Das Ende des Spiels wird eingeleitet, sobald eine bestimmte Anzahl von Novizen in den Hohen Rat berufen wurden.
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Das Ende des Spiels wird eingeleitet, sobald eine bestimmte Anzahl von Novizen in den Hohen Rat berufen wurden.

Der neue Taktik-Knaller von Stefan Feld

Bonfire im Test: Das Strategiespiel für Experten

  • vonSebastian Hamers
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Bonfire wirkt auf den ersten Blick ziemlich erschlagend. Wer sich dennoch darauf einlässt, wird die vielen taktischen Möglichkeiten bald zu schätzen wissen.

Den Klassikern UNO und Monopoly seid ihr längst entwachsen und Die Siedler von Catan sind euch viel zu seicht? Selbst bei Kennerspielen wie Die Legenden von Andor und Istanbul fühlt ihr euch dezent unterfordert? Dann findet ihr im brandneuen Bonfire von Star-Autor Stefan Feld vielleicht euren Meister. Bereits ein erster flüchtiger Blick auf das aufgebaute Spielfeld lässt erahnen, welche umfangreichen Möglichkeiten dieses Spiel für euch bereithält. Die erste Partie sorgte in unserer Spielerunde überall für rauchende Köpfe, aber auch für zufriedene Gesichter. Denn auch wenn wir die taktischen Möglichkeiten noch nicht in Gänze erfassen konnten, erahnten wir bereits jetzt das Potential, das Stefan Felds neuem Strategie-Schwergewicht innewohnt.

Dabei ist die Rahmenhandlung von Bonfire ziemlich banal und austauschbar. In einer Fantasywelt wurden den Anwohnern in den Städten und Dörfern das Licht ausgeknipst. Die Leuchtfeuer, normalerweise aus den Türmen der Stadt für ausreichend Licht sorgten, waren verschwunden. Euer Volk von Gnomen lebt zwar in den entfernten Wäldern, ist aber ebenfalls vom Blackout betroffen. Also macht ihr euch auf den langen Weg in die Stadt und geht der Sache auf den Grund. Ihr wollt mit den Hüterinnen des Lichts sprechen, die für die Beleuchtung der Umgebung verantwortlich sind. In der Stadt angekommen, müsst ihr allerdings feststellen, dass sich nur noch eine Hüterin vor Ort befindet. Sie schickt euch umgehend auf eine Rettungsmission. Holt die verschwundenen Hüterinnen von den entfernt liegenden Inseln zurück und erfüllt die Aufgaben, die euch erteilt werden. So könnt ihr das Vertrauen der Hüterinnen zurückgewinnen und die Leuchtfeuer wieder erstrahlen lassen.

Kleines Puzzle-Element in Bonfire

Die kleine Geschichte zum Einstieg ist ein wenig dünn ausgefallen. Glücklicherweise ist das aber auch der einzige Punkt an Bonfire, der diesem Attribut gerecht wird. Von der Story einmal abgesehen, kommt es ab jetzt ziemlich dicke. Das fängt schon beim Aufbau des Spiels an. Auf dem Spielfeld seht ihr die bereits erwähnten Inseln. Mit eurem Schiff steuert ihr einige dieser Insel an, um dort die Hüterinnen abzuholen und nebenbei ihre Aufträge zu erfüllen. Der untere Teil des Spielbretts ist für die Darstellung der Stadt reserviert. Hier befindet sich der Hohe Rat, in den ihr eure Gnom-Novizen entsendet sowie ein letztes Bonfire, das euch die Hüterinnen noch gelassen haben. Doch damit nicht genug. Jeder Spieler verfügt über einen eigenen Stadtteil, den ihr natürlich ebenfalls noch bearbeiten müsst. Puh, da haben wir wohl alle Hände voll zu tun… gehen wir es an.

In Bonfire bereist ihr zahlreiche Inseln mit euren Schiffen. Dort erfüllt ihr Aufgaben und holt Hüterinnen des Lichts in eure Stadt.

