Bang Abacusspiele Cowbox Revolver Pistole Hut Stern Dollar Belohnung Wanted Verpackung Schachtel
+
Bang! gehört zu den Dauerbrennern bei Abacusspiele. Kostenpunkt: ca. 20€.

Bang! von Abacusspiele geht bereits in die vierte Auflage

Bang! im Test: Ein Spaghetti-Western als Kartenspiel

  • VonSebastian Hamers
    schließen

Seit etlichen Jahren gehört das Kartenspiel Bang! zu den Bestsellern im Programm von Abacusspiele. So spielt sich die chaotische Wild-West-Ballerei.

Nach einer einjährigen Corona-Pause feierte die SPIEL im Oktober ein gelungenes Comeback. Rund 93.000 Besucher stürmten die Essener Messehalle, in freudiger Erwartung der zahlreich angekündigten Neuheiten. Angekündigt waren tatsächlich viele neue Spiele. Nur käuflich zu erwerben waren längst nicht alle versprochenen Titel. Fast alle Verlage hatten mit der Verfügbarkeit ihrer Spiele zu kämpfen. Die angespannte Situation in der Containerschifffahrt sowie eine anhaltende Rohstoffknappheit machen der Brettspielszene schwer zu schaffen. Dennoch, das Jammern in der Welt des analogen Spiels bewegt sich auf einem hohen Niveau. Für viele Spieler ist die ausbleibende Schwemme der Neuheiten vielleicht sogar eine gute Gelegenheit, mal wieder einen Klassiker auf den Tisch zu bringen. Die Erstveröffentlichung des flotten Fun-Games Bang! etwa liegt bereits knapp zwanzig Jahr zurück. Seither gehört das Spiel zu den Dauerbrennern von Abacusspiele und liegt inzwischen bereits in der vierten Auflage vor. Noch nie gespielt? Dann wird’s jetzt aber mal Zeit…

Bang! ist ein moderner Klassiker

Bang! ist der kartengewordene Spaghetti-Western. Das Spiel spielt mit sämtlichen Western-Klischees, setzt auf ein einfaches flottes Gameplay und nimmt sich vor allem selbst nicht sonderlich ernst. Wie in den meisten Wild-West-Geschichten geht es bei Bang! natürlich vor allem darum, sich gegenseitig abzuknallen. Doch selbst in Bang! ballert ihr mit eurem Revolver nicht einfach wahllos jeden über den Haufen, sondern versucht vielmehr gezielt eure Feinde zu eliminieren.

Die Remington erhöht in Bang! eure Reichweite schon ganz ordentlich.

Jeder im Spiel hat seinen ganz natürlichen Feind. Der Sheriff sowie seine Helfer haben es auf die Banditen abgesehen, die sich natürlich wiederum ihrerseits der Gesetzeshüter entledigen wollen. Eine Sonderrolle nimmt in diesem Aufgebot der Gesetzlose ein, der sich mit niemandem so wirklich gut versteht und das Gefecht daher als Sole Survivor überstehen möchte. Das Problem: die Rollenverteilung ist absolut unklar. Ob ihr den Lauf des Revolvers gerade auf Freund oder Feind richtet… das erfahrt ihr meist erst dann, wenn seine Leiche im Sand der Prärie vor euch liegt.

  • für 4-8 Spieler ab 8 Jahren
  • Spieldauer: 20-40 Minuten
  • Autor: Emiliano Sciarra
  • Verlag: Abacusspiele
  • Preis: ca. 20€

Reichweitenprobleme in Bang!

Ihr habt einen Mitspieler ausgeschaltet, wenn ihr ihm sämtliche Lebenspunkte geraubt habt. Die Zahl der Lebenspunkte legt gleichzeitig auch das Handkartenlimit fest. Je vitaler ihr in der Partie bleibt, desto mehr Möglichkeiten stehen euch zur Verfügung. Zwei neue Karten zieht ihr zu Beginn des Zuges aber auf jeden Fall. Anschließend dürfen beliebig viele Karten ausgespielt werden, bevor ihr euer Handkartenlimit prüft und überzählige Karten ungenutzt abwerft.

In Bang! nehmt ihr eine von diesen vier Rollen ein.

Mit den ausgespielten Karten werden natürlich auch die Kanonen gezückt. Die namensgebenden Bang!-Karten richten einen Schadenspunkt bei einem beliebigen Mitspieler an… solange sich dieser in Reichweite befindet. Bei Spielbeginn steht euch nur ein simpler Revolver zur Verfügung, mit dem ihr lediglich eure direkten Sitznachbarn attackieren könnt. Mit etwas Kartenglück erhaltet ihr später bessere Waffen mit höherer Reichweite, die euren alten Colt ersetzen. Diese Waffen zählen zu den bleibenden Karten. Sie begleiten euch über die gesamte Partie, falls euch keiner der anderen Spieler in die Suppe spuckt.

