Test: Raptor

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg gab es wieder reihenweise Brettspiele zu sehen, die explizit für zwei Spieler ausgelegt sind. Der Pegasus-Verlag etwa setzt bereits seit geraumer Zeit auf Spiele dieser Art. Auf die neuen Zweier des Verlags müssen wir allerdings noch etwas warten. Genug Zeit, um sich mit Raptor, der Zwei-Spieler-Neuheit des letzten Herbsts zu befassen. Doch Vorsicht! Raptor verlangt euch einiges ab. Im Spiel gibt es nicht nur ordentlich auf die Glocke, es setzt auch euren Denkapparat richtig unter Strom.

Auf einer Insel im Pazifik sind Forscher tatsächlich auf einige lebendige Exemplare einer längst ausgestorben geglaubten Art gestoßen: Dinosaurier! Der Forscherdrang lässt den Wissenschaftlern keine andere Wahl. Die Jungtiere müssen lebendig eingefangen werden. Leider haben die Babys und vor allem die Dinosaurier-Mama etwas dagegen. So kommt es zu einer spannenden Jagd. Dinosaurier gegen das Forscherteam.

Ordentliches Spielmaterial

Die Insel und somit den Spielplan setzt ihr aus einigen Teilstücken zusammen. Dabei habt ihr die Wahl zwischen Dschungel und Savanne. Jedes Szenario bietet euch leicht veränderte Bedingungen. Örtliche Gegebenheiten wie Hügel etwa, versperren den einzelnen Figuren die Laufwege. Die Felsen, neun Stück an der Zahl, müsst ihr vorher aus zwei Einzelstücken zusammensetzen. So habt ihr statt eines einfachen Aufdrucks, sogar 3D-Objekte auf dem Spielbrett. Als Spielfiguren werden kleine Plastikminiaturen eingesetzt. Ein schöner Service, angesichts des Preises von rund 25€, geht das Material voll in Ordnung.

Vor dem Spiel entscheidet ihr euch entweder für die Rolle der Forscher oder der Dinosaurier. Als Spieler der Raptoren habt ihr das Spiel gewonnen, wenn entweder drei Dino-Babys vom Spielplan fliehen konnten oder wenn sich keine Forscher mehr auf dem Brett befinden. Die Forscher müssen hingegen versuchen entweder das Muttertier auszuschalten oder aber drei Babys zu betäuben und anschließend einzufangen.

Rumble in the jungle

Das Spielfeld besteht aus sechs Spielteilen und ist in einzelne Felder unterteilt, sechs Felder in der Breite und elf Felder in der Länge. Als Spieler der Dinosaurier platziert ihr zunächst die Mutter auf einem der mittleren Spielteile. Es folgen die fünf Jungtiere, die ihr auf allen anderen Teilen stellt. Auf jedem der insgesamt sechs Spielteile befindet sich zu Spielbeginn so genau eine Figur. Die Forscher dürfen zunächst nur vier ihrer insgesamt zehn Figuren aufstellen. Sie werden an den Außenseiten des Brettes positioniert und verbauen so die Fluchtwege der Dinos.

Gelingt es einem Dino, zu einem der vier Ausgänge des Spielfelds zu gelangen, ist er in Sicherheit und kann von den Forschern nicht mehr gefangen werden. Die Forscher versuchen natürlich genau das zu verhindern. Mit ihren Betäubungswaffen lähmen sie ihre Beute, um sie später gefahrlos einfangen zu können. Die Jungtiere sind den Angriffen der Wissenschaftler wehrlos ausgesetzt. Ganz im Gegensatz zur Mutter. Sie verteidigt ihre Jungen mit allem, was sie hat. Mit nur einer Aktion kann sie einen Forscher töten und ganz aus dem Spiel nehmen.

Ein Kampf auf Leben und Tod

Gesteuert wird das Spiel mit Karten. Jeder Spieler verfügt über ein individuelles Set, das aus neun Aktionskarten besteht. Drei dieser Karten habt ihr im Spielverlauf immer auf der Hand. Davon wählt ihr eine aus und legt sie zunächst verdeckt vor euch ab. Euer Gegenspieler verfährt genauso. Erst wenn beide Parteien ihre Aktion gewählt haben, werden die Karten offengelegt.

Die Karten jedes Spielers sind von 1-9 nummeriert. Weisen sowohl die Karte des Raptor-Spielers als auch die Karte des Forschers den gleichen Zahlenwert auf, werden beide Karten aktionslos abgeworfen. Ansonsten dürft ihr nur dann die Aktion auf der Karte ausführen, wenn ihr selbst die Karte mit der kleineren Zahl gespielt habt.

Aktionspunkte und Kartenaktionen

Solltet ihr die Karte mit der größeren Zahl gespielt haben, müsst ihr zunächst die Aktion des Gegenspielers abwarten. Doch dann ist auch eure Stunde gekommen. Statt der Kartenaktion, erhaltet ihr nun eine bestimmte Anzahl von Aktionspunkten, die ihr frei ausgeben dürft. Ihr könnt immer so viele Aktionspunkte ausgeben, wie die Differenz zwischen den beiden gespielten Kartenwerten beträgt.