Die Spielzüge in Bonfire spielen sich trotz aller Komplexität recht knackig. Ihr habt pro Zug lediglich eine Aktion zur Verfügung, was für einen ganz guten Spielfluss sorgt. Um Aktionen durchzuführen, benötigt ihr zunächst einmal passende Aktionsplättchen. Um frische Aktionsplättchen zu erhalten, legt ihr Schicksalsplättchen in eure persönliche Auslage auf eurem Spielertableau. Jedes Schicksalsplättchen zeigt drei verschiedene Aktionsplättchen, die ihr nach dem Auslegen aus dem Vorrat erhaltet. Für eine bessere Ausbeute an Aktionsplättchen sind eure Puzzler-Qualitäten gefragt. Legt ihr gleiche Symbole direkt aneinander, erhaltet ihr Bonus-Plättchen als Belohnung. Für ein besseres Ergebnis dürft ihr die Plättchen rotieren und drehen. Somit hat Bonfire einen kleinen Tetris-Modus gleich mit eingebaut.

Bonfire: Ein Spiel mit zahlreichen Aktionsmöglichkeiten

Seid ihr mit genügend Aktionsplättchen ausgestattet, dürft ihr mit diesen jetzt endlich auf dem Spielbrett aktiv werden. Mit der Aktion „Schiff fahren“ dürft ihr euer Boot zu einer anderen Insel bewegen. Je mehr Aktionsplättchen ihr abgebt, desto weiter darf euch die Reise führen. Doch seid mit den Plättchen ruhig ein wenig knausrig, ihr werdet jedes Plättchen noch gut gebrauchen können. Auf vielen Inseln findet ihr verschiedene Aufgaben vor, die ihr im Spielverlauf erfüllen sollt. Bevor ihr einen Auftrag akzeptiert, müsst ihr jedoch erst einige Opfergaben bringen.

Ein großes Bonfire haben euch die Hüterinnen in der Stadt zurückgelassen. Richtet das Leuchtfeuer neu aus, um wertvolle Belohnungen zu erhalten.

Jede Insel fordert ihr eigenes Opfer in Form einer bestimmten Ressource. Bonfire kennt fünf verschiedene Ressourcen: Blüten, Früchte, Kräuter, Muscheln und Wurzeln. Mit Gold kommt zudem noch eine Joker-Ressource hinzu. Um einen Auftrag zu nehmen, legt ihr die geforderte Ressource der Insel ab. Jetzt legt ihr das Auftragsplättchen an einen der sieben dafür vorgesehenen Plätze in eurem Stadtteil. Auf das freigewordene Feld der Insel legt ihr stattdessen nun eine eurer Opferschalen, auf der ebenfalls eine Ressource abgebildet ist. Die gezeigte Ressource muss zusätzlich geopfert werden. Für jeden angenommenen Auftrag werden somit insgesamt zwei Ressourcen fällig.

Hüterinnen akquirieren in Bonfire

Während ihr auf den meisten Inseln Aufträge annehmen könnt, warten auf den vier Inseln in den Ecken die Hüterinnen des Lichts auf euch. Sie wollen von euch abgeholt und zurück in die Stadt gebracht werden. Liegt euer Schiff an einer solchen Insel an, investiert ihr ein Aktionsplättchen „Hüterin abholen“ und stellt eine der Hüterinnen direkt in eure Stadt. Die Hüterinnen tauchen in vier verschiedenen Farben auf. Pro Farbe dürft ihr allerdings leider nur eine Hüterin akquirieren. Wollt ihr also euren Stadtteil mit der maximalen Zahl an Hüterinnen ausrüsten, bleiben euch weite lange Schiffsfahrten nicht erspart.

Die Auslage zeigt euch vier Wegplättchen, die ihr in eurem eigenen Stadtteil auslegen müsst.

Die neue Hüterin stellt ihr auf ein Startfeld, das sich seitlich an eurem Stadtteil befindet. Im Spielverlauf werden die Hüterinnen noch einen weiten Weg zu Fuß hinter sich legen. Mit dem gleichen Aktionsplättchen dürft ihr sämtliche Hüterinnen in der Stadt in Bewegung setzen und um ein Feld weiter nach vorne rücken. Dabei bewegen sich die Hüterinnen über Wegplättchen, die euch Bonusressourcen bescheren, wenn eine Hüterin darauf zum Stehen kommt. Eine gute Einnahmequelle, die Ressourcen werdet ihr später gut gebrauchen können, um weitere Aufgaben einzuholen. Die Wege, auf denen die Hüterinnen wandeln, liegen bei Spielbeginn allerdings noch gar nicht aus. Die Wegplättchen müsst ihr zunächst auf Kosten von Aktionsplättchen „Weg bauen“ erstehen.

