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Ankh im Test: Die Götter Ägyptens prügeln sich im Brettspiel

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Von: Sebastian Hamers

Ankh COM Cover Artwork Gott Aegypten Krone Thron Schachtel
Ankh von Eric M. Lang erscheint in deutscher Sprache über Asmodee und kostet 90-100€. © Asmodee

CMON und Eric M. Lang haben einmal mehr ihre Kräfte vereint. Ankh zeichnet sich durch tolles Spielmaterial und taktischen Tiefgang aus.

Wenn Eric M. Lang und CMON gemeinsame Sachen machen, dann horcht die Brettspielwelt auf. Aus der Kooperation von Autor und Verlag entstanden strategische Schwergewichte wie Blood Rage oder Rising Sun. Mit Ankh steht nun der dritte Vertreter der inoffiziellen Trilogie im Handel. Die Zutaten des Trios ähneln sich durchaus. Während CMON wieder extrem hochwertige Miniaturen beisteuert, setzt Lang einmal mehr auf die Verquickung diverser Mechaniken, bei denen vor allem die Gebietskontrolle eine große Rolle spielt. Grund genug auf jeden Fall, sich Ankh einmal ganz genau anzusehen. Die deutsche Ausgabe ist kürzlich über Asmodee erschienen und steht ab sofort im Handel.

Ankh als Göttersimulation

Wie der Name des Brettspiels bereits vermuten lässt, siedelt sich Ankh im Alten Ägypten an. Dort wird seit jeher ein ganzes Pantheon verschiedener Götter verehrt. Doch die Zeiten befinden sich im Wandel. Das ägyptische Volk wird in Zukunft nur noch ein einziges Mitglied der Götterwelt verehren. Die Schwelle, an der Ägypten dem Polytheismus absagt und sich dem Monotheismus verschreibt, wird schon in Kürze überschritten werden. Ihr selbst seid eines dieser mächtigen Mitglieder des ägyptischen Pantheons. Um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, setzt ihr alle Hebel in Bewegung, um am Ende der Partie als dieser eine Gott verehrt zu werden.

Ankh Goetter Schild Waffe Sichel Thron Zepter Aegypten Tableau
In Ankh stehen euch fünf Götter zur Wahl. Jeder verfügt über individuelle Fähigkeiten. © Asmodee

Die Verehrung der Menschen wird euch in unterschiedlichen Regionen zuteil. Im Spielverlauf werden in regelmäßigen Abständen Ereignisse ausgelöst, bei denen euer Ansehen in der Bevölkerung miteinander verglichen wird. Jedes Territorium wird dabei einzeln bewertet. Womit wir auch schon bei einem der vielen innovativen Ideen wären, mit denen Ankh zu glänzen weiß. Die ägyptischen Regionen werden während des Spiels ständig neu aufgeteilt, was die Kräfteverhältnisse schnell mal auf den Kopf stellen kann. Wenn eine Kamel-Karawane quer durchs Land zieht, entstehen neue Gebiete. Sie werden ab sofort separat gewertet und bringen den Göttern weitere Verehrung ein.

Ankh und eine Demonstration der eigenen Macht

Euer Einfluss in den einzelnen Regionen wird in Ankh vor allem durch die Anwesenheit eurer mythologischen Krieger sowie die Kontrolle von Monumenten bestimmt. Von letzteren tauchen drei unterschiedliche Varianten im Spiel auf: Pyramiden, Tempel und Obelisken. Kontrolliert ihr in einer Region mehr Monumente eines Typs als alle anderen Götter, steigt eure Verehrung an. Dabei helfen euch auch die göttlichen Krieger, die sich für euch in die Schlacht stürzen. Im Gefecht wird die Kampfkraft aller Figuren im Gebiet verglichen. Jetzt heißt es: the winner takes it all. Alle Kreaturen der unterlegenen Götter werden vernichtet und vom Spielfeld entfernt. Für die gewonnene Schlacht erntet die siegreiche Gottheit hingegen die Verehrung der Bevölkerung.

Ankh Spielbrett Figuren Gott Krieger Fluss Nil Tempel
In Ankh werden detailverliebte Figuren durch das Alte Ägypten bewegt. © Asmodee

Bei Ankh hilft euch Dominanz allerdings nicht weiter, wenn das Timing nicht stimmt. Es kommt eben auf den richtigen Zeitpunkt an. Im Verlauf der Partie werden nicht ständig Kämpfe ausgefochten. In großen Teilen des Spiels verrichten die Gottheiten ihre Arbeit friedlich nebeneinander her. Erst zu gegebener Zeit kommt es zum Konflikt. Insgesamt fünfmal messen die Götter in den einzelnen Regionen ihr Ansehen und hetzten ihre Kreaturen aufeinander. Wann es zum großen Kräftemessen kommt, bestimmt ihr mit euren Spielaktionen selbst.