In jeder Runde dürft ihr also entweder nur die Aktion auf der Karte wie angegeben spielen oder aber einige Aktionspunkte ausgeben.  Letztere dienen beiden Parteien als Mittel der Fortbewegung. Mit einem Aktionspunkt könnt ihr eine Figur um ein Feld versetzen. Die Raptorenmutter bewegt sich dabei deutlich schneller. Sie kann für nur einen investierten Punkt beliebig viele Felder in einer Reihe gehen. Etwaige Hindernisse wie Felsen oder andere Figuren kann sie dabei aber nicht überspringen. Die Mutter kann mit einem Aktionspunkt einen Forscher töten, sofern sich dieser auf einem benachbarten Feld befindet. Weiterhin kann sie ein betäubtes Baby wieder aufwecken, solange es nicht in der aktuellen Runde erst betäubt wurde. Als letzte Aktion kann die Mutter ein von den Forschern gelegtes Feuer mit dem Schwanz löschen. Feuer können für die Dinos besonders lästig sein, da sie Feuerfelder nicht durchschreiten können. Ganz im Gegensatz zu den Forschern. Sie dürfen ihre Züge lediglich nicht auf so einem Feld beenden, können aber problemlos durch das Feuer schreiten.

Die Forscher auf der Gegenseite können ihre Aktionspunkte natürlich auch nicht nur für die Bewegung nutzen. Für einen Aktionspunkt könnt ihr einen Wissenschaftler aus seiner Angststarre hervorholen. Die Angststarre ist das Äquivalent der Betäubung auf der Gegenseite. Ebenfalls ein Punkt kostet die Betäubung eines Babys, das auf einem benachbarten Feld steht. Gleiches gilt für das Einfangen eines schlafenden Jungtiers. Hilfreich ist auch das Beschießen der Dino-Mama. Geschossen werden darf nur in gerader Linie, zudem muss Sichtkontakt bestehen. Genau fünf Schuss kann die Mutter einstecken, bevor sie zu Boden geht.

Taktisches Kartengefecht

Habt ihr jedoch eine Karte mit einer kleineren Zahl gespielt, so dürft ihr die Aktion ausführen, die auf der Karte vermerkt ist. Als Raptorspieler könnt ihr die Mutter ihre Babys rufen lassen. Ein oder mehrere Babys wandern auf direktem Wege auf den Spielplanteil der Mutter. Das kann manchmal die Rettung für ein in die Enge getriebenes Kleines sein. Eine andere Aktionskarte lässt euch die Mutter komplett vom Feld nehmen. Sie hat sich irgendwo im Dickicht versteckt und beobachtet das Geschehen aus dem Hinterhalt. Nachdem der Forscher seine Aktionspunkte ausgegeben hat, stellt ihr die Mutter auf ein freies Feld eurer Wahl, egal wie weit es sich von der ursprünglichen Position entfernt befindet. Mit der Aktion „Angst“ hingegen könnt ihr ein oder mehrere Forscher erschrecken und dadurch lähmen. Eminent wichtig ist auch die Erholung. Mit dieser Aktion entfernt ihr Schusswunden von der Mutter oder weckt betäubte Babys wieder auf.

Die Forscher greifen auf andere Kartenaktionen zurück. Mit Betäubungsgas könnt ihr zum Beispiel Raptorbabys einschläfern. Sehr praktisch ist auch der Jeep. Dieser lässt euch mit einer Bewegung beliebig viele Felder in gerade Linie mit einer Figur zurücklegen. Je nach Karte habt ihr entweder zwei oder gar vier Bewegungen zur Verfügung. Bereits erwähnt wurde das Feuer, das ihr nur mit den entsprechenden Aktionskarten legen könnt. Mit der Aktion „Verstärkung“ ruft ihr zusätzliche Forscherfiguren aus eurem Vorrat und stellt sie auf das Spielfeld.

Alle verwendeten Karten werden offen auf den Ablagestapel gelegt. So habt ihr stets im Blick, welche Karten euer Gegner schon gespielt hat. Die Karte mit dem Wert von einem Punkt, führt bei beiden Parteien zu einem erneuten Mischen des Kartenstapels. Sämtliche Karten des Ablage- und Nachziehstapels werden gemischt und zu einem neuen Nachziehstapel bereitgelegt. Das Spiel endet damit also nicht zwangsläufig nach neun Runden. Meist geht das Spiel dann doch etwas länger. Dennoch ist Raptor kein Titel, der sich ewig lang spielen lässt. Eine Partie dauert meist nur 15-30 Minuten.

taktisch sehr anspruchsvoll
einfache Regeln
gutes Material
hat Konfliktpotenzial

Sebastian Hamers

Raptor ist ein konfrontatives Spiel für Taktik-Freunde. Wenn ihr beim Brettspiel gerne ein wenig vor euch her daddelt, dann ist Raptor vermutlich nicht der optimale Titel für euch. Im Spiel geht es direkt zur Sache. Als Forscher seid ihr darauf aus, schnell möglichst viele Forscher auf das Brett zu bringen, um den Druck auf die Raptoren zu erhöhen. Mit den Dinos hingegen versucht ihr dem entgegenzuwirken, indem ihr einigen Wissenschaftlern direkt mal den Kopf abbeißt. Der Glücksfaktor im Spiel ist vorhanden, aber eher schwach ausgeprägt. Es erinnert fast schon ein wenig an das klassische Schach, auch wenn sich die Rollen der beiden Spieler ziemlich unterschiedlich spielen. Mit Raptor erhaltet ihr ein gut durchdachtes und taktisch anspruchsvolles Spiel für einen unterhaltsamen Zwei-Spieler-Abend.
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