Test: Monster Hunter Stories

Test: Monster Hunter Stories

Mit Monster Hunter Stories geht Capcom neue Wege. Das Spin-Off der berühmt berüchtigten Monsterhatz ist ein klassisches RPG mit einem rundenbasierten Kampfsystem, welches versucht einige kreative Ideen durchzusetzen und den Sammeltrieb im Spieler zu wecken. Warum dies gelingt und vor allem Fans der Hauptserie zugreifen sollten, erklären wir euch hier und jetzt.

Mein Freund der feuerspeiende Drache

Test: Monster Hunter Stories

Rider züchten in eurem Heimatdorf Hakum Monster auf.

Schlüpfen wir im regulären Monster Hunter eigentlich in die Rolle eines Jägers, so spielen wir in Stories einen sogenannten Rider. Diese gehen zusammen mit den Monstern Freundschaften ein und helfen sich gegenseitig. Wichtigstes Werkzeug ist hierbei der Bindungsstein. Dieser sorgt dafür, dass die Ungetüme zahm gegenüber Menschen sind und mit ihnen zusammenarbeiten.

Wir übernehmen die Rolle eines jungen Anwärters, welcher auf dem besten Wege ist, ein solcher Rider zu werden. Nur leider wird das Heimatdorf Hakum von einem Monster angegriffen und tötet dabei die Mutter unseres besten Freundes Cheval. Dieser ist seitdem nicht mehr der selbe und verlässt die heimischen Gefilde spurlos. Gleichzeitig bereitet sich der sogenannte schwarze Pesthauch aus. Dieser befällt Natur und Monster und lässt sie aggressiv werden. Was es hiermit auf sich hat, gilt es herauszufinden.

Auch wenn die Prämisse durchaus düster ist, setzt Monster Hunter Stories auf viel Humor und weckt ein wohliges Gefühl im Spieler. Es hat vielleicht nicht die originellste Geschichte auf Lager, präsentiert diese aber charmant. Ob wir mit einem alten Guru reden, welcher nur in reimenden Versen spricht oder zusehen, wie ein böser Professor seinen Gehilfen schikaniert, ist bezogen auf Animationen und Dialoge echt schön anzusehen. Zudem überraschte uns der ein oder andere Story-Twist. Nur leider beginnt das Spiel zu gemächlich. Der Einstieg kann sich teilweise extrem in die Länge ziehen und für Langweile sorgen. Diese verfliegt nach einiger Zeit aber endgültig.

Zu Wasser, Land und Luft

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Die treue und sympathische Felyne Navirou begleitet euch durch das Abenteuer.

Zwar ist es feste Tradition, dass Rider nur in der Nähe ihrer Heimat bleiben, dennoch brechen wir auf, um eine große und vielfältige Welt zu erkunden. Dies tut ihr zusammen mit eurem Katzen-Freund Navirou und euren Monstern. Die Welten bestehen aus Mal mehr und mal weniger großen Arealen und wird von den verschiedensten Ungeheuern bevölkert. Hier könnt ihr ganz in alter Monster Hunter Tradition nach Materialien suchen oder Monster jagen. Um an die begehrten Rohstoffe zu kommen, aus denen ihr dann später Rüstungen, Waffen und Heilgegenstände kombinieren könnt, kommen eure treuen Helfer ins Spiel. So könnt ihr mit dem an einen Raptoren erinnernden Velocidrome beispielsweise hohe Sprünge vollführen und so unerreichbare Plateaus erklimmen. Mit der Riesenspinne Nerscylla können Ranken erklettert werden und mit eurem treuen Drachen Rathalos seid ihr sogar in der Lage, die Gebiete im Flug zu erkunden. Gleichzeitig bewegen sich auch gegnerische Monster auf den Felder herum. Je nachdem, ob sie aggressive Fleischfresser sind oder doch eher Pflanzen bevorzugen, greifen sie euch an oder nicht. Berührt ihr eines der Ungetüme, startet das rundenbasierte Kampfsystem.

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Berührt ihr eines der umherlaufenden Monster, beginnt ein rundenbasiertes Gefecht.

Schere, Stein, Papier!

