Test: Terra Mystica App

In der Brettspiel-Szene genießt Terra Mystica einen exzellenten Ruf. Nicht ohne Grund, das Spiel erweist sich trotz seiner Komplexität als ziemlich zugänglich und verknüpft seine Spielmechaniken auf elegante Art und Weise miteinander. Dieses Strategie-Schwergewicht ist jetzt auch für mobile Geräte mit iOS- und Android-Betriebssystem verfügbar. Natürlich wollten wir uns die digitale Version von Terra Mystica nicht entgehen lassen.

Terra Mystica ist ein echter Brocken. Nicht nur inhaltlich, sondern auch physisch. Das Spiel kommt in einer ziemlich dicken Schachtel daher und bringt auch einiges auf die Waage. Etliche Marker, Tableaus und weiteres Zubehör lassen Terra Mystica zu einem Schwergewicht werden. Die Materialschlacht schlägt sich natürlich auch im Preis nieder. Rund 60€ müsst ihr für das Basisspiel hinlegen. Als App bekommt ihr das Spiel schon für 11€. Damit liegt Terra Mystica sicherlich weit über dem Preis des durchschnittlichen Smartphone-Spiels, dafür fordert es aber auch nicht ständig zum Kauf von Juwelen, Goldstücken, Schlumpfbeeren oder anderen Abzock-Items auf. Einmal gekauft, fertig. In Kürze wird es noch die Erweiterung Feuer und Eis geben, die ihr dann für ein paar weitere Euros freischalten könnt.

Eine Fantasy-Welt im Clinch

Das Spiel ist in einer Fantasy-Welt angesiedelt. Dort konkurrieren die Völker untereinander und versuchen ihren Machtbereich auszuweiten. Konkurrenz belebt allerdings auch das Geschäft. Befindet sich euer Volk in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem anderen Stamm, hat das erst einmal positive Folgen für euch. Auf der anderen Seite besteht allerdings auch immer die Gefahr, dass ihr von den Rivalen in euren Möglichkeiten eingeschränkt werdet.

Jedes Volk hat unterschiedliche Bedürfnisse. Die Nixen mögen es am liebsten ziemlich feucht, die Zwerge ziehen steiniges Gebiet vor, während sich die Chaosmagier im Ödland am wohlsten fühlen. Insgesamt gibt es sieben unterschiedliche Geländetypen. Jedes Volk kann sich nur auf ihrer bevorzugten Geländeart ansiedeln und dort ihre Gebäude platzieren. Und damit ist der Konflikt schon vorprogrammiert. Die Zwerge werden es sicherlich kaum zu schätzen wissen, wenn die Nixen die Gebirgslandschaft in ein Planschbecken verwandeln. Andererseits treiben die Völker untereinander regen Handel. Durch die Nachbarschaft zu einem anderen Volk, ergibt sich ein wirtschaftlicher Vorteil. Ein Dilemma! Doch genau diese Gegebenheit ist ein zentrales Element von Terra Mystica.

Eine Welt im Wandel

Um eure Macht zu erweitern, müsst ihr mit diversen Ressourcen jonglieren. Insbesondere mit Arbeitern und Gold, die ihr für einen Großteil der Aktionen benötigt. Mit ihnen baut ihr neue Gebäude oder pflügt das Gelände um, bis es für euch passend ist. Der Aufwand, um ein Ödland in ein Wasserfeld umzuwandeln, ist dabei um einiges höher als wenn ihr das Ödland in eine Wüste verwandeln wollt. Es gibt auf dem Spielfeld also Felder, die für euch attraktiver sind als andere, um sie zu bewirtschaften. Da jedes Volk einen anderen bevorzugten Geländetyp hat, kommt es so unweigerlich zu Konflikten unter den beteiligten Parteien.

Terra Mystica hantiert dabei mit einer Vielzahl an Mechanismen, die euch zum Sieg verhelfen können. Mit Hilfe von Spezialaktionen könnt ihr mächtige Zauber wirken, sofern ihr die nötige Zahl an Machtpunkten gesammelt habt. Weiterhin dürft ihr Priester anheuern, die euer Ansehen in vier verschiedenen Kulten steigen lassen. Durch ein hohes Ansehen in einem Kult, könnt ihr zusätzliche Siegpunkte erringen. Ebenso könnt ihr Gunstplättchen erringen, die euch wiederum diverse Vorteile verschaffen. Weitere Boni sammelt ihr auch, wenn ihr genügend zusammenhängende Gebäude errichtet, die sich dann zu einer Stadt erschließen.

Wie ihr seht, gibt es etliche Strategien, die ihr einschlagen und ausprobieren könnt. Dabei spielt auch das gewählte Volk eine wichtige Rolle. Jedes Volk verfügt über eine einzigartige Spezialfähigkeit. So spielt sich Terra Mystica mit den Nixen ganz anders als wenn ihr mit den Chaosmagiern an den Start geht. Kommen unterschiedliche Startbedingungen ins Spiel, stellt sich natürlich immer wieder die Frage nach dem Balancing. Bei der großen Auswahl an Völkern, ist das sicherlich keine ganz leichte Aufgabe. Diese Herausforderung ist Terra Mystica mit Bravour gelungen. Es lohnt sich wirklich, die vielen unterschiedlichen Völker einmal auszuprobieren.

