Für die Black Party wird nicht sonderlich viel Material benötigt. Alle Unterlagen passen bequem in diese kleine Box.
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Für die Black Party wird nicht sonderlich viel Material benötigt. Alle Unterlagen passen bequem in diese kleine Box.

In der Tradition der Black Stories

Black Party - Varieté des Todes im Test: Ein Krimi-Dinner im Berlin der 20er Jahre

  • vonSebastian Hamers
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Im Cabaret International wurde die Tänzerin Loulou Lalouche von ihrer eigenen Schlange erwürgt. Offenbar hat jemand die Schlange mit Koks abgefüllt...

Die Deutschen lieben den Krimi! Selbst in Zeiten sinkender Zuschauerzahlen schalten jeden Sonntag immer noch knapp zehn Millionen Krimifans den ARD-Tatort ein. Das Böse, Mysteriöse, vielleicht sogar das Brutale strahlt eine immense Faszination auf uns aus. Die Krimiwelle schwappt natürlich auch auf andere Bereiche der Unterhaltung über. Etliche Videospiele, Bücher und selbstverständlich auch Brettspiele bedienen sich reichlich an kriminologischen Themen. Bei den Brettspielen hat sich schon seit vielen Jahren die Unterkategorie der Krimi-Dinner etabliert. Hier sind die Spieler ganz nah dran am Geschehen, indem sie selbst in die Rollen der handelnden Personen schlüpfen. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg waren Vertreter dieses Genres wieder an vielen Ständen zu sehen. Der Moses-Verlag kann mit seinen bekannten Black Stories in Sachen Krimis natürlich auf einen besonders großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Diesen möchte der Verlag jetzt nutzen, um eine eigene Reihe mit besonders erlebnisintensiven Krimispielen zu starten.

Die neue Black-Party-Reihe startet gleich mit einem Dreierpack. Neben Ruhe in Frieden, Sherlock stehen ab sofort auch Der Tod des Paten und Varieté des Todes im Handel. Letzteres habe ich mir ganz genau angesehen. Dazu bin ich in die Rolle von Kurt Kanopke geschlüpft und als dieser möchte ich euch einladen auf eine Zeitreise in die 1920er Jahre, wo ich in Berlin das Cabaret International betreibe. Herzlich Willkommen im aufregendsten Club von ganz Berlin! Treten Sie ein…

Black Party im Test: Willkommen im Cabaret International

Viele Gäste zieht es ins Cabaret International, um die großartige Loulou Lalouche und ihre Boa Constrictor Annabelle zu sehen. So auch an diesem Abend. Leider bekamen die Gäste an diesem Abend ein ganz besonderes Spektakel geboten. Während der Show, mitten im verführerischen Tanz Loulous, geriet die Situation außer Kontrolle. Die sonst so zahme Annabelle zog sich immer fester um den Hals von Loulou. Ihr Ringen nach Luft hielt nur kurz an. Fassungslos mussten die Zuschauer mitansehen, wie Loulou auf offener Bühne von ihrer eigenen Schlange erwürgt wurde.

Für die Black Party wird nicht sonderlich viel Material benötigt. Alle Unterlagen passen bequem in diese kleine Box.

Wie konnte das nur passieren? Schnell stellte sich heraus, dass die Küken, die Annabelle noch kurz vor der Show verspeist hatte, bis zum Anschlag mit Kokain gefüllt waren. Getrieben vom ganzen Koks geriet Annabelle völlig aus der Fassung und der Tod Loulous war schon vor der Show besiegelt. Doch wer würde der armen Loulou nur so etwas Schreckliches antun? Was sollte ich nur machen? Die Polizei rufen? Diese unfähigen Tölpel würden den Fall niemals aufklären. Es gab nur eine Möglichkeit, ich musste die Angelegenheit selbst in die Hände nehmen.

Eine Black Party im wahrsten Sinne des Wortes – Versammlung der Verdächtigen

Mit dieser kleinen Vorgeschichte startet ihr in den rund dreistündigen Krimi-Abend. Wer hat ein Motiv für den Mord an der beliebten Tänzerin? Alle Anwesenden sind verdächtig und haben sich zur Klärung des Mordfalls erneut versammelt. Der Berlino Mortale ist bereits vorbereitet. Wer von der Gruppe als Mörder ausgemacht wird, dem wird dieser leckere, aber zu hundert Prozent tödliche Cocktail serviert. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Hauptbestandteil des Pakets sind die 7 Rollenhefte. Bei Spielbeginn erhält jeder Spieler seine eigenen Unterlagen.

