Test: Uncharted The Lost Legacy

Test: Uncharted The Lost Legacy

Uncharted The Lost Legacy kommt im neuen Gewand daher. Doch kann der neue Teil auch alte Fans überzeugen?

Naughty Dog hatte in den vergangenen Jahren mit der Uncharted Reihe eine sichere Bank, wenn es um die Verkaufszahlen ging. Uncharted: A Thief’s End verkaufte sich allein in der ersten Woche weltweit mehr als 2,7 Millionen mal. Die Abenteuer um und mit Nathan Drake heimsten einen Erfolg nach dem anderen ein und fanden mit dem bejubelten vierten Teil schließlich ein würdiges Ende. Doch mit Uncharted The Lost Legacy erblickt nun ein neuer Titel das Licht der Welt. Einst als downloadbarer Zusatzinhalt geplant, wurde es schließlich doch ein Stand-Alone-Titel. Der Crative Director Shaun Escaryg begründet dies mit dem schieren Umfang der Handlung. Denn Uncharted The Lost Legacy erzählt eine komplett neue Geschichte und führt ebenso zwei neue, aber altbekannte Protagonistinnen ein.

Optisch hat das Spiel auch noch einmal eine Schüppe drauf gelegt. Obwohl das Niveau schon vorher hoch war, kann The Lost Legacy das noch übertrumpfen. Dass die Gesichtsanimationen und die Umgebungstexturen zu den besten der Videospielbranche gehören, ist allgemein bekannt. Aber in kleinen Details wie einem mitschwingenden und elastischen Kopftuch oder den Nackenhaaren eines indischen Elefanten zeigt sich eine noch verbesserte Grafikpracht. Auf der PlayStation 4 Pro werden sowohl HDR als auch eine 4K-Auflösung via Checkerboard-Rendering unterstützt.

Test: Uncharted The Lost Legacy

Was ist anders?

Mit Uncharted 4: A Thief’s End schickten die Entwickler Nathan Drake in den Ruhestand. Eine riskante Entscheidung, wenn man bedenkt, dass ein Großteil der Sympathie und des (Galgen-)Humors der Reihe auf dem ärger-anziehenden Schatzsucher beruhte. Nun allerdings wandelt der Spieler mit der indisch-australischen Chloe Frazer auf den Spuren ihres Vaters durch Indien. Unterstützt wird er dabei durch die ehemalige Anführerin der Söldnergruppe Shoreline Nadine Ross, die von Chloe angeheuert wurde.

Mit zwei weiblichen Protagonisten spielt sich das Spiel zwar vergleichsweise wenig anders, doch der Unterschied liegt in der Beziehung der beiden zueinander. Denn die Frauen gehen ein reines Zweckbündnis ein, um den Stoßzahn von Ganesha zu finden. Die Beiden werfen sich des öfteren missgünstige Sprüche entgegen und gleichzeitig besitzen Beide eine schlagkräftige Konterfähigkeit. Die Dialoge sind durchweg unterhaltsam und reizen durch ihre humorvollen Spannungen und Streitigkeiten. Weiterhin hat dies auch Auwirkungen auf das Gameplay, denn nicht immer nimmt Chloe am Steilhang die helfende Hand ihrer Kollegin an. Ob sich dieses Zweckbündnis innerhalb der Story noch zu einer Freundschaft wandeln kann, das müsst ihr selbst herausfinden. Weiterhin verspricht das Spiel auch sehr viel offener zu sein. Somit setzt Uncharted The Lost Legacy den Trend seines Vorgängers weiter fort. Später aber mehr dazu.

Test: Uncharted The Lost Legacy

Die zwei neuen Protagonistinnen Nadine und Chloe

Der Umfang des Spiels entspricht ungefähr 2/3 des Umfangs seiner Vorgänger. Doch wer jetzt glaubt, nur einen kleinen Abklatsch der Reihe zu erhalten, liegt falsch. The Lost Legacy erzählt eine eigenständige und vor allem vollwertige Geschichte, die euch genauso emotional wie entdeckerisch auf eine Reise mitnimmt. Und die fühlt sich alles andere als kurz an. Selten hat so viel Mühe in einer Erweiterung eines Spiels gesteckt und eigentlich ist es ja auch keine Erweiterung mehr.

Schatzsuche in Indien

Wie immer in der Uncharted Reihe dreht sich alles um einen Schatz – ein mythisches Artefakt. Das besondere hierbei ist, dass das erste mal Bezug auf die indische Mythologie genommen wird. Diese steckt voller Geschichten, die uns in der westlichen Welt meistens fremd sind, jedoch wurden auf diese in noch keinem Videospiel Bezug genommen. Naughty Dog erzählt in seinem neuen Schatzsucher-Abenteuer die Geschichte vom Kampf zwischen Parashurama und Ganesha. Nach einem Streit der beiden Gottheiten trennte Parashurama seinem Gegner einen Stoßzahn mit einer Axt ab. Der Stoßzahn verleiht seinem Besitzer unglaubliche Macht. Deshalb ist auch Antagonist Asav hinter ihm her. Der möchte mit seiner Privatarmee die Traditionen der Hoysala Dynastie wieder groß machen.

