Durch die Wahl des Magiercharakters beeinflusst ihr auch den Spielverlauf. Jeder Magier verfügt über eine Sonderfähigkeit.
+
Durch die Wahl des Magiercharakters beeinflusst ihr auch den Spielverlauf. Jeder Magier verfügt über eine Sonderfähigkeit.

Kooperatives Slay The Spire unplugged

Aeon's End im Test: Kooperativer Taktikknaller in Kartenform

  • vonSebastian Hamers
    schließen

Der dämonische Erzfeind hat es auf die Feste der letzten Ruhe abgesehen. Als Magier versucht ihr kooperativ die Pläne des Biests zu vereiteln.

Als ich mir vor rund einem Jahr endlich eine Nintendo Switch zulegte, statte ich mich direkt mit ein paar Spielehighlights wie Super Mario Odyssey, Fire Emblem und Bayonetta 2 aus. Schnell noch einen Blick in den eShop geworfen… tja, und da fiel mein Blick auf Slay The Spire. Die 20€ waren noch im Budget und so landete das kleine Kartenspiel mit Deckbuilding-Mechanik kurz darauf im internen Speicher meiner Switch. Da es inzwischen schon ganz schön spät geworden war, wollte ich den Abend mit einer schnellen Partie an meiner neuen Konsole ausklingen lassen. Es sollte also das kurze Downloadspiel werden, mit dem ich meine ersten Schritte auf Switch gehe. Wer Slay The Spire kennt, weiß genau, dass es nicht bei dem einen Spiel geblieben ist. Überhaupt warteten Mario & Co. ziemlich lange auf der Ersatzbank, bevor die Spiele erstmals im Modulschacht landeten. Warum ich diese kleine Geschichte erzähle? Derzeit läuft bei mir wieder ein Deckbuilder in Dauerschleife. Zum Zocken von Aeon’s End kann meine Switch allerdings ausgeschaltet bleiben. Gespielt wird ganz und traditionell mit analogen Karten. Aeon’s End macht zwar einiges anders als Slay The Spire, erzeugt allerdings ein ähnliches Spiel- und Suchtgefühl.

Aeon’s End lässt sich problemlos genauso alleine spielen wie Slay The Spire. Trommelt ihr ein paar Freunde zusammen, könnt ihr das Böse jedoch auch mit bis zu vier Spielern kooperativ bekämpfen. Ihr schlüpft in die Rolle von Magiern, die gemeinsam die Feste der letzten Ruhe beschützen. Der Friede des Landes wird bedroht durch mächtige Dämonen, die gemeinsam mit ihren Kreaturen zum Angriff blasen. Fällt die Festung, hat auch die Menschheit ihre letzte Hoffnung verspielt. Eure vorrangigste Mission ist also, die Lebensenergie der Feste zu schützen. Manchmal entscheiden sich die finsteren Mächte auch dazu, die fragilen Magier ganz direkt zu attackieren. Deshalb müsst ihr euch nicht nur Sorgen, um die Festung machen, sondern auch um das eigene Wohl.

Aeon’s End: Angriff auf die Feste der letzten Ruhe

Das Scharmützel findet in keiner vorbestimmten Reihenfolge statt. Über einen kleinen separaten Kartenstapel wird bestimmt, ob gerade einer von euch Magiern oder aber der dämonische Erzfeind eine Attacke fahren kann. Per Zufallsprinzip wird die Schlagreihenfolge also immer wieder ein wenig verändert. Als Magier könnt ihr dabei im Wesentlichen auf drei verschiedene Kartentypen zurückgreifen. Kristalle dienen euch als euch Energiespender. Sie versorgen euch in eurer Spielrunde mit Aetherium, das ihr dringend benötigt, um die Fähigkeiten eures Magiers zu verbessern. Artefakte sind besonders praktisch, da sie Soforteffekte auslösen, mit denen ihr direkt in den Kampf eingreifen könnt. Zauberkarten sind oftmals sehr mächtig. Im Gegensatz zu den Artefakten lassen sie sich aber nicht direkt von der Hand zaubern. Ihr müsst sie zunächst an einen freien Zauberslot eures Magiers anlegen. Erst in der kommenden Runde wird der Zauber gewirkt und der Effekt ausgelöst.

