„Neuverfilmung“ ist neben „Reboot“ für viele Cineasten schon jetzt ein heißer Kandidat für das Unwort des Jahres 2010. Hollywood scheint in einem kreativen Tief zu stecken. Man setzt immer mehr auf Altbewährtes und immer weniger auf neue oder frische Ideen. Das ist nicht immer schlecht, wie schon der neuste Star Trek-Film zeigte. Auch in Ridley Scotts Robin Hood legte man große Hoffnung. Doch wäre es mehr als ungerecht, Scotts Film als plumpe Neuverfilmung abzustempeln. Denn es geht weniger um Robin Hood (als Legende) selbst, sondern vielmehr um seine Vorgeschichte, als er nur Robert Longstride war. Scotts Interpretation des Stoffes kann man zwar im Allgemeinen als gelungen bezeichnen, aber nicht als perfekt. Dafür hat der Film mit zu vielen Mängeln zu kämpfen. Welche das genau sind, erfahrt ihr in den nächsten Zeilen.
Plündernd und brandschatzend zieht der ruhmlose König Löwenherz (Danny Huston) auf dem Weg in das vertraute England durch Frankreich. Bogenschütze Robert Longstride (Russel Crowe) gehört zu seinem Trupp und verdient sich auf den Reisen ein paar Münzen durch das Glücksspiel. Ein Soldat bezichtigt ihn des Betruges, es kommt zu einem Handgemenge infolge dessen Löwenherz verletzt wird. Nachdem der König Robert dazu auffordert ihm seine ehrliche Meinung zu seinem Kreuzzug zu sagen, muss er an den Pranger. Als der König in der folgenden Schlacht sein Leben verliert, sieht Robert seine Zeit gekommen und flüchtet mit seinen Freunden vom Kriegsschauplatz, um nachhause zu
reisen. Ab diesem Moment versucht er sich unter falschem Namen für die kleine Gemeinde Nottingham einzusetzen und das Leben der dortigen Bewohner zu verbessern. Doch es kommt, wie es kommen muss, und auch der neue König John (Oscar Isaac) versucht die Missstände in England nicht zu bessern, sondern eher zu verschlechtern. Robert Longstride muss nun sein Erbe antreten, um England und dessen Bevölkerung von Tyrannei, Unterdrückung und französische Invasoren zu befreien. Dabei erobert er auch noch das Herz der Marianne (Cate Blanchett) und muss sich gegen seinen Widersacher Godfrey (Mark Strong) behaupten.
Ridley Scott ist bekannt für seine wunderschönen Panoramen und perfekt eingefangen Bildern. Das ist auch bei Robin Hood nicht anders. Was hier an Landschaftsbildern und Flugsequenzen gezeigt wird, ist makellos und versetzt einen des Öfteren ins Staunen. Auch die restlichen Szenen sind sehr bildgewaltig, allen voran natürlich die Kampfsequenzen. Besonders zu loben ist, dass hier zum Großteil auf CGI-Effekte verzichtet wurde und es dennoch ein Fest für das Auge ist. So muss handgemachte Action heutzutage aussehen. Leider schleicht sich ab und an ein viel zu grober Schnitt ein und schmälert die sonst gute Inszenierung ein wenig. Die Ausstattung und die Sets spielen natürlich eine große Rolle und diese können durchweg überzeugen. Aber das alles macht noch keinen guten Film, wenn die Schauspieler nicht überzeugen können und hier lassen sich die ersten Probleme des Films erkennen. Robin Hood ist zu stark auf Russell Crowe und seine Filmpartnerin Cate Blanchett ausgelegt. Crowe ist dabei ein deutlich besserer Robin Hood als noch Föhnfrisur Kevin Costner im gleichnamigen Film von 1991. Auch Blanchett weiß in ihrer Rolle als Marianne Loxley zu glänzen. Leider stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern nicht mehr so ganz, wenn sie schlussendlich doch noch zueinandergefunden haben. Wirklich schade ist, dass von den ganzen Nebendarstellern keiner wirklich hervorstechen kann. Das liegt aber weniger an der Leistung der Schauspieler, sondern viel mehr an der fehlenden Charakterzeichnung. Man erfährt einfach zu wenig über Robins Begleiter und Widersacher. Gerade bei Mark Strong ist
dies besonders schade. Die Motivation seiner Rolle bleibt im Dunkeln und das ist besonders tragisch, da er einer der interessantesten Charaktere des Films ist. Womit Robin Hood zudem zu kämpfen hat, ist sein Mittelteil. Nach einem grandiosen Auftakt geht die Spannung erstmal mächtig nach unten. Denn nach dem ersten Drittel muss nun die Beziehung zwischen Robin und Marianne abgehandelt werden und die Voraussetzung für das famose Finale geschaffen werden. Leider präsentiert sich das Ganze zäher als es klingt. Hier hätte man auch ruhig auf ein paar Szenen verzichten können. Zumal die recht platten Witze ein wenig an der sonst ernsten Atmosphäre kratzen und nicht immer zünden wollen. Ein absoluter Pluspunkt ist der Soundtrack. Das eingespielte Orchester passt zu jeder Situation. Egal ob episch (Kampfsequenzen), ruhig (ernste Dialoge) oder verspielt (Neckereien zwischen Robin und Marianne), stets kann die Musik überzeugen und spielt sich dabei nie in den Vordergrund.


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