Das große Bonfire aktivieren

Bei so vielen verschiedenen Aufgaben könnt ihr vielleicht ein wenig Hilfe aus eurem eigenen Volk der Gnome gebrauchen. Mit den Aktionsplättchen „Gnom anwerben“ bekommt ihr Zugriff auf Spezialisten, die euch dauerhafte Vorteile im Spiel gewähren. Für zusätzliche Siegpunkte hingegen sorgen die Gnom-Ältesten. Der einmalige Punkteregen richtet sich nach dem bisherigen Spielfortschritt. Je nach gewähltem Gnom gibt es Siegpunkte für bereits abgeholte Hüterinnen, ausgelegte Wegplättchen und vieles mehr. Gutes Timing kann nicht schaden. Achtet aber darauf, dass euch kein anderer Spieler die ersehnte Karte vor der Nase wegschnappt.

Eine kleine Übersicht hilft euch bei der Planung eurer Aktionen. An die Icons muss man sich aber erstmal gewöhnen.

Bleibt noch das große Bonfire, das euch die Hüterinnen in den Stadtmauern hinterlassen haben. Mit der Aktion „Großes Bonfire nutzen“ dürft ihr die Ausrichtung des Leuchtfeuers verändern. Jetzt zeigt das Feuer auf einen anderen Bereich innerhalb des Auswahlrades. Für euch springen dabei, je nach aktiviertem Bereich, verschiedene Belohnungen heraus. Dazu gehören neben Ressourcen und Aktionsplättchen vor allem die verschiedenen Portale, die in Bonfire ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.

Die Macht der Portale in Bonfire

Portale? Wozu denn jetzt auch noch Portale? Ihr werdet die Durchgangstore in eurem Stadtteil benötigen, um die Hüterinnen an ihren vorbestimmten Ort zu bringen. Im Spielverlauf werdet ihr Aufgaben erfüllen, die ihr in eurer Stadt schon ausgelegt habt. Habt ihr die Voraussetzungen erfüllt, dreht ihr das Aufgabeplättchen auf die andere Seite und ein neues Leuchtfeuer erhellt die Stadt und seine Umgebung. Die Siegpunkte für das Anstecken des Leuchtfeuers sind euch sicher. Ihr könnt die Punkteausbeute allerdings verdoppeln, wenn es euch jetzt noch gelingt, eine Hüterin zum Leuchtfeuer wandern zu lassen.

Im Spielverlauf nehmt ihr euch Aufgaben von den Inseln und ersetzt diese durch Opferschalen.

Die Hüterinnen könnt ihr noch recht problemlos durch das Hüterinnen-Aktionsplättchen nach vorne bewegen. Ihr lasst sie auf den zuvor eingerichteten Wegen zu den Türmen mit den Leuchtfeuern wandern. Der finale Schritt führt sie allerdings durch ein Portal, das ihr den Zugang zum Turm ermöglicht. Genau diese Portale müsst ihr euch erst durch das Drehen des großen Bonfires sichern. Das Ganze wird zusätzlich erschwert, da jeder Turm ein eigenes Portal fordert und ihr diese zudem auch nur in einer vorgegebenen Reihenfolge anlegen könnt. Eine ziemlich knifflige Angelegenheit also.

Leuchtfeuer entzünden in Bonfire

Der hohe Aufwand rentiert sich aber schnell, da ihr über diese Möglichkeit sehr viele Punkte sammeln könnt. Mit jedem erfüllten Auftrag dürft ihr außerdem einen der eigenen Novizen in den Hohen Rat entsenden. Für diese Entsendung erhaltet ihr auch gleich einen attraktiven Bonus. So machen sich erfüllte Aufgaben gleich doppelt bezahlt. Die Belohnungen durch den Hohen Rat sind sehr vielfältig, insgesamt stehen euch hier acht verschiedene Optionen zur Wahl.

