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Ungewöhnlich für Amigo: Carnival of Monsters erscheint im großen Karton.

Neues vom Magic-Erfinder

Carnival of Monsters im Test: Richard Garfield schickt die Monster los

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Ihr durchstreift die Welt auf der Suche nach fantastischen Kreaturen. Sie sollen Teil eurer Ausstellung werden beim Carnival of Monsters. Das Brettspiel im Test.

Richard Garfield? Klingelt da etwas bei euch? Inzwischen sind bereits über 25 verstrichen, seitdem der Spieleautor mit Magic: The Gathering den Sammelkarten-Boom losgetreten hat. Auch wenn Magic sicherlich den größten Impact auf die Spielewelt genommen hat, ist der US-amerikanische Kreativkopf in den vielen Jahren nie zur Ruhe gekommen. Zahlreiche Spiele gehen auf sein Konto, darunter auch ein paar besondere Highlights wie Netrunner, King of Tokyo oder Keyforge. Sein neuestes Werk Carnival of Monsters tauchte bereits 2017 in den Schlagzeilen auf. Nach langer Entwicklungszeit und einer abgebrochenen Kickstarter-Kampagne ist das Spiel nun beim deutschen Spieleverlag Amigo gelandet. Das Ergebnis der redaktionellen Aufarbeitung könnt ihr jetzt selbst bestaunen. Carnival of Monsters ist endlich im Handel verfügbar.

In gewisser Weise ist Richard Garfield ein wenig zu seinen Magic-Wurzeln zurückgekehrt. Es ist jedoch kein Sammelkartenspiel geworden, das euch ständig mit neuen Booster-Päckchen in Verlockung führt. Im Gegenteil, sämtliche verfügbaren Karten, und das sind eine ganze Menge, bekommt ihr als Gesamtpaket serviert. Dennoch weist das Spiel einige Parallelen zu Garfields Klassiker auf.

Friedvolles Magic?

Im Kern dreht sich alles um das Ausspielen von Kreaturen. Um die Monster ins Spiel zu bringen, benötigt ihr passende Länderkarten. Das Ganze läuft genau wie bei Magic ab. Ihr aktiviert ein Land, erhaltet dafür Manapunkte, die ihr sogleich wieder in die Beschwörung einer Kreatur investiert. In Carnival of Monsters werden Mana- durch Landpunkte ersetzt, die Monster werden außerdem nicht beschwört, sondern gefangen. Das Spielprinzip bleibt aber gleich.

Ungewöhnlich für Amigo: Carnival of Monsters erscheint im großen Karton.

Mit den Monstern verfolgt ihr allerdings ein vollkommen anderes Ziel. Statt sie euren Feinden auf den Hals zu hetzen, sperrt ihr sie hinter Gitter, um sie der Königlichen Monstrologischen Gesellschaft im Rahmen des jährlichen Banketts zu präsentieren. Es gewinnt der Spieler, der das eindrucksvollste Monster-Kabinett zusammengestellt hat. Bevor Carnival of Monsters in dieses furiose Finale mündet, stehen euch vier Runden zur Verfügung, die ihr vor allem in die Jagd nach Kreaturen investieren solltet.

Drafting statt Deckbau

Ein separates Deck mit eigenen Kreaturen erhaltet ihr in Carnival of Monsters nicht. Ihr beginnt das Spiel mit acht Handkarten, die ihr vom dicken Stapel mit 206 Carnival-Karten nehmt. Ihr entscheidet euch für eine Handkarte und gebt die verbleibenden Karten an den nächsten Spieler weiter. Bevor ihr die Karten eines anderen Spielers aufnehmt, müsst ihr euch jedoch entscheiden, was ihr mit der gewählten Karte anstellen möchtet.

Reichlich Kronen für die Monsterjäger. Die Bank und der Nachziehstapel wird in der zentralen Auslage verwaltet.

Hier bieten sich zwei Optionen. Entweder spielt ihr die Karte direkt aus oder aber ihr bunkert sie für spätere Runden. Zu Beginn des Spiels sind eure Möglichkeiten noch arg reduziert. Ausgerüstet mit nur zwei Startländern, lassen sich keine großen Sprünge machen. Viele Kreaturen erfordern den Einsatz gleich mehrerer Landpunkte. Es kann also nicht schaden, erstmal ein paar Länder auszulegen. Sie kommen ohne weitere Kosten ins Spiel uns sichern euch die Versorgung mit Landpunkten. Liegen erstmal ein paar Länderkarten vor euch aus, habt ihr später bessere Chancen, auch mal wertvollere Kreaturen auszuspielen.

Spielen oder zahlen

Könnt oder wollt ihr die gewählte Karte nicht sofort ausspielen, dürft ihr sie auch für einen späteren Einsatz aufheben. Dies geht jedoch auf Kosten eures Barvermögens. Jede gesicherte Karte kostet euch eine Krone. Pikanterweise dürft ihr keine Karte einfach abwerfen. Manchmal müsst ihr deshalb in den sauren Apfel beißen und eine völlig nutzlose Karte mit einer Krone bezahlen. Das finanzielle Polster ist in Carnival of Monsters oftmals ziemlich dünn. Geht euch mal die Kohle aus, müsst aber trotzdem eine Karte für spätere Züge sichern, kommt ihr um eine Kreditaufnahme nicht herum. Ihr nehmt euch drei Kronen aus der Bank, sowie die Karte „Kleinkredit“. Jede Kleinkredit-Karte beschert euch am Spielende eine Einbuße von fünf Siegpunkten.

Jeder Spieler bekommt ein eigenes Tableau. Rundherum baut sich der Fortschritt eures Monster-Kabinetts auf.

Die Kronen könnt ihr aber nicht nur zum Aufheben von Karten verwenden, sondern sie auch in neue Mitarbeiter investieren. Manchmal wandert ein solcher potentieller Mitarbeiter bei euch auf die Hand. Mit dem nötigen Kapital lässt sich der Mitarbeiter einstellen. Ihr legt die Karte vor euch aus und erhaltet so einen dauerhaften Vorteil. Es gibt beispielsweise ein paar mutige Entdecker, die euch einen Landpunkt einer beliebigen Region einbringen.

Aufstand der Kreaturen

Erst wenn ihr eine Karte ausgespielt oder für später gesichert habt, nehmt ihr die verbleibenden Handkarten des benachbarten Mitspielers auf. Dann wiederholt sich der Vorgang. Die Saison endet erst, wenn alle Handkarten ausgespielt oder gesichert wurden. Die Auswahlmöglichkeiten werden Runde für Runde geringer, was euch so manche harte Entscheidung abfordert. Manchmal bleibt gar keine wirklich gut verwertbare Karte übrig. Dennoch müsst ihr euch für eine von ihnen entscheiden. Das führt dann leider auch manchmal zur zwangsläufigen Aufnahme eines Kleinkredits.

Eure gefangenen Monster werden zum Finale beim Bankett der Königlichen Monstrologischen Gesellschaft präsentiert.

Wurden alle Karten verteilt, endet die Saison. Bevor die erste Zwischenwertung erfolgt, kommt es aber zum Aufstand der Monster. Ein paar Kreaturen sind tatsächlich aufsässig und wehren sich gegen ihre Gefangenschaft. Sie sind mit einem oder gleich mehreren Gefahrensymbolen markiert. Per Würfelwurf dürft ihr nun versuchen, die Flüchtigen wieder einzufangen. Dazu werft ihr die drei königlichen Jägerwürfel und versucht möglichst viele Käfigsymbole zu erzielen. Jetzt sollte es euch bestenfalls gelingen, die Gefahrensymbole mit den Käfigen zu egalisieren. Andernfalls schlagen die ausgebrochenen Kreaturen alles kurz und klein. Die Rechnung für den Schaden geht auf eure Rechnung. Jedes Gefahrensymbol, das ihr nicht mit einem Käfig ausgleichen konntet, kostet euch drei Kronen. Gefährliche Monster bringen zwar viele Siegpunkte ein, sind somit aber auch immer ein Spiel mit dem Feuer.

Saisonabschluss

Nachdem ihr die Aufstände der Monster niedergeschlagen habt, folgt nun endlich die erste Zwischenwertung. In jeder Saison sind die Kreaturen aus einer bestimmten Region bei der Königlichen Monstrologischen Gesellschaft besonders gefragt. Wenn ihr im Saisonverlauf die wertvollste Sammlung dieser Kreaturen gefangen habt, winken euch ein paar Bonuspunkte. Im Anschluss folgt gleich die nächste Saison, in der ihr wieder acht frische Handkarten erhaltet.

Am Ende jeder Saison findet eine Zwischenwertung statt.

Alle gefangenen Kreaturen der Vorsaison wandern auf den persönlichen Ablagestapel. Die erzielten Siegpunkte rechnet ihr erst nach Abschluss der vierten Saison zusammen. Die ausgelegten Länder bleiben hingegen im Spiel. Alle aktivierten Länderkarten könnt ihr in der neuen Saison erneut einsetzen. So stehen euch mit fortschreitender Spieldauer immer mehr Möglichkeiten zur Verfügung.