Angenehm gering fällt hingegen die Vorbereitungszeit aus, die ihr für die Black Party investieren müsst. Lediglich der Gastgeber, der auch die Rolle von Club-Besitzer Kurt Kanopke übernimmt, muss sich vorab ein paar Minuten mit der kurzen Anleitung beschäftigen. Auf wenigen Seiten gibt es eine Erläuterung zum Ablauf des Spiels. So wird auch sichergestellt, dass der Mörder oder die Mörderin nicht schon zufällig vorab verraten wird.

Verteilung der Rollen in Black Party

Wenn ihr mögt, dann könnt ihr in der Rolle des Gastgebers natürlich noch ein paar Vorbereitungen treffen, um für eine passende Atmosphäre zu sorgen. Die Anleitung gibt euch einige Anregungen wie ihr die Dekoration, die Musik und natürlich auch das Essen und Trinken gestalten könnt, so dass alles perfekt zum Ambiente eines Varietés der 20er Jahre passt. Wollt ihr für den Krimiabend aber keinen allzu großen Aufwand betreiben, könnt ihr auch direkt ins Spiel einsteigen.

Damit ihr immer die Übersicht behaltet, bekommt jeder Spieler noch die passende Tischkarte.

Dazu wird jedem Spieler ein Rollenheft ausgehändigt. Neben Kurt Kanopke liegen dem Spiel noch sechs weitere Rollen bei. Nehmt euch jetzt ein paar Minuten, um euch mit euren Rollen auseinanderzusetzen. Im Rollenheft findet ihr einige Angaben zum Charakter, was ihn bewegt und natürlich auch in welchem Verhältnis er zum Opfer steht. Schnell werdet ihr feststellen, dass jeder Clubbesucher möglicherweise ein Interesse am Ableben der Diva haben könnte.

Black Party im Test: Lynchjustiz im Club

In eurem persönlichen Handbuch findet ihr zudem auch eine Aufstellung der anderen Gäste. Ebenso erfahrt ihr, welche Haltung eure Figur den anderen Verdächtigen gegenüber einnimmt. Diese Informationen lasst ihr dann im Verlauf des Abends in das Charakterspiel einfließen. So entsteht schnell eine hitzige Dynamik, die viel Spannung verspricht. Das Spiel beginnt damit, dass sich jede Person selbst vorstellt. Ab sofort bleiben alle Spieler in ihrer Rolle als Verdächtiger.

Im Spielverlauf sickern einige Informationen der örtlichen Behörden zu euch durch.

Die Black Party lebt insbesondere von eurer Interaktion untereinander. Es gibt keine besonderen Regeln für die Kommunikation. Je lebhafter ihr eure Rolle ausfüllt, desto spannender wird der Krimiabend. Als Verdächtiger versucht ihr natürlich alles daran zu setzen, dass am Ende des Abends kein Verdacht auf euch fällt. Wenn sich die Gruppe auf euch als Mörder von Loulou festgelegt hat, müsst ihr den Berlio Mortale trinken, selbst wenn ihr unschuldig seid. Der tatsächliche Mörder kommt dann ungeschoren davon.

Freie Kommunikation: Die Essenz von Black Party

In euren Unterhaltungen dürft ihr jedoch nicht lügen. Allerdings steht es euch frei, unliebsame Details unter den Teppich zu kehren. Für den Mörder gelten diese Regeln natürlich nicht. Als Täter dürft ihr lügen wie gedruckt. Ihr werdet alles unternehmen, um euren Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Zunächst tauscht ihr euch in euren Rollen aus, stellt Vermutungen an oder sprecht auch vielleicht bereits erste Verdächtigungen aus. Zu gegebener Zeit werden euch dann allerdings ein paar weitere Anhaltspunkte serviert.

Für den Krimiabend benötigt es keine lange Vorbereitungszeit. Die Rahmenhandlung passt bequem auf die Rückseite der Verpackung.

Kurt Kanopke bringt einen versiegelten Umschlag ins Spiel. Es sind wohl einige Informationen aus dem Polizeipräsidium zu euch durchgedrungen. Sie heizen die Gespräche am Tisch noch einmal ordentlich an. Die Unterhaltung nimmt dann eine besonders intensive Dynamik an. Damit ist der Höhepunkt der Diskussion aber noch längst nicht erreicht, denn kurz danach darf jeder Charakter erstmal seine schmutzige Wäsche vor allen ausbreiten.

Schmutzige Wäsche

In jedem Rollenheft gibt es nochmal einen versiegelten Teil, der erst zu fortgeschrittener Stunde geöffnet werden darf. Jeder Spieler erfährt jetzt ein paar besonders pikante Details über die anderen Gäste des Abends. Jetzt dürft ihr richtig schön ablästern und den anderen Spielern verraten, was ihr über die Anwesenden erfahren habt. Das sollte wieder für neuen Zündstoff in der Diskussion sorgen, da sich die Verdächtigungen nun verhärten.

