Bis zu sechs Spieler können an einer Partie teilnehmen. Ein Abenteurer schlüpft im laufenden Spiel in die Rolle des Verräters.
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Bis zu sechs Spieler können an einer Partie teilnehmen. Ein Abenteurer schlüpft im laufenden Spiel in die Rolle des Verräters.

Horror-Story in fünfzig Akten

Betrayal at the House on the Hill im Test: Der interaktive Horrorfilm

  • vonSebastian Hamers
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Der nächtliche Einbruch in das verlassene Spukhaus war wohl keine so gute Idee. Leider hat sich außerdem auch noch ein Verräter in eure Reihen gemischt.

Ist es wirklich eine gute Idee, ein altes Spuckhaus in der Dunkelheit zu erkunden? Habt ihr denn aus von den vielen Horrorschockern auch wirklich gar nichts gelernt? Als Gruppe übermotivierter Abenteurer habt ihr es euch nicht aus dem Kopf schlagen lassen, euch in der abgelegenen Villa einmal genauer umzusehen. Betrayal at the House on the Hill spielt gekonnt mit den bekannten Horrorfilm-Klischees und stellt euch gemeinsam vor ein schauriges Abenteuer. Zumindest am Anfang, denn schon rasch entwickeln sich die Dinge anders als gedacht. Das Haus birgt nicht nur einige finstere Überraschungen. Zu allem Überfluss hat sich auch noch ein Verräter in eure Reihen gemischt. Der vertraute Weggefährte entpuppt sich plötzlich als durchgeknallter Psychopath, der euch seine Monster auf den Hals hetzt. Es kommt zum Verrat im Haus auf dem Hügel.

Zunächst gestaltet sich euer Ausflug ins Gruselhaus noch ganz harmonisch. Als kleine Gruppe mit bis zu sechs Abenteurern erkundet ihr die Umgebung, findet vielleicht ein paar hilfreiche Gegenstände und übersteht gemeinsam auch schon die ersten Schrecken. Doch dies ist alles nur ein kleiner Vorgeschmack auf das wahre Abenteuer, das im Haus auf euch wartet. Zu gegebener Zeit wird der Spuk enthüllt und der Schrecken zeigt sein wahres Gesicht. Einer der Spielercharaktere mutiert zum Bösewicht, der seinen ganz eigenen Plan verfolgt. Der Rest der Truppe ist ihm dabei ziemlich im Weg und natürlich hat er keine Skrupel, einem nach den anderen von euch aus dem Weg zu räumen.

Betrayal at the House on the Hill: Eine Huldigung an klassische Horrorfilme

Vor Beginn des Abenteuers steht allerdings noch gar nicht fest, wer von euch der Verräter ist. Im Spielverlauf wird immer wieder überprüft, ob sich der Spuk bereits zu erkennen gibt. Je nachdem welche Karte gerade gezogen wurde und in welchem Raum sich der aktive Spieler gerade aufhält, wird ermittelt, welches Szenario gespielt wird. Das Szenario gibt dann auch vor, welcher Charakter die Rolle des Bösewichts übernimmt. Betrayal at the House on the Hill kann dabei in Bezug auf den Umfang glänzen. Satte fünfzig Horrorgeschichten liegen dem Spiel bei. Damit sollte eure Spielgruppe erstmal eine ganze Zeit beschäftigt sein.

Die Werte eurer Spielfigur könnt ihr komfortabel auf der Charaktertafel verwalten.

In den meisten Fällen wird der Verräter direkt enttarnt. Sobald der Spuk aktiv wird, werden Ross und Reiter benannt. Vorher tappen jedoch alle Spieler im Dunklen umher. Selbst der Verräter selbst weiß in der frühen Phase des Spiels noch nicht, dass er in Kürze den Part des Oberschurken mimen soll. Erst wenn die Rollen klar verteilt sind, erhält der Bösewicht den Folianten des Verräters, während sich der Rest der Gruppe das Büchlein mit den Überlebenshinweisen schnappt.

Betrayal at the House on the Hill im Test: Gruselgeschichten aus zwei Perspektiven

Die Geschichte wird somit aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. In den beiden Handbüchern erhaltet ihr die wichtigsten Informationen, die insbesondere natürlich auch einen Überblick über die unterschiedlichen Spielziele der beiden Parteien geben. Ab sofort heißt es einer gegen alle. Für den bösen Solisten muss das aber noch lange kein Nachteil sein. Als Oberschurke verfügt ihr über einige besondere Vorteile. Da ihr um die Besonderheiten des Gruselhauses natürlich bestens im Bilde seid, dürft ihr viele negative Effekte einfach ignorieren. Weiterhin übernehmt ihr auch die Kontrolle über die gehorsamen Monster des Hauses.

