Test: Okiya

Okiya08

Nach seinem Mega-Erfolg Kingdomino hat sich Autor Bruno Cathala nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Zum Herbstgeschäft hat er noch einmal kräftig nachgelegt. So steht nun neben dem brandneuen Queendomino auch das kleine Zwei-Personen-Spiel Okiya in den Läden. Autor und Verlag versprechen uns ein einfaches Spiel – weise und poetisch. Was das wohl bedeuten mag?

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass Okiya in der Erstveröffentlichung bereits im Jahr 2012 erschienen ist. Der Pegasus-Verlag bringt das Spiel in diesen Tagen jetzt allerdings auch in den deutschen Handel. Damit zählt auch Okiya zu den vielen Neuerscheinungen des hessischen Verlags aus Friedberg.

Eine Okiya bezeichnet das Wohnhaus einer Gemeinschaft von Geishas. Im Spiel treten zwei dieser Häuser gegeneinander an um die Gunst des Kaisers zu erringen. Diese kleine Geschichte gibt dem Spiel einen lockeren Rahmen, mehr allerdings auch nicht. Im Grunde könnte Okiya auch ein völlig abstraktes Spiel sein, das auch ohne Thema ausgekommen wäre. Aber sei’s drum. Immerhin lässt sich so das asiatische Artwork erklären. Die grafische Darstellung fällt aber ohnehin eher schlicht aus. Das liegt aber wohl vor allem im Konzept des Spiels begründet. Mit aufwändigen Grafiken und einer detailreichen Ausarbeitung würde Okiya vermutlich kaum funktionieren. Die recht spartanisch gehaltene Gestaltung der Karten gehört somit zum Spielprinzip dazu.

Nur die Harten bleiben im Garten

Beide Spieler erhalten ein Set aus acht Karten einer Farbe. Auf jeder Karte seht ihr eine Geisha, die euer Haus repräsentiert. In der Tischmitte legt ihr weiterhin ein quadratisches Raster aus 4×4 Karten aus, das einen Garten darstellen soll. Auf jeder Gartenkarte befinden sich zwei unterschiedliche Motive, die eine ganz zentrale Rolle spielen.

Beinahe wie beim Klassiker „Vier gewinnt“ versucht ihr eine Folge von vier Geishas im Garten auszulegen. Dabei ist es egal, ob ihr die Reihe vertikal, horizontal oder diagonal erstellt. Doch es gibt eine weitere Möglichkeit, das Spiel für sich zu entscheiden. Alternativ könnt ihr auch ein Quadrat aus 2×2 Geisha-Karten innerhalb des Gartens aufbauen. Die dritte Siegmöglichkeit ist besonders tricky. Ihr könnt den Gegner schachmatt setzen, indem ihr ihm keine Möglichkeit mehr bietet, eine weitere Geisha in den Garten zu legen. Parallelen zu „Vier gewinnt“ sind also durchaus vorhanden. Allerdings ist Okiya trotz seiner sehr einfachen Regeln deutlich anspruchsvoller als der Klassiker.

Die Motive weisen den Weg

Die dritte Siegoption ist lediglich dank einer ganz besonderen Legeregel möglich, nach der die Geishas im Garten platziert werden müssen. Der Startspieler hat zunächst noch eine fast freie Auswahl. Als erster Spieler nehmt ihr eine der Karten am äußeren Gartenrand und ersetzt sie durch eine eurer Geishas. Die gerade entfernte Gartenkarte wird zur Seite gelegt. Betrachtet jetzt die beiden Motive auf dieser Karte. Der zweite Spieler darf seine erste Geisha nun an den Platz einer Gartenkarte legen, auf der sich eines der beiden Motive befindet. Für alle weiteren Spielzüge gelten die gleichen Regeln, sodass sich der Garten bald recht schnell mit Geishas füllt.

 

Plane weise und vorausschauend

Durch das Platzieren einer Geisha legt ihr eurem Gegenspieler einige Einschränkungen auf. So könnt ihr den Spielverlauf deutlich mehr beeinflussen als bei „Vier gewinnt“. Ihr benötigt schon eine gute Planung, um eine der drei Siegbedingungen zu erfüllen. Mit so manchem Zug eröffnet ihr dem Gegner Tür und Tor und das Spiel ist schneller beendet als gedacht. Das macht Okiya zu einer hochtaktischen Angelegenheit, trotz wirklich sehr einfacher Regeln und kurzer Spieldauer.

Dank des beinahe schon spartanisch ausgefallenem Spielmaterial bekommt ihr Okiya auch schon für rund zehn Euro. Das Spiel erscheint über Pegasus und ist im Handel bereits verfügbar.

einfache Regeln
günstiger Preis
taktisch anspruchsvoll
dritte Siegmöglichkeit eher unbefriedigend

Sebastian Hamers

Rein optisch hat mich Okiya zunächst so gar nicht angemacht. Die Freude am Spiel keimte aber schnell auf, meinen Mitspielern erging es ganz ähnlich. Bevor sie abwinken konnten, war das Spiel allerdings auch schon erklärt. Nach zwei gelegten Karten wird dann auch endgültig deutlich, wie viel Strategie in ein paar Karten und wenigen Regelsätzen stecken kann. Mit der eigenen Entscheidung beim Legen einer Karte gebt ihr dem Gegner eine Vorlage, die sich wiederum auf die nächste eigene Aktion auswirkt. Gelingt es euch nach einer Taktik-Schlacht dann den Sieg einzufahren, stellt sich ein gutes Gefühl ein. Einzig die dritte Siegmöglichkeit, den Gegner so zu blockieren, sodass er keine eigene weitere Karte mehr legen kann, fühlt sich ein wenig unbefriedigend an. Dennoch bleibt Okiya ein anspruchsvolles Taktik-Spiel, dass sich auch zwischendurch immer wieder gut einschieben lässt.
Test: Fire Emblem Warriors Test: Mittelerde: Schatten des Krieges