Cantaloop Metermaß Abenteuerbuch Verbrecher Verhoer Polizei
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Cantaloop von Friedemann Findeise ist eine liebevolle Hommage an Point-and-Click-Adventures.

Cantaloop wandelt auf den Spuren von Monkey Island & Co.

Cantaloop im Test: Ein Point-and-Click-Adventure als Brettspiel

  • vonSebastian Hamers
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Lässt sich ein klassisches Point-and-Click-Adventure wirklich gut als Brettspiel umsetzen? Autor Friedemann Findeisen und Lookout Games treten den Beweis an.

  • reines Solospieler-Erlebnis
  • ab 16 Jahren geeignet
  • Spieldauer: 5-7 Stunden
  • Preis: ca. 25€

Also ich hätte ich ja mal wieder so richtig Bock auf ein ordentliches Point-and-Click-Adventure. War es nicht herrlich damals, mit Guybrush Threepwood die Karibik unsicher zu machen? Welcher Gamer der 90er Jahre erinnert sich nicht gerne zurück an die Abenteuer mit Bernard Bernoulli und dem durchgeknallten Wissenschaftler Dr. Fred Edison? Entwickler wie Sierra oder Lucasfilm Games blickten von ganz oben auf die Spieleindustrie herab und prägten eine ganze Generation von Videospielern, inklusive des Schreibers dieser Zeilen. Die Zeiten haben sich verändert. Das Adventure-Genre ist in eine kleine Nische abgewandert und kann zumindest kommerziell schon längst nicht mehr mit den Call-of-Dutys und Minecrafts dieser Welt mithalten. So ganz verzichten muss der ambitionierte Adventure-Fan allerdings dann doch nicht auf qualitativ hochwertigen Nachschub. Es gibt sie immer noch, die Entwickler, die sich voll und ganz den Adventures verschrieben haben. Und wenn uns jetzt auch noch die Brettspiel-Welt mit neuem Stoff versorgt, dann sieht die Welt für Point-and-Click-Jünger doch sogar ganz rosig aus.

Analoges Adventure-Feeling mit Cantaloop

Point-and-Click auf dem Papier? Haben die jetzt endgültig Lack gesoffen? Die Idee, ein klassisches Computerspiel-Adventure in analoger Form als Brettspiel umzusetzen erscheint auf den ersten Blick in der Tat etwas wagemutig. Bei genauerem Nachdenken liegt der Gedanke allerdings dann doch gar nicht mehr so fern. Interaktive Abenteuerbücher waren schon in den 80er Jahren mal ziemlich populär, wenngleich sich die Aktionsmöglichkeiten meist stark in Grenzen hielten. Dennoch, sie sind so etwas wie die Urväter von Cantaloop. Das Spiel von Lookout Games nimmt das alte Konzept der Abenteuerbücher wieder auf und ergänzt es um ein paar clevere Mechaniken, die euch noch tiefer in die Geschichte des Spiels eintauchen lassen.

Cantaloop enthält neben dem Ringbuch noch ein paar zusätzliche Spielmaterialien.

Cantaloop erinnert auch optisch an die alten Abenteuerbücher. Vor euch liegt eine Ringmappe, die euch im Verlauf des Abenteuers durch zwanzig verschiedene Schauplätze führen wird. Zum Spiel gehört weiterhin noch ein wenig Zusatzmaterial. Die insgesamt 60 Spielkarten stehen für Gegenstände, die ihr im Verlauf des Abenteuers entdeckt und natürlich auch benutzen dürft. Ein weiteres wichtiges Instrument des Spiels ist der sogenannte Anzeiger. Bei diesem handelt es sich im Grunde lediglich um ein Koordinatensystem, auf dem ihr verschiedene Felder ankreuzen könnt. Habt ihr bestimmte Felder durch den Spielfortschritt aktiviert, schaltet ihr unter Umständen neue Möglichkeiten frei.

