Test: Valetta

Die Brettspiele aus dem Hans-im-Glück-Verlag genießen seit jeher einen guten Ruf. Die Münchner haben offenbar einen guten Riecher für Spiele mit einer guten Balance zwischen Anspruch und Zugänglichkeit. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an Valletta, das schon auf der Nürnberger Spielwarenmesse gezeigt wurde und sich jetzt gerade ganz frisch in den Regalen der Händler platziert hat.

Wenn ihr die Stadt Valletta geographisch nicht einordnen könnt, müsst ihr euch nicht grämen. Es handelt sich um die Hauptstadt Maltas, der Mittelmeerinsel südlich von Sizilien. Mit gerade einmal knapp 6000 Einwohnern zählt sie damit zu den kleinsten Hauptstädten im europäischen Raum. Im Brettspiel macht ihr eine Reise zurück in das 16. Jahrhundert. Zu jener Zeit errichtete der Malteserorden gerade die Grundsteine der Stadt. Als Spieler versucht ihr euch am Aufbau Vallettas zu beteiligen und gewinnt zunehmend an Einfluss.

Komplexität trotz einfacher Regeln

Doch zuvor geht es an den Spielaufbau. In der Spieleschachtel findet ihr zwei schmale Anleitungen wieder. Für die eigentlichen Regeln hat der Verlag gerade einmal fünf reichlich bebilderte Seiten benötigt. Im zweiten Heft werden die Karten im Spiel genauer erläutert. Doch auch hier erwartet euch kein dickes Glossar, da sich die meisten Karten durch ihren Aufdruck ohnehin fast selbst erklären. Die Einstiegshürde ist in Valletta also recht gering.

Angesichts dieses kurzen Regelwerks wirkt Valletta auf den ersten Blick trotzdem durchaus umfangreich, vielleicht sogar etwas ungewöhnlich, zumindest optisch. In der Tischmitte platziert ihr zunächst eine Straße aus 25 Feldern. Sie dient euch nicht nur als Siegpunktleiste, sondern teilt die Stadt auch in zwei Hälften. Ober- und unterhalb der Straße legt ihr offen Gebäudekarten aus. Je nach Anzahl der Mitspieler befinden sich 4-6 Reihen mit jeweils fünf Gebäuden auf dem Tisch.

Zu jedem Gebäude gibt es auch eine passende Person. Jedem Gebäude wird eine Person zugeteilt. Die Personenkarten sind etwas kleiner als die Gebäudekarten. So legt ihr etwa den Bankier auf die Bank und den Schreiner auf die Schreinerei. Die kleinen Personenkarten sind in den Dimensionen so gestaltet, dass sie die Funktionen der Gebäude nicht verdecken. Ihr habt also immer einen guten Überblick über beide Kartentypen.

 

Deckbau leicht gemacht

Zur besseren Übersicht unterscheidet das Spiel sowohl Personen als auch Gebäude in unterschiedliche Farben. Grüne Personen etwa kümmern sich um die Beschaffung von Rohstoffen. Im Gegensatz dazu bieten die blauen Karten einen Mix aus Funktionen. Dazu gehört die Beschaffung von Rohstoffen genauso wie der Bau von Gebäuden oder auch Interaktionen mit den anderen Spielern. Mit den gelben Karten könnt ihr Siegpunkte erringen.

Dazu müsst ihr aber zunächst eure eigenen Möglichkeiten erweitern und neue Karten hinzugewinnen, denn mit den gerade einmal acht Startkarten werdet ihr nicht sonderlich weit kommen. Gesteuert wird das Spiel durch die Personenkarten. Bei Spielbeginn verfügt ihr über die Karten Krämerin, Holzfäller, Steinhauer, Ziegelstreicher, Magd, Baumeister, Lehrling sowie Jean de la Vallette, dem Großmeister des Malteserordens, der eine ganz besondere Rolle im Spiel einnimmt.

Die vier erstgenannten Karten liefern euch die wichtigen Rohstoffe Gold, Holz, Stein und Ziegel. Bei der Magd handelt es sich um einen Joker, der ein beliebigen Rohstoff herstellen kann. Der Lehrling ahmt Aktionen nach und kopiert die Aktion der vorausgegangenen Karte. Ausgerüstet mit den nötigen Rohstoffen könnt ihr dann den Baumeister ins Spiel bringen. Sofern ihr die nötigen Kosten aufbringen könnt, setzt euch der Baumeister ein schmuckes Häuschen auf eine der ausliegenden Gebäudekarten. Als Belohnung nehmt ihr euch nun die Personenkarte, die auf dem Gebäude liegt. Ab sofort verstärkt diese Person euer Kartendeck.

Einfacher Spielablauf

Neu gewonnene Karten müssen, wie bei Deckbauspielen üblich, erst auf die Hand rotieren. Zu Beginn eines Zuges habt ihr im Regelfall fünf Karten auf der Hand. Drei Karten davon könnt ihr in eurem Zug jeweils ausspielen und die auf den Karten aufgeführten Aktionen ausführen. Am Ende der Runde zieht ihr die Hand wieder auf fünf Karten auf. Ist der Kartenstapel leer, wird die Ablage neu gemischt und es entsteht ein neuer Nachziehstapel.

Durch den Bau von Gebäuden könnt ihr eure Auswahl an Karten also stetig erweitern. Um ein Haus auf einer der Gebäudekarten zu errichten, benötigt ihr natürlich die jeweils notwendigen Rohstoffe. Baut ihr ein Haus in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem eurer anderen Gebäude, könnt ihr die Kosten ein wenig drücken. Es lohnt sich also, schon vorab einen Schlachtplan zu entwerfen.

Trotz einiger Überlegungen, die ihr in eurer Strategie beachten solltet, spielt sich Valletta in seinen Grundzügen total simpel. Fünf Karten habt ihr auf der Hand, drei davon spielt ihr aus und führt ihre Aktionen aus und füllt anschließend die Kartenhand wieder auf. Das war’s! Mit den Startkarten sind eure Handlungsmöglichkeiten auch noch sehr begrenzt. Erst durch die zusätzlichen Gebäude und Personen nimmt das Spiel richtig an Fahrt auf.

Gebäude und Personen

Personen und Gebäude haben oft einen Bezug zueinander. Auf der Bank-Karte befindet sich zum Beispiel das Gold-Symbol in der unteren linken Ecke. Spielt ihr nun einen Bankier aus, dann zählt ihr alle eure Gebäude-Karten mit einem Gold-Symbol zusammen und erhaltet die entsprechende Anzahl an Gold zu eurem Vorrat hinzu. Es besteht im Spielverlauf zudem die Möglichkeit, Gebäude aufzuwerten. Für ein aufgewertetes Gebäude erhaltet ihr zusätzliche Ressourcen.

Habt ihr ein paar blaue Personenkarten ergattert, stehen euch weitere Möglichkeiten zur Verfügung um an neue Ressourcen zu gelangen. Mit der Händlerin oder dem Kaufmann könnt ihr etwa Güter mit dem allgemeinen Vorrat tauschen. Der Bettelmönch erschnorrt sich Güter bei den Mitspielern, während die Ordensschwester alle Spieler mit Gütern versorgt. Insgesamt findet ihr zwölf unterschiedliche blaue Personenkarten im Spiel wieder.

Die gelben Personenkarten braucht ihr, um an die nötigen Siegpunkte zu gelangen. Bei einigen Aktionen müsst ihr Rohstoffe investieren, um in der Siegpunktleiste nach vorne zu kommen. Andere gelbe Karten belohnen euch für den Besitz von bestimmten Gebäudetypen oder geben euch eine pauschale Anzahl von Siegpunkten.

Jean de la Vallette wacht über der Stadt

Bereits erwähnt wurde die Karte des Jean de la Vallette, die sich in jedem Startdeck befindet. Der Ordensgroßmeister wird im Spiel durch eine eigene Figur dargestellt. Sie wandelt auf einer Brücke oberhalb der Siegpunktleiste. Spielt ihr die Jean-de-la-Vallette-Karte aus, wandert seine Spielfigur um ein Feld nach vorne. Auf jedes dieser Felder wird zu Spielbeginn ein Fass-Plättchen gelegt. Versetzt ihr die Figur des Ordensgroßmeisters, dürft ihr euch das Plättchen nehmen und werdet mit dafür mit unterschiedlichen Bonus-Ressourcen belohnt.

Jean de la Vallette bringt euch aber möglicherwiese noch weitere Vorteile ein. Der Ordensgroßmeister ist sehr am Aufbau der Stadt interessiert und belohnt seine Mitbürger, wenn sich diese fleißig am Aufbau beteiligen. Baut ihr also ein Gebäude oder wertet ein solches auf, bekommt ihr zwei zusätzliche Siegpunkte. Allerdings nur, wenn Jean de la Vallette auch davon Wind bekommt. Seine Spielfigur muss sich dazu im gleichen Sektor aufhalten, in dem sich auch euer Gebäude befindet.

Das Spiel endet, sobald Jean de la Vallette die Brücke passiert hat oder ein Spieler sein achtes und somit letztes Haus gebaut hat. Anschließend werden Ablage- und Nachziehstapel aller Spieler nochmal zusammengelegt und gemischt. Jeder von euch darf jetzt noch einmal sein gesamtes Deck nach den üblichen Regeln herunterspielen. Erst dann geht die Partie zu Ende. Die Spielzeit richtet sich stark nach der Anzahl der Mitspieler. Pro Spieler solltet ihr etwa 20 Minuten einkalkulieren. Valletta steht ab sofort im Handel und kostet zwischen 30 und 35€.

hohe Zugänglichkeit
schnell erklärt
trotzdem recht komplex
zweigeteiltes Regelheft kann verwirrend sein

Sebastian Hamers

Nein, Valletta hat wohl keine Chancen auf den Titel „Umfangreichstes Strategiespiel des Jahres“. Es ist allerdings auch nicht so banal und einfach, dass es sich als Party-Quicky eignen würde. Valletta bewegt sich irgendwo in der goldenen Mitte. Es ist zugänglich genug, um auch Gelegenheitsspieler anzusprechen. Gleichzeitig hat es aber auch genug Anspruch, damit sich Spielekenner nicht langweilen und sich ausreichend gefordert fühlen. Ein großer Trumpf sind die wirklich sehr einfachen Regeln. Schon nach wenigen Minuten Erklärzeit kann die Partie starten. Der Rest ergibt sich schnell im Verlauf des Spiels. Damit passt Valletta wohl in das Anforderungsprofil von zahlreichen Spielrunden, die mit dem Kauf des Spiels nicht viel falsch machen können.
Test: Farpoint Test: The Surge
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