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Die Abenteuer des Robin Hood erscheint über den Kosmos-Verlag und kostet rund 50€.

Kosmos und Michael Menzel präsentieren Die Abenteuer des Robin Hood

Die Abenteuer des Robin Hood im Test: So spielt sich das neue Menzel-Brettspiel

  • VonSebastian Hamers
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Nach Die Legenden von Andor veröffentlicht Michael Menzel mit Die Abenteuer des Robin Hood ein neues Brettspiel als Autor.

  • für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
  • Autor: Michael Menzel
  • Verlag: Kosmos
  • Preis: ca. 50€

Brettspiel-Experten ist der Name Michael Menzel sicherlich geläufig. Der Kreativkopf war als Illustrator an der Schaffung zahlloser Spiele beteiligt. Als Spielautor konnte sich Menzel zwar auch einen Namen machen, ließ es in dieser Disziplin aber deutlich ruhiger angehen. Nach seinem Mega-Erfolg „Die Legenden von Andor“ zog sich der Rheinländer vorläufig aus der Autorenszene zurück, um sich auf sein Schaffen als Spieleillustrator zu konzentrieren. Seitdem sind fast zehn Jahre ins Land gegangen. Jüngst feierte der Autor Michael Menzel jedoch überraschend sein Comeback. Diesmal werdet ihr aber nicht ins fiktive Königreich von Andor entführt, sondern ins spätmittelalterliche England. Dort schlüpft ihr in die Rolle von Robin Hood und seiner Bande, die Prinz John und seinen Schergen bei seinem tyrannischen Treiben ganz schön in die Suppe spucken. Als thematischer Überbau ist der Mythos von Robin Hood im Jahr 2021 vielleicht nicht mehr ganz so originell, dafür wartet der neue Menzel allerdings spielmechanisch mit ein paar Überraschungen auf.

Die Abenteuer des Robin Hood sind ein verspieltes Gemälde

Robin Hood war bereits Gegenstand etlicher Romane, Filme und Videospiele. Mit dem Thema alleine lockt man also vermutlich keine Brettspieler hinter dem Ofen hervor. Die Neugier wird vermutlich aber schnell geweckt, sobald sich der Spielplan zum ersten Mal auf dem Tisch entblättert. Er wird aus acht Teilen zusammengesetzt und zeigt ein riesiges Gemälde im Menzel-Stil. Beschriftungen und Symbolik? Weitgehend Fehlanzeige! Nur bei genauerem Hinsehen erspäht ihr auf dem Spielfeld ein paar kleine Ziffern. Selbst auf die üblichen Felder, über die unsere Spielfiguren üblicherweise flitzen, wurde komplett verzichtet. Vor euch erstreckt sich der bekannte Sherwood Forest im vollen Panorama.

In diesem unscheinbaren Schuber steckt der Spielplan von Die Abenteuer des Robin Hood.

Auf einige altbewährte Brettspielgewohnheiten müsst ihr bei Die Abenteuer des Robin Hood verzichten. Doch wie, wenn nicht über Einzelfelder, bewegt sich die Bande von Robin Hood durch den Sherwood Forest? Für die Bewegung wurde ganz tief in die Trickkiste gegriffen und eine Mechanik hervorgezaubert, die Tabletop-Spielern ganz sicher geläufig sein wird. Bei Strategiespielen wie das vielen bekannte Warhammer, bewegen sich die Armeen per Zentimetermaß über das Schlachtfeld. Ganz ähnlich funktionieren die Bewegungsabläufe in Robin Hood.

Die Abenteuer des Robin Hood mit Warhammer-Einflüssen

Euer Lineal könnt ihr aber dennoch stecken lassen. Jeder von euch steuert ein Mitglied der Robin-Hood-Bande. Zur Wahl stehen neben Robin Hood selbst, noch seine treuen Begleiter Little John, Maid Marian und Will Scarlett. Statt mit nur einer Spielfigur hantiert ihr allerdings gleich mit fünf Ausgaben des gewählten Charakters. Die erste Figur repräsentiert euren Helden an seinem aktuellen Standort. Zwei weitere Spielfiguren ziehen einen leichten Bewegungsstreifen hinter sich her, haben also einen verlängerten Standfuß. Diese legt ihr nun einfach an die erste Figur, so dass sich diese auf ein neues Ziel zubewegt. Abgeschlossen wird der Bewegungsablauf mit einer weiteren stehenden Spielfigur. Diese markiert jetzt den neuen Standort eures Helden.

Der Spielplan von Die Abenteuer des Robin Hood entfaltet sein ganzes Panorama.

