Test: Turtle Beach Elite Pro

Test: Turtle Beach Elite Pro1

Headsets für den Gelegenheitsspieler gibt es in rauen Mengen. Doch wahre Esports-Perlen für Turnierspieler und virtuelle Athleten sind nicht nur selten, sondern zumeist auch über die Maßen teuer. Das neue Turtle Beach Elite Pro möchte seinem Namen alle Ehre machen und genau das bieten: Surround-Sound für Profis. Ob die Lauscher auch im Hausgebrauch überzeugen können, haben wir für euch herausgefunden.

Turtle Beach Elite Pro: Nur ein Teil des Profi-Pakets

Test: Turtle Beach Elite Pro2

Soviel vorab: Turtle Beach hat sich in den vergangenen Jahre vor allem dank seiner qualitativ hochwertigen Audio-Lösungen für Vielspieler einen Namen gemacht. Dementsprechend ist auch das Turtle Beach Elite Pro nicht für den kleinen Geldbeutel konzipiert. Mit einem stolzen Preis von 199,99€ siedelt es sich ohne Frage in der oberen Preiskategorie an. Der Hersteller macht jedoch auch keinen Hehl aus der Tatsache, dass vor allem kompetitive Gamer in den Kundenkreis des Elite Pro gehören.

Die in New York ansässige Firma lässt jedoch nicht durchblicken, dass es sich beim Headset lediglich um einen Teil des professionellen Komplettpakets handelt. Erst in Kombination mit dem Turtle Beach Elite Pro Tactical Audio Controller können die Ohrhörer ihr ganzes Potenzial entfalten. 7.1 Surround-Sound und das vielgelobte Superhuman Hearing unterstützt das Headset allein nämlich leider nicht. Dazu muss schon das Extra für satte 149,99€ her. Dennoch haben wir die Solo-Lauscher auf Herz und Nieren durchgecheckt.

Der erste Eindruck

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In puncto Aufmachung zeigt sich Turtle Beach am Puls der Zeit. Aufwendige und überladene Verpackungen im Blender-Look werden schon seit Jahren nicht mehr abgefeiert und so kommt das Elite Pro in einem schlichten schwarzen Karton mit Herstellerlogo daher. In einem kleinen mattschwarzen Kästchen erwarten uns zwei verschiedene Kabel, das ansteckbare Mikrofon und das Headset selbst wurde in eine Plastikfassung eingesetzt. Sofort wird deutlich: Hier wurde das Budget einzig und ausschließlich in das Produkt selbst gesteckt.

Der Look des Elite Pro fällt schlicht, aber charmant aus. Ansonsten in mattem Schwarz gehalten wird das Headset lediglich von zwei auffälligen Highlights in Orange durchzogen. Diese finden wir zum einen zwischen den gepolsterten Ohrmuscheln und dem grundsolide verarbeiteten Plastik der äußeren Ohrhörer. Zum anderen bekamen auch die Gelenke, mit denen wir die Muscheln reibungslos drehen und wenden konnten, ein Finish im selben Farbton verpasst. Das Turtle Beach Logo ist unaufdringlich am oberen Rand der Ohrhörer platziert, gesäumt von drei eingelassenen Streifen in der Mitte.

Komfort

Als wir das Headset zum ersten Mal in die Hand nahmen, wurde uns sofort deutlich, dass wir es mit einem Produkt aus dem High-End-Sektor zu tun haben. Mit rund 430g ist das Elite Pro nämlich ein echtes Schwergewicht. Die wuchtigen und massiven Ohrhörer tun dann ihr Übriges. Wenn das Elite Pro beim Spielen für Schmerzen, Schweißbildung oder ein drückendes Gefühl sorgen würde, könnte man den Lauschern durchaus das Prädikat „klobig“ unterstellen.

