Test: Sacred 3

Nach knapp vierjähriger Wartezeit, verhalten kritischen Vorschauen und dem Release der Diablo 3: Ultimate Evil Edition im Rücken, haben wir uns für euch die finale Verkaufsversion von Sacred 3 angesehen. Ob sich die Reise nach Ancaria erneut lohnt, lest ihr in unserem aktuellen Test der Konsolenversion (Xbox 360).Test: Sacred 3

Vor langer Zeit…gähn!

Die Vorgeschichte von Sacred 3 ist komplex, verwirrend und ergibt wahrscheinlich sowieso nur für beinharte Kenner der Serie einen Sinn. Das Ergebnis bleibt aber auf jeden Fall das gleiche: In Ancaria brennt dank einer neuen, finsteren Bedrohung die Luft und ihr müsst – alleine oder im Koop-Modus mit bis zu vier Spielern – die Kohlen aus dem Feuer holen. Dabei entscheidet ihr euch bei Spielstart für eine der vier verfügbaren Figuren, die natürlich alle mit unterschiedlichen Fähigkeiten in die Schlacht ziehen. Wir entschieden uns für den männlichen Bogenschützen, den Khukuri. Auf unserer Reise werden wir – dank einer Online-Mitspielerin – von der speerschwingenden Amazone vom Volk der Ancarianer begleitet. Einmal Nah – und einmal Fernkampf. Die perfekte Mischung für eine zünftige Hau-Drauf-Schnetzelei.

Zäher Start

Nachdem ihr euch das langweilige, handgezeichnete Intro von Sacred 3 reingezogen habt, findet ihr euch in einer belagerten Stadt wieder. Überall lodern Feuer und feindliche Truppen warten an jeder Ecke darauf, eure Bekanntschaft zu machen. Neben der flimmerigen Optik verwundert das allgegenwärtige Ruckeln. Von butterweich oder flüssig kann hier also keinesfalls die Rede sein – doch dazu später mehr. Ein Tutorial fehlt komplett, nur sehr kurz eingeblendete Schrifttafeln machen euch mit dem ersten Manövern eurer Recken vertraut. So heißt es zu Beginn: Alle Knöpfe mal ausprobieren. Neben zwei in der Anwendung begrenzten Superattacken, vollführt ihr mit der A-Taste einen normalen Angriff und könnt euch mit einem Druck auf B schnell zur Seite wegrollen oder blocken – je nachdem welche Fertigkeit ihr im Menü als passive Maßnahme festgelegt habt. Die Amazone wirbelt den Angreifern im Nahkampf ihren Speer entgegen, der Bogenschütze feuert aus sicherer Entfernung durchschlagskräftige Pfeile. So sind die ersten Feindeswellen dann auch schnell gelegt, das Spieltempo und Trefferfeedback der Gegner kann man als sehr gelungen bezeichnen. Macht Laune!Test: Sacred 3

Diablo light noch lighter

Und schon bald steht das kampfstarke Duo vor dem ganzen Sinn der wilden Metzelei. Große Truhen, die mit Gold, gelben Kugeln für das Auffüllen der Spezialattacken, grünen Kugeln für die Lebensenergie und sonst rein gar nichts gefüllt sind. Gar nichts? Korrekt! Weder Waffen noch Rüstungen noch sonstige Dinge, die das Looten in einem Spiel dieser Art zu einer ausufernden Motivationsbombe werden lassen, finden wir in Sacred 3. Das ist für gestählte Diablo-Zocker schon ein herber Schlag ins Kontor. Die Enttäuschung hält solange an, bis man nach dem erfolgreichen Abschluss der ersten Mission Zugriff auf das Fertigkeits – und Ausrüstungs-Menü bekommt. Hier wird dann klar, das Sacred 3 einen anderen – zugegebenermaßen nicht ganz so guten – Weg verfolgt, um die Ausrüstung eures Charakters zu verbessern: Neue Fähigkeiten müssen gekauft und dann ausgerüstet werden – und zwar nur wenn ihr genügend Gold parat sowie den entsprechenden Level erreicht habt. Und die Waffen werden ebenfalls automatisch mit eurem Stufenaufstieg verbessert. Die ein oder andere schwierige Entscheidung bleibt euch auch mit diesem System nicht erspart, aber die Weiterentwicklungsmöglichkeiten eurer Spielfigur sind, na sagen wir mal, schon sehr sehr übersichtlich geraten. Habt ihr die Moneten verprasst geht es wieder in die Lobby. Dort könnt ihr auf einer großen Übersichtskarte die nächste Hauptmission auswählen, oder euch auf dem Weg dahin, mit ein bis drei Mini-Missionen „belohnen“. Diese kurzen Missionen bestehen meistens aus einem bis zu fünfminütigen Raid oder mehreren Wellen von Feinden, die natürlich gelegt werden wollen. Ein wenig XP und ein Batzen Gold sind eure Belohnung für den Fleiß. Im späteren Spielverlauf zahlt sich diese Fleißarbeit dann auch aus, denn der angenehm hohe Schwierigkeitsgrad von Sacred 3 ist dank besserer Ausrüstung und einem höheren Level, deutlich besser ertragbar.Test: Sacred 3