Bang! mit vielen Gimmicks

Die Bang!-Karten sind somit natürlich ein Schlüssel zum Sieg. Mindestens ebenso wertvoll sind allerdings die Fehlschuss-Karten. Ihr spielt sie als Reaktion auf einen Angriff und verhindert damit einen Schadenspunkt an euch selbst. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn ein Bier gespielt wird. Der kühle Trunk kann den Schaden jedoch nur abwehren, wenn er vor dem Verlust des letzten Lebenspunkts schützt. Ansonsten kann das Bier als Energiespender dienen. Im eigenen Zug gespielt, erhöht es die eigene Lebensenergie um einen Punkt.

Mit der Bang!-Karte attackiert ihr einen Mitspieler in Reichweite. Der Fehlschuss schützt euch vor einem Treffer.

Die Möglichkeiten den Spielverlauf zu manipulieren sind zahlreich. Mit einem Pferd schafft ihr mehr Reichweite zwischen euch und die Mitspieler, das Zielfernrohr holt diese für euch hingegen wieder etwas näher heran. Spielt ihr eine Postkutsche, so liefert euch diese direkt frisches Kartenmaterial auf die Hand. Dieses erhaltet ihr ebenso über die Panik!-Karte. Mit dieser stibitzt ihr eine Karte direkt von der Hand eines Mitspielers.

Spannende Kartenduelle mit Bang!

Im Stapel befinden sich zudem Karten, die ihre Effekte auf alle Spieler wirken. Dazu zählt etwa der Saloon, der allen Cowboys einen Lebenspunkt einbringt. Über zusätzliche Handkarten hingegen dürfen sich alle Spieler freuen, wenn ein Warenhaus gespielt wird. Weniger erfreulich ist da schon die Gatling-Gun. Mit dieser ballert ihr einmal quer über das ganze Feld, so dass jeder Spieler einen Schadenspunkt einstecken muss… außer der Schütze selbst natürlich.

Bang! spielt gekonnt mit Wild-West-Klischees und baut viele Elemente in Spiel ein.

Reichlich Nervenkitzel steht ins Haus, wenn es zum Duell zwischen zwei Spielern kommt. Jetzt werden abwechselnd Bang!-Karten rausgehauen, bis diese einem Duellanten ausgehen und somit ein Schadenspunkt kassieren werden muss. Nicht weniger spannend sind die Karten mit Aufdeck-Funktion. Zu diesen zählt beispielsweise das Fass. Ihr legt das Fass vor euch aus, so dass es euch eine gewisse Deckung vor den Angriffen der Mitspieler gewährt. Ob die Kugel tatsächlich im Fass hängenbleibt, muss allerdings erst durch das Ziehen von Karten vom Nachziehstapel geprüft werden. Nur wenn die gezogene Karte das erforderliche Symbol aufweist, schlägt die Kugel im Holz ein und rettet euch somit einen Lebenspunkt.

Bang! mit viel Geheimniskrämerei

Mit diesen und einigen weiteren Karten versucht ihr die Machtverhältnisse im Wilden Westen zu euren Gunsten zu gestalten. Die Lebenspunkte der einzelnen Revolverhelden müssen dabei stets gut im Auge behalten werden, denn jede Elimination stellt eine Veränderung der Machtverhältnisse am Tisch dar. In den Schießgefechten behaltet ihr natürlich ganz besonders im Auge, wer welchen Mitspieler ins Kreuzfeuer genommen hat. Dies gibt euch möglicherweise Aufschluss darüber, welcher Gruppe sich der Angreifer zugehörig fühlt. Bandit? Oder vielleicht doch Gesetzeshüter? Über weite Strecken des Spiels bleibt die Rollenverteilung zunächst unklar, bis dann irgendwann doch ein Cowboy für klare Verhältnisse sorgt und den Stein ins Rollen bringt.

Wenn in Bang! die Postkutsche vorbeikommt, gibt es wieder neue Karten auf die Hand.

Eine derartige Geheimniskrämerei hat nur der Sheriff selbst nicht nötig. Er offenbar sein Amt bereits vor Beginn der Partie. Vermutlich wird er also einer der ersten Spieler sein, dem schon recht früh die Pistolenkugeln um die Ohren fliegen. Doch keine Sorge, auch die anderen Cowboys bekommen recht bald eine ordentliche Ladung Blei zu spüren. In den meisten Fällen eskaliert die Situation schon nach wenigen Minuten. Wer gut blufft, hat aber dennoch etwas bessere Chancen, sich für eine gewisse Zeit aus dem Kugelhagel herauszuhalten.

Individuelle Charaktere in Bang!

