Test: Project CARS 2

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Diesen Herbst kommen Rennspiel-Fans auf sämtlichen Plattformen definitiv nicht zu kurz. Der Oktober steht voll im Zeichen der Platzhirsche Forza und Gran Turismo aus dem Hause Microsoft bzw. Sony, doch bereits diesen Monat erscheint mit Project CARS 2 eine Motorsport-Simulation, die sich vor den beiden jeweiligen Exklusivtiteln nicht zu verstecken braucht. Project CARS 2 ist vollgepackt mit schnellen Autos, rasanten Strecken und einer Fülle an coolen Features, die wir für euch nun etwas näher beleuchten werden.

Fokus auf die Rennen

Beim Start von Project CARS 2 merkt ihr schnell, dass hier eine Mammut Aufgabe auf euch wartet. Das Menü kommt nun deutlich bunter und aufgehübschter daher. Wählen könnt ihr zwischen einfachen frei anpassbaren schnellen Rennen, dem Online-Multiplayer und dem neuen Karriere-Modus. Gerade letzterer ist das neue Herzstück des Spiels und lässt euch eine Rennspiel-Karriere antreten wie nur ihr sie euch erträumt. Die Karriere lässt euch direkt in fast alle Rennklassen starten und so müsst ihr keinen nervigen Aufstieg von der niedrigen in die hohe PS-Klasse abarbeiten. Heißt aber nicht, dass ihr es nicht trotzdem tun könnt, denn so ist ohne Probleme möglich, sich seinen Weg von Kart-Rennen bis hoch zur GT3-Serie und noch weiter zu bahnen.

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Hierfür erstellt ihr einfach euren virtuellen Rosberg oder Schumacher und wählt die Klasse, in der ihr antreten wollt. Sollte euch der Weg mal zu steinig werden, könnt ihr jederzeit an vielen Einstellungen drehen, damit der Spaß nicht verloren geht. Schade nur, dass die Leidenschaft unterwegs ein bisschen flöten geht, denn auf euch als Fahrer wird kein Wert gelegt – kein Team, welches es zu managen gilt und keine echten Rivalen oder zumindest Drivatare, wie Forza sie zu bieten hat. Alles was zählt sind die Rennen und das Ergebnis. Das ist perfekt für alle, die aus den Einstellungen ihr eigenes Traumerlebnis herausholen wollen und für alle, die keine darüber hinausgehende Inszenierung brauchen. Wir hätten uns trotzdem ein motivierenderes Gesamtpaket gewünscht wie es die Genrekollegen schon seit längerem hinbekommen.

Von allem mehr als genug

Ein große Stärke von wie auch schon in Teil eins ist die Auswahl der Fahrzeuge, bei der jeder einen passenden Boliden finden wird. Exoten wie Wagen von Pagani finden sich zwar nur wenige und auch sonst kann Project CARS 2 nicht mit den 700 Wagen eines Forza Motorsport 7 mithalten. Dennoch könnt ihr aus rund 170 Fahrzeugen wählen, die von diversen Herstellern wie BMW oder Porsche stammen, sowie Platz hinter dem Steuer eines Karts oder Indie-Cars nehmen. Bedenkt man, dass sich der Titel auch mit den Virtual Reality Brillen von Oculus und HTC spielen lässt, könnt ihr sogar wortwörtlich Platz hinter dem Lenkrad nehmen. Die nötige Hardware vorausgesetzt taucht ihr so noch tiefer ins Spielgeschehen ein und könnt euch viel mehr von den Strecken und der Innenausstattung eures Fuhrparks ansehen.

Streckentechnisch legt der Multiplattformtitel sogar noch eine Schippe im Vergleich zu seinen Konkurrenten drauf und bietet euch über 50 Strecken in unterschiedlichen Varianten. Von Monza über Silverstone bis hin zu einem Eissee in Schweden warten zahlreiche Länder darauf, dass ihr mächtig aufs Gas drückt und bei Wind und Wetter, bei Schnee und Regen, bei Nebel und Sonnenschein den anderen Fahrern euer Rücklicht entgegenstreckt. ­

Bis ins kleinste Detail

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Die Genre-Bezeichnung einer Rennsimulation verdient sich Project CARS 2 vor allem bei seinen Unmengen an Einstellungsmöglichkeiten, die gleichermaßen Anfänger als auch Vollprofis zufriedenstellen werden. Egal ob ihr Lust auf ein kurzes Kart-Rennen oder die volle Dröhnung Motorsport mit den 24 Stunden von LeMans habt, für jeden Geschmack ist was dabei. Solltet ihr in der Karriere mal nicht das Rennen finden, welches ihr sucht, bastelt ihr euch halt eure eigenen Regeln zusammen und stellt die KI und euren Boliden bis zur letzten Schraube gemäß eurer Wunschvorstellungen ein. Das Wetter kann dabei während eines Rennens mehrere vorher festgelegte oder dem Zufall überlassene, dynamische Wechsel vollziehen und auch die Tageszeit schreitet voran. Ein Start in der hell leuchtenden Mittagssonne mit einem Zieleinlauf in einem dunklen Schneegestöber sind also im Bereich des Möglichen.

