Test: The Walking Dead: A New Frontier (Episode 1&2)

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Ein neues Abenteuer, ein neuer Held, eine neue Bedrohung – Telltale Games meldet sich mit der 3. Staffel ihres Adventure-Erfolgs „The Walking Dead“ zurück und entführt uns ein weiteres Mal in die post-apokalyptische Welt der Zombies. In The Walking Dead: A New Frontier treffen wir viele bekannte Gesichter aus früheren Staffeln und der TV-Serie wieder, bekommen aber auch noch einen Haufen neuer Gefährten dazu.

Anders als in anderen Staffeln bekommen wir zum Auftakt direkt zwei Episoden auf einmal präsentiert, weswegen wir diese im kommenden Test zusammenfassen. Alle folgenden Episoden werden jedoch ihre eigene Erwähnung in unserer Test-Reihe bekommen. Los geht es also mit den Episoden „Verpflichtende Bande“ Teil Eins und Zwei.

Blut ist dicker als Wasser

*Da die Story und unvoreingenommene Entscheidungen die wichtigsten Elemente in diesem Spiel sind, wollen wir euch den Spaß ungern verderben und empfehlen euch entweder unseren Test erst nach dem Spielen zu lesen oder direkt zu unserer [Wertungzu scrollen. Es gilt allgemeine SPOILERGEFAHR!*

Beginnen tut unser neues Abenteuer eher unüblich, nämlich in einer Zeit vor der Apokalypse und ohne unsere liebe Clementine. Stattdessen stellt man uns den ziemlich zerstreuten Javier Garcia – oder kurz Javi – vor, der es schon mit seinen lebenden Mitstreitern nicht ganz einfach hat. So versäumt er es rechtzeitig am Sterbebett seines Vaters zu erscheinen, weswegen er die Wut seiner gesamten Familie und vor allem die seines Bruders David schmerzhaft zu spüren bekommt. Neben Javi lernen wir noch einige Charaktere seiner Familie wie seine Schwägerin Kate und deren Stiefkinder Gabe und Mariana kennen, welche für den weiteren Verlauf noch sehr wichtig werden sollen.

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In der Gegenwart angekommen sind es nämlich diese drei, die mit Javi gemeinsam gegen „Los Muertos“ ums blanke Überleben kämpfen. Wie die meisten Überlebenden sind auch unsere Protagonisten ständig auf der Suche nach Lebensmitteln, Treibstoff und einer sicheren Unterkunft. Dazu kommen, trotz der Totenstimmung, immer noch die alltäglichen zwischenmenschlichen Probleme wie ein stark pubertierender Gabe und eine gefrustete Kate, die sich nach menschlicher Nähe sehnt. Dieses familiäre Geplänkel hat den Zweck, eure neu gewonnene Patchwork-Familie näher kennenzulernen und eine – für die Spielserie enorm wichtige – emotionale Bindung herzustellen.

Viel Zeit bleibt dafür jedoch nicht, denn kaum entdeckt ihr auf einem anscheinend verlassenen Schrottplatz ein wahres El Dorado mit allem, was das Herz begehrt, trefft ihr auch schon auf die Besitzer der sicheren Zuflucht. Diese sind höchst unerfreut über euren Besuch und wollen euch direkt eine kleine Lektion erteilen. Während dem Versuch, eure Familie zu beschützen, werdet ihr jedoch getrennt und trefft auf  ein nur allzu bekanntes Gesicht: Clementine!

Ein kurzes Rodeo der Entscheidungen

„A New Frontier“ stellt in gewisser Weise einen Neuanfang in der Chronologie der „The Walking Dead“-Reihe dar, denn wie immer könnt ihr eure Spielstände aus den vergangenen Staffeln übernehmen, jedoch können Neulinge genauso gut in Staffel 3 einsteigen. Verfügt ihr nämlich nicht über bestehende Speicherstände und das Vorwissen, könnt ihr den bisherigen Verlauf in einem kurzen Quiz nachstellen. Wählt aus, welche Werte Clementine vertreten soll und welchen Weg die kleine Heldin am Ende der zweiten Staffel eingeschlagen hat. Empfehlenswert ist es aber durchaus, die beiden Vorgänger mit je 10 Stunden Spielzeit vorher gespielt zu haben, um den Weg von Clem kennenzulernen und tiefer mit ihr verbunden zu sein.

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Eine weitere Neuheit ist der Auftakt der neuen Staffel mit einer Doppel-Episode. Wir bekommen schon zu Beginn zwei der fünf Folgen serviert und brauchen nach dem Einstieg nicht sehnsüchtig auf die Fortsetzung des Abenteuers warten. In der Theorie klingt das durchaus nobel von Telltale, doch in der Praxis kommt ganz schnell Ernüchterung auf. Denn wo noch in den vergangenen Staffeln jede Episode rund 2 Stunden Spielzeit aufwies, ist in Staffel 3 – Episode 1 nach ca. einer Stunde Schluss. Auch die zweite Episode hält nicht viel länger durch, sodass wir nach der üblichen Spielzeit bereits zwei Episoden absolviert haben. Das finden wir ziemlich schwach!

