Bloodborne: Das Kartenspiel im Test - Der Heldentod als Spielkonzept

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Es ist keine Neuigkeit, dass die wachsende Brettspiel-Branche auch immer wieder gerne uns, die Core-Videogamer, als Zielgruppe ins Visier nimmt. Umsetzungen bekannter Videospiel-Franchises sind schon lange keine Seltenheit mehr. Vor allem Branchenriese Asmodee hat sich in den letzten Jahren um die Videospieler verdient gemacht. Unter der Asmodee-Flagge erlebten bereits zahlreiche Videospiele eine analoge Umsetzung. Mit Bloodborne: Das Kartenspiel steht jetzt abermals ein solches Projekt neu im Handel.

Der geistige Nachfolger zu From Softwares Dark Souls zeichnete sich insbesondere durch seinen hohen Schwierigkeitsgrad aus. Das Ableben des virtuellen Alter Egos gehörte praktisch zum Spielkonzept dazu. Dennoch fand das PS4-Rollenspiel eine siebenstellige Zahl von Käufern. Offenbar sind Videospieler eben doch ziemlich leidensfähig und frustresistent. Ähnlich knackig soll es natürlich auch im gleichnamigen Kartenspiel zugehen. Der Tod des Spielers ist fester Bestandteil des Spiels. Ebenso gibt es natürlich ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.

Flucht aus Yharnam

Schauplatz des Geschehens ist natürlich die Stadt Yharnam. In einer drei- bis fünfköpfigen Gruppe betretet ihr die Verliese der Stadt, um gegen die Monster anzutreten, die dort auf euch lauern. Das ganze Abenteuer ist perfide. Die Monster der Stadt sind ein wahrer Albtraum und absolut tödlich. Dennoch müsst ihr euch ihnen stellen. Ihr habt es auf ihr Blut abgesehen. Nur mit ihrem Lebenssaft könnt ihr Yharnam entkommen. Leider wird nur ein Abenteurer dieses Ziel erreichen, der Spieler mit den meisten gesammelten Blutpunkten.

So tretet ihr nicht nur gegen die Monster des Verlieses an, sondern auch ein stückweit gegen eure Kameraden im Kampf. Schließlich habt ihr logischerweise kein Interesse daran, dass sie mehr Blutpunkte sammeln als ihr selbst. Seid also besser darauf vorbereitet, von euren Kameraden boykottiert zu werden. Als wäre das nicht genug, wartet am Ende natürlich auch noch der dicke Endboss auf euch. Erst wenn er bezwungen ist, wird ein Kämpfer der Hölle von Yharnam entkommen.

Spiel mit Fanservice

Bloodborne: Das Kartenspiel hat sich sehr viel Mühe gegeben, die düstere Stimmung und auch das Spielgefühl des Videospiel-Originals wiederzugeben. Wie nicht anders zu erwarten, steht euer Leben eigentlich ständig auf der Kippe. Die Gefahr lauert in jeder Spielrunde in Form eines Monsters auf euch. Vor dem Spiel erstellt ihr einen Verliesstapel, der aus gerade einmal zehn Karten besteht. Er setzt sich zusammen aus sieben normalen Monstern sowie drei Boss-Monstern.

In der Auswahl tauchen viele alte Bekannte auf. Gerade unter den Bossen findet ihr ein paar der fiesesten Gegner wieder. Einige von euch erinnern sich bestimmt noch an Ebrietas, die Tochter des Kosmos oder an Pater Gascoigne. Gegen diese Monster dürft ihr jetzt im Kartenspiel noch einmal antreten. Wie in einem Rollenspiel so üblich, ist eure Ausrüstung zunächst recht spärlich. Mit gerade einmal fünf Startkarten müsst ihr euch durch die ersten Runden hangeln. Sie bestehen überwiegend aus Waffen und sollen euch im Kampf gegen die Monster unterstützen.

Auch interessant: Alle wichtigen Fragen zu Bloodborne beantwortet.

Die Jagd nach dem Blut

Der Spielablauf folgt einer klaren Struktur. Die Runde beginnt mit dem Ausspielen einer Handkarte. Jeder Spieler legt dabei zunächst verdeckt eine beliebige Handkarte vor sich ab. Haben alle Spieler ihre Wahl getroffen, werden die Karten nun aufgedeckt. Die Wahl der Handkarte entscheidet im weiteren Rundenverlauf über euren Spielfortschritt.

Nahkampfwaffen verursachen potentiell den meisten Schaden. Entsprechend bringen sie euch auch besonders viele Blutpunkte ein. Fernkampfwaffen sind nicht ganz so effektiv. Dafür haben sie aber oft Einfluss auf die Angriffe der anderen Spieler oder schützen euch vor dem Schaden der Monsterattacken. Bleiben noch die Hilfskarten als dritte Kartenkategorie. In diese Gruppe fallen besondere Gegenstände oder Spezialaktionen.