Ereignisreiches Ankh

Von diesen gibt es in Ankh gar nicht mal so viele. Mit gerade einmal vier Aktionen hangelt ihr euch durch die gesamte Partie. Wie oft eine Aktion durchgeführt wurde, wird auf vier separaten Leisten festgehalten. Jede Aktivierung lässt den Marker voranschreiten. Gelangt er auf das letzte Feld der Leiste, wird ein Ereignis ausgelöst, bevor er wieder auf die Startposition zurückgesetzt wird. Zu den Ereignissen zählen die obengenannten Konflikte, manchmal dürft ihr euch aber auch Monumente einverleiben oder aber mit Karawanen neue Regionen auf dem Spielfeld erschaffen. Da die Marker von allen Göttern gleichermaßen bewegt werden, lässt sich bei der Auswahl der Aktionen schon gut taktieren. Schließlich gilt es, das Ereignis zum passenden Zeitpunkt auszulösen.

Ankh Kampfkarten Pharao Bogen Fluss Ufer Karten
In Ankh verfügt jeder Gott über ein identisches Set aus sieben Kampfkarten. © Asmodee

Die Aktionen selbst sind aber natürlich nicht nur ein probates Mittel, um Ereignisse passgenau zu aktivieren, sondern ebenfalls ein wertvolles taktisches Instrument. Wollt ihr eure Figuren über das Spielfeld bewegen, funktioniert das nur mit der dazugehörigen Aktion. Die Positionierung der Götterfigur oder der Krieger ist ein Schlüsselelement in Ankh. Im Gefecht bekriegen sich alle Figuren innerhalb einer Region, so dass er hier auf Mehrheiten ankommt. Doch auch einige andere Aktionen sind von der Position der eigenen Armeen abhängig.

Taktisches Positionsspiel in Ankh

Beispielsweise wenn ihr neue Anhänger auf eure Seite ziehen möchtet. Mit dieser Aktion gewinnt ihr Anhänger für jedes eigene oder neutrale Monument, das sich benachbart zu einer eurer Figuren befindet. Anhänger fungieren in Ankh als eine Art Währung. Ihr könnt diese opfern, um dafür eure göttlichen Kräfte einzusetzen. Diese wiederum werden mit einer weiteren Aktion freigeschaltet. Als Gott verfügt ihr über mächtige Ankh-Kräfte, von denen ihr euch individuell bis zu sechs Stück aneignen dürft.

Ankh Goetter Figuren CMON Nil Fluss Boot Schiff Ufer Wueste Spielbrett
Ankh glänzt mit taktischer Tiefe, aber auch mit eindrucksvollen Spielfiguren. © Asmodee

Mit „Figur aufstellen“ gibt es noch eine vierte und letzte Aktion. Sie dient dazu, eure kriegerische Streitmacht auszubauen. Ihr werdet sie brauchen, denn in den Konfliktphasen fliegen die Kampfeinheiten reihenweise vom Schlachtfeld. Ihr solltet den Aktionsmarker dieser Leiste also besser regelmäßig nach vorne rücken, sonst landet eure Gottheit im Wettlauf um die größte Anerkennung schnell ins Hintertreffen.

Konflikte in Ankh

Mit einer gut ausgestatteten Armee aus Kriegern habt ihr bei den Konflikten ganz gut Chancen, die Schlachten zu überstehen und vielleicht sogar den ein oder anderen Verehrungspunkt einzuheimsen. Allein auf die Kampfkraft der Figuren sollte man sich jedoch nicht verlassen. Jeder Gott verfügt über einen identischen Satz aus sieben Kampfkarten. Eine dieser Karten wird in jedem Konflikt ausgespielt, um den Kampfausgang zu beeinflussen, oftmals mit verheerenden Effekten. Einmal ausgespielte Karten bleiben offen liegen und gelangen nicht wieder auf die Hand. Dies hilft euch, die eigenen Chancen auf einen Gewinn der Schlacht künftig besser einschätzen zu können.