Nun seid ihr also im Zweiergespann in einem Wettrennen gegen die Zeit unterwegs, um die uralte Reliquie vor eurem Widersacher zu finden. Wenig überraschendes also im fünften Ableger der Uncharted Reihe. Es geht mal wieder um einen Schatz, den ein Bösewicht für sich beanspruchen möchte. Doch die indische Mythologie wird interessant erzählt und ist ein erfrischendes Novum in der Spieleindustrie. Nebenbei wird durch die Hauptcharaktere ein weiterer netter Handlungsstrang erzählt, der euch Höhen und Tiefen bietet. Dabei sind die Frauenfiguren weder schwach, noch überzeichnet stark. Sie sind eben pragmatisch und nicht ‚badass‘ (was man sich noch bei Nathan Drake erlauben konnte). Lediglich der Schurke Asav wirkt mal wieder etwas stereotypisch. Trotzdem weiß er seine Rolle zu erfüllen und die Wut des Spielers auf sich zuziehen.

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Open World?

Das Madagaskar Areal in Uncharted 4 hat es schon angedeutet. Die Welt in Uncharted The Lost Legacy wird offener und Naughty Dog hält die Spieler an einer immer längeren Leine. Nach einigen prologartigen Anfangsmissionen durften wir uns relativ schnell in einer riesigen, offenen Dschungelumgebung austoben. Wie passend ist es, dass wir einen flexiblen Offroad-Wagen zur Verfügung haben, den so schnell nichts aus der Bahn wirft. Mit diesem lassen sich weite Ebenen und Tunnel unter Wasserfällen hervorragend erkunden. Nur der schlammige Untergrund an Berghängen kann schon mal eine Herausforderung sein, aber hierbei kommt es auch darauf an, dass ihr mit genügend Schwung anfahrt. Weiterhin solltet ihr immer nach kleinen Flächen von Graß oder Steinen Ausschau halten, um ein wenig Grip zu erhalten – wie in der Realität eben.

Die Spielumgebung ist vor allem eins – wunderschön gestaltet. Sie lädt wirklich zum Erkunden ein. Es macht einfach viel Spaß, mit dem Geländewagen durch Flüsse zu brettern, oder einfach die herrliche und abwechslungsreiche Natur anzuschauen. Nebenbei führt euch die Hauptquest durch die Hälfte der Karte, während ihr in Nebenquests die restliche Umgebung abstreifen könnt. Die Belohnungen dafür halten sich zwar in Grenzen, aber teilweise ist es das Erkunden an sich auch schon wert. Somit wird das Open-World-Areal des Spiels auch mit aufregenden Geheimnissen gefüllt.

Es scheint ein Aspekt hinzugekommen zu sein, der dem Schatzsucher-Feeling der Uncharted-Reihe bis jetzt noch gefehlt hat. Außerdem bekommt ihr auch viel mehr Freiheiten, wenn es darum geht, eure Feinde auszuschalten. Im hohen Gras könnt ihr Gruppen wunderbar flankieren und heimlich ausschalten. Schade ist nur, dass sich auch hier der Begriff Open World in Grenzen hält. Nach dem einen Dschungelgebiet, kam so schnell kein völlig freies Biom wieder.

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Eine Kletterpartie an den Statuen der indischen Götter Parashurama und Ganesha

Gewohnt geiles Gameplay

Ansonsten bekommt ihr das, was ihr von Uncharted gewohnt seid und was ihr an Uncharted liebt: Der gute Mix aus Kletterpassagen vor gewaltigen Hintergründen, Bleiballereien vom Feinsten mit bösen Schurken und brilliant aussehenden Cutscens, gepaart mit film-artigen Dialogen. Erneut hat man das Gefühl, dass die Grenze zwischen Gameplay und Sequenzen weiter verwischt. Beides geht mittlerweile so flüssig ineinander über, dass man es gar nicht mitbekommt. Die verschiedenen Rätsel sind wieder sehr kreativ und trickreich gemacht. Auch wenn die üblichen Verdächtigen wie Schatten an Wänden ausrichten oder Lichtstrahlen ausrichten wieder vorkommen. Als nettes Extra hat euch Naughty Dog zudem wieder ein Handy mit Fotofunktion in die Hand gedürckt. Es mag zwar lame klingen, macht aber ungemein Spaß Selfies vor grandiosen Kulissen, oder in abstrusen Situationen zu schießen.

Uncharted The Lost Legacy erscheint am 22. August 2017 exklusiv für die PlayStation 4.

Frische Story
Unterhaltsame Protagonistinnen
Überragende Grafik
Gewohnt gute Gameplay-Mischung
Open-World-Elemente
leider nur ein Open-World-Areal
Bombastisch
Mit Uncharted: The Lost Legacy legt Naughty Dog erneut einen richtigen Kracher hin. Er kommt vielleicht als Nicht-Vollpreis-Titel unscheinbar daher, kann aber durchaus mit seinen Vorgängern mithalten. Dies hat das Spiel vor allem seinem Mut, eine neue Richtung einzuschlagen, zu verdanken. Die Protagonistinnen, die Story, das Gameplay - einfach alles wirkt frisch, unverbraucht und trotzdem zeigt alles die Qualitäten seiner Vorgänger. Sollte Naughty Dog diese Richtung für seine zukünftigen Spiele beibehalten sind sie auf einem richtig guten Weg. Mit Nadine und Chloe bekommen zwei Charaktere eine verdiente Bühne und sie wissen durchaus zu unterhalten. Sogar so sehr, dass man Nathan Drake keine Sekunde lang vermisst. Das Attribut Bombastisch passt dem Titel wie angegossen. Denn die Grafik ist es, Die Spielumgebung mit ihren riesigen Tempel im Untergrund und den Hochebenen von Indien ist es. Und der actiongeladene Storyverlauf ist es allemal.
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