Die Magier-Älteste Brama vermag sich und ihre Magier-Kollegen zu heilen.

Zauber sind die vielleicht mächtigste Waffe im Spiel, wirken aber leider zeitverzögert. Ein weiteres Problem sind die verfügbaren Slots, an denen ein Zauber angelegt werden muss. Die Anzahl der Slots ist ziemlich limitiert. Bei Spielbeginn verfügt euer Magier in der Regel gerade einmal über einen einzigen freien Ablageplatz. Investiert ihr eine genügende Menge Aetherium, könnt ihr schrittweise weitere Slots freischalten, um eure Möglichkeiten auszuweiten. Das ausgegebene Aetherium ist aber natürlich auch an anderer Stelle gut zu gebrauchen.

Deckbuilding im laufenden Spiel in Aeon’s End

Ihr braucht die Energie vor allem, um neue Karten für euer Deck zu erstehen. Vor Spielbeginn legt ihr einen offenen Markt aus, der aus insgesamt neun Kartenstapeln besteht. Lediglich die hier ausliegenden Karten stehen euch zur Optimierung des eigenen Decks zur Verfügung. Genügend Aetherium vorausgesetzt, nehmt ihr zunehmend mächtigere Zauber, Artefakte und Kristalle ins Repertoire auf. Auf diese Weise richtet ihr zunehmend mehr Schaden an, greift auf immer höhere Aetherium-Reserven zurück oder wirkt andere nützliche Effekte. Für das Ausspielen der Karten müsst ihr hingegen keine weitere Energie mehr ausgeben. Alle gezogenen Karten dürft ihr ohne weitere Kosten ausspielen.

Zauber werden nicht direkt von der Hand gewirkt, sondern müssen erst an einen freien Slot angelegt werden.

Clevere Deckbauer achten darauf, die weniger mächtigen Startkarten recht früh wieder loszuwerden. Im weiteren Spielverlauf verstopft die schwache Standardausrüstung eigentlich nur noch das Deck. Erwerbt ihr die passenden Karten aus der Auslage, könnt ihr euer Deck glücklicherweise schnell wieder entschlacken. Diverse Karteneffekte lassen euch schwache Karten aus dem Spiel entfernen. Ein wenig Aetherium solltet ihr aber vielleicht aufsparen, um weitere Slots für die Zauber freizuschalten oder Energie in die Aufladung der Sonderfähigkeit eures Magiers zu stecken.

Die Magier in Aeon’s End verfügen über individuelle Sonderfähigkeiten

Dem Spiel liegen acht unterschiedliche Magier bei. Jeder von ihnen verfügt nicht nur über eine individuelle Karte für das Starterdeck, sondern auch über eine mächtige Sonderfähigkeit. Magier-Schurke Phaedraxa vermag beispielsweise den gesamten Schaden einer feindlichen Angriffswelle zu ignorieren. Die Magier-Älteste Brama hingegen heilt mit ihrer Sonderfähigkeiten einige Lebenspunkte bei ihren Magier-Kollegen oder auch sich selbst. Bevor ihr diese Superfähigkeit einsetzen könnt, müsst ihr sie zunächst mit Energiepunkten aufladen. Dazu investiert ihr Aetherium, die euch jetzt natürlich wieder an anderer Stelle fehlt.

In jeder Partie gibt es eine offene Auslage aus neun verschiedenen Kartenstapeln. So lässt sich jede Partie immer wieder neu gestalten.

Im Verlauf der Partie rüstet ihr euren Charakter also immer weiter auf. Es macht Freude zu sehen, wie die Spielfigur immer mächtiger wird und die Handlungsmöglichkeiten wachsen. Wie das in Fantasyspielen oftmals so ist, werden allerdings auch die Gegner immer härter. Erst im Endgame zeigt das Biest, was wirklich in ihm steckt. Das Monster greift in seinem Zug auf einen eigenen Kartensatz zurück, der ebenso aus drei verschiedenen Kartentypen besteht.

