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Von der Black Angel gibt es eine Außen- und eine Innenansicht. Das schwarze Schiff gleitet dank Unterstützung der KI sicher durch den Weltraum.

Das Total War der Brettspielwelt

Black Angel im Test: Das SciFi-Brettspiel für anspruchsvolle Strategen

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Als KI begleitet ihr die Fahrt der Black Angel auf ihrem Weg zur neuen Heimatwelt der Menschheit. Die waghalsige Expedition verlangt euch taktisch einiges ab.

Trotz weit über eintausend Neuheiten, gelingt es einigen Brettspielen, so viel Bass zu erzeugen, dass die Neugier der Spieler schon lange vor Eröffnung der SPIEL in Essen geweckt wird. Zu diesen Hype-Titeln zählt in diesem Jahr sicher auch Black Angel vom belgischen Verlag Pearl Games. Doch was ist dran am großen Rummel? Die Hintergrundgeschichte klingt wie aus dem Story-Generator für SciFi-Spiele. Die Faszination kann also weniger vom Thema herrühren. Da muss Black Angel wohl doch mit brillanten Spielmechaniken und hochwertigem Material auftrumpfen. Mal sehen, ob der SciFi-Klopper den Vorschuss-Lorbeeren gerecht werden kann.

In aller Kürze vorab, dann aber doch ein Wort zur Geschichte. Die Menschheit hat es mal wieder ordentlich versemmelt und die gute alte Erde zu Grunde gerichtet. Ein neuer Planet muss her. Er wurde weit draußen in der fernen Galaxis entdeckt. Für die Menschen ist der Ritt dorthin leider viel zu weit. Daher wird lediglich menschliches Erbgut zum fernen Planeten transportiert, um dort den Reset-Knopf zu drücken. Für den Transport wurde das Raumschiff Black Angel auserkoren. Es wird ausschließlich von Robotern und hochentwickelten KIs gesteuert. Ihr übernehmt die Aufgaben einer dieser KIs. Erweist ihr euch an Bord als die überlegene KI, erhaltet ihr die am Spielende die vollständige Kontrolle über die Black Angel.

Optischer Overkill auf dem Spielfeld

Bevor ihr euch als KI den Funktionen der Black Angel widmet, ist aber zunächst erstmal eure menschliche Intelligenz gefragt. Ihr baut das Spiel vollständig auf und lasst euren Blick über dasüppige Material schweifen. Vor der ersten Partie fühlt man sich von der ganzen Pracht ziemlich erschlagen. Würfel hier, Roboter da… für die Verwaltung werden gleich mal drei Spielplanteile benötigt… zudem hantiert ihr noch mit diversen Ressourcen und Handkarten. Es hilf nichts, wenn ihr in die Welt von Black Angel abtauchen wollt, müsst ihr schon ein wenig Zeit investieren.

Von der Black Angel gibt es eine Außen- und eine Innenansicht. Das schwarze Schiff gleitet dank Unterstützung der KI sicher durch den Weltraum.

Blickt man aber erst einmal hinter die Fassade und hat sich in den Spielverlauf eingegrooved, dann ist alles halb so wild. Es gibt eigentlich gar nicht so viele Funktionen zu beachten. Allerdings sind diese so fein miteinander verzahnt, dass jede Aktion weitreichende Folgen hat. Die pinke Space-Optik macht euch das Leben da auch nicht gerade einfacher. Der Look ist ungewöhnlich und macht schon was her. Das ganze Bling-Bling dient nicht unbedingt der Spielübersicht. Doch auch daran werdet ihr euch bald gewöhnen. Umso schneller werdet ihr dafür mit dem restlichen Spielmaterial warm. Die Spielkomponenten sind absolut hochwertig und rechtfertigen auch den Preis von rund 60€.

Feintuning im Weltall

Die mächtigsten Waffen einer KI in Black Angel sind verschiedenfarbige Würfel. Sie zeigen euch an, welche Handlungsoptionen euch offenstehen. Mit Hilfe der gelben Würfel könnt ihr euch neue Technologien zulegen. Diese wählt ihr aus einer offenen Auslage und legt sie auf eurem Spielertableau ab. Dort liegt ein Raster aus 3x3 Feldern für die Technologien bereit. Zu Beginn eures Zuges könnt ihr eine Handkarte einsetzen, um sie zu aktivieren. Dazu legt ihr eine Handkarte entweder seitlich oder unterhalb des Tableaus an. Aktiviert werden nun alle Technologien in der gleichen Reihe oder Spalte, die farblich passend zur eingesetzten Handkarte sind. Im Verlauf des Spiels landen immer mehr technische Errungenschaften auf dem Tableau. Eure Handlungsmöglichkeiten weiten sich aus, zumindest wenn ihr eure Handkarten geschickt einsetzt.

Die Würfel in drei verschiedenen Farben sind eure wertvollsten Ressourcen im Spiel.

