Durch den Bau neuer Gebäude rückt ihr auf dem Spielplan ins Landesinnere. Dort könnt ihr euch auch so manchen Bonus sichern.
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Durch den Bau neuer Gebäude rückt ihr auf dem Spielplan ins Landesinnere. Dort könnt ihr euch auch so manchen Bonus sichern.

Erzählte Reise in acht Kapiteln

Aufbruch nach Newdale im Test: Vom Karten- zum Brettspiel

  • vonSebastian Hamers
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Aufbruch nach Newdale siedelt sich an im Universum des Kartenspiels "Oh my Goods". Wie lohnend ist das Upgrade auf das dicke Paket wirklich?

Wenn Alexander Pfister ein neues Brettspiel vorstellt, dann hält die Szene den Atem an. Der Autor genießt in der Brettspiel-Welt einen ausgezeichneten Ruf und hat sich insbesondere im Bereich der Strategiespiele für Kenner hervorgetan. Dabei wird schnell übersehen, dass aus seiner Feder auch viele kleinere Spiele stammen. Zu diesen kleinen Spielen gehört unter anderem auch das Kartenspiel „Oh my Goods“, das bereits 2015 erschien. Das Kartenspiel sorgte für Furore, da es trotz seines geringen räumlichen Umfangs ziemlich viel Spiel bietet. Selbst Spieleexperten, die sich gerne mit dicken Strategie-Kloppern beschäftigen, haben „Oh my Goods“ in ihrem Spieleschrank. Der große Erfolg brachte sogar zwei Erweiterungen hervor. Im Herbst feierte das Spiel dann das wortwörtliche große Revival. „Aufbruch nach Newdale“ ist das Brettspiel zum Kartenspiel. Ausgestattet mit üppigem Material geht es einmal mehr in die Welt von „Oh my Goods“.

Wenn euch das Kartenspiel „Oh my Goods“ schon bekannt ist, fühlt ihr euch auch in Newdale sofort zu Hause. Nicht nur optisch erinnert alles an das Kartenspiel, auch mechanisch bedient sich das Brettspiel rege an seinem Vorgänger. Das Grundspiel ist in weiten Teilen erhalten geblieben. In erster Linie geht es immer noch um den Aufbau von Produktionsketten. Im Verlauf des Spiels errichtet ihr unterschiedliche Gebäude, produziert verschiedene Güter, mit denen ihr wiederum eure Produktionsstätten befeuern könnt. So entsteht ein flüssiger Kreislauf, sehr befriedigend.

Alles begann mit einer Kohlemine

Bei Spielbeginn seid ihr davon aber noch weit entfernt. Eine einfache Kohlemine muss zunächst ausreichen, um euer Handelsimperium auszubauen. Im Spiel könnt ihr die Kohlemine aktivieren, indem ihr einen Aktionsstein dort einsetzt. Zunächst verfügt ihr über zwei solcher Steine, später lassen sich aber auch noch weitere Aktionssteine zusätzlich erwerben. Die ertragreichste Kohlemine nutzt euch allerdings nichts, wenn ihr nicht über ausreichend Arbeiter verfügt, die für euch das schwarze Gold ans Tageslicht befördern.

Dem Spiel liegen gleich drei doppelseitige Spielpläne bei. Über sie wird eine fortlaufende Geschichte erzählt.

Die Arbeiter holt ihr euch vom allgemeinen Arbeitsmarkt. Dort stehen euch gelbe, grüne, rote und blaue Arbeiter zur Verfügung. Um die Kohlenmine auszubeuten, benötigt ihr beispielsweise zwei gelbe und einen roten Arbeiter. Welche Arbeiter gerade angeworben werden können, legt die Ereigniskarte fest, die zu Rundenbeginn gezogen wird. Im späteren Rundenverlauf werden zudem weitere Arbeiterfiguren aus einem blickdichten Beutel gezogen. Ihr könnt also nie ganz genau absehen, auf welche Arbeiter ihr bei der Produktion tatsächlich zurückgreifen könnt.

Pokern auf dem Arbeitsmarkt

Diese Ungewissheit ist ein echtes Problem. Schon bevor die zusätzlichen Arbeiter enthüllt werden, läuft die Produktion bereits heiß. Unter jeder Produktionsstätte befinden sich drei Einsetzmöglichkeiten für den Aktionsstein. Spielt ihr eher vorsichtig, platziert ihr den Stein ganz links. Ihr benötigt dann zwar insgesamt einen Arbeiter weniger, um erfolgreich zu produzieren, allerdings fällt die Ausbeute auch geringer aus. Wollt ihr mehr aus eurer Kohlemine herausholen, könnt ihr pokern und den Stein weiter rechts einsetzen. Es werden mehr Arbeiter benötigt, doch der Ertrag steigt dafür deutlich an.