Die Bewegung geschieht wirklich sehr intuitiv. Ihr dürft die Figuren fast nach Belieben aneinanderreihen. Dadurch können die Helden auch problemlos natürliche Hindernisse umschiffen. Über Felsen, Häuser oder andere Personen dürfen Robin Hood & Co. nicht einfach so hinwegspazieren. Auf Wunsch setzt die Diebesbande sogar zum Sprint an. Wollt ihr ein entferntes Ziel unbedingt noch in diesem Zug erreichen, setzt ihr die fünfte Spielfigur eures Helden ein. Sie hat einen besonders langen Bewegungsschweif und lässt euch auf dem Spielplan mächtig weit vorrücken. Der immense Kraftaufwand hat allerdings auch seinen Preis.

Im Vollsprint in Die Abenteuer des Robin Hood

Normalerweise dürft ihr nach Abschluss einer Bewegung immer ein weißes Klötzchen in einen blickdichten Beutel werfen. Dieser wird euch im weiteren Spielverlauf noch nützlich sein. Der Sprint in der Bewegungsphase stört eure Regeneration allerdings, so dass ihr auf den weißen Stein diesmal verzichten müsst. Ausgeruhte Diebe agieren eben deutlich effektiver. Der Beutel stellt in gewisser Weise also auch die Fitness der Robin-Hood-Bande dar. Im Spielverlauf kommt der Beutel immer wieder zum Einsatz, wenn die Fähigkeiten eines Charakters auf die Probe gestellt werden. Wollt ihr beispielsweise eine Wache ausschalten, zieht ihr bis zu drei Steine aus dem Beutel. Kommt dabei ein weißes Klötzchen zum Vorschein, habt ihr die Mission erfolgreich abgeschlossen.

Die Bewegungsabläufe in Die Abenteuer des Robin Hood spielen sich sehr intuitiv.

Leider kommen in schöner Regelmäßigkeit auch violette Steine in das Säckchen, die im Spiel als Nieten fungieren. Einmal gezogene Steine werden dabei nicht wieder zurück in den Beutel geworfen, sondern kommen aus dem Spiel. Geschickte Diebe können so ihre Erfolgschancen eigentlich immer ganz gut im Blick behalten. Das Beutelchen erfüllt in Die Abenteuer des Robin Hood allerdings noch eine weitere Funktion. Gleichzeitig dient er der Festlegung der Spielerreihenfolge. Im Beutel befinden sich zusätzlich einige größere Holzscheiben, mit denen festgelegt wird, welcher Charakter gerade am Zug ist. Auch die Schergen von Prinz John und ein paar anderen Überraschungen werden über diese Mechanik aktiviert. Der Beutel ist also prall gefüllt. Jedes Mal, wenn das Säckchen verwendet wird, fühlt es sich so an, als würde man in einen großen Lostopf greifen. Gerade wenn die Partie auf des Messers Schneide steht, ist so für Hochspannung gesorgt.

Die Zeit drängt in Die Abenteuer des Robin Hood

Vor allem solltet ihr euch bei der Erfüllung eurer Aufgabe nicht zu viel Zeit lassen. Es ist zwar sehr spannend und nützlich, die Umgebung bis in den letzten Winkel zu erkunden, doch die Zeit drängt. Die Hoffnung der Bevölkerung schwindet von Runde zu Runde, bevor der Einfluss von Prinz John irgendwann übermächtig wird und ihr die Partie verliert. Der Mut zur Lücke schmerzt mitunter sehr, zu verführerisch sind die Geheimnisse, die in der Umgebung auf euch warten. An zahllosen Ecken könnt ihr mit der Umwelt interagieren.

Das Abenteuerbuch ist das Herz von Die Abenteuer des Robin Hood.

Die Umgebung reagiert dabei überraschend dynamisch auf euren Fortschritt im Abenteuer und fühlt sich damit fast schon wie bei einem Computerspiel an. Eine Person, die im ersten Abschnitt des Spiels auf euch wartet, kann am Ende der gesamten Kampagne schon wieder verschwunden sein oder auch ganz anders auf euren Besuch reagieren. Wenn ihr den riesigen Spielplan einmal genauer betrachtet, fallen direkt die vielen Plättchen auf, die in den Plan eingestanzt wurden. Der Spielplan wurde zweilagig designt, so dass sich einzelne Elemente herausnehmen und auf die andere Seite wenden lassen. Die Welt von Robin Hood wird dadurch zum Leben erweckt. Realisiert wird dies mit einem weiteren wichtigen Element von Die Abenteuer des Robin Hood.

