Test: Rising 5

Im kooperativen Brettspiel Rising 5 versuchen fünf Superhelden vom Planeten Asteros die Welt zu retten. Was ist passiert? Irgendein Oberschlaumeier hat am Runentor herumgefummelt, das vom altehrwürdigen König vor ewigen Zeiten verschlossen wurde, um die blutrünstigen Monster vom Antlitz des Planeten zu verbannen. Zu allem Überfluss wurde bei der ganzen Aktion auch noch der Runencode des Tors verstellt. Es gilt nun also den neu eingestellten Code zu entschlüsseln, damit die monströsen Heerscharen wieder zurück in ihre Welt geschleudert werden können, bevor sie Asteros in Schutt und Asche gelegt haben.

Die polnische Brettspielschmiede Portal Games hat es sich zur Aufgabe gemacht, Spiele zu erstellen, die eine Geschichte erzählen. Diesem Motto bleibt der Verlag auch bei Rising 5 treu. Unter der Haube des Spiels steckt im Grunde jedoch der abstrakte Klassiker Mastermind. Der Oldie wurde bereits in den frühen 70er Jahren gespielt. Rising 5 hat das Grundprinzip zwar bewahrt, aber das Spiel mit Zusatzfunktionen, Charakteren, einer Geschichte und nicht zuletzt einer modernen Optik ordentlich aufgepimpt. Dadurch ist Rising 5 zu einem neuen Spiel geworden, das deutlich mehr zu bieten hat als sein betagtes Vorbild.

Knack den Code

Im Zentrum des Spiels steht allerdings immer noch der Code, den es zu entschlüsseln gilt. Sieben unterschiedliche Runen können zur Versiegelung des Runentors eingesetzt werden. Der richtige Code besteht jedoch nur aus vier von ihnen. Im Spiel liegen auf dem Runentor entsprechend stets immer nur vier von insgesamt sieben Runen aus. Zudem müssen nicht nur die richtigen Runen identifiziert werden, sie sollen sich auch noch an der korrekten Position befinden.

Um dem Code auf die Spur zu kommen, ladet ihr euch am besten die Begleit-App für Android oder iOS herunter. Die App verwaltet den Code und gibt euch zwischenzeitlich Hinweise zur Entschlüsselung. Wenn ihr partout auf den Einsatz eines Smartphone verzichten wollt, könnt ihr diese Rolle auch einem Mitspieler zuweisen. Dieser kann dann allerdings nicht mehr aktiv am Abenteuer teilnehmen. Die App hält sich aber wirklich ziemlich im Hintergrund und wird nur an wenigen Stellen im Spiel verwendet. Deshalb empfehle ich auch ihren Einsatz, damit sich alle Spieler an der Code-Entschlüsselung beteiligen können.

Sternzeichen deuten

Mit der App könnt ihr das Runentor mit den darauf ausgelegten Runensteinen ganz komfortabel einscannen. Die Erkennung der gelegten Runen funktioniert tadellos, sofort könnt ihr das Ergebnis des Scans auswerten. In Rising 5 ist jede Rune einem von sieben Sternzeichen zugeordnet. Die App zeigt euch welche vier Sternzeichen aktuell im Runentor ausgelegt sind. Leider wisst ihr zunächst allerdings nicht, welches Sternzeichen zu welcher Rune gehört.

Die App gibt euch aber noch einen zweiten wichtigen Hinweis. Die Sternzeichen werden unterschiedlich ausgeleuchtet. Ist ein Sternzeichen noch völlig ohne Beleuchtung, dann gilt es als unerkannt. Ihr habt derzeit noch keine Informationen darüber gesammelt. Ein dunkles Tierzeichen bedeutet, dass es im gesuchten Runencode nicht auftaucht. Wird ein Sternzeichen erleuchtet angezeigt, ist es im Runencode enthalten, liegt allerdings noch nicht an der korrekten Position. Bleibt noch das strahlende Sternzeichen. Es kommt im Code vor und liegt sogar schon an der richtigen Stelle.