Am eigenen Spielertableau legt ihr eure Bauwerke ab. Die Kohlemine erhaltet ihr als Einstiegshilfe zum Aufbau eines Handelsimperiums.

Letztlich kalkuliert ihr natürlich immer mit Wahrscheinlichkeiten. Wenn ihr nicht genügend passende Arbeiter aufbringen könnt, habt ihr euch verzockt. In dem Fall bleiben eure Maschinen stehen und ihr steht mit leeren Händen da. Ihr könnt die Katastrophe allerdings noch abfangen, wenn ihr drei Handkarten ablegt. Auf diese Weise könnt ihr einen zusätzlichen Arbeiter erhalten. Handkarten sind allerdings ebenso ein wertvolles Gut, da ihr sie auf vielfältige Art einsetzen könnt.

Produktionsketten aufeinander abstimmen

Die Karten stellen die Gebäude im Spiel dar. Bezahlt ihr die fälligen Kosten, legt ihr sie in eure Auslage. Ab sofort könnt ihr das neue Gebäude ebenfalls einsetzen, um Waren zu produzieren. Da ihr aber ohnehin nicht unbegrenzt Gebäude in die Landschaft stellen könnt, lassen sich die Karten auch als Rohstoff einsetzen. Die Handkarten sind jedoch keine Universalwaren, sondern auf eine bestimmten Warensorte festgelegt. Ihr braucht also die passenden Karten auf der Hand, um sie als Rohstoff einzusetzen.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist nicht vollständig planbar. Ein Teil der Arbeiter kommt erst hinzu, wenn schon alle Aktionen festgelegt wurden.

Das Ganze kann sich dafür aber schnell lohnen. Mit Hilfe der Spinnerei etwa könnt ihr eine Baumwoll-Handkarte ablegen, um einen Garn-Einheit herzustellen. Das Garn ist immerhin drei Münzen wert, die ihr zu gegebener Zeit wiederum für den Bau eines neuen Gebäudes gebrauchen könnt. Doch auch gesammeltes Garn auf der Spinnerei kann euch später einen großen Vorteil einbringen. Gelagerte Waren auf den Gebäuden lassen sich ebenso wie Karten einsetzen, um die Produktionsmaschinerie in Gang zu setzen. Mit dieser Verkettung lässt sich schnell ein stattliches Sümmchen erspielen. Mit prall gefüllten Barreserven könnt ihr besonders wertvolle Gebäude errichten oder euch weitere Aktionssteine kaufen. Euer Handelsimperium wächst und gedeiht.

Das Kampagnenspiel

Das Jonglieren mit verschiedenen Ressourcen macht einen großen Teil von Aufbruch nach Newdale aus. Hinzu kommt allerdings auch noch eine kleine Geschichte, die sich in insgesamt acht Kapitel unterteilt. Sie beschreibt eure lange Reise quer durch das ganze Land, die sich sogar über drei doppelseitige Spielplanteile erstreckt. Die einzelnen Etappen der Reise bieten euch immer wieder veränderte Möglichkeiten und warten mit so mancher Überraschung auf.

Auf dem allgemeinen Tableau stehen euch zusätzliche Aktionen zur Verfügung. Auch die Siegpunkte werden hier verwaltet.

Durch den Aufbau neuer Gebäude breitet ihr euch auf dem Spielplan immer weiter aus. Im ersten Kapitel beginnt ihr eure Reise im Westen. Dort dürft ihr bereits euer erstes Haus platzieren, das für die erste Kohlemine steht. Baut ihr ein neues Gebäude, dann stellt ihr ein zusätzliches Häuschen auf den Spielplan. Auf diesem Weg könnt ihr euch so manchen Bonus sichern. Die wirklich dicken Boni warten natürlich erst ganz im Osten auf euch. Es kann sich also lohnen, euch schnell auf dem Plan auszubreiten.

Kleine Geschichten zur Untermalung des Abenteuers

Da kann es vielleicht auch hilfreich sein, ein paar Münzen in den Fortschritt zu investieren. Neben zusätzlichen Aktionssteinen könnt ihr auch die Reichweite beim Bauen neuer Gebäude erhöhen. Normalerweise darf ein neues Gebäude nur maximal zwei Stationen von einem anderen eigenen Häuschen entfernt aufgestellt werden. Diese Reichweite könnt ihr gegen Bezahlung auf drei Schritte erhöhen. Die größere Reichweite hilft euch auch beim Erfüllen des geheimen Auftrags, den jeder Spieler vor Spielbeginn erhält. Am Spielende werdet ihr nochmals mit Siegpunkten belohnt, wenn ihr auf dem Spielplan bestimmte Stationen abgeklappert habt.

