Test: Pokémon Tekken DX

Test Pokémon Tekken DX5

Als ich auf Zehenspitzen gerade so über die Schulbank schielen konnte, bestand meine Welt aus dem neuesten Buchstaben der Woche, einen Weg zu finden länger als 18:00 Uhr mit meinen Freunden draußen spielen zu können und natürlich Pokémon. Damals hatte ich die Gelbe Edition von meinen Eltern geschenkt bekommen, damit ich tapfer einen mehrtägigen Krankenhausbesuch durchstehe. Mit großen Augen steckte ich das knallgelbe Modul in meinen blauen Gameboy Pocket und musste ziemlich ernüchtert feststellen, dass es hier gar keine actiongeladene Kämpfe gibt, wie ich sie jeden Tag beim Anime-Block im Fernsehen bewundert hatte.

Das Konzept eines Rollenspiels noch nicht ganz erfasst, wunderte ich mich wie dieses Spiel denn nur Spaß machen könnte. Ich wollte mein Pikachu selbst steuern und eigenhändig dirigieren, wann es angreifen oder ausweichen soll. Frustriert legte ich das Spiel auf meinen Krankentisch, lieh mir von meinem Zimmernachbarn Super Mario Land und hüpfte wie gewohnt durch das Pilzkönigreich. Über 15 Jahre später wurden meine Kindheitsgebete mit Pokémon Tekken DX endlich erhört. Das bereits für die Wii U und Arcademaschinen veröffentlichte Kampfspiel bekommt nun auch eine Variante für die Switch spendiert. Diese haben wir uns für euch mit großen Krankenhaus-Augen angeschaut und auf Herz und Nieren getestet.

Fingerübung

Test Pokémon Tekken DX1

Fangen wir mit den Basics an: In Pokémon Tekken DX wählt ihr eines von 21 verschiedenen Pokémon, mit dem ihr gemeinsam in den Kampf zieht, um die Spitze der Ferrum-Liga zu erklimmen. Dazu tretet ihr immer wieder in unzähligen Kämpfen gegen andere Trainer an. Zusammengehalten wird dieser Storymodus durch eine hauchdünne Narrative rund um ein mysteriöses Schatten-Mewtu. Wie es bei Kampfspielen so oft der Fall ist, kann dieser Modus mehr oder weniger nur als kleine Fingerübung angesehen werden, als Warmspielen für die eigentliche Attraktion, den Multiplayer-Modus. Eigentlich schade, hätte man doch Zeit gehabt für die Switch-Version einen etwas abwechslungsreicheren Modus zu kreieren. So reiht sich ein Kampf hinter den nächsten und es fällt schwer, die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht zu halten.

Pokémon to Go

Test Pokémon Tekken DX4

Über das eigentliche Kampfsystem von Pokémon Tekken DX wurde seit seinem ursprünglichen Release bereits viel gestritten und diskutiert. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Es ist spaßig. Jeder kann den Controller in die Hand nehmen, einfach loslegen und ohne viel Übung gewisse Erfolge einfahren. Wer will, kann sich hier tiefer eingraben, Konterangriffe meistern und Movesets auswendig lernen. Das ist aber nicht essentiell, denn das Spiel ist sicherlich eher für den Gelegenheitsspieler ausgelegt als für den absoluten Kampfspielprofi, der jährlich die EVO besucht und diverse Siegertitel um seinen Hals hängen hat.

Das ist völlig ok und spielt dem besten Feature der Switch-Version mächtig in die Karten. Denn einmal die Joy-Cons ausgeklinkt, lässt sich Pokémon Tekken DX wunderbar im Splitscreen spielen. Gegen eine kleine Runde Kräftemessen in der Uni, im Park oder auf der Fernbusfahrt dürfte wohl niemand etwas einzuwenden haben. Auch die Tastenbelegung der kleinen Controller ist sehr gelungen, euer Pokémon lässt sich präzise steuern und keine Spielmechanik wurde für diesen Modus gestrichen. 

Neue Freunde

Test Pokémon Tekken DX2

Das andere Highlight neben dem portablen Spitscreen-Modus sind dann wohl die fünf neuen Zugänge im Kampfroster. Als erstes zu nennen wäre da der Scharfschützenvogel Silvarro aus Pokémon Sonne und Mond. Zudem reihen sich Kampffrosch Glibunkel, der überaus coole Kaiserpinguin Impoleon, das mysteriöse Darkrai und unser guter alter Freund Scherox in die Kämpferriege ein. Alle Neuzugänge integrieren sich wundervoll in das bestehende Spiel und spielen sich so spaßig wie alle anderen Pokémon auch. Als neue Helfer-Pokémon geben sich außerdem noch Flamiau und Robball die Ehre.

Ebenfalls neu sind 3 vs. 3 Kämpfe, in denen beide Spieler sich ein kleines Team zusammenstellen können und dann in einer taktisch geschickten Reihenfolge gegeneinander antreten. Zudem wurden die Trainingsmöglichkeiten für den aufstrebenden Trainer von nebenan deutlich verbessert. So könnt ihr jetzt eine taktische Nachbesprechung dank Replayfunktion durchführen und all eure kleinen Fehler noch einmal unter die Lupe nehmen. Die Replays könnt ihr sogar online hochladen und mit der ganzen Welt teilen. Ebenso könnt ihr euch nun in einer täglichen Herausforderung beweisen und so Extra-Boni freispielen.

Feintuning

Test Pokémon Tekken DX3

All das fällt eher unter die Kategorie Detailanpassung. Hier und da wurde ein wenig am Kampfspiel geschraubt, weltbewegende Neuerungen solltet ihr aber nicht erwarten. Im Kern bleibt Pokémon Tekken das selbe Spiel wie noch auf der Wii U, samt Stärken und Schwächen. Der Look des Spiels wirkt immer noch leicht unnatürlich und diffus, die ständige Helfer-Pokémon-Wahl ist eher nervig als taktisch und der Score dudelt träge vor sich hin. Ein wenig mehr Frischzellenkur hätte hier vielleicht noch ordentlich Wunder bewirkt, so wirkt es eher als hätte man nur das Nötigste getan, um Pokémon Tekken vorzeigbar neu zu veröffentlichen für die Switch.

Switch Mobilität
Einsteigerfreundliches Kampfsystem
5 neue Pokémon-Kämpfer
Frische Multiplayer-Varianten
Neue Replay-Funktion
Wrestler-Pikachu ist ein spielbarer Kämpfer (!)
Unnatürliche Optik
Dudel-Score
Nur Detailanpassungen
Langweiliger Storymodus

Jonas Dirkes

Pokémon Tekken DX ist nicht ganz das Spiel geworden, welches ich mir in grauer Vorzeit auf meinem Krankenbett erträumt hatte. Zu sehr bewegt es sich in den Konventionen eines Kampfspiels, anstatt das Pokémon-Prinzip adäquat zu digitalisieren. Das ist nicht schlimm, denn als Kampfspiel macht Pokémon Tekken eine gute Figur und ist sehr einladend für Neueinsteiger. Die neue Version besticht zusätzlich durch neue Pokémon, Modi und die eingebaute Splitscreen-Fähigkeit der Switch. Wer hier allerdings eine spannende Singleplayer-Erfahrung sucht, ist an der falschen Stelle. Pokémon Tekken DX sollte im Multiplayer online oder mit Freunden genossen werden, dann macht es richtig Spaß. Im Kern bleibt die Neuauflage jedoch wie das Original und kann nur mit Detailverbesserungen punkten.
Test: Destiny 2 Test: Project CARS 2
Comments