Ankh Osiris Symbol Kraefte Tableau Stab
In Ankh erweitert ihr eure göttlichen Fähigkeiten Stück für Stück. © Asmodee

Auf diese Weise mausert ihr euch einen Verehrungspunkt nach dem anderen ein. Geratet ihr bei der Jagd nach Ansehen ins hintere Feld, vereint ihr möglicherweise schon bald eure Kräfte mit einer anderen Gottheit. Es kommt zur göttlichen Verschmelzung. Die beiden zurückliegenden Götter werden zu einem Wesen. Dies führt dazu, dass alle Monumente und Kreaturen eines Spielers komplett zerstört werden. Allerdings gehen die Kräfte beider Götter ineinander über. Beide Spieler dürfen sich weiterhin an der Partie beteiligen. Jedoch darf jeder nur noch jeweils eine Aktion durchführen. Der Vorteil: bei der Auswahl der Aktionen genießen sie nun deutlich mehr Freiheiten. So kann der verschmolzene Gott manchmal noch das Feld von hinten aufrollen.

Szenarien sorgen in Ankh für Abwechslung

Was auf den ersten Blick ein wenig nach Abstrafung aussieht, ist eine ernsthafte Möglichkeit, das Ruder doch noch herumzureißen. Manchmal kommt es gar zu taktischen Absprachen im Vorfeld der Verschmelzung, was dem Spiel sogar nochmal ein kommunikatives Element verleiht. Überhaupt spielt sich Ankh ziemlich abwechslungsreich. Das liegt nicht nur an den asynchronen Fähigkeiten der Gottheiten, sondern auch an den verschiedenen Szenarien. Sie verändern die Grundaufstellung teilweise erheblich. So ist es kaum möglich, sich einen immer funktionierenden Masterplan zu überlegen. Es ist eure göttliche Aufgabe, euch ständig auf neue Situationen einzustellen und das optimale aus der Ausgangslage herauszuholen.

Ankh Skorpion Figuren Kreatur Wueste Nil Spielbrett CMON
Wächterfiguren erweitern eure Macht in Ankh. © Asmodee

Damit garantiert Ankh für viele Stunden intensive Unterhaltung. Außerdem stehen bereits die ersten Erweiterungen ins Haus. Sowohl das Wächter-Set, als auch die Erweiterungen „Pharao“ und „Pantheon“ gehen ebenfalls in deutscher Sprache in den Handel. Ankh ist für zwei bis fünf Personen ab zwölf Jahren geeignet. Eine Partie dauert rund 90 Minuten. Kostenpunkt: 90-100€.

Fazit: Aus dem Alten Ägypten haben wir für Ankh diese göttliche ingame-Wertung mitgebracht

Wertungsgrafik Ankh
Aus dem Alten Ägypten haben wir für Ankh diese göttliche ingame-Wertung mitgebracht. © ingame.de

An die tolle Produktqualität von CMON haben sich die meisten Spieler ja schon gewöhnt. Dennoch, es muss an dieser Stelle einfach nochmal gesagt werden: Ankh sieht echt fantastisch aus! Es macht eben doch einfach viel mehr Spaß, mit riesigen detailverliebten Miniaturen über das Spielfeld zu ziehen, als mit schnöden Papp-Markern. Optisch und haptisch gibt sich Ankh keine Blöße. Und spielerisch? Hier weiß Ankh mit ein paar ganz besonderen Kniffen zu glänzen. Die schöne Verkettung von Aktionsauswahl und dem Auslösen von Ereignissen ist ein besonderes Highlight, das sich auch taktisch prima nutzen lässt. Überhaupt ist die taktische Tiefe eine der ganz großen Stärken des Spiels. Zuweilen kann es ziemlich kopflastig sein. Die Positionierung der Figuren auf dem Feld spielt eine große Rolle, so fühlt sich Ankh fast schon etwas schachartig an. Aufgelockert wird das Positionierungsspiel durch die intensiven Konflikte, bei denen es heiß zur Sache geht. Dennoch stehen knallharte Kämpfe nicht ständig im Zentrum des Spiels. Wer sich einen Titel mit ständigen militärischen Auseinandersetzungen gewünscht hat, wird von Ankh enttäuscht. Die Konflikte sind zwar ein wichtiger Teil des Spiels, tauchen allerdings nur an bestimmten Etappen im Spielverlauf auf. Ansonsten erwartet euch mit Ankh ein echter Taktik-Kracher, der viel Abwechslung bietet und mit seinem opulenten Spielmaterial auch noch ein echter Hingucker ist.

ProCon
+ fantastisches Spielmaterial- erfordert trotz leichter Regeln etwas Einarbeitung
+ innovative Aktionsmechanik- Leerlaufzeiten in Konflikten ohne eigene Beteiligung
+ taktisch anspruchsvoll
+ thematisch stark
+ hoher Wiederspielwert

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