Je nachdem welche Rolle euch zu Spielbeginn zugeteilt wurde, müsst ihr eine andere Strategie einschlagen, um im rauen Wilden Westen zu überleben. Ebenfalls Einfluss auf das taktische Vorgehen hat sicherlich auch die Charakterkarte, die ihr zusätzlich zur Rollenkarte erhaltet. Das Grundspiel enthält gleich sechzehn Charaktere, jeder mit einer individuellen Sonderfähigkeit. Bart Cassidy zieht nach jedem Lebensenergieverlust eine neue Karte, Vulture Sam plündert sämtliche Karten der ausgeschiedenen Mitspieler und Sid Ketchum darf sich auf Kosten von zwei beliebigen Karten einen Lebenspunkt zurückholen.

In Bang! haben 16 verschiedene Charaktere den Weg ins Spiel gefunden.

Die Charaktere in Bang! spielen sich schon recht unterschiedlich. Wird über mehrere Runden gespielt, was bei uns recht häufig der Fall war, kann mit der Charakter-Rotation noch mehr Abwechslung ins Spiel gebracht werden. Da eine Partie meist kaum länger als eine halbe Stunde dauert, kommen schnell so einige Durchläufe zusammen. Solltet ihr dann irgendwann alle Charaktere in- und auswendig kennen, lohnt sich vielleicht ein Blick auf die zahlreich verfügbaren Erweiterungspakete.

Bang! mit zahlreichen Erweiterungen

Da Bang! nun doch schon ein paar Jahre im Handel steht, hatten die Macher schon die Gelegenheit, das Spiel kräftig zu erweitern. Nochmal sechzehn frische Charaktere, aber auch einige neue Spielkarten für das Deck, findet ihr im Bang! Expansion Pack. Diese enthält gleich drei Mini-Erweiterungen auf einmal, die Karten und Charaktere lassen sich optional in eine normale Partie integrieren und sorgen für noch mehr Abwechslung. Mit Gold Rush, Dodge City, sowie Armed & Dangerous lässt sich das Bang!-Universum nochmals kräftig erweitern.

Das Bang! Expansion Pack ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um das Kartenspiel zu erweitern.

Das Grundspiel Bang! ist über Abacusspiele im deutschsprachigen Handel erschienen. Es ist für vier bis sieben Spieler ab acht Jahren ausgelegt. Für das Basisspiel werden rund 20€ fällig, die Erweiterungen fallen je etwa in die gleiche Preiskategorie.

Fazit: Die spaßige Wild-West-Ballerei Bang! hat sich in ingame-City gut bewährt und sich dabei diese Testwertung ergaunert

Bang! hat sich in ingame-City gut geschlagen und sich dabei eine gute Testwertung ergaunert.

Obwohl Bang! bereits zu den modernen Klassikern gezählt werden kann, ist das Kartenspiel noch nie auf meinem Spieltisch gelandet. Da viele der angekündigten Neuheiten auf der SPIEL 21 noch gar nicht verfügbar waren, haben wir die Gunst der Stunde genutzt und dieses Evergreen endlich einmal nachgeholt. Was soll ich sagen? Der Ausflug in den Wilden Westen hat sich wirklich gelohnt. Bei mir haben Spiele mit Wild-West-Thema ohnehin einen Stein im Brett. Die Verlage dürften ruhig häufiger mal dieses Szenario wählen, anstatt das x-te Mittelalter-Aufbauspiel zu veröffentlichen. Bang! fängt das Thema auf jeden Fall sehr gut ein, ohne sich selbst schrecklich ernst zu nehmen. Der Spielablauf ist chaotisch, spannend und vor allem richtig lustig. Manchmal wird alles in die Waagschale geworfen, nur um dann festzustellen, dass man gerade seinen eigenen Kumpel über den Haufen geballert hat. Und im nächsten Moment wird euch dann vom Gesetzlosen das Messer in den Rücken gestochen, der dann als lachender Sieger in den Sonnenuntergang reitet. In Bang! kann so ziemlich alles passieren. Das Spiel wird zwar vom etwas chaotischen Ablauf geprägt, hat aber dennoch durchaus auch eine taktische Note. Wer gut blufft, seine persönliche Ausrüstung gezielt einsetzt und die Sonderfähigkeit des Charakters klug verwendet, steigert die Chancen auf den Spielsieg. Bang! spielt seine Stärken vor allem in etwas größeren Gruppen voll aus. Im Kugelhagel bleiben einzelne Spieler zwar vorzeitig auf der Strecke, aber angesichts der kurzen Spieldauer ist selbst das zu verschmerzen. Die Revanche lässt nicht lange auf sich warten. So long, greenhorns!

ProCon
+ gut für größere Gruppen geeignet- erst ab 4 Spielern spielbar
+ gute Umsetzung des Wild-West-Themas
+ zahlreiche Erweiterungen verfügbar
+ einfache Regeln
+ sehr abwechslungsreich durch Charakter- und Rollenkarten

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare