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Capital Lux Generations im Test: Das variable Taktik-Brettspiel

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Von: Sebastian Hamers

Capital Lux Generations Frau Stadt Gebaeude Schachtel Cover Artwork Giant Roc
Capital Lux Generations erscheint über Giant Roc und kostet knapp 40€. © Giant Roc

Capital Lux Generations verspricht viel Abwechslung und 256 Kombinationen beim Spielaufbau. Echter Mehrwert oder Etikettenschwindel?

Wie viel Kohle seid ihr bereit für euer Hobby auszugeben? Spieler können problemlos mehrere hundert Euro im Jahr für ihre Games ausgeben. Und bleiben wir realistisch, die Preise für Brett- und Kartenspiele werden in der nächsten Zeit ganz sicher nicht gerade sinken. Inflation und steigende Rohstoffpreise machen auch vor der Brettspielwelt nicht Halt. Wer sich ein neues Spiel ins Regal stellt, wird künftig also vermutlich noch mehr darauf achten, möglichst viel Spielspaß aus seiner Anschaffung herauszuholen. Capital Lux Generations von Giant Roc hat – zumindest auf dem Papier – ganz gute Karten, ziemlich häufig auf den Tisch zu kommen. Dank des variablen Spielaufbaus ergeben sich 256 mögliche Varianten und Herausforderungen. Echter Mehrwert oder Etikettenschwindel? Wir haben Capital Lux Generations für euch auf den Prüfstand gestellt.

Die 256 taktischen Möglichkeiten von Capital Lux Generations

Schon klar, den variablen Spielaufbau hat Capital Lux natürlich nicht neu erfunden. Etliche moderne Brettspiele wollen mit austauschbaren Versatzstücken für noch mehr Abwechslungsreichtum in den Partien sorgen. Die Neuheit von Giant Roc verändert allerdings nicht nur ein paar Kleinigkeiten im Spielablauf, sondern dreht am ganz großen Rad. Ganze Aktionsabläufe werden komplett ausgetauscht, neu kombiniert und arrangiert. Doch beginnen wir am Anfang…

Capital Lux Generations Hauptstadt Einwohner Forscher Adlige Politiker Geistliche Karten
In Capital Lux Generations löst jeder Einwohner in der Hauptstadt eine Aktion aus. © Giant Roc

Das Spiel siedelt sich in der namensgebenden Stadt Lux an. Dort residieren vier Familien mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Politik, Geistlichkeit, Adel und Forschung. Über ihnen wacht der Imperator, der die Gesetze der Hauptstadt und der umliegenden Gemeinden diktiert. Nach seinen Regeln müssen alle Familien spielen, wenn sie sich in den Bezirken ansiedeln und möglicherweise gar vermischen. Kling erstmal ziemlich schwammig? Tatsächlich, denn das Thema ist eher locker aufgesetzt und nicht richtig greifbar.

Im Großstadtrevier von Capital Lux Generations

Im Spiel geht es vor allem darum, die Einwohner des Landes gemäß den Vorstellungen des Imperators in den Bezirken einzugruppieren. Dieser hat sich eine Maxime in den Kopf gesetzt: in der Hauptstadt Lux müssen sich immer mehr Einwohner ansiedeln, als in den Außenbezirken. Diese Außenbezirke werden von euch verwaltet. Jeder schnappt sich also ein persönliches Heimattableau, auf dem die Mitglieder der vier Familien im Spielverlauf sesshaft werden.

Capital Lux Generations Plaettchen Muenze Gold Karten Marker Spieler
Aktionsvielfalt in Capital Lux Generations, in jeder Partie kommen vier Aktionsplättchen zum Einsatz. © Giant Roc

In der Tischmitte befindet sich weiterhin ein Tableau für die Hauptstadt. Auch dort werden regelmäßig Einwohner eine neue Heimat finden, so ist es schließlich der Wille des großen Herrschers. Über drei schnelle Spielrunden hinweg werdet ihr Einwohnerkarten von der Hand spielen und diese entweder in die Hauptstadt oder euren Heimatbezirk spielen. Sowohl die Heimat als auch die Hauptstadt Lux ist in vier Bereiche unterteilt, die den Farben der Familien entsprechen. Jeder Einwohner muss in den für ihn vorgesehenen Bereich gespielt werden… zumindest vorläufig.