Doch der Tragekomfort des Elite Pro ist erstklassig. Selbst nach etlichen Stunden im hitzigen Gefecht hatten wir das Gefühl, überhaupt kein Headset zu tragen – ein Ritterschlag für die Lauscher. Und auch die großen Ohrmuscheln sind ein absoluter Pluspunkt des Elite Pro. Selbst überdimensionierte Löffel werden komplett von ihnen bedeckt – kein unnötiger Druck auf den Ohren bei gleichzeitig solider Schallabdichtung. Somit könnt ihr euch über Stunden ganz dem Lieblingsspiel widmen, ohne durch äußere Einflüsse gestört zu werden.

Hinzu kommen die Aerofit Ohrpolster, welche nicht nur bombenfest an der Plastikschale des Headsets angebracht sind, sondern euch kompromisslosen Komfort bieten – kein Schweiß, kein Schmerz.

An der Oberseite des ebenfalls gepolsterten Bügels finden wir zwei Schieberegler, mit denen wir den Sitz des Elite Pro stufenlos verstellen können. Selbst an Brillenträger hat Turtle Beach gedacht und einen Mechanismus eingebaut, mit dem ihr blitzschnell die Polsterung entfernen und die Bügel der Brille in eine Kerbe gleiten lassen könnt.

Features

Da es sich beim Elite Pro nicht um ein kabelloses Headset handelt, gehören natürlich auch die entsprechenden Strippen mit zum Lieferumfang. Hier haben wir die Wahl zwischen der 3,5mm Klinke und dem USB3.0-Pendant. Mit einer Länge von 1,2 Metern ist das Kabel mit Klingenanschluss leider deutlich zu kurz für herkömmliche Desktop-PCs und kann bei Weitem nicht die Strecke von der Couch bis zur Heimkonsole überbrücken. Die USB-Fassung ist zum Glück deutlich länger und wurde deshalb schnell zu unserem Favoriten.

Hin und hergerissen sind wir bei der Verbindung zwischen Headset und Kabel. Hierfür verfügt das Elite Pro über ein etwas ausgefallenes System. So steckt man die Kabel nicht wie gewöhnlich direkt in einen Anschluss am Headset, sondern ist auf einen Konnektor angewiesen. Dieser 10cm lange Kabelkanal ist fest an den Ohrmuscheln verbaut und verfügt über eine solide Isolierung aus hartem Gummi. Wenn wir die Kabel dort hineinstecken, halten sie zwar bombenfest, jedoch haben wir Bedenken, dass genau dieses einzigartige Teil zuerst den Geist aufgibt und sich nicht ersetzen lässt, weil fest am Headset verbaut.

Für Profis wie Gelegenheitsspieler gilt: Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg. Damit ihr zu jeder Zeit mit euren Teamkameraden in Verbindung steht, hat Turtle Beach ein Kugelmikrofon mit biegsamer Drahtfassung parat, das ihr in eine Buchse an der linken Seite des Headsets stecken könnt. Die Verarbeitung des Mikros ist solide und so lässt sich das Mikro auch nach einigen Wochen noch in die gewünschte Position drehen. Das Mikro macht einen guten Job und so hatten wir auch unter vollem Beschuss stets eine glockenklare Stimmqualität. Mehr als den Hausgebrauch können wir euch allerdings nicht empfehlen, denn dafür ist das Mic schlichtweg nicht gebaut.

Klang

Test: Turtle Beach Elite Pro10

Beim Kauf eines aktuellen Gaming-Headsets stellt sich der Klang im Vergleich zu Komfort und Mikrofon-Funktionen zumeist eher in die hinteren Reihen. Grundsätzlich wichtig sind dicke Bässe und im Shooter-Bereich vor allem ausgeprägte Mitten, die uns auf gegnerische Schritte hinweisen. Für den stolzen Preis des Turtle Beach Elite Pro sollte man jedoch etwas mehr in puncto Soundqualität erwarten können.

Die Bewertung der Lauscher in ihrer Grundform fällt uns dabei relativ schwer. Schließlich entfaltet das Elite Pro sein volles Potenzial erst mit dem Audio Controller. Unser Urteil bezieht sich also lediglich auf den soliden bis guten Stereo-Sound, mit dem das neue Aushängeschild von Turtle Beach an den Start geht.

