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Barbaria: Das neue Spiel von Feuerland im Test

Aufreizende Barbaren - fiese Monster

Barbaria im Test: Familienspiel statt Conan Comeback

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Barbarei für die ganze Familie. Barbaria heißt das neueste Spiel der blauen Reihe von Feuerland. Familien- und einsteigerfreundlich soll es sein. Wir haben's getestet.

Wenn Feuerland ein neues Spiel veröffentlicht, dann horchen vor allem die Vielspieler auf. Zum Angebot des Verlags zählen Strategieperlen wie Terra Mystica, Scythe oder auch der Dungeon Crawler Gloomhaven. Abseits dieser dicken Klopper bringt Feuerland aber hin und wieder auch mal ein Familienspiel heraus. Hohe Zugänglichkeit, leichte Regeln und ein höherer Glückfaktor zeichnen die Feuerland-Spiele aus der blauen Reihe aus. Zu dieser Gruppe zählt auch das kompakte Würfelspiel Barbaria, das gerade brandneu erschienen ist. Hier dreht sich alles um unerschrockene Barbaren, die gefährliche Abenteuer erleben und auf die Jagd nach den siegbringenden Runensteinen gehen.

Jeder Barbar hat eigene Stärken und Schwächen.

Im Vergleich zu dem 10kg schweren Gloomhaven fällt der Umfang von Barbaria mickrig aus. Das Spiel besteht gerade einmal aus 110 Spielkarten sowie 6 Würfeln in drei verschiedenen Farben. Auch wenn sich beide Spiele einem Fantasy-Szenario bedienen, hinkt der Vergleich zwischen dem Schwergewicht und dem schlanken Würfelspiel ziemlich. Dennoch bietet Barbaria mehr als es zunächst den Anschein erweckt. Im Spiel müsst ihr schon einige knifflige Entscheidungen fällen und könnt dabei euren Mitspielern sogar fies in den Rücken fallen.

Jagd auf Runensteine

Der Spielaufbau ist angenehm schnell erledigt. Es gibt zwei verschiedene Kartentypen. Da wären zunächst die Barbarenkarten. Sie stellen eure Spielfigur dar und sind mit individuellen Fertigkeiten ausgestattet. Die Abenteuerkarten stellen allerdings den Großteil des Materials dar. Beide Kartentypen werden getrennt von einander gemischt, bevor jeder Spieler einen Barbaren sowie zwei Abenteuerkarten erhält.

Mit Items macht ihr den Barbar eures Vertrauens noch barbarischer.

Sämtliche Karten sind beidseitig bedruckt und erfüllen, je nach aktiver Seite, eine andere Funktion. Im Spielverlauf zieht ihr Karten vom Abenteuerstapel. Auf der Vorderseite der Abenteuerkarte seht ihr eine Mission für euren Barbaren. Meist wird hier ein bestimmtes Würfelergebnis gefordert. Würfel in den vorgegebenen Farben müssen ein bestimmtes Mindestergebnis aufweisen. Habt ihr die Aufgabe gemeistert, dürft ihr die Karte an euch nehmen und so eine Belohnung erhalten.

Items sammeln wie in Diablo

Mit der geplünderten Ausrüstung wird euer Barbar immer stärker. Die Items erlauben es euch beispielsweise einen Farbwürfel neu zu werfen oder das geworfene Ergebnis leicht zu modifizieren. Wenn euer Barbar bis an die Zähne bewaffnet ist, geht es durch die nächsten Abenteuer doch schon gleich viel entspannter. Dennoch warten im Abenteuerstapel ein paar ziemlich dicke Brocken auf euch.

Gerade mit einem Barbaren-Frischling sind die Aufgaben oft knackig. Zieht ihr eine Karte und glaubt, dass ihr die Mission kaum erfüllen könnt, dürft ihr deshalb auch bis zu drei weitere Karten nachziehen, bevor ihr die Aufgabe tatsächlich angeht. Dabei könnt ihr euch aber auch verzocken. Legt ihr ein Abenteuer einmal auf Seite, könnt ihr nicht dorthin zurückkehren. Spätestens die vierte gezogene Karte müsst ihr also spielen. Einen kleinen Ausweg gibt es aber auch hier noch. Diese geht allerdings auf Kosten einer schon erbeuteten Karte. Legt ihr eine Karte in eure Besitz ab, dürft ihr eine weitere Karte vom Stapel ziehen. In Barbaria könnt ihr euer Glück auf die Probe stellen.