Das große Pokern

Die große Frage in jeder neuen Runde laut: welche Aktionen spielen wohl meine Mitspieler? Ihre Handkarten beeinflussen eure Aktion oft erheblich. Fast ein wenig wie beim Skat kann es sicher nicht schaden, die ausgespielten Karten der Gegner etwas im Blick zu behalten. Wenn ihr genau wisst, welche Karten eure Mitspieler noch auf der Hand haben, fällt es euch leichter, zu Rundenbeginn eine gute Entscheidung zu fällen.

Daher ist eine Karte ziemlich mächtig, die sich bereits unter den Starkarten befindet. Dabei handelt es sich um die Transformation. Mit ihr könnt ihr die Wahl der gespielten Karten nachträglich verändern. So könnt ihr erstmal in Ruhe gucken, was eure Mitspieler in dieser Runde so geplant haben. Erst jetzt entscheidet ihr euch selbst für eine Aktion. Das Erahnen des Verhaltens der Mitspieler spielt in Bloodborne auf jeden Fall eine große Rolle.

Die Monster schlagen zurück

Anschließend werden erst einmal die Soforteffekte durchgeführt. Das sind zu einem großen Teil die Angriffe aus der Distanz. Bevor weiterer Schaden verteilt wird, dürfen zunächst die Fernkämpfer ihr Pulver verschießen. Dies kann ein entscheidender Vorteil sein. Wenn ein attackierendes Monster schon ziemlich angeschlagen ist, könnt ihr das Vieh mit einem Schuss aus der Jägerpistole erlegen und euch so den letzten Blutpunkt sichern. Die Mitspieler mit ihren Nahkampfangriffen gucken jetzt in die Röhre, wenn das Monster schon vernichtet wurde.

Überlebende Monster, dies wird wohl leider meist der Fall sein, gehen jetzt zum Angriff über. Sie verteilen ihren Schaden an sämtliche Spieler. Dabei ist es egal, ob ihr euch im Fern- oder im Nahkampf befindet. Jeder Spieler erleidet die gleiche Zahl an Schadenspunkten. Mit einigen Karten könnt ihr den Schaden allerdings etwas abschwächen oder gar verhindern. Greift ihr beispielsweise mit der Repetierpistole an, werdet ihr in dieser Runde verschont und kommt mit heiler Haut davon.

Ausgelöscht mit einem Schlag

Die Monster von Yharnam sind unterschiedlich mächtig. Sie teilen ihren Schaden durch verschiedenfarbige Würfel aus. Je nach Gefährlichkeit nutzen sie einen grünen, eine gelben oder einen roten Würfel. Nach einer Monsterattacke werft ihr den auf der Karte angegebenen Würfel und der Schaden wird an allen Spieler verursacht.

Auf einigen Würfelseiten befindet sich zusätzlich ein Pluszeichen. Dieses weist euch an, den Würfel nochmals zu werfen und die Ergebnisse zu addieren. Läuft es mal ganz schlecht, müsst ihr den Würfel gleich mehrfach nacheinander werfen. So kann es auch mal schnell passieren, dass die gesamte Heldengruppe mit einem Schlag vernichtet wird. Yharnam ist kein Ort für Weicheier und steht somit ganz in der Tradition von Dark Souls und Co.

Langsame Nahkämpfer

Erst jetzt dürfen auch endlich die Nahkämpfer aktiv werden. Wenn ihr etwa mit dem Kirchenhammer angreift, dürft ihr nun ausholen und dem Biest eine stattliche Anzahl Schadenspunkte zufügen. Die Nahkampfangriffe sind besonders effektiv, aber eben auch langsam. Manchmal ist ein schneller Angriff besser, wenn ihr dadurch verhindern wollt, dass die Bestie sich überhaupt noch einmal zu Wehr setzt. Anderseits könnt ihr den Angriff des Monsters natürlich auch ganz bewusst in Kauf nehmen, wenn ihr dadurch das Leben eines Mitstreiters auslöschen wollt.

Vor Rundenbeginn könnt ihr euch natürlich durchaus absprechen und einen effizienten Weg finden, um einen Gegner zu besiegen. Ob ihr euch dann in diesen abgesprochenen Plan haltet, ist natürlich wiederum eine ganz andere Frage. Im Bloodborne-Kartenspiel solltet ihr euren Mitspielern jedenfalls nicht zu sehr vertrauen. Es wird der Punkt kommen, an denen euch jemand den Dolch von hinten in den Rücken stößt. Die Karten im Spiel bieten reichlich Potential dazu.

Heldentod als Spielkonzept

Der Tod eurer Spielfigur bedeutet nicht das Ende des Spiels. Ihr verliert lediglich alle eure bislang gesammelten Blutpunkte. Keine gute Sache, die Konkurrenz ist euch somit im Rennen um den größten Blutvorrat enteilt. Immerhin bekommt ihr für euren Tod jetzt eine kleine Entschädigung. Aus einer Reihe offener Ausrüstungskarten dürft ihr euch nun eine wählen und auf die Hand nehmen. Das neue Equipment ist in der Regel deutlich besser als eure Standardausrüstung. So geht ihr gestärkt in die nächste Runde.

