Test: The Walking Dead – 400 Days DLC

Es gibt diese Spiele, an deren Qualität einfach niemand zweifelt. In den letzten Monaten zählten sicherlich Bioshock: Infinite oder The Last of Us zu dieser Kategorie und auch The Walking Dead, dass im vergangenen Jahr in mehreren Episoden veröffentlicht wurde, konnte breite Begeisterung bei den Fans auslösen. Doch bevor wir uns endlich der heiß ersehnten zweiten Staffel widmen können, schlägt Telltale Games wie versprochen noch die Brücke zwischen den Staffeln. Werfen wir einen Blick auf die neue Erweiterung The Walking Dead – 400 Days!

400 Tage in fünf Akten

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Wie der Name The Walking Dead – 400 Days bereits vermuten lässt, dreht sich die Handlung des neuen DLC um das, was unmittelbar nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse passierte. Von einer aufkommenden Seuche gegeißelt, zerfällt die menschliche Zivilisation in den ersten 400 Tagen nach deren Ausbruch rapide. Wo vorher klare Strukturen, übertriebener Luxus und moderne Technik das Leben der Menschen bestimmten, regieren von Tag zu Tag mehr Panik und Chaos. Ständige Bedrohung und Angst sorgen dafür, dass sich unsere so hochgelobte Kultur allmählich auf reine Überlebensinstinkte reduziert.

The Walking Dead – 400 Days erzählt uns gleich fünf Geschichten von Überlebenden, die den Verfall unserer Zivilisation am eigenen Leib erleben müssen. Davon abgesehen, dass sich unsere fünf Protagonisten alle gegen Zombies und Mitmenschen behaupten müssen, sind ihre Geschichten eigenständig und haben nur eine zentrale Verbindung: Eine heruntergekommene Raststätte an einem Highway mitten in den USA. Wyatt, Vince, Shel, Russell und Bonnie erleben dabei unterschiedliche Ausschnitte aus 400 Tagen Zombie-Herrschaft, die jeder für sich ihre eigenen dramatischen Momente und natürlich moralischen Entscheidungen breit halten.

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Pulp Fiction mit Zombies!

Wer The Walking Dead gespielt hat, der wird feststellen, dass sich The Walking Dead – 400 Days ein wenig von dem Konzept der ersten Staffel entfernt. Haben sich die Entwickler im Hauptspiel viel Zeit genommen, um uns Spielern jeden einzelnen Charakter vorzustellen, seine Motive, Träume und Ängste kennen zu lernen, ist dies in 400 Days schon aufgrund der fünf fast autarken Geschichten nicht möglich. Wir lernen die Charaktere bereits in einer Extrem-Situation kennen, sodass die Hintergründe ein wenig auf der Strecke bleiben. Dies soll natürlich nicht heißen, dass es The Walking Dead – 400 Days nicht ebenso versteht, uns die Dramatik ans Herz gehen zu lassen und vor moralische Zwiespälte zu stellen. Ganz so tief wie in der ersten Staffel ist unsere persönliche Betroffenheit an den Schicksalen von Wyatt, Vince, Shel, Russell und Bonnie allerdings nicht.

the walking dead - 400 days, the walking dead, dlc, 400 days, test, review, wertungHinzu kommt, dass wir die einzelnen Episoden aus The Walking Dead – 400 Days nicht zwangsläufig in chronologischer Reihenfolge spielen müssen. Viel eher ergeben die Geschichten auf den ersten Blick ein zeitlich konfuses Bild, das nicht so recht zu stimmen scheint. Das dieses Prinzip zu herausragenden Ergebnissen führen kann, ist spätestens seit Tarantinos zeitlosem Klassiker Pulp Fiction klar und auch die Story von The Walking Dead – 400 Days besticht mit diesem Charme. Gleich einem großen Puzzle sind wir gezwungen, die einzelnen Teile zusammen zusetzen. Das ist zur Abwechslung neben den linearen Geschichten vieler Konkurrenten nicht nur erfrischend anders, sondern sorgt auch dafür, dass sich jeder die ersten 400 Tage nach dem Ausbruch der Zombie-Apokalypse ein wenig anders zusammen reimen kann.

Nichts neues im Westen?

Der grundsätzlich herausragenden Atmosphäre schaden beide Aspekte allerdings nur begrenzt. Waren es bislang Einzel-Schicksale die uns ergriffen haben, ist es in The Walking Dead – 400 Days das raue Leben als solches, das uns einmal mehr vor den Kopf stößt und nachdenklich stimmt. Darüber hinaus haben die Entwickler am Gameplay wenig bis keine Veränderungen vorgenommen. Wir klicken uns immer noch durch die ein wenig comichafte Welt und werden dabei an vielen Stellen vor moralische und teilweise existenzbedrohende Entscheidungen gestellt, die sich auf den weiteren Verlauf der Handlung auswirken. Tatsächlich ist The Walking Dead – 400 Days eher als eine Sammlung von Staffelresten und Ideen zu sehen, die, wenn gleich nicht im Hauptspiel enthalten, immer noch großartig sind.

the walking dead - 400 days, the walking dead, dlc, 400 days, test, review, wertungGewohntes Bild beim Gameplay, gewohntes Bild bei Sound und Grafik! An dieser Stelle gibt es eigentlich nur eines zu sagen: Wem die musikalische Untermalung und die Optik bislang gefallen haben, der darf sich in The Walking Dead – 400 Days auf mehr vom Gleichen freuen. Auf der einen Seite hätte Telltale Games zwar Texturen und Ähnliches durchaus überarbeiten können, aber dies hätte wohl auch dazu geführt, dass Staffel 1 und 400 Days in Sachen Spiel-Gefühl stärker auseinander gefallen wären. In den jeweils 15 bis 20 Minuten Spielzeit der einzelnen Handlungsstränge werden Fans weder neue Mechaniken, noch neue Grafiken oder bahnbrechende Veränderungen finden, sondern schlicht das was The Walking Dead – 400 Days ist: Eine Erweiterung, die wie die erste Staffel viel Wert auf brillantes Story-Telling legt!

Übrigens: Entscheidungen die ihr im Hauptspiel getroffen habt, können sich durchaus auf The Walking Dead – 400 Days auswirken und wenn wir den Entwicklern Glauben schenken, dann werden die Entscheidungen aus dem neuen DLC wieder rum ihren Einfluss auf die zweite Staffel haben! The Walking Dead – 400 Days ist ab sofort via Steam für den PC verfügbar und wir in den nächsten Tagen auch im PSN und Xbla erhältlich sein.

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Offizielle Seite: telltalegames.com

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