Test: Torchlight 2

Mit Torchlight 2 hat die vergleichsweise kleine Entwicklerschmiede Runic Games, die von den ehemaligen Blizzard-Mitarbeitern Travis Baldree, Peter Hu und Max & Erich Schaefer gegründet wurde, ein heißes Feuer im Ofen. Am 20. September bereits erschien ihr ambitionierter Diablo3-Konkurrent. Doch hat Torchlight 2 das Zeug zum Teufels-Töter?

Charge!

torchlight 2 test screenshot 05Vier Heldenklassen stehen euch zum Beginn von Torchlight 2 zur Wahl. Der Berserker ist ein klassischer „Haudrauf“, der Embermage die Magie begabte Klasse und der Outlander Fernkämpfer und Beschwörer. Die unkonventionellste Klasse ist eindeutig der Engineer, ein Allrounder, der wahlweise im Nahkampf mit übermannsgroßen Hämmern oder als Fernkämpfer mit tragbaren Kanonen unterwegs ist und sich Roboter zum Geleit beschwört. Alle Charaktere verfügen über 30 einzigartige Fertigkeiten, die ihr in einem Fertigkeitenbaum je nach Belieben bis zur Maximalstufe 15 ausbauen könnt. Pro Level dürft ihr dabei einen Punkt in die auf drei Gruppen aufgeteilten Fähigkeiten investieren.

Als zusätzliches Merkmal besitzen die Charaktere eine Leiste, die im Kampf aufgeladen wird und bei Inaktivität wieder abnimmt. Ist dieses „Charge-O-Meter“ einmal voll aufgeladen, erhält jeder Charakter unterschiedliche Boni. So kann beispielsweise der Embermage für 12 Sekunden ohne Manakosten seine Zaubersprüche rezitieren und richtet dabei 25% mehr Schaden an. Dadurch wird das (im Vergleich zur Konkurrenz) ohnehin schon schnelle Gameplay noch actionreicher.

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Petri Heil!

Dem Helden zur Seite steht eins von acht freiwählbaren Haustieren. Die Auswahl reicht von Hund und Katze, über Falken, bis hin zum exotischen Chakawary, einer fantasievollen Mischung aus Papagei und Dinosaurier. Die tierischen Begleiter haben kleine Stärken und Schwächen, die Auswahl hat allerdings im Großen und Ganzen keinen nennenswerten Einfluss auf den Spielverlauf.

torchlight 2 test screenshot 01Aus dem ersten Torchlight wurde das Angeln übernommen: An zahlreichen Stellen in der Wildnis sind Wasserlöcher zu finden, an denen der Held seine Rute auswerfen und nach Fischen angeln kann. Diese dienen als Futter für euren Begleiter, dem dadurch unterschiedliche Eigenschaften oder Verwandlungen verliehen werden. Hin und wieder zieht ihr dabei keine Wirbeltiere, sondern Gegenstände für den Charakter an Land. Im Kontrast zum eigentlichen Spiel ist beim Angeln sehr viel Geduld gefragt. Aber Torchlight 2 wäre nicht Torchlight 2, wenn Runic Games nicht auch für den ungeduldigen Spieler vorgesorgt hätte. Wer keine Zeit zum Angeln hat, der kann die Fischgründe einfach mit Dynamit hochjagen und die Fische direkt mitnehmen. Dadurch sinkt zwar die Ausbeute, aber Fluffi, Miezi und Co. kommen immerhin an ihr Futter, ohne dass das Spiel unterbrochen werden müsste.

Hack-und-Schlacht-Overtüre

Während andere Hack’n’Slays wie Diablo, Titan Quest oder Sacred versuchen, möglichst realitätsnah zu wirken, ist Torchlight 2 im auffälligen Steampunk-Comicstil gehalten. Stilistisch sicher Geschmackssache, Technisch allerdings schon etwas angestaubt. Dennoch wirkt das Spiel durchweg sehr detailverliebt und an keiner Stelle aufgesetzt. Die Landschaften sind für die grafischen Verhältnisse sehr gut in Szene gesetzt: Öde Graslandschaften, finstere Dungeons, staubige Wüsten und düstere Wälder sind durchweg sehr stimmig geraten. Im Zusammenspiel mit dem guten Soundtrack kann Torchlight 2 schon nach kürzester Zeit eine dichte, fesselnde Atmosphäre entwickeln. Im Gegensatz zum Vorgänger erlebt ihr jetzt auch Tag-und-Nacht-Wechsel.

torchlight 2 test screenshot 05Neben der etwas veralteten Grafik gibt auch die Handlung Anlass zur Kritik. Praktisch ist diese nämlich nicht vorhanden. Auf dem Papier handelt Torchlight 2 von der Jagd nach dem Dieb der Essenz Ordraks, dem Bösewicht aus dem ersten Teil. Viel bekommen wir davon aber leider nicht mit, da die Handlung fast ausschließlich zwischen den Akten erzählt wird, während die Quests und Nebenquests im eigentlichen Spiel nur dürftig implementiert wurden. Das Gebotene reicht, um die einzelnen Spielabschnitte zusammenzuhalten, mehr aber auch nicht. Laut Aussage von Runic Games ist das durchaus beabsichtigt. Man legt weitaus größeres Augenmerk auf das Gameplay.

Und das merken wir. Schon nach ein paar Minuten Spielzeit kristallisieren sich die wahren Stärken von Torchlight 2 heraus. Es bietet nämlich genau das, was wir von einem grundsoliden Hack’n’Slay erwarten – schnelles Gameplay, Monstermetzeleien im Sekundentakt und massig Loot. Das hohe Spieltempo wird zudem noch durch den Begleitersinnvoll ergänzt, der auf Knopfdruck in die Stadt verschwinden kann, um gefundene Wertsachen zu barer Münze zu machen oder Tränke für den Helden zu erstehen. Trotz des klassischen Hack’n’Slay-Feelings gestalten sich die Kämpfe aber durchaus taktisch und abwechslungsreich. Als Gegner setzt Runic Games dem Spieler eine bunte Palette an Monstren vor – von Klassikern wie Kobold oder Skelett, bis hin zu Steampunk-esken, schwer gepanzerten Kampfbären ist alles dabei.

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Kampf ums nackte Überleben?

Zu Beginn des Spiels können wir zwischen vier Schwierigkeitsgraden wählen, wodurch Torchlight 2 gleichermaßen für Anfänger, als auch knallharte Profis geeignet ist. Während „Easy“ und „Normal“ dem kampferprobten Hack’n’Slay-Veteranen nur ein müdes Lächeln entlocken, geht es auf „Veteran“ und „Elite“ von Anfang an ums nackte Überleben. Wer die ultimative Herausforderung sucht, kann zusätzlich den „Hardcore“-Modus aktivieren, der keine Wiederbelebung im Todesfall zulässt – der Held ist dann für immer passé. Wer sich nach dem Durchspielen noch nicht von seinem mühsam aufgepäppelten Helden trennen will, der hat die Möglichkeit, im „New Game+“ von neuem anzufangen.

Anders als der Vorgänger, bietet Torchlight 2 jetzt endlich auch Multiplayerunterstützung. Nicht nur das Spielen über Netz, sondern auch das gute alte LAN sind möglich. Mangels Cheat-Prävention solltet ihr im Internet allerdings nur mit Freunden und Bekannten spielen.

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Offizielle Seite: torchlight2game
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