In den beiden Handbüchern finden sowohl die Überlebenden als auch der Verräter detaillierte Angaben zum Szenario.

Einige Szenarien werden auch mit einem geheimen Verräter gespielt. Dieser wird dann ganz einfach nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Der Foliant des Verräters wird in diesen Szenarien ebenfalls nicht benötigt. Die Ziele und Fähigkeiten des Verräters werden für alle ersichtlich im Handbuch für die Überlebenden aufgeführt. Der Verräter kann sich auf eigenen Wunsch hin jedoch jederzeit zu erkennen geben, beispielsweise wenn er einen negativen Effekt ignorieren möchte. Die abrupte Enttarnung des Verräters ist ein ganz besonderer Moment in Betrayal at the House on the Hill. Wird der Augenblick der Offenbarung gut gewählt, wird die Dramaturgie des Spiels auf die Spitze getrieben.

Stärke von Betrayal at the House on the Hill: Variabler Spielaufbau

Was die erzählerische Vielfalt angeht, hat Betrayal at the House on the Hill also viel Abwechslung zu bieten. Viel Varianz bietet allerdings auch schon der Spielaufbau. Das Spukhaus baut sich erst nach und nach zusammen und wird durch insgesamt 44 Raumplättchen dargestellt, die sich auf drei Stockwerke verteilen. Zunächst habt ihr über die Details nur recht wenig Einblick. Ihr startet das Abenteuer im Eingangsbereich, die weiteren Räume müsst ihr erst einmal erkunden.

Das Spukhaus wird modular zusammengesetzt. In jedem Spiel gestaltet sich die Villa so immer wieder etwas anders.

Nach einfachen Regeln baut ihr das Haus immer weiter aus. Schnell werdet ihr merken, dass ihr in eine nicht ganz gewöhnliche Villa eingedrungen seid. Das Gruselhaus verfügt über einige seltsame Spezialräume wie den mystischen Aufzug, der nach dem Betreten automatisch in eine zufällige Etage fährt. Selbstverständlich könnt ihr in den Räumen aber auch so manches hilfreiches Gimmick abstauben. Eine gute Ausrüstung werdet ihr brauchen, um den Gefahren zu trotzen, die im Dunklen auf euch warten.

Betrayal at the House on the Hill: Schockierende Story mit einfachen Regeln

So umfangreich und vielschichtig das Drumherum auch ist, die Regeln von Betrayal at the House on the Hill gestalten sich vergleichsweise zugänglich. Euren Charakter könnt ihr auf einer einzigen Karte problemlos verwalten. Für das Spiel sind lediglich vier Eigenschaften relevant: Tempo, Stärke, Verstand und Wissen. Jeder Charakter verfügt über vorgegebene Ausgangswerte, die im Spielverlauf aber in beide Richtungen modifiziert werden können. Die Werte können komfortabel mit Plastikchips auf den aktuellen Stand gebracht werden. Sobald eine Eigenschaft auf das unterste Level gesenkt wird, hat es euren Charakter dahingerafft und er scheidet aus dem Spiel aus.

Auf den Rückseiten der Raumplättchen wird angezeigt, in welchem Stockwerk ihr den Raum platzieren könnt.

Erleidet die Spielfigur einen Schadenspunkt, etwa durch den Angriff eines Monsters, müsst ihr einen Eigenschaftspunkt bei Tempo oder Stärke einbüßen. Mentaler Schaden muss hingegen vom Verstand- oder Wissenskonto abgezogen werden. Für die körperliche Auseinandersetzung spielt meist die Stärke des Charakters die ausschlaggebende Rolle. Gemäß eures Stärkewertes werft ihr eine Anzahl von Würfeln. Der Gegner legt seinerseits eine Stärkeprobe ab, dann werden die Ergebnisse nur noch miteinander verglichen und der entsprechende Schaden verteilt.

Das Spukhaus in Betrayal at the House on the Hill erkunden

Unter Umständen kann ein Charakter aber auch mit anderen Attributen als mit Stärke attackieren. Manchmal fallen euch hilfreiche Gadgets in die Hände, die auch Angriffe anderer Art erlauben. Darunter fällt beispielsweise der Revolver, bei dem ihr von einem hohen Tempowert profitiert. Gleichzeitig ermöglicht euch das alte Schießeisen eine Attacke aus der sicheren Distanz, wenn sich der Gegner innerhalb eurer Sichtlinie befindet.

Bis zu sechs Spieler können an einer Partie teilnehmen. Ein Abenteurer schlüpft im laufenden Spiel in die Rolle des Verräters.