Die Machenschaften des Erzfeinds in Aeon’s End

Pläne verschaffen euch ein wenig Zeit. Auf den Erzfeind-Plan werden Zeitmarker gelegt, von denen in jeder Runde wieder eine entfernt wird. Ist die Zeit abgelaufen, trifft euch der dämonische Masterplan mit ganzer Härte und bewirkt einen ziemlich unangenehmen Effekt. Angriffskarten werden sofort abgehandelt und verursachen in der Regel Schaden an der Festung oder an einem der Magier. Monster hingegen werden zunächst offen ausgelegt, sie werden normalerweise erst in der nächsten Runde aktiv. Ab sofort verrichten sie jetzt allerdings dauerhaft ihr Werk, bis ihr ihnen letztlich das Lebenslicht auspustet. Richtet ihr mit eurem Magier Schadenspunkte an, müsst ihr euch nun entscheiden, ob ihr sie der ausgespielten Kreatur oder aber dem dämonischen Erzfeind selbst zufügt. Keine leichte Entscheidung. Beißt der Dämon ins Gras, gewinnt ihr das Spiel sofort. Alternativ könnt ihr allerdings auch warten und durchhalten, bis er sein gesamtes Pulver verschossen hat. Wurden alle Gegnerkarten bezwungen und abgelegt, gewinnt ihr die Partie ebenfalls.

Durch die Wahl des Magiercharakters beeinflusst ihr auch den Spielverlauf. Jeder Magier verfügt über eine Sonderfähigkeit.

Beide Wege spielen sich ziemlich herausfordernd. Vermutlich werdet ihr einige Partien brauchen, um den ersten Erzfeind in seine Schranken zu weisen. Bei Aeon’s End spielen viele Feinheiten eine Rolle und es braucht definitiv eine gut ausgeklügelte Strategie, um das Spiel siegreich zu gestalten. Eine gute Absprache untereinander ist ebenso erforderlich wie ein taktisch geschickter Ausbau des eigenen Kartenstapels. Vor allem eine zunächst eher nebensächlich erscheinende Mechanik macht Aeon’s End zu einer besonderen Herausforderung: die Karten des Magiers werden im Spiel niemals gemischt.

In Aeon’s End ist Mischen verboten

Am Ende eines Zuges zieht ihr eure Hand immer auf fünf Karten auf. Hat sich euer Nachziehstapel geleert, kommt der Ablagestapel wieder ins Spiel. Dieser wird allerdings nicht zuvor wieder gemischt, sondern einfach herumgedreht und als neuer Nachziehstapel bereitgestellt. Mit etwas Übung habt ihr so schon im Blick, welche Karten in den nächsten Zügen auf euch warten. Besonders viel Fingerspitzengefühl ist gefragt, wenn es am Ende des Zuges um das Abwerfen der gespielten Karten geht. Es ist eure Entscheidung, in welcher Reihenfolge ihr die ausgespielten Karten auf den Ablagestapel legt.

Dem Spiel liegen vier verschiedene Erzfeinde mit unterschiedlichem Bedrohungsgrad bei.

Viele Karten haben mächtige Synergieeffekte und harmonieren wunderbar zusammen. Durch das geschickte Ablegen von Karten sorgt ihr dafür, dass ihr diese Karten irgendwann auch zusammen auf der Hand habt. Gerade am Anfang ist die Organisation des Decks noch eine ziemliche Herausforderung. Es erfordert schon etwas Übung, um Aeon’s End zu beherrschen. Habt ihr den ersten Boss tatsächlich plattgemacht, warten noch drei weitere Bosse auf euch. Ihr solltet eine Weile damit beschäftigt sein, bis ihr auch den finalen Endboss bezwungen habt.