Echtes Rennsport Feeling

Viel wichtiger in Punkto Simulation ist jedoch das Verhalten der Boilden auf der Strecke und hier zeigt Project CARS 2 erst so richtig seinen Stärken. Alle Fahrzeuge fühlen sich unterschiedlich und realistisch im Fahrverhalten an. Doch das Wichtigste: Es macht auch noch Spaß und das merkt ihr gerade in der Karriere. Hier wird euch nämlich schnell klar, dass beispielsweise ein Kart und Mercedes nur begrenzte Gemeinsamkeiten haben und  so wirken sich Gewicht, Reifen und technische Helfer ungemein auf das Fahrverhalten aus. Gerade vom letzten gibt es ungemein viele, bei denen ihr stundenlang nach dem passenden Setup suchen könnt, um euch in den Grenzbereich vortasten zu können. An diesen gelangt ihr aber nun begingt mit dem Controller.

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Zwar ist die Umsetzung mit Gameplay sauber und lässt sich dank einstellbarer Tastenkonfiguration und anderen Einstellungen feinjustieren, jedoch schreit Project CARS 2  noch mehr als sein Vorgänger nach einem Lenkrad. Gerade im Bereich Force Feedback haben die Jungs von den Slighty Mad Studio noch mal eine deutliche Schippe raufgelegt und so spürt ihr jeden angefahrenen Curb, jede Bodenwelle und jeden Kontrollverlust des eigenen Fahrzeugs. Kontrolle ist ein guter Punkt; denn die angesprochenen Tageszeiten und Wettereffekte tun ihr Bestes, euch die Kontrolle zu entziehen. Das ist aber kein bisschen negativ gemeint, sondern verpasst manchen Rennen eine besondere Spannung und Dynamik. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal bei Nacht eine Runde auf die Nordschleife begeben, um schnell festzustellen, wie sehr der Puls dabei nach oben schnellen kann.

Chat mit Mechaniker

Eine Idee der Sorte „Warum hat das davor noch kein anderes Rennspiel gemacht?“ ist der Renningenieur. Statt euer Auto selbst zu tunen und Bremspunkte sowie Abtrieb einzustellen, könnt ihr mit eurem Mechaniker einfach ein paar Worte wechseln. Ihr teilt ihm zum Beispiel mit, dass ihr in den Kurven immer ins Rutschen kommt und er wird automatisch Änderungen an eurem Setup vornehmen, damit so etwas nicht mehr passiert. Simpel und genial.

Weniger genial ist dabei die Ideallinie, die ihr euch optional anzeigen lassen könnt. Nicht nur, dass sie in einigen Kurven gar nicht erst angezeigt wird, sie ist auch noch an so mancher Stelle recht ungenau. Schon in unseren ersten Rennen hingen wir plötzlich mit der Stoßstange am Blech unseres Vordermanns, und schoben ihn über die Kurve hinaus, weil das Signal zum Abbremsen einfach viel zu spät kam. In anderen Kurven hingegen kam es dann wieder viel zu früh. Überaus nervig, da die KI schon auf mittleren Stufen solche Fehler nicht mehr verzeiht und Rennen dann früh gelaufen sind. Da es hier keine Funktion zum Zurückspulen gibt, sind solche Rennen dann leider ohne einen Neustart verloren.

Präsentationsmäßig können vor allem die Autos aber auch die meisten Strecken glänzen. Abzüge in der B-Note gibt hier abseits der Strecke mit ein paar schönen Texturen oder dem ein oder anderen Pop-Up. Vor allem die Wettereffekte schinden Eindruck, wenn langsam die Regentropfen von eurem Wagen abperlen oder sich die gesammelten Schneeflocken auf eurem Fahrzeug bei einem Crash abrupt von selbigem lösen. Dieser Eindruck gilt im übrigen für alle Plattformen, wobei jedoch zwei besonders herausstechen und zwar die PS4 Pro und PC- Version. Erstere wartet mit skalierten 4K auf, aufpolierten Effekten und stabilen 60 Frames auf. Freuen können sich jedoch alle Konsolenbesitzer über grafische Einstellungsmöglichkeiten wie Unschärfe und mehr.

Der grafische Eindruck lässt sich wie immer mit der PC-Version nochmal deutlich steigern – echtes 4K und mehr als 60FPS sind hier nur einige Eckpunkte, die möglich sind, vorausgesetzt, euer Rechenknecht lässt euch nicht im Stich. Einen weiteren Vorteil hat der PC zusätzlich und zwar den VR-Modus, welcher eine tolle Figur macht und einen echten Mehrwert bildet. Nach ein paar Runden fühlt man sich wirklich wie hinter dem Steuer eines echten Wagens.

Umfangreiche Rennsimulation
Viele Einstellungsmöglichkeiten
Große Auswahl an Strecken
Überzeugende Optik und toller Soundtrack
VR-Support
Fehler bei der Ideallinie
Kein Zurückspulen möglich
Trockener Karrieremodus

Yannick

Project CARS 2 macht, was eine gelungene Fortsetzung tun sollte: Bis auf wenige Kleinigkeiten alles besser als sein Vorgänger. Die Probleme mit der Ideallinie müssen definitiv gefixt werden und die KI ist für Neulinge zumindest in den Standardeinstellungen ein sehr frustrierender Faktor. Wer aber den Einstieg findet, dem bietet Project CARS 2 eine Spielwiese voller toller Strecken und Einstellungen bis ins kleinste Detail. Gepaart mit cleveren Features wie dem Renningenieur wird hier die Freude am Fahren groß geschrieben und wer über Hardware wie ein Lenkrad oder eine Virtual Reality Brille verfügt, der kann noch viel tiefer in die Welt des Motorsports eintauchen als es bei allen bisherigen Rennspielen möglich gewesen ist. Mit diesem Gesamtpaket wird es schwer für die Konkurrenz, Project Cars 2 die Pole-Position streitig zu machen.
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