Test: The Legend of Legacy

Ein erfahrenes Team zu besitzen, insbesondere wenn es um die Erschaffung eines neuen Rollenspiels geht, darf nicht unterschätzt werden. Das japanische Entwicklerstudio FuRyu besitzt genau ein solches Team, welches unter anderen aus ehemaligen Square Enix Mitarbeitern besteht, die schon an der SaGa-Serie gearbeitet haben. Mit The Legend of Legacy möchte diese Spieleschmiede uns nun einen Titel präsentieren, welcher optisch und spielerisch an klassische JRPGs angelegt sein soll. Wie schwierig die Erschaffung eines solchen Titels jedoch wirklich ist, das erfahrt ihr im Folgenden.

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Schatzjäger in Avalon

Die Story von The Legend of Legacy dreht sich um den plötzlich, aus dem Nichts aufgetauchten Kontinent Avalon, der bisher nur im Ansatz erforscht worden ist und auf dem es vor gefährlichen Monstern nur so wimmelt. Es liegt also am Spieler eben diese Landstriche zu erkunden, wobei jedoch nicht direkt Schätze das Ziel dieser Expedition darstellen, sondern etwas ganz anderes. Dies hängt dabei insbesondere von dem am Spielstart ausgewählten Charakter ab, wovon insgesamt sieben zur Wahl stehen. Hier haben wir beispielsweise einen Froschprinzen, der vermeintlich als einziger seines Volkes übrig geblieben ist, oder ein Mädchen, welches ihre Erinnerungen verloren hat und hofft der Ursache auf Avalon auf die Spur kommen zu können.

Hier endet allerdings auch schon der Kern der Geschichte, die im Verlauf des Spiels nur in äußerst bruchstückhaften Teilen weitererzählt wird, was für ein im Gedächtnis bleibendes Rollenspiel leider viel zu spärlich ausfällt. Allerdings lässt sich dieses Manko auch aus einer positiven Perspektive sehen, denn damit gibt es wesentlich weniger Text zu lesen. Dies mag zwar seltsam klingen, jedoch hat dies einen ganz bestimmten Hintergrund, denn die Sprechblasen der Figuren im Spiel weisen eine ganz bestimmte Eigenheit auf: Die Laufgeschwindigkeit, mit welcher der Text angezeigt wird, ist nicht die schnellste und leider hat Furyu es versäumt eine Option in den Einstellungen einzubauen und auch ein schnelles Überspringen ist ebenfalls nicht möglich, wodurch die Textpassagen gelegentlich zur Qual werden.

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Das Game beginnt direkt damit, dass der Spieler das allererste von vielen kleinen Gebieten erkunden soll. Hier lässt sich auch direkt auf eine der Stärken von The Legend of Legacy verweisen, und zwar auf das Bilderbuch-ähnliche Design, wobei nicht nur der Comic-Look des Titels gemeint ist! Läuft der Spieler durch einen Wald, so poppen Bäume aus dem Boden heraus, wie in einem Klappbuch für Kinder, bei denen Bilder, als wären sie lebendig, durch ein Faltmechanismus herausspringen. Einziges Manko hieran ist jedoch, dass durch das Leveldesign viele Feinde beispielsweise durch Bäume verdeckt werden  und es so oftmals  zu ungewollten Kämpfen kommt, wovon es leider eh schon viel zu viele gibt.

Das Erkunden der Welt von The Legend of Legacy wird dem Spieler selbst überlassen und auch ein an die Hand nehmen fällt hier fast gänzlich weg. So ist der Spieler mehr oder weniger auf sich selbst gestellt und muss die Welt Stück für Stück erkunden und jeden der kleinen Abschnitte von Avalon aufdecken. Dabei stellt Gründlichkeit einen wichtigen Faktor dar, denn je mehr von einer Karte erkundet wurde, desto besser. Die aufgedeckten Karten können an einen Händler für ordentlich Bares verkauft werden, was für die Abenteuerkasse nicht verkehrt ist.