Die Auflösung des Falls erhaltet ihr erst, wenn das Schicksal des mehrheitlich Beschuldigten besiegelt wurde.

Bevor das Varieté des Todes auf die Gerade zum großen Finale einbiegt, melden sich aber einmal mehr die örtlichen Behörden. Es gibt wieder ein paar neue Informationen, die irgendwie von polizeilicher Stelle durchgesickert sind. Wieder einmal wird das Gespräch am Tisch dadurch angekurbelt. Nach einem weiteren hitzigen Austausch am Spieltisch, wird es dann bald Zeit für die abschließende Anklagerunde.

Black Party im Test: Der Mörder ist…

Jeder Verdächtige darf sich jetzt noch ein letztes Mal rechtfertigen und seine Unschuld zu beteuern. Erst nach den Schlussplädoyers wird sich die Gruppe gemeinschaftlich auf einen Täter einigen. Auf drei zeigen alle Spieler auf die Person, die sie für den Mörder von Loulou halten. Der mehrheitlich Beschuldigte muss den schon vorbereiteten tödlichen Cocktail Berlino Mortale zu sich nehmen. Nachdem das Urteil verkündet wurde, dürft ihr auch endlich den versiegelten Umschlag mit der Auflösung des Falls öffnen. Jetzt erfahrt ihr alle Hintergründe über den Mord an der berühmten Tänzerin Loulou Lalouche.

Im Handel findet ihr bereits drei Ausgaben der Black Party. Kostenpunkt: je rund 20€.

Für eine Black Party, egal für welche Variante ihr euch entscheidet, solltet ihr ungefähr drei Stunden Zeit einplanen. Ebenso müsst ihr mindestens sechs Spieler für einen Krimiabend begeistern können. Hinsichtlich der Spielerzahl zeigen sich die Black Partys nicht sonderlich flexibel. Eine siebte Person könnt ihr noch hinzunehmen, weitere Abweichungen von der Zahl der Mitspieler erlaubt euch das Regelwerk allerdings nicht. Ihr findet die drei Ausgaben der Black Party ab sofort zum Preis von rund 20€ im Handel.

Fazit: Black Party – Varieté des Todes erhält die folgende, oscarverdächtige Testwertung

Black Party im Test: Der Krimispaß überzeugt.

Bislang habe ich um die großen Krimidinner-Spiele immer einen weiten Bogen gemacht. Die langwierige Vorbereitung und der ganze Aufwand für die Inszenierung der Szene erschien mir doch immer recht hoch zu sein. Als ich mir auf der Spielwarenmesse das System der Black Partys einmal genauer erklären ließ, war meine Neugier aber dann doch geweckt. Das Lösen von Kriminalfällen steht bei mir ohnehin hoch im Kurs und durch meine langjährige Erfahrung als Pen-and-Paper-Rollenspieler liegt es mir auch, mich in andere Rollen zu begeben. Ein Türöffner in das Genre der Krimi-Rollenspiele war die denkbar geringe Einstiegshürde. Es bedarf eben keiner langen Vorbereitungszeit, einer aufwändigen Verkleidung und eines festlichen 5-Gänge-Menüs. Wir haben Varieté des Todes aus dem Stand heraus gespielt. Es hat nur ein paar Minuten gebraucht, die individuelle Personenbeschreibung zu lesen und sich kurz auf die Rolle einzustimmen. Der Rest läuft dann wie am Schnürchen. Immer wenn die Debatten am Tisch langsam ins Stocken geraten und sich die Argumente wiederholen, hat die Geschichte wieder ein paar dicke Überraschungen in petto. Während der rund drei Stunden Spielzeit ist es jedenfalls nicht langweilig geworden und es entstand auch nicht das Gefühl, dass wir uns ständig im Kreis drehen. Ob auch euer Krimiabend ein packendes Erlebnis wird, hängt natürlich insbesondere von der Beteiligung eurer Mitspieler ab. Wenn sich alle Gäste ein wenig in die Rollen der Verdächtigen einfühlen können und sich kreativ in die Wortgefechte einbringen, dann erwartet euch ein spannendes Krimi-Erlebnis. Das dafür notwendige Grundmaterial liefert euch das Spiel. Ich freue mich jedenfalls schon auf die beiden weiteren Ausgaben der Black-Partys-Reihe.

Pros

Cons

+ benötigt keine lange Vorbereitungszeit

- wenig flexibel in Bezug auf die Zahl der Mitspieler

+ interessante Charaktere

+ frisches Setting

+ günstiger Preis

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