Ein kleines Puzzle-Element ist in Bonfire ebenfalls mit von der Partie. Geschickte Puzzler freuen sich über zusätzliche Aktionsplättchen.

Es wird allerdings vermutlich eine ganze Zeit vergehen, bevor ihr in den Genuss von diesen mächtigen Belohnungen kommt. Zunächst müsst ihr euch die Aufträge durch das aktive Ansteuern einer Insel sichern, danach werden Ressourcen entrichtet und dann müsst ihr auch noch zusehen, dass ihr die Bedingungen erfüllt. Die Aufgaben weisen dabei verschiedene Schwierigkeitsgrade auf. Je schwerer der Auftrag, desto mehr Punkte winken euch bei Erfüllung.

Buntes Potpourri der Aufgaben bei Bonfire

Dem Spiel liegen satte 66 verschiedene Auftragsplättchen bei, von denen es aber längst nicht alle ins Spiel schaffen. Dieses Überangebot sorgt dafür, dass sich alle Partien stark von einander unterscheiden. Die Aufgaben sind ziemlich vielfältig. Mal geht es darum, bestimmte Hüterinnen von den Inseln abzuholen, mal werden bestimmte Ressourcen im eigenen Vorrat gefordert, mal sollt ihr eine bestimmte Anzahl von Aufgaben erfüllen oder auch die Schicksalsplättchen nach einem vorgegebenen Muster verpuzzlen. Wie ihr seht, es führen verdammt viele Wege zum Ziel. So ist es kaum möglich, eine todsichere Gewinnstrategie zu entwickeln.

Das Ende des Spiels wird eingeleitet, sobald eine bestimmte Anzahl von Novizen in den Hohen Rat berufen wurden.

Das Spiel endet, wenn eine bestimmte Anzahl von Novizen in den Hohen Rat der Stadt berufen wurden. Bis dahin vergehen gute anderthalb Stunden, für die erste Partie solltet ihr allerdings deutlich mehr Zeit einplanen. Bonfire ist ein sehr komplexes Strategiespiel für zwei bis vier Spieler ab zwölf Jahren. Das Spiel kommt über Pegasusspiele in den Handel und kostet rund 50€.

Fazit: Bonfire zündet ein Strategie-Feuerwerk und verdient sich folgende Testwertung

Bonfire im Test: Strategie-Feuerwerk oder Blindgänger?

Zu Beginn meiner ersten Bonfire-Partie fühlte ich mich von seinen Möglichkeiten förmlich erschlagen. Ich ging also erstmal ohne richtigen Plan an das Abenteuer heran und spielte aus dem Bauch heraus drauflos. Zu meiner Überraschung hat sich diese Herangehensweise als gar nicht so verkehrt erwiesen. In Bonfire stehen euch eigentlich immer gute Optionen zur Verfügung, mit denen ihr euren Fortschritt im Spiel vorantreiben könnt. Das Problem ist meist eher, dass ihr in der Regel aus einer Vielzahl von Möglichkeiten schöpfen könnt. In Bonfire scheint es schier endlose Strategien zu geben, um euren Punktestand in die Höhe schnellen zu lassen. Nur Mut, das Spiel sorgt dafür, dass ihr nicht irgendwann in einer Sackgasse landet. Dennoch spielt sich Bonfire nicht beliebig. Spätestens nach ein paar Partien bekommt ihr ein feines Gespür dafür, wie ihr die Aktionen am besten aneinanderreiht. Das Gefühl der Überforderung, das sich nach bei den ersten Spielen einstellt, tritt zunehmend in den Hintergrund. Jetzt könnt ihr die strategische Tiefe, die Bonfire zweifelsfrei bietet, in vollen Zügen genießen. Lasst euch von dem überfrachteten Spielplan also nicht abschrecken, sonst verpasst ihr einen der anspruchsvollsten Taktik-Knaller des Jahres 2020.

ProsCons
+ hochwertiges Spielmaterial- braucht etwas Einarbeitung
+ bietet sehr viele taktische Möglichkeiten
+ flüssiger Spielablauf trotz hoher Komplexität
+ ermöglicht viele Gewinnstrategien
+ gut verzahnte Mechaniken

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