Dennoch solltet ihr es nicht auf euer Ableben ankommen lassen. Es gibt effektivere Mittel, um an neue Karten zu kommen. Bereits bei Spielbeginn verfügt ihr über die Karte „Traum des Jägers“. Wird sie bei Rundenbeginn gespielt, sammelt ihr zwar diesmal keine Blutpunkte, könnt eure Kräfte aber ein wenig regenerieren und sogar euren Spielstand „abspeichern“.

Save early, save often

In der laufenden Runde zieht ihr euch zurück. Schadenspunkte durch den Angriff des Monsters erhaltet ihr aber dennoch, allerdings werden diese halbiert. Der Aufwand kann sich schnell lohnen. Alle bislang gesammelten Blutpunkte werden jetzt in den Hort gelegt. Gehortete Blutpunkte könnt ihr nicht mehr verlieren, selbst wenn eure Figur den Heldentod stirbt. Außerdem nehmt ihr alle bereits gespielten Karten wieder auf die Hand. Dies ist auch die einzige Möglichkeit im Spiel, eure Hand wieder komplett aufzufüllen. Ebenso dürft ihr euch jetzt auch eine neue Karte aus der offenen Auslage nehmen.

Der Traum des Jägers ist eine etwas zweischneidige Karte. Ihr müsst in der Runde auf die Blutbeute verzichten. Hin und wieder solltet ihr die Karte aber wohl dennoch spielen. Die neuen Karten werden euch im weiteren Verlauf eine große Hilfe sein. Ebenso werdet ihr das komplette Abenteuer wohl nicht unbeschadet überstehen. Irgendwann habt ihr euch an einem Monster mal die Zähne ausgebissen und euer Leben ist verwirkt. Für diesen Fall solltet ihr besser gut vorbereitet sein.

Trophäenjäger

Am Ende des Spiels ist die Menge der Blutpunkte für den Sieg entscheidend. Es werden allerdings auch noch einige Bonuspunkte vergeben. Getötete Monster hinterlassen Trophäen. Jeder Spieler, der dem Monster in dieser Runde Schaden zugefügt hat, darf sich eine passende Trophäe nehmen. In Bloodborne könnt ihr drei unterschiedliche Trophäen sammeln. Bei Spielende erhaltet ihr dafür zusätzliche Blutpunkte.

Bevor es zur Auswertung kommt, muss allerdings erst noch der Endboss bezwungen werden. Dieser verfügt nicht nur über besonders viele Lebenspunkte, sondern hat auch noch eine Sonderfähigkeit. Die Sonderfähigkeit des Endgegners verändert eine Bedingung für das gesamte Spiel. Gehrman, der Jäger sorgt beispielsweise dafür, dass alle Monster zwei weitere Lebenspunkte erhalten. Vikarin Amelia hingegen reduziert die Lebensenergie aller Spieler um zwei Punkte.

Bis ihr den Endboss besiegt habt, vergehen zwischen 30 und 60 Minuten, je nach Spielerzahl. Für eine Partie benötigt ihr wenigstens drei Spieler. Nach oben hin ist das Spiel auf fünf Spieler limitiert. Bloodborne: Das Kartenspiel steht bereits im Handel und kostet zwischen 35€ und 40€.

Ihr spielt Bloodborne auch digital? Dann checkt unsere umfangreichen Guides zum Spiel.

Pros

  • mit offizieller Lizenz
  • enthält viele bekannte Figuren aus dem PS4-Videospiel
  • atmosphärisch stark
  • leicht erlernbar
  • wertiges Spielmaterial
  • Heldentod als Teil des Spielkonzepts

Cons

  • erst ab drei Spielern spielbar
  • etwas mehr Kartenvielfalt hätte dem Spiel gut getan

Fazit

An die epischen Ausmaße von Bloodborne auf der PS4 kommt der Kartenspielableger nicht ganz heran. Doch dies war auch gar nicht das Ziel. Bloodborne: Das Kartenspiel ist im Gegenteil recht leicht zu erlernen und spielt sich vergleichsweise flott. Selbst in Hinblick auf die Kartenauswahl kommt es eher reduziert daher. Das hält das Spiel angenehm schlank und übersichtlich. Das Spielgefühl des Videospiels kann das Kartenspiel aber dennoch sehr gut auffangen. Dazu tragen nicht nur die vielen düsteren Figuren der PS4-Vorlage bei, sondern auch die Widerspenstigkeit der Kreaturen aus dem Verlies. Jedes Monster an sich ist schon eine echte Bedrohung und kann leicht das Ende des Blutjägers bedeuten. Richtig packend sind natürlich die Bossgegner, die meist gleich mehrere Runden eurer Angriffe überstehen. Als belebendes Element kommt noch die konkurrierende Haltung zu euren Mitspielern hinzu. Diesen gönnt ihr nicht den Dreck unter ihren Fingernägeln. Schließlich gelingt nur einem von euch die Flucht aus Yharnam. Das führt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu heftigen Konflikten unter den Blutjägern. So entsteht schnell das beklemmende Gefühl, zwar auf die Hilfe der Mitspieler angewiesen zu sein, diesen aber nicht wirklich vertrauen zu können. Die Beklemmung passt auch gut zum düsteren Setting und trägt so maßgeblich zur dichten Atmosphäre des Spiels bei.

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