Schmökern in Die Abenteuer des Robin Hood

Das Spiel ist als Kampagne angelegt, bei der ihr eine Geschichte in mehreren Kapiteln erlebt. Die Erzählung wurde dabei in einem dicken Abenteuerwälzer angelegt, der euch durch das gesamte Spiel begleitet. Neben den erzählerischen Momenten werden darüber auch die Interaktionen mit der Umgebung und den Nicht-Spieler-Charakteren gesteuert. Kleine Zahlen auf der Karte zeigen an, dass eure Figur an dieser Stelle aktiv werden kann. Dazu schlagt ihr im jeweiligen Kapitel unter dem entsprechenden Eintrag nach und seht, was nun passiert. Die Auswirkungen einiger Aktionen können dabei durchaus von Kapitel zu Kapitel variieren.

In Die Abenteuer des Robin Hood setzen die Charaktere mitunter zum Sprint an.

Nach Abschluss eines Kapitels wird das Spielfeld auch nicht wieder auf den ursprünglichen Zustand zurückgesetzt. Die Welt entwickelt sich über die verschiedenen Abenteuer kontinuierlich weiter. Gleiches gilt natürlich für die zusammenhängende Geschichte. An bestimmtem Stellen zweigt sich die Kampagne sogar auf. Am Ende des Spiels werdet ihr also gar nicht alle Geschichten des Abenteuerbuchs erlebt haben. Ein zweiter Durchlauf lohnt sich daher auf jeden Fall, insbesondere da ihr zusätzlich den Schwierigkeitsgrad jetzt noch ein wenig anheben könnt.

Die Abenteuer des Robin Hood erscheint über den Kosmos-Verlag und ist ab sofort zum Preis von rund 50€ im Handel zu finden. Das Spiel ist für zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Für ein Abenteuer solltet ihr eine gute Stunde einplanen.

Fazit: Die Mischung aus Tabletop-Erlebnis, Familienspaß und interaktiver Geschichte verhelfen Die Abenteuer des Robin Hood zu dieser Testwertung

Die Mischung aus Tabletop-Erlebnis, Familienspaß und interaktiver Geschichte verhelfen Die Abenteuer des Robin Hood zu dieser Testwertung.

Als Brettspiel-Enthusiast und Vielspieler bin ich immer wieder überrascht, wie Brettspiel-Autoren immer wieder neue Ideen aus dem Hut zaubern. Die letzte Autorentätigkeit von Michael Menzel ist nun schon ein paar Jahr her. Die lange Pause scheint seine Kreativität wohl beflügelt zu haben. Mit einem wunderschönen Spielplan, der möglichst wenig von der Grafikpracht mit schnöden Symbolen verdeckt, haben wohl viele gerechnet, die Menzels Schaffen als Illustrator kennen. Ein Spielbrett mit Bombast-Optik, nahezu ohne Icons oder gar Felder, überrascht dann aber doch. Das sieht nicht nur fantastisch aus, sondern spielt sich auch ziemlich intuitiv. Die Abenteuer des Robin Hood eignen sich prima als Familienspiel, werden aber ebenso in Vielspieler-Runden viel Anklang finden. Ihr beginnt das Spiel direkt out-of-the-box. Ein langwieriges Regelstudium entfällt. Lediglich ein paar erste Infos auf einer Doppelseite müsst ihr euch zu Gemüte führen, danach geht es direkt ab ins Abenteuer. Die restlichen Regeln lernt ihr einfach beim Spielen. So einsteigerfreundlich die Regeln aber auch sind, es ist nicht ganz einfach den Schurken Prinz John in seine Schranken zu weisen. Euch erwartet ein packendes und durchaus forderndes Spielerlebnis, das euch innerhalb kürzester Zeit mit seiner Story in seinen Bann zieht. Da sich der Handlungsstrang zwischenzeitlich aufsplittet, lässt sich die Kampagne problemlos ein weiteres Mal spielen. Durch das sich ständig verändernde Spielfeld gibt es reichlich zu entdecken. Langeweile wird so schnell nicht aufkommen. Abnutzungserscheinungen treten höchstens beim Spielmaterial selbst auf. Werden einzelne Plättchen häufig aus dem Spielbrett entfernt, häufen sich bald unschöne Kratzer und Dellen. Über diesen kleinen Makel solltet ihr hinwegsehen, sonst entgeht euch am Ende ein wirklich innovatives und spannendes Brettspiel-Erlebnis, das euch viele Stunden hervorragend unterhalten wird. Bei der Preisverleihung zum „(Kenner-)Spiel des Jahres“ hat Die Abenteuer von Robin Hood sicher ein Wörtchen mitzureden.

ProCon
+ kooperative Spielweise- Material zeigt Abnutzungserscheinungen
+ tolle Story im Kampagnenformat
+ intuitiver Bewegung der Spielfiguren
+ kein langes Regelstudium nötig
+ tolles Artwork auf riesigem Spielplan

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