Jetzt steht Detektivarbeit für euch an. Durch das Austauschen von einzelnen Runensteinen könnt ihr überprüfen, was sich in der Auswertung verändert hat. Dies gibt euch wiederum Rückschlüsse auf das zur Rune passende Sternzeichen. Ebenso werden die Positionen der Runensteine mit der Zeit immer klarer.

Damit ihr die bisherigen Erkenntnisse festhalten könnt, gibt es auf dem Spielbrett einen Streifen, auf dem die aktuellen Ergebnisse des Scans mit passenden Plättchen festgehalten werden. Dort gibt es noch einen zweiten Streifen, der für die Fixierung der schon gesicherten Erkenntnisse eingesetzt wird. So habt ihr den Status der Detektivarbeit immer gut im Blick. Zusätzlich lassen sich die Ergebnisse aller Scans auch noch in der App nachschlagen, was aber kaum nötig ist.

Fünf Superhelden für Asteros

In Rising 5 git es allerdings noch einige andere Aufgaben, die auf euch warten. Schließlich wurde der Planet von Monstern überflutet. Die Situation kann jederzeit außer Kontrolle geraten, ihr solltet euch also besser sputen. Unsere fünf Superhelden müssen gut zusammenarbeiten, um das Unheil abzuwenden. Das Besondere an Rising 5 ist, dass ihr nicht nur einen einzigen Helden spielt. Im Spielverlauf kann jeder Spieler auf das gesamte Helden-Quintett zurückgreifen, jedenfalls sofern er über die passenden Karten verfügt.

Je nach Zahl der Spieler bekommt jeder von euch fünf oder sechs Heldenkarten auf die Hand. Auf jeder Karte seht ihr das Bildchen eines der fünf Superhelden. Mit ihnen könnt ihr nun die jeweilige Heldentat ausführen und auch noch ein paar weitere kleine Aktionen tätigen. Jeder Held besitzt eine einzigartige Superkraft, die dringend zur Rettung von Asteros benötigt wird.

Der Kampf wird dabei nicht nur am Runentor gewonnen. Auf Asteros sind schon die ersten feindlichen Monster eingetroffen. Mit den Heldenkarten könnt ihr einzelne Figuren über den Planeten bewegen und die Monster zum Kampf herausfordern. Um ein Monster zu besiegen, müsst ihr mit dem Würfel einen Mindestwurf erfüllen. Für den Sieg bekommt ihr eine kleine Belohnung, die euch bei den weiteren Aufgaben unterstützt.

Da wären zum Beispiel die Energiesteine. Vier solcher Steine werden gebraucht, um das Runentor mit der App zu scannen und so weitere Hinweise über den Code zu erhalten. Lebenswichtig sind die Sonnenringe, die eine weitere Belohnung für das Besiegen der Monster sind. An der rechten Seite des Spielbretts befindet sich die Sonnenleiste. Im Falle einer Niederlage gegen ein Monster richtet dieses Schaden an. Je nach Monsterstärke müsst ihr den Marker auf der Sonnenleiste nach unten schieben. Gelangt der Marker jemals an das Ende der Leiste, habt ihr das Spiel sofort verloren und Asteros fällt in die Klauen der Monsterhorden. Sammelt ihr zwischenzeitlich ein paar Sonnenringe, wird der Marker auf der Sonnenleiste wieder ein Stück nach oben versetzt.

Als dritte Art der Belohnung gibt es noch den Runenhinweis, der euch bei der Entschlüsselung des Codes ein Stück weiter bringt. Unter die Monster haben sich weiterhin ein paar Bossgegner gemischt. Diese sind zwar besonders schwer zu knacken, hinterlassen dafür aber mächtige Artefakte, die ihr im Spielverlauf einmalig zu euren Vorteil einsetzen könnt.

Gemeinsam stark

Um das Überleben des Planeten zu sichern, müsst ihr als Team gut zusammenarbeiten. Der Kampf gegen die Monster könnt ihr euch zum Beispiel etwas erleichtern, indem ihr eine zweite Heldenfigur auf das Feld bewegt, an dem die Schlacht stattfindet. Wenn eure Mitspieler auch Karten mit dem Konterfei des gerade kämpfenden Superhelden auf der Hand haben, können sie ebenfalls in den Kampf eingreifen. Jede gespielte Karte erhöht die Erfolgschancen in der Schlacht. Doch egal wie viele Karten auch gespielt werden, zu siegessicher solltet ihr euch nie sein. Beim Würfelwurf kann es immer noch schief gehen. Eine Seite des Würfels zeigt den unerbittlichen Auto-Fail. In diesem Fall ist der Kampf auf jeden Fall verloren, auch wenn ihr noch so viele Karten gespielt habt.