Graue Würfel dienen hingegen der Reparatur der Black Angel. Die lange Reise zum neuen Heimatplaneten ist nicht ganz ungefährlich. Im Weltall treiben die sogenannten Verwüster ihr Unwesen. Dabei handelt es sich um eine besonders aggressive Spezies, die durch eure Aktivitäten im Weltraum angelockt wird. Die Verwüster-Attacken sorgen immer wieder für kleine Beschädigungen an Bord. Erleiden bestimmte Schiffsbereiche einen zu hohen Schaden, wird das Nutzen einer Funktion erschwert und weniger effektiv. Vielleicht lässt sich eine KI erweichen, sich um dieses Problem zu kümmern?

Wettstreit der KIs

Black Angel ist jedoch kein kooperatives Spiel. Keine KI wird sich uneigennützig an die Reparatur des Schiffes begeben. Es muss also einen Anreiz für den Job geben. Gibt es auch. Die Reparatur-Arbeiten an Bord lassen etwas Schrott zurück, den ihr direkt recyceln dürft. Ihr setzt den Schrott ein, um eure technologischen Anlagen damit zu füttern. Jede Technologie-Karte auf dem eigenen Tableau kann mit Schrott gespeist werden, um ihre Aktion auszulösen. Der Weltraum-Schrott ist sogar noch vielseitiger. Legt ihn ins Lager, um später die Würfelergebnisse zu manipulieren. So könnt ihr ein niedriges Ergebnis kräftig aufwerten und einen unattraktiven Würfel zu einer mächtigen Waffe machen. Denn je höher das Würfelergebnis, desto mehr Aktionen könnt ihr aus ihm herausholen.

Die Xhavits sind tüchtige Händler. Auf eurer langen Reise können sie wertvolle Verbündete sein.

Dem Schiff drohen aber noch größere Gefahren, als die kleinen Defekte an Bord. Die Verwüster selbst klinken sich auch gerne in das Geschehen an Bord ein und verursachen dort unschöne Effekte. Wenn ihr einen Würfel einsetzt, um eine Bordfunktion zu nutzen, steht euch gerne mal ein Verwüster im Weg. Nutzen lässt sich die Funktion zwar trotzdem, allerdings müsst ihr durch den Verwüster erstmal einen Nachteil in Kauf nehmen. Hier kann der grüne Würfel helfen. Mit seiner Hilfe könnt ihr Verwüsterkarten wieder aus dem System entfernen. Gut für das KI-Team, aber noch besser für euch selbst. Die Verwüsterkarten nehmt ihr auf die Hand. Sie lassen sich genau wie andere Handkarte einsetzen, um Technologien zu aktivieren. Verwüsterkarten gelten dabei sogar als Joker. Sie lösen alle Technologien in ihrer Reihe oder Spalte aus, unabhängig von ihrer Farbe. Das macht die Verwüsterkarten zu einerAllzweckwaffe.

Ausflug ins All

Weiterhin könnt ihr kleine Beiboote ins Weltall bringen, um dort auf Expeditionskurs zu gehen. Für die Ausflüge ins All kann prinzipiell ein Würfel einer jeden Farbe verwendet werden. Die Farbe des Würfels bestimmt allerdings, mit welchem Alien-Volk ihr Kontakt aufnehmt. Da wären etwa die fortschrittlichen Melurianer, die über eine beeindruckende Technik verfügen oder auch die Xhavits, ein seltsames Volk von Händlern. Bleiben noch die Tsoths, die scheinbar ziellos umhersteuern und an jeder Ecke des Universums auftauchen. Sie sind laut einer Legende auch für die Entstehung der Verwüster verantwortlich. Die Zucht einer überlegenen Kämpferspezies muss wohl irgendwie außer Kontrolle geraten sein.

Als KI profitiert ihr vom Einbau neuer Technologien. Sie erweitern eure Handlungsoptionen deutlich.

Mit euren kleinen Schiffen setzt ihr euch etwas von der Black Angel ab, um im Weltall kleine Missionen zu erfüllen. Missionskarten werden von den KIs gezielt im Weltraum platziert. Dort könnt ihr im Spielverlauf immer wieder Würfel einsetzen. Der Einsatz der Würfelressource macht sich bezahlt, die Aliens danken es euch mit attraktiven Belohnungen ganz unterschiedlicher Art. Solange eines eurer Beiboote an der Karte ankert, könnt ihr mit den Aliens interagieren. Allerdings können auch fremde KIs ein Schiff dorthin aussenden. Immerhin profitiert ihr von den Deals der Fremd-KIs ebenso. Für die Vermittlung der Mission erhaltet ihr einen kleinen Bonus.

Die lange Reise zum neuen Heimatplaneten

Die kleinen Alien-Basen, mit denen ihr in Interaktion treten könnt, sind jedoch nur temporär verfügbar. Die Black Angel befindet sich schließlich auf einer langen Reise durch das All und ist daher ständig in Bewegung. Die Handelsposten der Alien geraten so irgendwann außer Reichweite und können von den Beibooten nicht mehr angesteuert werden. Das bringt uns sogleich zu einer besonders coolen Mechanik des Spiels. Sie führt dazu, dass die Black Angel – beinahe wie in einem Videospiel – durch das Weltallscrollt.