Überhaupt ist das alte Spukhaus eine ziemliche Fundgrube für alle möglichen Gegenstände. Eine Adrenalinspritze hilft euch beim Bestehen von Eigenschaftsproben, ein silbernes Amulett verbessert eure Eigenschaften sogar permanent und die Hasenpfote erweist sich als Glückbringer ziemlich zuverlässig. Unter Umständen trefft ihr sogar auf den wahnsinnigen Hausbewohner oder das kleine Mädchen, die sich euch anschließen und beim Bestehen des Abenteuers unterstützen.

Feinde in Betrayal at the House on the Hill: Die Schergen des Spuks

Leider beherbergt das Spukhaus aber auch so einige Gefahren. Regelmäßig werden bestimmte Ereignisse ausgelöst. Ganz im Stil eines Horrorfilms, kann Betrayal at the House on the Hill mit einigen Schockeffekten aufwarten. Lasst euch einfach überraschen, das Spiel hat so einige Schocker für euch auf Lager. Für die restliche Inszenierung des Horrors ist dann der Verräter zuständig. Er übernimmt die Kontrolle über alle feindlichen Figuren. Auch der Charakter selbst bleibt im Spiel und kann wie gewohnt bewegt werden. Mit seinen Sonderfähigkeiten ist er der ultimative Endgegner, der von den Überlebenden erstmal aus dem Weg geräumt werden muss.

Betrayal at the House on the Hill ist über Asmodee erschienen und kostet zwischen 35€ und 40€.

Die Hinrichtung des Verräters ist allerdings nicht unbedingt das Ziel der Überlebenden. In jedem der fünfzig Szenarien erlebt ihr eine andere Geschichte. Damit verändern sich auch die Zielvorgaben für Überlebende und den Verräter gleichermaßen. Obwohl sich der Grundablauf des Spiels in allen Geschichten ähnelt, ist durch den geschichtlichen Variantenreichtum für reichlich Abwechslung gesorgt.

Betrayal at the House on the Hill ist für drei bis sechs Spieler ab zwölf Jahren geeignet. Für ein Szenario müsst ihr ungefähr eine Stunde Spielzeit einplanen. Die deutschsprachige Version wird über Asmodee vertrieben und kostet zwischen 35€ und 40€.

Fazit: Betrayal at the House on the Hill erhält im Test diese gruselige Wertung von 8.5

Betrayal at the House on the Hill im Test: So schneidet der interaktive Horrorfilm ab.

Brettspiele mit Horror-Thema sind voll im Trend. Betrayal at the House on the Hill bietet euch die Gruselatmosphäre jedoch mit einem kleinen Augenzwinkern. Das Spiel ist eine liebevolle Hommage an trashige Horrorfilme à la Scream oder Scary Movie. Als Gruppe reichlich naiver Abenteurer stolpert ihr in ein Spukhaus, das ihr besser niemals betreten hättet. Jeder, der schon einmal einen Horrorfilm gesehen hat, sollte doch wissen, dass man niemals in so eine alte Gruselvilla einbrechen sollte… schon gar nicht bei Nacht!! Betrayal at the House on the Hill spielt gekonnt mit den bekannten Horrorfilm-Klischees und hat jede Menge Überraschungen für euch parat. Die stimmige Atmosphäre ist dann auch die größte Stärke des Spiels. Mit fünfzig unterschiedlichen Szenarien könnt ihr die Gruselgeschichte immer wieder ein wenig neu erleben. Ein Höhepunkt der Spannung wird erreicht, wenn der Verräter ermittelt wird. Schon bei Spielbeginn ist die Anspannung fühlbar. Wie wird sich die Geschichte entwickeln? Zunächst ist vollkommen unklar, welches Szenario gespielt wird und ebenso der Verräter wird erst im laufenden Spiel ermittelt. Mechanisch feuert Betrayal at the House on the Hill hingegen kein Feuerwerk ab. Die Regeln sind sogar recht einsteigerfreundlich, so dass sich auch weniger brettspielaffine Abenteurer rasch im Spiel zurechtfinden. Betrayal at the House on the Hill ist ein interaktiver Horrorstreifen mit hoher atmosphärischer Dichte, der euch aber sicher deutlich länger unterhalten wird als Scream & Co. Unbedingt ausprobieren!

Pros

Cons

+ 50 spielbare Szenarien

- es werden mindestens drei Spieler benötigt

+ startet kooperativ, bis sich der Verräter enttarnt

+ stimmige Gruselatmosphäre

+ bemalte Miniaturen

+ leicht zu erlernen

+ sehr hoher Wiederspielwert

+ schöne Hommage an trashige Horrorfilme

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