Es matscht so schön!

Die Hauptstory besteht aus 22 Hauptmissionen (Dauer: 20-30 Minuten), 13 Mini-Einsätzen (Dauer: 3-5 Minuten) und bietet euch im Verlauf mehrere verschiedene Umgebungen, in denen ihr den Monstern Saures geben könnt. Wälder, Sümpfe, Burgen, Gebirgpässe und dunkle Höhlen bieten dabei das obligatorische Level-Repertoire. Ab und zu – meistens am Ende einer Mission – stellt sich euch ein fetter Boss in den Weg. Spätestens hier ist mit blindem Geholze Schluss, denn nur mit schnellen Ausweichmanövern und koordinierten Attacken ist an einen Sieg über das Ungetüm zu denken. Zerplatzen die kleineren Feinde noch in einer satten Blutwolke, fallen die größeren Kaliber der Länge nach auf die Nase – lustig anzusehen und selbst im größten Gewusel fängt es nicht an zu ruckeln. Ruckeln, war da nicht eingangs was? Achja! Sacred 3 ruckelt ja die ganze Zeit – aber nun kommt unsere Theorie: Die Entwickler dachten sich einfach: „Hey, es könnte zu fiesen Rucklern kommen, wenn zu viele Feinde gleichzeitig auf dem Bildschirm sind. Also lassen wir das Spiel doch einfach die ganze Zeit latent ruckeln, dann ruckelt bei hohem Feindaufkommen wenigstens nicht noch mehr!“ Und so ist es dann auch: Egal, mit wie vielen Gegnern ihr es auch zu tun bekommt, das Spiel ruckelt niemals mehr, als es das sowieso schon die ganze Zeit tut. Eine nicht ganz elegante aber sehr pragmatische Lösung.Test: Sacred 3

  • Gutes Trefferfeedback
  • Unverwüstliches Spielprinzip
  • Lachhaft schlechte Sprachausgabe
  • Latent ruckelig
  • Verbesserungswürdige Optik

Boris C.

Sacred 3 macht deutlich mehr Spaß, als man zunächst annehmen möchte. Besonders im Koop-Modus (Online oder auf einem Bildschirm) lasst ihr Monster reihenweise mit einem satten Schmatzer platzen, das es eine wahre Freude ist. Das stark limitierte Loot- und Ausrüstungsystem, die flimmerige, nur durchschnittliche Optik mit wenigen Details, das latente Geruckel und die immer gleichen Gegner/Bosse ziehen die Spielspaß-Wertung aber deutlich nach unten. Wer Hardcore-Fan dieses Spielprinzips ist und es bis zum Release der Diablo 3: Ultimate Evil Edition gar nicht mehr aushalten kann, darf getrost einen Blick wagen. Aber vor dem – natürlich wieder vollkommen unverhältnismäßigen – Groll der Sacred-Fangemeinde, sollten die Entwickler jetzt schon einmal anfangen, die Köpfe einzuziehen.
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