In Cantaloop erschließt sich eine Spielwelt

Sofern ihr die Voraussetzungen erfüllt, stehen euch plötzlich neue Schauplätze offen oder einzelne Personen reagieren im Gespräch nun völlig anders. Es kann sich also durchaus lohnen, bestimmte Aktionen im Spiel wiederholt durchzuführen, wenn ihr im Spiel wieder etwas weiter fortgeschritten seid. Ihr kennt das Prozedere sicherlich aus zahlreichen PC-Adventures. Manchmal öffnen sich einige Tore eben erst, wenn bestimmte Ereignisse im Spiel ausgelöst wurden.

Die Comic-Optik von Cantaloop passt wunderbar zu einem Point-and-Click-Adventure.

Was liegt dem Spiel noch bei? Ein weiteres wichtiges Utensil wirkt zunächst eher unscheinbar. Dennoch ist die Rotfolie ein unerlässliches Werkzeug in Cantaloop, das praktisch ständig zum Einsatz kommt. Jeder Schauplatz im Spiel besteht grundsätzlich aus einer Doppelseite im Ringbuch. Auf der rechten Seite seht ihr den Ort selbst in bunter Comic-Optik. Die linke Seite ist hingegen für die versteckten Hinweise reserviert. Hier findet ihr eine ganze Reihe von Einträgen, die erst durch Verwendung der Rotfolie sichtbar werden. Jetzt bleibt nur noch zu klären, wie ihr mit den unterschiedlichen Textbeiträgen umgehen sollt.

Cantaloop ohne lästiges Suchen nach Hotspots

Ein Blick auf den ersten Schauplatz lässt bereits erahnen, wie ihr mit den einzelnen Objekten im Bild interagieren könnt. Bedeutsame Elemente im Spiel werden durch die Angabe einer Codeleiste angezeigt. Das nervige Absuchen nach Hotspots war bei den alten Lucasfilm-Adventures noch gang und gäbe. Doch mal ehrlich, gerade dieses oftmals millimetergenaue Absuchen des Bildschirms braucht heutzutage kein Mensch mehr. Bei Cantaloop lassen sich alle bedeutsamen Gegenstände und Personen jedenfalls sofort ausfinden machen.

In Cantaloop werden Gegenstände durch Karten dargestellt.

Greift ihr nun auf das Inventar zurück, dürft ihr bislang gesammelte Gegenstände mit der Umwelt kombinieren. Als kleine Startausrüstung steht euch ein altes Mobiltelefon sowie eine Lupe zur Verfügung. Letztere werdet ihr in Cantaloop häufiger verwenden, denn mit ihr untersucht ihr Elemente vor Ort nun etwas genauer. Die Lupe funktioniert in etwa wie die „Look at“-Funktion aus Monkey Island.

Benutze Lupe mit Cantaloop

Die Lupe selbst kommt, wie viele andere Gegenstände auch, als Karte ins Spiel. Sie verfügt ebenfalls über eine Codeleiste, die ihr einfach nur mit den Codes der Gegenstände im Bild verbindet. Dabei entsteht eine vierstellige alphanumerische Abfolge, die ihr auf der linken Seite des Orts wiederfindet. Jetzt müsst ihr den Eintrag nur noch mit der Rotfolie sichtbar machen und schon erfahrt ihr nähere Informationen zum untersuchten Gegenstand.

Die Lupe kommt in Cantaloop häufig zum Einsatz. Mit ihr untersucht ihr Gegenstände vor Ort genauer.

Später dürft ihr natürlich auch versuchen, alle weiteren einkassierten Objekte an den unterschiedlichen Schauplätzen zu verwenden. Dabei ist allerdings der Einsatz von etwas Gehirnschmalz auf jeden Fall hilfreich. Genretypisch geht es in Cantaloop nicht nur um das Erleben einer spannenden Geschichte, sondern auch um das Lösen zahlreicher Rätsel. In Sachen Schwierigkeitsgrad bewegt sich das Spiel auf einem gesunden mittleren Niveau. Hanebüchene Puzzles, wie sie von Lucasfilm Games gerne mal verwendet wurden, findet ihr in Cantaloop eher selten.