Durch den Bau neuer Gebäude rückt ihr auf dem Spielplan ins Landesinnere. Dort könnt ihr euch auch so manchen Bonus sichern.

Nach sieben Runden endet das Kapitel. Dann gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Diese werden ausgeschüttet, wenn ihr auf dem Plan bestimmte Orte erreicht habt, insbesondere aber auch für das Errichten der Gebäude selbst. Belohnt wird aber auch die militärische Stärke, die durch den Bau mancher Sondergebäude gesteigert wird. Ebenso gibt es nochmals ein paar Punkte für verbleibende Barreserven und die schon erwähnten Belohnungen für das Erfüllen der geheimen Aufträge.

Für das Durchspielen von einem Kapitel benötigt ihr rund 90 Minuten. Das nächste Kapitel präsentiert euch dann einen anderen Spielplan mit ein paar neuen Aktionsmöglichkeiten, am Grundprinzip des Spiels ändert sich allerdings nichts. Eingeleitet wird jedes Kapitel durch einen kleinen atmosphärischen Text, der die Geschichte des Spiels forterzählt. Aufbruch nach Newdale ist für ein bis vier Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Das Spiel findet ihr ab sofort im Handel. Kostenpunkt: zwischen 45€ und 50€.

Fazit: Am Ende von Test und Reise kann sich Aufbruch nach Newdale über folgende Note freuen

Aufbruch nach Newdale: So schneidet das Kennerspiel im Test ab.

Aufbruch nach Newdale beinhaltet viele Mechaniken, die anspruchsvolle Spieler begeistern. Das Problem: die meisten kennen sie schon aus „Oh my Goods“. Die Essenz von Aufbruch nach Newdale steckt bereits in dem kleinen Kartenspiel von 2015. Das ist nicht grundsätzlich negativ zu sehen, schließlich erfreut sich das Lookout-Kartenspiel bis heute einer großen Anhängerschaft. Newdale hat viel zu bieten. Der Aufbau von Produktionsketten fühlt sich sehr befriedigend an. Wenn ihr geschickt die passenden Gebäude in eure Auslage befördert, sie mit geeigneten Handkarten füttert oder die Produktionsstätten zusätzlich mit Waren von euren Gebäuden befeuert, dann habt ihr wohl eine gut geölte Maschinerie auf die Beine gestellt. Auf der Reise nach Newdale habt ihr immer zahlreiche Optionen, eure Produktionsketten zu optimieren. Hinzu kommt noch das spannende Poker-Element. In Newdale könnt ihr das Glück herausfordern, wenn ihr eure Gebäude maximal ausreizen wollt. Die Spannung ist groß, wenn die zusätzlichen Arbeiter aus dem Beutel gefischt werden. Erst jetzt wird sich zeigen, ob eure Pläne nicht vielleicht doch etwas zu ambitioniert waren. Diese schöne Mischung macht Aufbruch nach Newdale zu einem wirklich tollen Spiel. Vergleicht man es mit seinem Vorgänger, dem kleinen Kartenspiel „Oh my Goods“, bietet es aber leider nur einen geringen Mehrwert. Die erzählte Geschichte ist eher zu vernachlässigen, viel mehr als ein paar atmosphärische Happen solltet ihr nicht erwarten. Etwas interessanter sind da schon die insgesamt sechs verschiedenen Spielpläne. Mit ihnen kommt zumindest etwas spielerische Abwechslung hinzu. Ob das jedoch reicht, um dem Brettspiel den Vorzug zu geben? Ich würde daher empfehlen, erst einmal mit dem deutlich kostengünstigeren „Oh my Goods“ zu beginnen. Wenn euch das Spielkonzept überzeugt, könnt ihr dann immer noch das Newdale-Upgrade machen. Unabhängig seines Vorgängers ist Aufbruch nach Newdale aber natürlich trotzdem ein tolles Spiel.

Pros

Cons

+ mit Solospieler-Modus

- wesentliches Spielprinzip schon von "Oh my Goods" bekannt

+ spannender Aufbau von Produktionsketten

- laue Geschichte

+ 6 verschiedene Spielpläne

+ gute Anleitung

+ Spiel in 8 Kapiteln

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