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Klassisch rundenbasiert

Beim Durchforsten des Kontinents kommt es häufig vor, dass plötzlich dunkel wirkende Kreaturen auftauchen, die angreifen, sofern man in deren Blickwinkel gerät. Die Kämpfe in The Legend of Legacy fallen hier in rundenbasierter Form aus, in denen der Spieler stets mit einer Party aus drei Charakteren agiert. Besonders ist hier, dass die Gruppe eine Formation einnehmen kann, durch die bestimmte Boni verliehen werden können, was insbesondere den verschiedenen Rollen der Charaktere zu Gute kommt. Ein Verteidiger kann so in seiner Rolle seine Teammitglieder wesentlich effizienter beschützen, als wenn das ganz Team in den Angriffsmodus übergeht.

Insgesamt stehen zudem drei unterschiedliche Aktionsmuster zur Verfügung: Angriff, Verteidigung und Unterstützung, aus denen, je nach aktueller Lage, ausgewählt werden kann. Im Großen und Ganzen fällt das Kampfsystem dabei solide aus, allerdings mangelt es diesem an strategischem Tiefgang um auch eingefleischte Rollenspieler langfristig zu fesseln. Zudem fällt The Legend of Legacy äußerst repetitiv aus, was durch viele gleichaussehende Fähigkeiten, zahllose oft eintönige Kämpfe und das Balancing des Spiels unterstrichen wird. So ist es oft notwendig Ewigkeiten mit Grinden zu verbringen, obwohl die normalen Monster kaum noch in der Lage sind am Team des Spielers einen Kratzer zu verursachen. Gleichzeitig stellen Bossgegner allerdings nicht nur eine Herausforderung sondern fast schon ein unüberwindbares Hindernis dar.

Eine weitere interessante Komponente hinter The Legend of Legacy ist das Skillsystem. Die Charaktere erreichen so nicht nur schlicht neue Level, sondern jede Waffe und jede Fähigkeit verbessert sich mit fortlaufender Nutzung automatisch, wozu selbst das Blocken von Angriffen gehört. Ebenso werden neue Fähigkeiten freigeschaltet, sofern bestimmte Kriterien erfüllt worden sind. Durch das Ausrüsten einer zusätzlichen Waffe können zudem weitere Fähigkeiten genutzt werden, um für alle Eventualitäten im Kampf gerüstet zu sein. Aber natürlich bringt dieses System auch eine unschöne Schattenseite mit sich, denn ein späteres Wechseln von Waffengattungen ist kaum noch möglich, da jede Waffe einzeln gelevelt werden muss. Entsprechend gilt es sich frühzeitig zu überlegen, welcher Charakter welche Rolle einnehmen soll.

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Tolles Art-Design
Sieben unterschiedliche Charaktere ...
Durchgehend guter Soundtrack
Interessantes Kampfsystem,...
Repetitives Gameplay
...mit flacher Hintergrundstory
Schlechtes Balancing
...dessen Tiefgang größer hätte sein können
Viel Grinding
Schwacher Plot

Daniel M.

Dem Entwicklerstudio FuRyu darf in einer Hinsicht Respekt gezollt werden, denn nur wenige wagen es von der Norm abzuweichen und durch gewagte Experimente eher ungewohnte Spielmechaniken hervorzubringen. Leider ist das Verhältnis dieser Mechaniken zueinander hier jedoch nicht ideal ausgefallen, wodurch insbesondere der Spielspaß leidet. Ständiges Grinding, eine kaum existierende Geschichte, ein unbalanciertes Stärkeverhältnis zwischen normalen Gegnern und Bossen und unter anderem das Fehlen von diversen wichtigen kleineren Mechaniken sorgen dafür, dass der Spieler sich schnell in einem Loch wiederfindet, in der das Spiel keinen Spaß mehr macht und einfach nur noch lästig ist. Über diese Probleme können auch der tolle Soundtrack und das sehr ansprechende Design nur schwerlich hinwegtrösten. Mit The Legend of Legacy wurde vieles richtig gemacht, aber leider ebenso viel falsch.
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