Die Black Angel liegt dem Spiel als detailreiche Miniatur bei.

Als KI müsst ihr regelmäßig euer System resetten. Spätestens wenn euch die verfügbaren Würfel ausgehen, müsst ihr neue eure Speicher leeren. Die Technologien auf eurem Spielertableau werden wieder freigegeben und lassen sich erneut aktivieren. Mit dem Reset füllt ihr aber ebenso eure Würfelspeicher wieder auf. Alle eingesetzten Würfel werden neu geworfen und stehen wieder zur Verfügung. Kluge KIs sorgen zwischenzeitlich vielleicht sogar für ein kleines Update des Systems, mit dem ihr zusätzliche Würfel erhaltet. Dieser Reset ist gleichzeitig das Signal für die Black Angel, ihre Reise zur neuen Heimat fortzusetzen.

Scrollendes Spielfeld

Der Weltraum besteht aus sieben doppelseitigen Spielplanteilen, die ihr aneinanderlegt. Bei jedem Systemneustart wird die Black Angel im Weltall um ein Feld nach vorne bewegt. Anschließend wird der hintere Spielplanteil herumgedreht und ganz an die Spitze des Feldes platziert. Vor der Black Angel taucht so wieder ein neuer Abschnitt des Weltraums auf. So scrollt sich das Raumschiff durch die Weiten des Alls.

Die Handkarten lassen sich auf vielfältige Weise im Spiel einsetzen. Besonders wertvoll können die roten Verwüster-Karten sein.

Dieser Vorgang wird im Spielverlauf einige Mal wiederholt. Irgendwann ist es dann aber soweit: der neue Heimatplanet liegt vor euch. Nach der Landung wird die erfolgreichste KI der Black Angel gekürt, die fortan die Kontrolle übernimmt und die Partie somit gewonnen hat. Das Scheitern der ganzen Mission ist allerdings ebenso möglich. Das Spiel endet auch, wenn der gesamte Stapel mit den Verwüsterkarten abgebaut wurde.

Egal wie euer Spiel zu Ende geht, etwas Zeit solltet ihr für einen Durchlauf schon einplanen. In der Vollbesetzung mit vier Spielern erreicht ihr gut und gerne eine Spielzeit zwischen zwei und drei Stunden. Bei einer Zweier-Partie halbiert sich die Spieldauer. Black Angel kommt über Asmodee in den deutschsprachigen Handel. Es ist ab sofort verfügbar und kostet zwischen 60€ und 65€.

Fazit: So sieht die Missionsbewertung von Black Angel aus

So schneidet Black Angel im Test ab.

Ja, es gibt einige Kritikpunkte, die sich Black Angel gefallen lassen muss. Die Hintergrundgeschichte ist ziemlich lahm und inhaltlich vor allem total ausgelutscht. Überhaupt fällt der erste Eindruck etwas durchwachsen aus. Die Spielfelder wirken reichlich überladen und unübersichtlich: ein Gefühl der Überforderung keimt auf. Auch die erste Partie ist noch ein wenig holprig. Schnell werden einige Kleinigkeiten vergessen, die sich dann aber doch eklatant auf den Spielverlauf auswirken. Erst gegen Ende der ersten Black-Angel-Fahrt kommt ein wenig Routine in die ganze Angelegenheit. Bringt ihr genügend Geduld und Durchhaltevermögen auf, werdet ihr aber reichlich belohnt. Black Angel hat so viel Potenzial. Die Aktionen auf den unterschiedlichen Spielbrettern sind ganz fein miteinander verzahnt, wie man es nur selten sieht. Es muss ganz viel Feintuning und Balancing in die Entwicklung von Black Angel geflossen sein. Dabei greift das Spiel so viele spannende Elemente auf, dass keine Mechanik signifikant heraussticht. Es ist vielmehr die Gesamtkomposition, die Black Angel zu einem besonderen Spiel macht. Umso beeindruckender ist der hohe Interaktionsgrad. Fast jede Aktion hat auch direkte Auswirkungen auf die Mitspieler. Wenn ihr die Anfangshürde erst einmal genommen habt, erwartet euch ein abwechslungsreiches und taktisch anspruchsvolles Strategiespiel, das euch sicherlich einige Zeit beschäftigen wird. Black Angel ist nicht so fluffig leicht zu erlernen wie ein Command & Conquer, es ist vielmehr das Total War der Brettspielwelt. Anspruchsvolle Spieler, die vor ein wenig Einarbeitungszeit nicht zurückschrecken, werden die Spieltiefe von Black Angel schnell zu schätzen wissen.

PROS

CONS

+ taktische Spieltiefe

- hohe Einstiegshürde

+ fein verzahnte Spielmechaniken

- ausgelutschte Hintergrundgeschichte

+ hoher Interaktionsgrad

+ erfordert gute Vorausplanung

+ hochwertige Materialien

+ abwechslungsreicher Spielverlauf

+ mehr Total War als Command & Conquer

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