein vertrautes Gesicht und zwar unseren Ziehvater Noah. Dieser klärt uns über die Umstände in der Stadt auf und erzählt uns als Spieler von der Runner-Gilde, welche sich am Rande der Legalität bewegt. Euer persönliches Ziel nun ist, eure Schulden beim Schwarzmarkt-Boss Dogen zu begleichen, die ihr anscheinend vor eurem Gefängnis-Aufenhalt angehäuft habt. Als ihr jedoch Dateien aus dem Hauptquartier von KrugerSec klaut, nimmt euer Vorhaben eine entscheidende Wendung.

Faith’s Vorgeschichte, von ihrer Kindheit über ihre Ausbildung als Runnerin, bis hin zu ihrer Verhaftung wird im Laufe des Spiels immer deutlicher und rückt so zunehmend in den Vordergrund. Ihre komplette Story erfahrt ihr aber nur, wenn ihr den dazugehörigen Comic Mirrors Edge: Exordium lest.

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Obwohl EA euch in Mirrors Edge Catalyst eine tiefgreifende Story liefern wollte, wirkt sie sehr platt und lieblos. Die Story lädt kaum zum Eintauchen ein und stolpert von Mission zu Mission vor sich hin, während ihr noch eine Vielzahl an repetitiven und ideenlosen Nebenmissionen erfüllen könnt. Die Charaktere sind weder markant, noch einprägsam, sodass man auch nach mehreren Stunden Spielzeit nichts mit ihnen verbindet und sich kaum ihre Namen merken kann. EA verschenkt hier definitiv viel Potenzial, weshalb es den meisten schwer fallen wird dieses Abenteuer nach dem Spielen im Gedächtnis zu behalten.

Die Skyline von Glass in 4k-Grafik

Ein Aushängeschild von Mirrors Edge Catalyst soll die wunderschöne Grafik der Frostbite-Engine von Entwickler DICE sein und auf Hochleistungs-Rechnern sogar in 4k-Grafik erstrahlen. Wer jedoch keinen High-End-PC besitzt, wird diese süße Frucht leider nicht kosten können, denn auf Durchschnitts-Rechnern sieht das Spiel – wer hätte es gedacht – nur mittelmäßig aus. Die Schatten sind das beste Beispiel dafür, denn diese sehen auch auf höheren Einstellungen sehr pixelig aus und nicht sonderlich hübsch. Einigermaßen beheben könnt ihr diese unschönen Details, indem ihr in den Einstellungen die Grafikspeicher-Begrenzung ausschaltet.

Insgesamt ist Mirrors Edge Catalyst ein wahrer Speicherfresser und verlangt auch leistungsstarken Rechnern viel ab. Die hohen Hardware-Vorrausetzungen gibt der Entwickler selbst vor, denn um ein optimales Spielerlebnis zu bekommen, solltet ihr mindestens Windows 7 in der 64-Bit-Version, einen Prozessor mit mindestens vier logischen Kernen und 6 GByte Arbeitsspeicher an Bord haben. Als Grafikkarte genügt laut den offiziellen Anforderungen eine Grafikkarte mit der Leistung einer Geforce GTX 650 Ti oder Radeon R9 270X mit je 2 GiByte, wobei diese Angaben mit Vorsicht zu genießen sind. Um das Beste aus dem Spiel herauszuholen, benötigt ihr jedoch noch mehr Leistung in allen Bereichen, wie etwa einen Core i7-3770 / FX-8350, mindestens eine GTX 970 oder R9 280x (3 GiB) und 16 GB RAM.

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-3Abgesehen von der Auflösung und den Anforderungen bleibt bei der Gestaltung der Umgebung und dem Design der Stadt „Glass“ der Wow-Effekt aus. Gleich zu Beginn des Spiels soll der Panorama-Blick über die Stadt den Spieler voll und ganz hineinziehen und staunen lassen, doch statt heruntergefallenen Kinnladen gab es, zumindest bei uns, nur ernüchterndes Seufzen. Die Stadt wirkt leblos und öde, denn es gibt kaum sehenswerte Ecken, die den Blick auf sich ziehen. Um es genauer zu sagen, sehen fast alle Dächer ziemlich identisch aus, sodass man sich ohne seine Runners Vision und die Karte heillos verlaufen würde. Der farblose Stil der Gebäude ist zwar ein Markenzeichen von Mirrors Edge und soll als stilistisches Mittel für eine anonyme Großstadt dienen, doch sorgt er im neuesten Teil eher für eine langweilige und austauschbare Spielwelt.

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-9Nimmt man dann noch ein wenig Tempo aus seinem Spiel, um beispielsweise die Sammelgegenstände zu suchen oder sich einfach nur einmal umzuschauen, vergeht die Spielfreude so richtig, da die Stadt euch wenig zu bieten hat und so schnell Langeweile aufkommt. Ihr bewegt euch über Dächer und schaut auf leere Fassaden sowie eine ausgestorbene Stadt, denn Menschen, die Glass beleben, findet ihr nur selten. Neben wichtigen Charakteren und KrugerSec-Soldaten begegnen euch lediglich ein paar verlorene Seelen, die völlig untätig auf dem Dach stehen und euch anschauen – Das macht das Setting eher lächerlich als lebhaft.