In den Kämpfen tretet ihr immer mit eurer Spielfigur und einem eurer Monster gegen die Feinde an. Im eigenen Team können maximal sechs Ungeheuer vorhanden sein, welche ihr problemlos in jeder Runde austauschen könnt. Es gibt drei reguläre Angriffstypen: Kraft, Geschwindigkeit und Technik. Diese verfolgen das gute alte Schere, Stein, Papier-Prinzip. Greift ihr ein Monster mit Geschwindigkeit und dieses euch mit Kraft an, so siegt ihr. Dadurch macht ihr mehr Schaden und schwächt den Angriff des Gegners. Zusätzlich gibt es Spezialattacken, welche für sogenannte Bindungspunkte eingesetzt werden können. Diese sammeln sich durch verschiedene Aktionen eures Teams im Gefecht. Ist der Balken voll, könnt ihr auf eurem Partner reiten und eine mächtige Spezialattacke ausführen. Jedes Monster hat hierbei seinen ganz eigenen Move, welcher durchweg toll animiert ist. Wichtig ist es zudem, auf die einzelnen Stärken und Schwächen zu achten. Der Paradiesvogel Qurupeco ist zum Beispiel sehr schnell, reagiert aber auch extrem empfindlich auf Eisschaden.

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Befindet ihr euch auf dem Rücken eurer Partner, könnt ihr mächtige Angriffe ausführen.

Wirkt das Kampfsystem gerade am Anfang noch relativ eintönig, so kommen im Spielverlauf neue Features hinzu. Es bietet nicht den größten strategischen Tiefgang, dennoch sind verschiedene Taktiken möglich. Seid ihr experimentierfreudig, so könnt ihr euch hier echt austoben. Zwar könnt ihr unendlich viele Gegenstände mit euch umhertragen, euer Kampfbeutel beschränkt sich aber auf nur zehn verschiedene Items. Wählt hier weise zwischen den zahlreichen Fallen, Heilungsitems und sonstigen nützlichen Geräten. Auch Online werdet ihr euch gegen andere Spieler stellen können. Der Service stand zum Testzeitpunkt aber leider noch nicht zur Verfügung.

Kindesentführung

Die größte Faszination bei Monster Hunter Stories geht vom Sammeln und Züchten neuer Monster aus. Im Verlaufe des Spiels trefft ihr auf verschiedenste Kreaturen, von denen satte 61 Stück Teammitglieder werden können. Um diese zu erhalten, schleicht ihr euch in ein Nest des gewünschten Ziels. Dort angekommen sucht ihr euch eines der Eier aus und verschwindet schnellstmöglich wieder. Braucht ihr dafür zu lange, taucht die wütende Mutter auf und versucht euch zu vertreiben. Macht euch hier auf einen schweren Kampf gefasst. Habt ihr also eines der Kinder entführt, könnt ihr dieses aufziehen und für die Kämpfe und Erkundung der Welt benutzen. Auch wenn der Vorgang ein wenig barbarisch klingen mag, so fügt er sich perfekt in das Monster Hunter Universum ein. Hier ergreift uns die selbe Sucht, welche Pokémon schon zur Berühmtheit verholfen hat.

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Seid ihr in einem Monsterbau, sind Schnelligkeit und ein kühler Kopf gefragt.

Neben dem Sammeltrieb gibt es auch eine weitere Motivation für das Sammeln vieler Monster. Diese nennt sich Ritus der Überlieferung. Hier habt ihr die Möglichkeit, die Gene eurer Monster zu kombinieren, um verschiedene Angriffe oder Spezialfähigkeiten zu übertragen. Dazu wählt ihr zunächst das Ungeheuer, welches ihr verstärken wollt, danach das Monster mit den gewünschten Eigenschaften. Wollt ihr beispielsweise euren Schneehasen Lagombi verbessern, könnt ihr einen Yian Kut-Ku verwenden. Letzterer kann unter anderem Feuerbälle verschießen. Führt ihr den Ritus durch ist euer Yian Kut-Ku weg und der Lagombi besitzt nun die feurige Fähigkeit. Die Kombinationen sind hier endlos und wecken abermals die Freude am Experimentieren. Der Ritus ermöglicht euch das Ausmerzen vieler Schwächen eures Teams, ist aber auch mit der längeren Suche nach Monsternestern verbunden. Notwendig ist die Durchführung des Ritus jedoch nicht, wenn ihr euer Team abwechslungsreich aufstellt.