Bemerkbar macht sich diese Schwäche auch im Storytelling, denn wie bereits angesprochen bleibt nicht viel Zeit, um mit unserer neuen Familie warm zu werden. Die Charaktere agieren und reagieren zwar zusammen, doch bekommt jeder einzelne nur wenig charakterliche Tiefe. Über die rasant ansteigende Spannungskurve können wir uns hingegen keinesfalls beschweren, denn ohne große Vorwarnung sind wir mitten im Geschehen und müssen wichtige Entscheidungen treffen. So manches Mal fällt einem da die Kinnlade herunter – Doch auch wenn wichtige Personen betroffen sind, trifft es bei Weitem nicht den gleichen Nerv als wenn es um Clementine ginge.

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Drück das Knöpfchen!

Wer vorher schon ein Telltale-Adventure gespielt hat, weiß aus Erfahrung, dass er es mehr mit einem interaktiven Film als mit einem typischen Adventure-Game zu tun bekommt. Trotzdem wollen die Entwickler den klassischen Point&Click-Charakter in ihren Spielen wahren und bauen zwischen den filmischen Sequenzen, in denen ihr Entscheidungen trefft, kleine Quick-Time- Events und Erkundungs-/Sammel-Szenen ein.

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Diese sollen für Action und Abwechslung zwischen dem simplen Auswählen von Antworten sorgen und euch in rasanten Szenen näher ans Geschehen bringen. Außerdem sollen frei erkundbare Gebiete neben einer Verschnaufpause noch die Gelegenheit bieten, sich mit seinen Mitmenschen zu unterhalten, um mehr über sie und ihre Geschichte zu erfahren. Die Einteilung der Geschichte in solch unterschiedliche Passagen ist auch durchaus sinnvoll, doch schafft es Telltale auch im neusten Ableger nicht, ein ausgereiftes System zu präsentieren. Statt der erhofften Abwechslung bekommen wir für die Geschichte teils überflüssige Aufgaben, die den Spielfluss massiv ausbremsen und so Fahrt aus der Story nehmen. Heraus kommen halbherzige Adventure-Abschnitte, die keinen Fan richtig glücklich machen dürften.

Mit den Quick-Time-Events verhält es sich ähnlich, denn auch sie sind nur zu beschmunzeln, da sie weder anspruchsvoll noch bereichernd für das Erlebnis sind. Der einzige sinnvolle Nutzen der kurzen Reaktionstests besteht darin, dass ihr konzentriert bleiben müsst und euch nicht einfach zurücklehnen könnt. Denn passt ihr einmal nicht auf und lasst das Spektakel nur auf euch wirken, ist das Zombie-Abenteuer recht schnell vorbei und ihr beginnt die Sequenz von Neuem.

Gespannt warten wir nun auf Episode 3: „Über dem Gesetz“, die wie immer mit einem Cliffhanger auf sich warten lässt. Kann Telltale seinen Charakteren mehr Tiefe verleihen und uns so wieder so richtig emotional mitreißen? Wird die Spannung weiterhin hochgehalten oder wird sich die Story in die Länge ziehen? Nach Release erfahrt ihr es hier auf ingame.de in Teil Zwei unserer Testreihe zu The Walking Dead: A New Frontier!

Nachstellen der Story bietet guten Einstieg für Neulinge
Importieren von Spielständen wie immer möglich
Wiedersehen mit bekannten Charakteren der Serie
Actionlastiger Einstieg in die Staffel
Kaum emotionale bzw. charakterliche Tiefe bei neuen Charakteren
Sehr kurze Spielzeit
Adventure-Abschnitte und Quick-Time-Events wirken halbherzig

David O.

Telltale setzt bei The Walking Dead: A New Frontier auf das altbewährte Spielprinzip und bringt vor allem Gameplay-technisch keine großen Neuerungen ein. Wie man eine spannende Story erzählt beweisen die Entwickler aber schon zu Beginn der 3. Staffel, sodass uns nach dem actionreichen Einstieg wohl in den kommenden Episoden noch viele nervenaufreibende Momente erwarten. Etwas enttäuscht darf man wegen der extrem kurzen Spielzeit der beiden Episoden sein, aus der ein ziemlich flaches Charakterbild entsteht, weswegen die großen Emotionen bis jetzt ausblieben. Fairerweise bleibt es aber abzuwarten, ob sich dies im weiteren Verlauf der Geschichte ändert. Wer also vom TWD-Franchise und dem Telltale-Storytelling einfach nicht genug bekommt (Oder gerade erst einsteigen will) und gern auf Beständigkeit setzt, wird sich schon bei den ersten beiden Episoden wieder ganz Zuhause fühlen.
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