Faith, die unbesiegbare Runnerin

Durch Gameplay und Spielmechanik konnte sich Mirrors Edge schon im ersten Teil auszeichnen und macht auch beim Prequel vieles richtig. Man integriert mit dem Trendsport Parcours ein interessantes Feature, welches in der Videospiel-Welt noch nicht allzu häufig benutzt wurde. Die Steuerung ist dabei wieder sehr intuitiv, weswegen lange Eingewöhnungsphasen wegfallen. Außerdem bringt diese Art der Bewegung ausreichend Action ins Spiel, ohne dass man viel Spannung aufbauen muss. Es macht immer wieder Spaß neue Wege zu entdecken und neue Möglichkeiten zu finden, dieselbe Stelle anders als zuvor zu erklimmen. Diese Vielzahl an Möglichkeiten kommen durch das Open-World Prinzip noch besser zur Geltung und geben euch das Gefühl von Freiheit und Unbegrenztheit.

Meistens funktioniert die Steuerung ziemlich präzise, doch schleichen sich an manchen Stellen Ungenauigkeiten ein, welche euch ganz schnell in die Tiefe stürzen lassen. Diese liegen natürlich oft bei den Spielern, jedoch gehen Ausfallschritte und Rollen gern mal ungewollt ins Leere, sodass ihr euch ganz schnell wieder im Ladescreen befindet. Manche Sprünge sind besonders anfällig für ungeplante Abstürze, für die ihr dann viele Versuche braucht. Besonders bei schnellen Szenen wird hier das Tempo komplett heruntergefahren und der Adrenalinrausch verfliegt.

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-7Neben der ungewöhnlichen Fortbewegungsmethode gibt es jedoch noch einen zweiten wichtigen Aspekt im Gameplay von Mirrors Edge Catalyst: Der Kampf. Faith hat sich in der Vergangenheit als eine der besten Kämpferinnen ausgezeichnet und mutiert in „Catalyst“ zum Bruce Lee unter den Runnern. Egal ob „normale“ Polizisten mit Schlagstöcken oder schwere Soldaten mit Rüstung und Maschinengewehr im Anschlag, Faith macht ohne Probleme Kleinholz aus ihnen. Auch große Gegnergruppen, die bis an die Zähne bewaffnet sind, stellen dank der eher zurückhaltenden K.I. der Gegner kein Problem für die unbewaffnete Kurierin dar.

Diese unverhältnismäßig große Stärke eures Charakters wirkt einfach unglaubwürdig und lächerlich, da ihr öfter durch einen Sturz vom Dach das Zeitliche segnet anstatt durch einen Kampf mit einer Gruppe Soldaten. Eure Gegner strahlen dadurch kaum Gefahr aus und den Hinweis, größere Gruppen von ihnen zu meiden, könnt ihr dezent ignorieren.

Test-Mirrors-Edge-Catalyst-5Neu ist außerdem das Level-System, welches euch mit immer neuen Fähigkeiten verbessern und so für Abwechslung sorgen soll. Neben hilfreichen Kletter-Fähigkeiten verbessert es auch eure Kampfkünste und gibt euch im Laufe des Spiels neue Gadgets wie den Greifhaken. Wo kleine Verbesserungen dem Gameplay gut tun, wollte man aber vor allem mit dem Greifhaken zu viel, denn Mirrors Edge kommt definitiv ohne aufwendige Gadgets aus und war gerade deswegen immer so nah, weil man sich mit dem Charakter identifizieren konnte. Es lebte von der Leichtigkeit, mit der Faith über die Dächer turnt und die einen vergessen ließ, dass man nicht selbst gerade im Parcours-Style herumläuft. Nun erinnert Faith dank des Hakens eher an eine abgespeckte Batman-Version.

Social Play

Das Social Play bringt ein erfrischendes Feature in das Story-lastige Spiel. Überall auf der Karte könnt ihr die „Fußspuren“ eurer Mitspieler finden und euch mit ihnen messen. In Zeitrennen könnt ihr versuchen, den schnellsten Weg über die Dächer zu finden oder Beat-L.E.-Punkte zu erreichen, die eure Mitspieler für euch ausgelegt haben. Trotzdem ist dieses System vollkommen optional und drängt sich auch während des Spiels nicht auf. Wer also keine Lust auf den Wettbewerb hat, kann das Social Play auch getrost übergehen. Wer sich jedoch dafür interessiert und fleißig dabei ist, steigt in seinem Rang auf und verewigt sich in den verschiedenen Bestenlisten.

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Open-World-Setting bietet uneingeschränkte Möglichkeiten
Flüssiges und intuitives Gameplay
Wettbewerb mit Mitspielern durch "Social Play"
Platte und lieblose Storyline
Herausragende Grafik nur bei sehr hoher Rechnerleistung
Eintönige Spielwelt
Kämpfstärke ist unrealistisch
Gadgets sind überflüssig

David O.

Die Freude über eine zweite Runde mit der leichtfüßigen Faith war groß, genauso wie die Versprechen der Entwickler, doch war am Ende die Enttäuschung doch noch viel größer. Neben einer platten Story sowie einer leeren und lieblosen Stadt bekamen wir genauso leere Charaktere, zu denen man keine Bindung aufbauen konnte, und eine Superhelden-Faith, die Armeen von Soldaten im Alleingang ausknockt. Mirrors Edge Catalyst entpuppt sich als speicherfressender Lauf durch immer gleiche Fassaden und als überhypter Titel mit viel verschenktem Potenzial.
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