Aeon’s End lädt zum Experimentieren ein

Viel auszuprobieren gibt es allerdings auch auf der Seite der Magier. Die acht Magier spielen sich dank der unterschiedlichen Sonderfähigkeiten doch ziemlich anders. Außerdem bietet das Kartenpaket genug Raum für Experimente. Ihr könnt die Auslage mit Zaubern, Artefakten und Kristallen immer wieder verändern und so Aeon’s End zu einem anderen Spiel machen. Für den Anfang schlägt das Regelwerk zwar eine bestimmte Kombination an Karten vor, danach könnt ihr das Set aber ganz nach Belieben modulieren. Mit „Das Namenlose“ und „Aus den Tiefen“ sind sogar schon die ersten beiden Erweiterungen für Aeon’s End verfügbar. So schnell dürfte es also nicht langweilig werden.

Mit den beiliegenden Zählrädern haltet ihr die Lebensenergiepunkte auf dem Stand.

Aeon’s End von Frosted Games kommt über Pegasusspiele in den Handel. Das Spiel ist für ein bis vier Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Für eine Partie müsst ihr zwischen einer halben und einer ganzen Stunde einplanen. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 50€ beim Händler eures Vertrauens.

Fazit: Aeon's End ist ein kooperatives Taktik-Highlight und verdient sich diese Testwertung

Aeon's End im Test: So schneidet das kooperative Kartenspiel ab.

In Sachen Spielgefühl hat mich Aeon’s End sofort an meinen Kartenspiel-Liebling Slay The Spire erinnert. Das Kartendeck wird im laufenden Spiel zusammengebastelt, die Möglichkeiten werden stetig erweitert, der eigene Magier wird immer mächtiger. Welche Karte passt gut zu meinem vorhandenen Material? Wie kann ich Synergieeffekte mitnehmen? Es bereitet viel Freude, seinen Charakter mit jeder Runde beim Wachsen zu beobachten. Gleichzeitig wächst allerdings auch die Bedrohung. Der dämonische Erzfeind schickt euch immer härtere Kreaturen auf den Hals und es erfordert schon ein taktisch geschicktes Vorgehen und einer guten Absprache, um die Feste der letzten Ruhe vor dem Fall zu schützen. 

Vor allem das Abwerfen der Karten in der richtigen Reihenfolge erfordert ein wenig Übung. Erst nach ein paar Partien erschließt sich der taktische Wert der Deckgestaltung zu richtig. Wurde der erste Boss gelegt, erwarten euch noch drei weitere Erzfeinde. Jeder von ihnen verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die das Spiel zu einem neuen Erlebnis werden lassen. Gleiches gilt auch für die Auswahl der eigenen Magier. Jede einzigartige Sonderfähigkeit eines Magiers bringt einen neuen Aspekt ins Spiel und sorgt für neue taktische Möglichkeiten. Vielseitigkeit ist zudem bei der weiteren Gestaltung des Spiels angesagt. Die verfügbaren Artefakte, Kristalle und Zauber lassen sich auf vielfältige Art variieren. Euch stehen zahlreiche Optionen zur Verfügung, mit der Ausstattung des Spiels zu experimentieren. Das macht Aeon’s End zu einem Titel mit einem sehr hohen Wiederspielwert, der euch noch eine ganz Zeit unterhalten wird.

Pros

Cons

+ kooperative Spielweise

- hat anfänglich seine Frustmomente

+ innovative Deckbaumechanik

+ auch solo spielbar

+ taktisch fordernd

+ sehr abwechslungsreich

+ hoher Wiederspielwert

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

SPIEL.digital 2020: So läuft die Brettspiel-Messe in Corona-Zeiten
SPIEL.digital 2020: So läuft die Brettspiel-Messe in Corona-Zeiten
SPIEL.digital 2020: So läuft die Brettspiel-Messe in Corona-Zeiten
Test: Deadline
Test: Deadline
Test: Deadline
Test: Design Town
Test: Design Town
Test: Design Town
Test: Scythe
Test: Scythe
Test: Scythe

Kommentare