Was kann die App?

Das Brettspiel Terra Mystica hat nicht umsonst zahlreiche Preise eingeheimst und ist bei Feuerland Spiele mit gutem Grund ein echter Dauerbrenner. Das Grundprinzip ist der App natürlich erhalten geblieben, optisch und auch vom Spielgefühl her.

Das Tutorial versucht euch auf einfachem Wege die Regeln zu vermitteln. Wofür das Brettspiel eine zwanzigseitige Anleitung benötigt, soll in der App mit wenigen Klicks passieren. Ganz so leicht ist der Einstieg in die App jedoch nicht. Wer das Brettspiel kennt, kann zwar sofort loslegen, doch Neulinge könnten trotz Tutorials überfordert sein. Daher empfehle ich euch, einfach die Regeln des Brettspiels als PDF zu lesen. Diese findet ihr kostenlos auf der Seite von Feuerland.

Bevor ich nun die Vorzüge von Terra Mystica anpreise, möchte ich allerdings noch auf einen weiteren Kritikpunkt eingehen. Auf dem Smartphone spielt sich das Spiel nicht sonderlich gut. Die Anzeigen sind viel zu klein und die teilweise doch recht verschachtelten Menüs lassen sich nicht gut bedienen. Nehmt am besten ein Tablet zur Hand, dann habt ihr mit dem Spiel wesentlich mehr Freude.

Kritik lässt sich vielleicht auch an der KI üben. Bislang stehen lediglich die leichten Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Ganz so tölpelhaft stellt sich aber auch die „dumme“ KI gar nicht an. Für den Anfang reicht der leichte Schwierigkeitsgrad allemal aus, wenn ihr nicht gerade Terra-Mystica-Profis seid. Mit einem der nächsten Updates kommen aber auch höhere Schwierigkeitsstufen hinzu.

App sammelt viele Pluspunkte

Trotz der kleinen Kritikpunkte wurde das Brettspiel wirklich toll umgesetzt. Die Macher haben viel Liebe zum Detail bewiesen. Die Grafiken wurden originalgetreu übernommen und durch ein paar Animationen ergänzt. Hinzu kommen moderne Features wie eine Liga-Funktion oder natürlich auch der Online-Modus. Über das Netz findet ihr neue Mitspieler oder zockt gegen eure Kumpels in der Ferne. Alternativ könnt ihr Terra Mystica aber auch zusammen an einem Gerät spielen. Bei Belieben könnt ihr zudem ein paar KI-Gegner hinzufügen, falls euch weitere Mitspieler fehlen. Stimmig ist auch die musikalische Untermalung, die dem Spiel eine angenehme Atmosphäre verleiht. Ansonsten bietet die App alle Vorzüge, die auch schon das Brettspiel zu bieten hat. Das haptische Erlebnis kann die App zwar nicht ersetzen, bringt euch aber dafür die vielen Vorteile einer modernen digitalen Variante.

keine In-App-Käufe
sehr gute digitale Umsetzung
analog oder digital: ein tolles Spiel
höhere Schwierigskeitsgrade fehlen noch
unübersichtlich auf kleineren Displays

Sebastian Hamers

Als Riesen-Fan von Terra Mystica wollte ich die App zum Spiel natürlich unbedingt ausprobieren. Ich wurde nicht enttäuscht. Brettspiel-Apps haben zwangsläufig ein paar Nachteile. Neben der Haptik fehlt vor allem die gemeinsame Interaktion am Spieltisch. Daher würde ich dem „echten Brettspiel“ auch jederzeit den Vorzug vor der App geben. Dafür kann ich die Digital-Variante mit dem Tablet überall mit hinnehmen oder auch mal bequem auf dem Sofa spielen. Mit der App habe ich Mitspieler immer zur Hand, entweder als KI oder auch als menschliche Gegner über das Netz. Den Entwicklern lässt sich auf jeden Fall gute Arbeit bescheinigen. Das grandiose Spielgefühl des Originals ist erhalten geblieben und die Steuerung funktioniert nach einiger Einarbeitungszeit tadellos. Alles Elemente des Brettspiels findet ihr auch in der App wieder, inklusive der vierzehn unterschiedlichen Völker. Lobend hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal den Verzicht auf den ganzen In-App-Purchase-Mist. Dafür bezahle ich doch auch gerne ein paar Euros mehr. Ich wünsche mir für die Zukunft noch mehr solcher Brettspiel-Apps und freue mich schon jetzt auf die Feuer-und-Eis-Erweiterung von Terra Mystica. Unter dem Strich ist die App genau das geworden, was auch die analoge Version ist: ein verdammt geiles Strategiespiel.
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