Capital Lux Generations mit einfachen Grundregeln

Jede Einwohnerkarte verfügt über einen Wert zwischen zwei und sechs Punkten. Wird ein Einwohner in den eigenen Bezirk gespielt, dann erhaltet ihr für diesen Siegpunkte. Leider werden diese aber erst am Ende des Spiels ausgeschüttet und es ist fraglich, ob dieser Einwohner bis dahin nicht längst wieder verzogen ist. Nach jeder der drei Spielrunden prüft der Imperator, ob sich alle Spieler brav an seine Regeln gehalten haben. Haben sich in einer der vier Regionen auf dem Heimattableau höhere Punktwerte versammelt als in der gleichen Region in der Hauptstadt, dann werden sämtliche Einwohner aus der Heimat vertrieben und gelangen auf den Abwurfstapel.

Capital Lux Generations Tableau Raketen Felder Zug
Die Entdeckerin bringt in Capital Lux Generations ein eigenes Tableau mit ins Spiel. © Giant Roc

Die Aufgabe ist somit klar definiert. In jedem Wohnbereich wollt ihr möglichst knapp unter dem Punktwert der Hauptstadt bleiben. Gelingt euch diese Mission am besten, erhaltet ihr am Rundenende dafür sogar einen kleinen Bonus. Aus dem Hauptstadtbezirk siedelt der Einwohner mit der höchsten Punktzahl in eure Heimat über. Der auf diese Art gewonnene Bewohner wird allerdings keinem Bereich zugeordnet, sondern separat beiseitegelegt. Seine Siegpunkte sind euch bereits sicher.

Bunte Aktionsmischung in Capital Lux Generations

Da die Einwohner der Hauptstadt der limitierende Faktor für die Größe der Heimatwelten sind, teilt ihr Lux ebenfalls regelmäßig neue Bürger zu. Spielt ihr eine Einwohnerkarte in die Hauptstadt, wird dort allerdings eine Aktion ausgelöst. Jeder der vier Hauptstadtbezirke wird vor Spielbeginn mit einem Aktionsplättchen versehen. Und diese bringen den ansonsten doch ziemlich klar strukturierten Spielablauf ganz schön durcheinander. Es ist an euch, wie ihr die Aktionsplättchen in den Hauptstadtbezirken anordnen möchtet. Für jeden Bereich stehen euch vier grundverschiedene Aktionen zur Verfügung.

Capital Lux Generations Infiltratorin Faust Karten Tableau Hauptstadt Flagge Fahne
Die Aktivisten stellen den Spielverlauf in Capital Lux Generations ziemlich auf den Kopf. © Giant Roc

Das Regelwerk macht euch zwar ein paar Vorschläge, welche Kombinationen besonders gut zusammen harmonieren, doch im Prinzip ist jede Zusammenstellung spielbar. Beispiele gefällig? Im Politik-Sektor hat das Aktionsfeld der Infiltratorin viel Spaß gemacht. Mit ihr kommen 22 neue Karten ins Spiel: die Aktivisten. Wird ein Einwohner in den blauen Hauptstadtbereich platziert, erhaltet ihr einen Aktivisten auf die Hand und versetzt zusätzlich die ebenfalls neu hinzugekommene Aktivistenflagge in einen belieben Farbbereich von Lux. Ab sofort dürfen sämtliche Einwohner nur noch in Bezirken der gewählten Farbe gespielt werden.

Aktionsplättchen wirbeln Grundstruktur von Capital Lux Generations auf

Der Schwarzseher könnte hingegen eine gute Wahl für den Bereich der Geistlichen sein. Mit ihm kommen sieben weitere Plättchen ins Spiel. Bei Aktivierung wird eines dieser Plättchen zufällig gezogen und offen ausgelegt. Die Plättchen zeigen Werte zwischen null und vier Punkten. Sobald der Gesamtwert von fünf Punkten überschritten wird, wandert der Einwohner mit dem niedrigsten Wert aus jeder Hauptstadtregion ab und landet auf dem Abwurfstapel. Wer zu knapp kalkuliert, wird den Schwarzseher schnell verfluchen.