Barbarische Pinups

Pinups helfen euch, aussichtslose Abenteuer doch noch zu meistern.

Zieht ihr viele Karten vom Stapel, dann profitieren davon auch eure Mitspieler. Alle aufgedeckten und nicht bestandenen Abenteuer werden auf die Rückseite gedreht. Die Karten werden gleichmäßig unter den Spielern aufgeteilt. Die Rückseiten der Abenteuerkarten zeigen die Barbaren in leicht bekleideter Montur. Sie werden passenderweise Pinups genannt und könnten glatt dem barbarischen Playboy- oder Playgirl-Kalender entnommen sein.

Die Pinups könnt ihr im Spielverlauf einsetzen, um Einmaleffekte zu erwirken. Diese Effekte ähneln den Boni aus dem Abenteuer. Doch während ihr Schätze einmal pro Runde einsetzen dürft, werden die Pinups nach Benutzung auf den Ablagestapel gelegt. Die Pinups sind also eine gute Möglichkeit, die Fähigkeiten eures Barbaren kurzfristig zu verbessern.

Kämpfe in Barbaria

Ein Standard-Abenteuer in Barbaria ist zum Glück nicht sonderlich gefährlich. Ihr könnt die Mission jederzeit abbrechen. Die abgebrochene Mission wird auf die Pinup-Seite gedreht und am Rundenende mit den weiteren gezogenen Abenteuerkarten in der Runde verteilt. Deckt ihr allerdings ein Monster auf und geht in den Kampf, gibt es kein Zurück mehr. Entweder ihr geht siegreich aus dem Kampf hervor oder aber euer Barbar segnet das Zeitliche. In diesem Fall dürft ihr zwar mit einem neuen Avatar das Spiel fortsetzen, allerdings verliert ihr die bislang erbeutete Ausrüstung.

Besonders hart sind die Bosskämpfe. Die geforderten Würfelergebnisse liegen manchmal gar über dem, was ein normaler sechsseitiger Würfel hergibt. Im Klartext: ihr müsst euer Würfelergebnis auf jeden Fall zusätzlich nach oben modifizieren. Ohne die passende Ausrüstung habt ihr gegen die Bestie keine Chance. Glücklicherweise dürft ihr die Bosskämpfe zu zweit bestreiten. Ihr könnt einen Barbar um Hilfe bitten und den Job gemeinsam erledigen.

Kooperativer Bosskampf

Im Bosskampf handelt ihr euren Zug zunächst ganz normal ab. Habt ihr alle Aktionen absolviert, reicht ihr die Würfel an den helfenden Barbaren weiter. Die geworfenen Ergebnisse bleiben bestehen. Der zweite Barbar darf nun jedoch seine Aktionen verwenden, um Würfel neu zu werfen oder bestehende Ergebnisse zu modifizieren.

Mitgefangen, mitgehangen. Gelingt es euch, den Boss zu bezwingen, könnt ihr euch auch beide die Belohnung einstecken. Sämtliche Beutestücke gehören beiden Spielern gleichermaßen. Bei Misserfolg erleiden aber auch beide Spieler den bitteren Barbarentod. Es gibt da allerdings noch ein kleines Hintertürchen.

Bosse bekämpft ihr mit einem Partner - wenn ihr euch traut.

Dem Tod von der Schippe springen

Einige bestandene Abenteuer gewähren dem Barbaren einen Schutz vor dem Ableben. Legt ihr die entsprechende Karte aus eurer Auslage ab, überlebt der Barbar und entkommt dem Kampf. Das Abenteuer gilt zwar als nicht bestanden, doch immerhin kommt ihr mit dem Leben davon. Besonders hinterhältige Barbaren machen sich diesen Schutz vielleicht gar zu Nutze, um einen Mitspieler in die Falle zu locken.

Geht ihr den Bosskampf ein und aktiviert den Schutz, steht euer „Partner“ plötzlich allein in einer aussichtslosen Schlacht. Euch kostet die Aktion dann vielleicht nur die eine Schutz-Karte, während der andere Barbar seine Torheit mit dem Leben bezahlt und die gesamte Ausrüstung verliert. Schaut also besser ganz genau hin, mit wem ihr da eine Allianz eingeht.

Das siegreiche Monster verbleibt im Spiel und zieht ab sofort frei durch die Wildnis umher. Als aktiver Spieler könnt ihr auf das Ziehen von Abenteuerkarten verzichten und stattdessen einen Angriff auf das Monster starten. Mit jedem Barbaren, den das Monster auf dem Gewissen hat, wird es immer wertvoller. Besiegte Barbaren werden auf die Rückseite gedreht und unter das Monster geschoben. Der Bezwinger darf sich über einen zusätzlichen Runenstein freuen.