Schöne Ruckler

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Auf grafischer Ebene sieht Monster Hunter Stories, gemessen an der Leistung des 3DS, echt nicht von schlechten Eltern aus. Weitläufige Areale erstrecken sich bis in die Ferne, die Farbe und Lichtstimmung ist hell und bunt und auch die Monster sind allesamt toll designt und haben alle ihre Eigenheiten. Dennoch fallen nach kurzer Zeit auch ein paar Patzer auf. Zwar beeindruckt die Welt selbst mit einer enormen Sichtweite, Monster und Sammelstellen für Gegenstände ploppen aber erst wenige Meter vor der Spielfigur auf. Das ist vor allem bei der Suche nach bestimmten Nestern oder Objekten nervig, da ihr erst zu spät von ihnen Kenntnis nehmt.

Auch Ruckler haben sich ins Spiel geschlichen. In den meisten Fällen läuft das Spiel zwar flüssig, ab und an bricht die Bildrate aber ein. Das geschieht vor allem, wenn viel auf dem Bildschirm los ist. Zudem gibt es ein bestimmtes Gebiet, bei welchem die Framerate fast konstant in den mittleren Zwanzigern hausiert und auch hier noch ein paar Einbrüche hat. Möglicherweise kann hier die Performance mit Updates optimiert werden, schön ist aber was anderes.

Toll sind hingegen die abwechslungsreichen Gebiete. Ob Wüste, Vulkan oder eisige Gefilde: Monster Hunter Stories hat sie alle. Das Erkunden der schön gestalteten Welten macht enormen Spaß. Auch die Städte sind voller Details. Marktstände stellen ihre vielen Waren aus, Monsterjäger tragen einzigartige Rüstungen. Hier sind an jeder Ecke grafische Spielereien zu finden.

Eine Liebeserklärung an Monster Hunter

Monster Hunter Stories bietet vor allem Veteranen der Hauptserie vieles zum Entdecken an. Items und Rezepte funktionieren größtenteils genau so wie in den regulären Teilen. Auch Menüführung, Sounds und die Gesten erinnern stark an die großen Spiele. Monster Hunter Fans werden einiges wiedererkennen können und sich direkt wohlfühlen. Von den kleinen schweineähnlichen Poogies bis zu den Felynen ist alles dabei, was das Jägerherz begehrt. Trotzdem fühlt sich Stories frisch und neu an. Auf den Vorschusslorbeeren ruht es sich keineswegs aus.

Allen Freunden von klassischen rundenbasierten RPGs empfehlen wir Monster Hunter Stories wärmstens. Die Demo im eShop des 3DS ist unserer Meinung nach aber keine gute Präsentation des Spiels. Diese lässt euch lediglich den sehr zähen Anfang spielen. Das eigentliche Abenteuer lässt dabei noch etwas auf sich warten.

Charmante Erzählung der Geschichte
Motivierendes Sammeln der Monster
Taktischer Tiefgang durch Kombination von Fähigkeiten
Bildhübsche Präsentation
Tolle Lokalisierung
Viel zu entdecken für Fans der Serie
Zäher Einstieg
Probleme mit Bildrate
Niedrige Sichtweite für Monster und Objekte

Stefan L.

Funktioniert Monster Hunter als klassisches Rollenspiel? Auf jeden Fall! Vom Kampfsystem bis zum Sammeln und Aufziehen neuer Monster erwarten euch hier frische und kreative Spielideen. Selbst die Geschichte überzeugt uns und punktet mit tollem Humor und überraschenden Wendungen. Das ist für die Monster Hunter Reihe eine richtige Premiere. Wenn ihr euch durch die ersten zähen und langatmigen Stunden kämpft und euch dann in der großen, erkundbaren Welt befindet, erwartet euch ein Abenteuer mit Gütesiegel. Technische Macken trüben zwar an gewissen Stellen den Spielspaß, das Grundgerüst von Monster Hunter Stories überzeugt aber auf ganzer Länge.
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