Alle gespielten Handkarten zieht ihr am Ende des eigenen Zugs wieder nach. Dennoch sollte mit den Karten nicht allzu verschwenderisch umgegangen werden. Der Nachziehstapel ist schneller aufgebraucht als man denkt. Auch in diesem Fall bedeutet dies das unmittelbare Ende des Planeten Asteros.

Mit Superkräften gegen das Böse

Das wollen die Rising 5 natürlich mit allen (Super-)Kräften verhindern. Alle Spezialfähigkeiten spielen dabei eine ganz zentrale Rolle. Orakls Superkraft erlaubt es euch, die Auslage der Runen auf den Runentor zu verändern. Mit Eli könnt ihr den Status der Sonnenleiste zu euren Gunsten beeinflussen. Die Fähigkeit von Nova lässt euch direkt gegen ein beliebiges Monster antreten. Ekho fungiert als Kommandant des Quintetts und kann andere Charaktere auf dem Spielfeld bewegen. Superheld Hal ist hingegen besonders vielseitig. Er kann jede Fähigkeit eines anderen Helden kopieren, der auf dem gleichen Regionsfeld steht.

Rising 5 stelle euch schon vor eine knifflige Aufgabe. Schon die Mastermind-Mechanik zum Entschlüsseln des Codes ist gar nicht so einfach zu bewältigen. Dazu müsst ihr auch noch einige einige Faktoren im Auge behalten. Sonst kann das Spiel schon vorbei sein, bevor ihr richtig losgelegt habt.

Das Spiel lässt sich zudem in der Schwierigkeit in drei Stufen einstellen. In den Nachziehstapel mit den Heldenkarten werden je nach gewünschtem Herausforderungsgrad drei bis fünf Ereignisse eingemischt. Sobald eine dieser Karten aufgedeckt wird, greifen alle ausliegenden Kreaturen gleichzeitig an. Sämtliche Kreaturen richten ihren Schaden an, was den Status der Sonnenleiste schnell in bedrohliche Regionen bringen kann. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad sollten sich auch Taktikfüchse ausreichend gefordert fühlen.

Die ersten Exemplare von Rising 5 sollten nun so langsam im Handel eintreffen. Das Spiel kostet zwischen 25€ und 30€. Die Spieldauer beträgt etwa eine halbe Stunde.

kooperative Spielweise
Mischung aus Deduktion- und Abenteuerspiel
auch alleine spielbar
hätte etwas mehr Spielzeit vertragen können

Sebastian Hamers

Es ist erstaunlich wie viel sich aus dem Grundprinzip eines fast 50 Jahre alten Spiels noch so alles rausholen lässt. In Rising 5 gilt es aber nicht nur den Code zu knacken, auch drumherum gibt es so einige zu erledigen. So ist aus einem Brettspiel-Oldie ein modernes Spiel mit kooperativer Spielweise, starkem Thema und sogar einer App-Unterstützung geworden. Wer sich generell an der Liaison von Brettspiel und Smartphone stört, dem sei versichert, dass die App nur sehr dezent eingesetzt wird. Die meiste Zeit werdet ihr mit dem Spielbrett und den Karten hantieren. Die App kommt lediglich beim Einlesen des Runencodes zum Einsatz. Dank der App braucht es dann auch keinen menschlichen Code-Generator. Ihr könnt alle gemeinsam rätseln und den Code in Teamarbeit knacken. Wer mag, kann sogar gänzlich auf Mitspieler verzichten und Rising 5 im Solomodus spielen. Wenn ihr Freude an Knobeleien habt, trotzdem nicht auf das Spielerische verzichten wollt und Freude an einer thematischen Einbindung habt, dann sei euch Rising 5 ans Herz gelegt.
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