Cantaloop mit dem Witz und Charme von Monkey Island

Hinter die Puzzles können wir also schonmal ein Häkchen in der Checkliste setzen. Doch wie sieht es mit der Story des Spiels aus? Da an dieser Stelle natürlich nicht gespoilert werden soll, sei von der Geschichte nicht zu viel verraten. Ihr schlüpft in die Rolle des Kleinkriminellen Oz „Hook“ Carpenter. Dieser hatte sich für ein paar Jahre ins Ausland abgesetzt und ist nun mit großen Plänen wieder in die Heimat zurückgekehrt. Ihn plagen finstere Rachegedanken gegen den Mann, der ihn damals verraten hat. Leider ist unser „Opfer“ der so ziemlich mächtigste Ganove der Stadt, mit dem man sich eigentlich besser nicht anlegen sollte. Jedenfalls nicht alleine. Es muss ein Team aus Spezialisten her, die dem Rivalen Paroli bieten können. Leider sind die potentiellen Verbündeten gerade etwas unpässlich, wie der Untertitel des Spiels „Einbruch in den Knast“ schon vermuten lässt…

Dialoge mit NPCs gehören zu einem guten Adventure, das gilt natürlich auch für Cantaloop.

Die Kleinkriminellen-Story nimmt sich allerdings nicht ganz so ernst, wie es vielleicht an dieser Stelle den Anschein macht. Der Humor kommt in Cantaloop jedenfalls nicht zu kurz. Damit steht das Spiel in der Tradition der alten Lucasfilm-Adventures oder der klamaukigen Sierra-Serien wie Leisure Suit Larry oder Space Quest. Sicherlich nicht die schlechtesten Vorbilder. Cantaloop bewegt sich also schon recht nah an den Computerspiel-Vorbildern. Damit handelt sich das Spiel allerdings auch die Nachteile des digitalen Unterhaltungsformats ein. Ein echtes Mehrspielererlebnis ist Cantaloop jedenfalls nicht. Das Spiel ist eigentlich nur für eine einzige Person ausgelegt. Wer mag, kann sich aber natürlich auch zu zweit vor das Buch setzen.

Cantaloop von Lookout Games ist für Spieler ab 16 Jahren geeignet. Als Gesamtspieldauer solltet ihr etwa 5-7 Stunden einplanen. Ihr findet das Spiel ab sofort zum Preis von etwa 25€ im Handel.

Fazit: Cantaloop steht in der Tradition klassischer Point-and-Click-Adventures. Die erfolgreiche Umsetzung hat sich die folgende Testwertung verdient.

Cantaloop steht in der Tradition klassischer Point-and-Click-Adventures. Die erfolgreiche Umsetzung hat sich die folgende Testwertung verdient.

Wenn sich Cantaloop wie ein echtes Point-and-Click-Adventure anfühlt, warum spielt man dann nicht gleich ein Point-and-Click-Adventure? Diese Frage ist natürlich berechtigt. Sicherlich, viele Abläufe ließen sich als digitale Version vereinfachen und verschlanken. Auf der anderen Seite ist es absolut faszinierend, dass sich ein doch recht komplexes Genre relativ originalgetreu in analoger Form umsetzen lässt. Autor Friedemann Findeisen scheint ein echter Fan der alten Lucasfilm-Titel zu sein. Cantaloop ist gewissermaßen eine Ehrerweisung an die Klassiker der 90er Jahre. Hätte Cantaloop denn auch als Computerspiel funktioniert? Auf jeden Fall! Zwar wäre die Spieldauer relativ kurz ausgefallen, aber in Sachen Logikpuzzles und Humor kann Cantaloop problemlos mithalten. Wenn ihr also mal wieder den Charme der 90er-Jahre-Adventures spüren möchtet, dann kommt ihr bei Cantaloop auf eure Kosten. Habt ihr um das Genre jedoch schon damals einen großen Bogen gemacht, werdet ihr vermutlich auch mit der analogen Variante nicht glücklich. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls schon auf den Nachfolger, der bei Lookout Games für den Winter 2021 bereits fest eingeplant ist.

ProCon
- erzeugt Point-and-Click-Atmosphäre- nur solo spielbar
- größtenteils logische Puzzles- Fortsetzung noch in weiter Ferne
- charmanter Humor
- ordentliche Spieldauer
- innovative Spielidee

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