Events und geheime Aufträge

Ein großer Teil der Carnival-Karten besteht aus Monstern und Ländern. Hinzu kommen noch die bereits erwähnten Mitarbeiter. Komplettiert wird das Set mit einigen Event-Karten und geheimen Zielen. Events sind einmalige Effekte. Sie bringen euch Belohnungen, oft abhängig von bestimmten Gegebenheiten. Spielt ihr die Karte „Führung in die Höhlen“, erhaltet ihr eine Krone pro ausliegender Höhlen-Landschaft. Über Events könnt ihr aber auch Käfigmarker erhalten, die euch am Saisonende beim Einfangen der gefährlichen Monster helfen.

Geheime Ziele bewahrt ihr hingegen bis zum Spielende auf. Ihr müsst die Karte also auf Kosten einer Krone einbunkern. Erst bei der finalen Wertung werden die geheimen Ziele gelüftet. Wieder werden Siegpunkte ausgeschüttet. Auch hier gibt es in der Regel Siegpunkte für das Erreichen bestimmter Ziele. Sammelt ihr frühzeitig die geheimen Ziele ein, könnt ihr eure weitere Strategie etwas danach ausrichten.

Das Jahresbankett zum großen Finale

Nach vier Saisons wird dann auch endlich das Bankett der Königlichen Monstrologischen Gesellschaft eröffnet. Eure gefangenen Kreaturen können von den Mitgliedern begutachtet und bewundert werden. Der Besitzer der wertvollsten Sammlung wird prämiert und zum Sieger der Partie gekürt. Die meisten Siegpunkte kommen durch die gejagten Monster zusammen. Doch auch die geheimen Ziele können letztlich den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen.

Für ein paar Kronen könnt ihr Mitarbeiter einstellen. Sie helfen euch bei der Jagd nach Monstern.

Carnival of Monster wird für zwei bis fünf Spieler ab zwölf Jahren empfohlen. Die Regeln sind jedoch eingängig genug, dass sich auch jüngere Spieler schnell zurechtfinden. Das Spiel sollte inzwischen problemlos im Handel zu finden sein und kostet zwischen 30€ und 35€.

Fazit: So monströs ist die Wertung von Carnival of Monster

So schneidet Carnival of Monsters, das neue Spiel des Magic-Erfinders, bei uns ab.

Das lange Warten hat sich gelohnt. Carnival of Monsters steht endlich im Handel und hinterlässt optisch direkt einen fantastischen Eindruck. Kein Wunder, für die Illustration des Spiels konnten gleich mehrere prominente Künstler gewonnen werden: Dennis Lohausen, Franz Vohwinkel und Michael Menzel sind nur einige der Illustratoren, die Carnival of Monsters zu einem echten Hingucker machen. Gepaart mit dem Erfindergeist von Richard Garfield… da kann doch nichts schiefgehen, oder? Wer ein Magic: The Gathering 2.0 erwartet hat, wird wohl ziemlich enttäuscht. Carnival of Monsters läuft fast komplett konfliktfrei ab. Es gibt kaum Möglichkeiten, seine Mitspieler zu ärgern. Mit den gefangenen Monstern lassen sich tatsächlich keine Angriffe durchführen. Ihr nehmt sie gefangen, nur um sie zum Finale auf dem Bankett zu präsentieren, das war’s. Interaktion kommt lediglich durch die das Weitergeben der Handkarten zustande. Dadurch könnt ihr euren Mitspielern die ein oder andere Karte wegschnappen. Sonst seid ihr aber überwiegend auf die Optimierung eures Monster-Kabinetts fokussiert. Wenn ihr euch darauf einlassen könnt, bietet euch Carnival of Monsters aber viele spannende Momente. Heiß erwartet wird meist die Gefahrenprobe, bei der sich herausstellt, ob die gefährlichen Monster unfallfrei wieder eingefangen werden können. Es gibt ärgerliche Momente, wenn unerwartet Kredite aufgenommen werden müssen. Aber es kommt auch zur Glückmomenten, wenn ihr etwa einen Mitarbeiter auf die Hand bekommt, der besonders gut zur eingeschlagenen Strategie passt. Im späteren Spielverlauf entwickelt sich eine spannende Dynamik, wenn sich eure Spieloptionen vergrößern und ihr die ein oder andere knifflige Entscheidung fällen müsst. In unseren Spielrunden haben wir nach Abschluss des Spiels immer noch rege über den Verlauf der Partie diskutiert: ein ziemlich sicherer Indikator, dass uns Carnival of Monsters emotional erreicht hat.

PROS

CONS

+ tolles Artwork

- wenig Interaktion

+ eingängige Regeln

+ mit leichten Magic-Anteilen  

+ fordert knifflige Entscheidungen 

+ spannende Monsteraufstände

+ wertiges Spielmaterial

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