Echte und drückende Bässe: Check. Gerade in langen Gaming-Sessions fallen die Bässe nach einiger Zeit nicht ab, sondern bleiben immer kräftig und drückend. Dass uns beim beeindruckenden Design der Tiefen jedoch die Ohren wegfliegen, können wir nicht behaupten. Im preislichen Umfeld gibt es sicher klanglich bessere Lösungen. Das gilt vor allem dann, wenn man auf das zusätzliche Mikrofon verzichten kann.

Wie bereits angeklungen, setzt das Elite Pro beim Klangbild auf ausgeprägte und präzise entworfene Mitten, die wirklich jede Feinbewegung aufspüren und euch somit einen entscheidenen Vorteil verschaffen. Genossen haben wir die hervorragenden Mitten die letzten Wochen vor allem in Player Unknown’s Battlegrounds.

Dass wir gleichzeitig keine monumentalen Orchesterklänge erwarten können, sollte allerdings jedem klar sein. Wir hätten uns jedoch gewünscht, dass die Höhen etwas weniger schwammig daherkommen. Wirkliche Schärfe und einen Klang, der mit klassischen Stereo-Kopfhörern mithalten kann, liefert Turtle Beach hier leider nicht.

Das Komplettpaket

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In Großen und Ganzen klingen die Lauscher für knapp 200€ allerdings brachial und somit für Gamer aller Couleur absolut ausreichend. Wer das Elite Pro primär für Videospiele nutzt, bekommt satte Bässe, wunderbar ausgeprägte Mitten und kann das Setup bei Bedarf auch noch auf den Tactical Audio Controller erweitern, welcher das Hörerlebnis in ganz neue Dimensionen heben kann – vorausgesetzt, die Brieftasche fällt dementsprechend etwas tiefer aus.

Wer neben Surround-Sound und Superhuman Hearing auch noch auf die entsprechende Stimmqualität wert legt – vor allem professionelle Spieler werden hier angesprochen – findet in der Elite Pro-Kollektion schließlich ein Turniermikrofon. Für 39,99€ erhaltet ihr ein hochsensibles Audiogerät mit Geräuschunterdrückung. Euer Chat soll somit auch in den größten Hallen der Welt störungsfrei und präzise funktionieren.

Doch Vorsicht: Damit das Mikrofon perfekt funktioniert, brauch ihr auch hier erst den Audio Controller. Das kompetitive Komplettpaket kostet euch somit in Gänze rund 420€.

Hochwertige Verarbeitung
Kräftiger Stereo-Sound auch ohne Audio Controller
Schickes, unaufdringliches Design
Sehr große, wertige Ohrmuscheln spürt man trotz hohem Gewicht kaum
Toller Komfort ohne Kompromisse
Dank Stecksystem auch für Brillenträger geeignet
Hochwertiges Mikrofon mit robuster Anbindung
Saftiger Preis
7.1 Surround-Sound und Superhuman Hearing nur mit Audio Controller
Kabel der 3.5mm Klinke etwas zu kurz

Christian Böttcher

Mit dem kompromisslosen Gaming-Headset Elite Pro fährt Turtle Beach schwere Geschütze auf. Die hochwertig verarbeiteten Lauscher richten sich mit ihrem Preis von 199,99€ ohne Zweifel an Vielspieler und eSport-Profis, die Wert auf unvergleichlichen Komfort legen. Der erste Eindruck ist sowohl wuchtig als auch wertig. Dank cleveren Design-Ideen schließt Turtle Beach auch an Brillenträger mit ein und liefert ansonsten starken Stereo-Sound mit satten Bässen und bombigen Mitten. Wer jedoch absoluten High-End-Klang erwartet und 7.1 Surround-Sound gewohnt ist, wird am Komplettpaket mit Tactical Audio Controller nicht vorbeikommen.
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