Capital Lux Generations Marker Zahlen Tableau Schwarzseher Plaettchen
Wer in Capital Lux Generations zu knapp kalkuliert, wird den Schwarzseher bald verfluchen. © Giant Roc

Bei den Adligen drehen sich die Aktionen – thematisch stimmig – um Ruhm und Geld. Wird der Händler als Aktionsplättchen gewählt, dürft ihr euch beim Ausspielen von Einwohnern in den Adelsbereich über eine Goldmünze freuen. Diese kann am Rundenende eingesetzt werden, um das Einwohner-Limit in einer ausgewählten Region für sich persönlich um einen Punkt zu erhöhen. Eine ziemlich mächtige Aktion, die euch schnell mal den Arsch retten kann.

Capital Lux Generations mit Solo-Modus

Fehlt noch die Familie der Forschenden. Auch für sie liegt dem Spiel zusätzliches Material bei. Mit der Entdeckerin kommt ein separates Tableau mit kleinen Raketenaufstellern hinzu. Bei Nutzung der Forschungsaktion rückt eure Rakete voran und aktiviert das Feld, auf dem sie stehenbleibt. Es winken euch zusätzliche Einwohnerkarten, Bonus-Aktionen und sogar Siegpunkte.

Capital Lux Generations Rob Solo Modus Karten
Capital Lux Generations verfügt über einen schönen Solo-Modus mit kurzer Spieldauer. © Giant Roc

Je nachdem mit welchen Aktionsplättchen ihr die Partie bestreitet, verändert sich somit das Spielmaterial immer ein wenig. In der Schachtel befinden sich allerdings noch vierzehn weitere Karten, die keiner Aktion zugeteilt sind. Sie sind für den Solo-Modus reserviert, bei dem ihr gegen ROB antretet und am Ende der Partie eure Bewertung auf einer Skala ablest. Funktioniert wunderbar und spielt sich vor allem auch sehr flott.

Capital Lux Generations ist für ein bis vier Spieler ab zehn Jahren geeignet. Das Spiel erscheint über Giant Roc und ist ab sofort im Handel zum Preis von knapp 40€ zu finden. Ebenfalls zu bekommen sind bereits die Untergrund- sowie die Königreich-Erweiterung. Letztere bringt euch drei frische Module, während der Untergrund die maximale Zahl der Mitspieler auf fünf erhöht.

Fazit: Capital Lux Generations erfüllt die Anforderungen des Imperators und verdient sich damit diese ingame-Testwertung

Wertungsgrafik Capital Lux Generations
Capital Lux Generations glänzt durch viel Abwechslungsreichtum und verdient sich damit diese taktisch flexible ingame-Testwertung. © ingame.de

Eine besondere Abwechslungsvielfalt haben schon viele Brettspiele versprochen. Capital Lux Generations bietet diese jedoch tatsächlich. Während sich die wirklich sehr einfachen Grundregeln in strukturierten Bahnen bewegen, bringen erst die Aktionsplättchen die nötige Würze ins Spiel. Die vom Regelheft empfohlene Aktionskombination für die Erstpartie spielt sich entspannt und flüssig. Tauscht ihr die ein oder andere Komponente aus, wird aus Capital Lux Generations allerdings schnell ein kopflastiges Taktikspiel, das zum intensiven Grübeln einlädt. Doch selbst in einer komplexen Ausrichtung spielt ihr eine Partie in überschaubarer Spieldauer runter. Das Spiel ist angenehm kurz, so dass ihr auch die Möglichkeit habt, viele Kombinationen durchzuprobieren. Das sich ständig ändernde Spielmaterial trägt dabei natürlich ebenso einen Anteil, um die Langzeitmotivation hochzuhalten. Schnell erklärt, taktisch variabel, hoher Wiederspielreiz und als Bonus gibt es noch einen ordentlichen Solo-Modus… so zahlt sich die Investition von knapp 40€ für Capital Lux schnell aus. Guter Deal!

ProCon
+ einfache Grundregeln- Thema ziemlich oberflächlich
+ sehr variabel spielbar- oft ziemlich grübellastig
+ guter Solo-Modus
+ taktisch fordernd
+ hohe Wiederspielwert

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