Fahrende Händler

Nicht nur Monster und Abenteuer verstecken sich in den Kartenstapeln.

Unter die Abenteuerkarten haben sich noch zwei andere Kartentypen gemischt. Hin und wieder taucht ein fahrender Händler auf und bietet seine Waren an. Genau wie andere Abenteuerkarten bringen euch die Handelswaren entweder Ausrüstungsgegenstände oder aber sogar Runensteine ein. Anstatt jedoch eine Würfelaufgabe zu erfüllen, müsst ihr die Waren beim Händler mit klingender Münze bezahlen. Jede Ware kostet zwischen einer und drei Münzen. Das nötige Kleingeld könnt ihr auf euren Abenteuerreisen erbeuten. Alternativ verkauft ihr einen beliebigen Ausrüstungsgegenstand für eine Münze.

Die Hilferuf-Karten könnt ihr optional in den Abenteuerstapel einmischen. Sie stellen eine Aufholmechanik für weniger erfolgreiche Barbaren dar. Sobald ein Hilferuf aufgedeckt wird, geht sie an den Barbaren mit den wenigsten Runensteinen. Dank der Hilferufe kann ein Rückstand etwas schneller wieder aufgeholt werden.

Fünf magische Runensteine

Am Ende des Tages bringt euch auch die beste Ausrüstung nicht den Sieg ein. Alles dreht sich letztlich um die Runensteine. Sie tauchen in fünf verschiedenen Farben auf und ermöglichen den Spielsieg in drei Konstellationen. Ihr gewinnt das Spiel, wenn ihr zuerst vier Runensteine der gleichen Farbe, je einen Runenstein in allen fünf Farben oder aber acht beliebige Runensteine gesammelt habt. Ein vorzeitiges Ende tritt zudem ein, wenn ein Barbar stirbt und der Barbaren-Nachziehstapel vollständig aufgebraucht wurde. In diesem Fall gewinnt nun der Spieler mit den meisten Runensteinen.

Barbaria: Das Würfeldesign ist einzigartig.

Ein Spiel dauert meist nur etwa eine halbe Stunde. Barbaria ist für zwei bis vier Spieler ab vierzehn Jahren geeignet. Das Spiel ist ganz frisch im Handel erschienen und kostet knapp 20€.

Fazit

PROS

CONS

+ Einfache Regeln

- Vergleichsweise glückslastig

+ Geringe Vorbereitungszeit

+ Levelbare Barbaren

+ Witzige Illustrationen

+ Günstiger Preis

Feuerland holt sich mit Barbaria einen weiteren Titel für seine familienfreundliche blaue Reihe dazu. Da erstaunt die Altersempfehlung ab vierzehn Jahren doch ein wenig. Die Regeln sind einfach, eine Partie dauert nur eine halbe Stunde und der Glücksfaktor ist vergleichsweise hoch. Kurz: mechanisch gesehen ist Barbaria ein perfektes Familienspiel. Dem gegenüber stehen allerdings die aufreizenden Illustrationen der Barbarinnen und Barbaren in leichter Bekleidung. Vermutlich empfiehlt Feuerland das Spiel deshalb nicht auch für noch jüngere Spieler. Sei’s drum, als erwachsener Spieler weiß ich auch die inneren Werte von Barbaria zu schätzen. Glück ist sicherlich ein Faktor im Spiel, schließlich sind Würfel ein zentrales Element. Doch Barbaria lässt euch das Glück auch immer wieder herausfordern. Ihr schätzt eure Chancen ein, spekuliert ein wenig und mit der erbeuteten Ausrüstung könnt ihr das Blatt vielleicht sogar noch zu euren Gunsten wenden. Es gibt also durchaus einige Stellschrauben, mit denen ihr dem Glück auf die Sprünge helfen könnt. Besonders intensiv habe ich die Bosskämpfe erlebt. Mit diesen kommen zeitweise sogar kooperative Elemente ins Spiel. Letztlich arbeitet aber dann doch jeder Barbar für sich alleine, im Zweifelsfall kann euch die helfende Hand im letzten Moment dann doch noch den Dolch in den Rücken stoßen. Angesichts der einfachen Regeln und der hohen Zugänglichkeit hat Barbaria viel zu bieten. So ist Barbaria eben doch mehr als ein einfaches Würfel- oder Familienspiel.

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