Test: Valkyria Revolution

Die Vermarktung von Videospielen wird heute immer schwerer, was nicht nur an der Qualität der aktuellen Spiele, sondern auch an der schieren Anzahl dieser auf dem Markt liegt. Gerade bei neuen Franchises ist es selten einfach, sich auf dem Markt zu behaupten zu können. Dies mag auch ein Grund dafür sein, warum viele Publisher lieber bereits etablierte Marken weiter ausbauen und fördern. Diese Entwicklung lässt sich gerade heute sehr einfach nachverfolgen, wenn man sich einfach einmal die neuesten Games vor Augen hält, die in der X-ten Fassung erscheinen. Während viele Entwickler allerdings wenig Probleme haben, eine Marke gut oder zumindest solide über Wasser zu halten, so gibt es auch hin und wieder jene, die eine beliebte Marke komplett gegen die Wand fahren. Genau dies ist nun SEGA mit Valkyria Revolution gelungen, und dabei ist es nicht nur bei ein paar Kratzern im Lack geblieben.

Zwischen Identitätskrise und dem Weg zum Schafott

Fans der Valkyria Chronicles-Spiele werden sich nun vermutlich mit sehnsüchtiger Freude an die damaligen Strategie-Highlights im Anime-Gewand erinnern, die mit großartigen taktischen Partien und fordernden Kämpfen, aber auch einer einzigartigen grafischen Präsentation aufwarten konnten. Wer nun allerdings ein ähnliches Spiel mit Valkyria Revolution erwartet, der wird erheblich enttäuscht werden, denn das Entwicklerstudio Media Vision hat das Wort „Revolution“ hier etwas zu wörtlich genommen. Als Resultat daraus hat sich das rundenbasierte Strategie-Spiel in einen Echtzeit-Hack & Slash-Titel verwandelt.

Eine solche grundlegende Änderung kann allerdings auch viele Chancen und Möglichkeiten mit sich bringen – zumindest sofern man den Titel ordentlich aufzieht und dies konsequent durchzieht. Hier hat sich der Entwickler bei Valkyria Revolution jedoch öfters verrannt, wie es sich an vielen Stellen im Verlauf des Spiels entdecken lässt. Wir steuern unsere Gruppe aus vier Charakteren über unterschiedliche Schlachtfelder und müssen in Action-geladenen Kämpfen feindliche Einheiten-Verbände eliminieren, was durch Schwert und Magie bewerkstelligt wird. Viele der Mechaniken wie das Schießen mit Waffen und die Verwendung eines Deckungssystems, erinnern dabei stark an Valkyria Chronicles, allerdings ist dies ein perfektes Beispiel dafür, dass man sich zu sehr auf alte Merkmale fokussiert und zugleich die Frage vernachlässigt hat, ob solche Features auch in das neue System passen.


So ist es beispielsweise möglich, hinter Häuserwänden oder Sandsackbarrieren in Deckung zu gehen. Da unsere Feinde allerdings in der Regel nicht nur unfassbar wenig Schaden anrichten, sondern ebenso wenig aushalten können, ist es in der Regel die bessere Wahl alles in Grund und Boden zu schnetzeln und den Feind niederzustürmen. Verbündete Einheiten hinter eine Deckung zu befehligen ist übrigens gar nicht möglich. Wenn wir neben unseren viel zu mächtigen Schwertangriffen einmal zu alternativen Angriffsmöglichkeiten wie Schusswaffen greifen wollen, dann kommt eine andere Spielmechanik aus der Vergangenheit zum Einsatz: Das Spiel wird pausiert und wir können in aller Ruhe unsere Fernkampfangriffe, Magie oder gar Granaten einsetzen, was allerdings auch gleichzeitig einen enormen Bruch im Spielfluss darstellt.

Eine weitere Problematik stellt innerhalb der Gefechte zudem das Balancing dar. Normale Einheiten werden mit einer Angriffskombo sofort ausgelöscht, wohingegen man auf Bossgegner schon mal 15 Minuten wie doof einschlagen muss. Nicht selten kommt es dazu vor, dass diese mit einem Angriff die eigene Einheit komplett auslöschen. Angriffskombos bestehen zudem aus drei normalen Schwerthieben, die tatsächlich immer ausgeführt werden und auch nicht unterbrochen werden können. Entsprechend kommt es häufig vor, dass der eigentliche Feind oft die Luft zu sein scheint, auf die man wie besengt einschlägt. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass selbst Kleinigkeiten während des Entwicklungsprozesses schon nicht bis zum Ende durchdacht worden sind.

Dieses ständige Gelaber…

Im Gegensatz zu Valkyria Chronicles werden in Valkyria Revolution keine Charaktere in den eigenen Trupp mehr rekrutiert. Stattdessen bekommen wir es hier mit einem festen und umfangreichen Ensemble zu tun. Diese kunterbunte Truppe besteht allerdings fast durch die Bank weg aus eindimensionalen Anime-Figuren, die mit wenig Tiefgang oder Überraschungen aufwarten können. Zumindest ist es möglich, selbst die Kontrolle über jegliche Figuren zu übernehmen und auch die eigene Truppe mit unterschiedlichen Ausrüstungsgegenständen zu verbessern. Merkwürdig ist hier allerdings die Entscheidung, dass man nicht jeden Charakter individuell mit Items ausstatten kann, denn so bekommt jeder dieselben Schuhe und dieselben Tragetaschen. Warum dies seltsam ist? Weil es so nicht möglich ist, die eigene Einheit ordnungsgemäß zu individualisieren. Taschen können beispielsweise Vorteile in Form von zusätzlichen Granaten oder Scharfschützen-Patronen mit sich bringen. Mit diesem System kann allerdings nur ein einziger Einheiten-Typ von diesen Vorteilen profitieren und alle anderen gehen leer aus.

Das Schlimmste an den Charakteren stellen allerdings die Zwischensequenzen dar. Diese sollen zwar auf der einen Seite die Geschichte hinter dem Konflikt zwischen der kleinen Nation Jutland und dem großen Ruz Empire erzählen, allerdings geschieht dies in einer unfassbar langweiligen und sterilen Art und Weise. So sind die Figuren in diesen Szenen oft schlecht platziert und zudem kaum animiert. Hin und wieder öffnet sich der Kiefer beim Sprechen und alle paar Minuten nehmen die Charaktere mal eine andere Haltung an, sodass man sich fragt, ob Media Vision schon mal was von Motion Capturing gehört hat. Auch inhaltlich kommt dabei nicht viel rum. Das Erzählte wirkt langweilig und vergessenswert, sodass man als Zuschauer sehr schnell aufhört, die Story weiter zu verfolgen. Umso schlimmer ist es nur noch, dass nach einer Sequenz oft die nächste folgt, sodass man wahrhaftig erleichtert ist, sobald die schiere Anzahl an nicht-enden-wollenden Szenen endlich vorüber ist.

Ordentliche Synchronsprecher
Langweilige Geschichte
Eindimensionale Charaktere
Oberflächliche(s) Individualisierung/Crafting
Halbherzige Kämpfe
Viele kleine Spielfluss-Bremsen
Veraltete Optik
Strategische Elemente ohne Sinn und Verstand

Daniel M.

Es ist echt ein Jammer, was uns mit Valkyria Revolution vorgesetzt wurde. Als großer Fan der klassischen Chronicles-Serie betrübt mich dies umso mehr, denn vermutlich wird dieser Schuss in den Ofen das Ende der Marke bedeuten. Statt mit einem hochkarätigen Strategiespiel bekommen es Nutzer hier nur mit einem unwürdigen Hack & Slay-Titel zu tun, der selbst in einer Identitätskrise steckt. Das Spiel fühlt sich wie ein Dynasty Warriors-Ableger an, nur ohne die Massen an Gegner, und gleichzeitig besinnt sich es sich auf alte Spielmechaniken der Serie, die allerdings mit dem neuen actionlastigen Spielprinzip kaum noch Sinn ergeben. Im Grunde kann man lediglich eines sagen: Valkyria Revolution stellt eine wahre Revolution dar, nur bleibt unklar, wogegen man mit diesem Spiel revoltiert.
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